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Wie alt ist der Nautilus? |
![]() Zirrenkrake oder Kleiner Octopus (Eledone cirrhosa): Pembrokeshire, Wales, UK. Bild: Phil Newman (iNaturalist) |
| Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4 |
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| Artenzahlen der Mollusca, verteilt auf Untergruppen, prozentual. Quellen: WoRMS: MolluscaBase eds. (2025): Mollusca Linnaeus, 1758. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Klasse Cephalopoda Cuvier, 1795 |
![]() Mehrere Exemplare von Lessons Riffkalmar (Sepioteuthis lessoniana): Seychellen. Bild: David Kimr (iNaturalist) |
Die Bezeichnung Kopffüßer rührt von dem charakteristischen Körperbau dieser Tiergruppe her: Der Körper eines Kopffüßers besteht aus Kopf und Eingeweidesack mit mehreren armähnlichen Anhängen, Füßen oder Fangarmen. Diese setzen am Kopf an, woher der Name, aus dem griechischen κεφαλή (kephalē): Kopf und ποδ- (pod-): Fuß stammt. Während Aristoteles noch den Namen Polypus (πολύπους (polýpous): Vielfüßer) für sie prägte, wurde der daraus entstandene Begriff Polyp später nurmehr für die junge Generation der Hohltiere (Cnidaria), wie z.B. Quallen, verwendet. Georges Cuvier prägte schließlich 1797 den Begriff Cephalopoda für die Gruppe.
Die Zahl der namengebenden Fangarme ist bei den verschiedenen Gruppen der Kopffüßer unterschiedlich: Während die urtümlichen Perlboote eine große Anzahl von bis zu 90 Fangarmen besitzen, verfügen Kraken nur über deren acht, die mit Saugnäpfen besetzt sind. Den Sepien und Kalmaren hingegen stehen zwei weitere, deutlich längere Fangarme zur Verfügung, während die übrigen acht kürzeren Arme nur als Greifarme verwendet werden.
Früher wurden die Kopffüßer in zwei "moderne" Gruppen, wenig überraschend nach der Zahl ihrer Fangarme, unterschieden - die Decabrachia (Zehnarmige Tintenfische), unter diesen die Kalmare und Sepien, und Octobrachia (Achtarmige Tintenfische) mit den Kraken und verwandten Arten. Diesen entgegengestellt wurde die offensichtlich sehr alte Gruppe der Perlboote oder Nautilus-Ähnlichen.
Wie die nebenstehende (vereinfachte) Systematik zeigt, ist die Einteilung in dieser Form jedoch nicht mehr aktuell und, obwohl die Systematik der Kopffüßer noch nicht vollständig erforscht ist, soll hier die heutige Sicht laut MolluscaBase (2025) dargestellt werden. Dabei sollte allerdings auch erwähnt werden, dass MolluscaBase eine dynamische Datenbank ist, die sich mit neueren Erkenntnissen verändern kann. So werden die Kopffüßer heute in phylogenetische Gruppen eingeteilt.
Auf nachfolgenden Seiten sollen vier große Gruppen innerhalb der Kopffüßer in größerem Detail behandelt werden, und zwar die Kraken (Octopodidae), die Kalmare (Loliginidae), die Sepien (Sepiidae) und die Perlboote (Nautilidae). Diese vier unterscheiden sich erheblich in ihrem Entwicklungsweg und in ihrer Lebensweise: Während die Kraken vorwiegen am Ozeanboden (benthisch) und die Sepien nahe dem Ozeanboden leben, aber im Allgemeinen deutlich mobiler sind, leben die Kalmare, ähnlich wie viele Fische, im freien Wasser (pelagisch).
![]() Perlboot (Nautilus pompilius), Frontalansicht: Bru- gelette, Belgien. Bild: Hans Hillwaert (Quelle). |
Dem entgegen steht die unter den rezenten Kopffüßern heute dominante Gruppe der Coleoidea, eingeteilt in die zehnarmigen Decapodiformes und die achtarmigen Octopodiformes:
Äußerlich unterscheiden sich die beiden wichtigsten Gruppen der Coleoidea neben ihrer Lebensweise vor allem durch die Zahl ihrer Fangarme: Kraken haben, wie ihr Name Octopus (griechisch Achtfüßer) schon besagt, acht Fangarme, die sämtlich mit Saugnäpfen besetzt sind. Kalmare und Sepien hingegen haben zehn Fangarme, davon acht kurze mit Saugnäpfen besetzte, und zwei lange, die nur am Ende keulenartig verbreitert sind und Saugnäpfe tragen.
Zur Gruppe der Decapodiformes gehören die zehnarmigen Kopfüßer. Zu diesen gehört einerseits die Ordnung Sepiida mit den Sepien oder "eigentlichen" "Tintenfischen" (Sepiidae). Zur Ordnung Myopsida gehören andererseits die "eigentlichen" Kalmare (Loliginidae). Zwar ist beiden gemeinsam, dass sie zusätzlich zu den acht Greifarmen auch zwei weitere stark verlängerte Fangarme besitzen, jedoch unterscheiden sie sich im Erscheinungsbild und in der Lebensweise stark:
![]() Gewöhnlicher Tintenfisch (Sepia officinalis): Zakynthos, Griechenland. Bild: Falk Viczian (iNaturalist) |
![]() Gewöhnlicher Tintenfisch (Sepia officinalis): Girona, Katalonien, Spa- nien. Bild: Ealcaniz (iNaturalist) |
![]() Karibischer Riffkrake (Sepioteuthis sepioidea): Virgin Islands. Bild: Monica Schandel (iNaturalist)) |
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![]() Pfeilkalmar (Ommastrephes bartramii): Südöstlich von Kyushu, Japan. Bild: Maksim Stefanovich (iNaturalist)) |
Zur Ordnung der Oegopsida andererseits gehören zum einen die größten bekannten rezenten Kopffüßer, wie der Riesenkalmar (Architeuthis dux, Familie Architeuthidae) und der Kolosskalmar (Mesonychoteuthis hamiltoni, Familie Cranchiidae). Riesenkalmare, die auch in die tiefsten Regionen des Meeres vordringen, können über 25 m lang werden, wobei allerdings der größte Teil auf die Fangarme entfällt und der eigentliche Körper nur etwa 6 bis 8 m lang wird.
Zum anderen gehören zu ihnen die schnellen Pfeilkalmare (Ommastrephidae, s.u.), die sich in Schwärmen äußerst schnell durchs Wasser fortbewegen können und auf der Suche nach Beute oder auf der Flucht vor Feinden sogar in der Lage sind, für bis zu 30 m durch die Luft zu gleiten, weshalb sie auf Englisch auch als "flying squids" bezeichnet werden (vgl. Fortbewegung). Zu den Pfeilkalmaren gehört aber auch eine andere, sehr große Kalmar-Art, der Humboldtkalmar (Dosidicus gigas).
Unter den rezenten achtarmigen Kopffüßern (Octopodiformes) sind hingegen nur die so genannten Riesenkraken (Enteroctopodidae, s.o.) mit dem unter anderem in Kalifornien vorkommenden Pazifischen Riesenkraken (Enteroctopus dofleini), der eine Spannweite von 9,5 m erreichen kann, relativ groß geworden.
Auf der anderen Seite umfasst die Gruppe der Octopodiformes die achtarmigen Kopffüßer, die allerdings ihrerseits in mehrere unterschiedliche Gruppen eingeteilt werden:
Der Vampirtintenfisch aus der Hölle
Trotz seines wissenschaftlichen Namens, wörtlich "Vampir-Tintenfisch aus der Hölle", ist dieser Kopffüßer nichts davon: Vampyroteuthis is kein Vampir, sindern lebt von Detritus. Er ist auch kein Tintenfisch, denn wie die meisten in der Tiefsee lebenden Kopffüßer besitzt er keine Tintendrüse. Er ist weder ein Kalmar noch ein Krake, sondern als lebendes Fossil zwischen diesen Gruppen anzusiedeln. Vampyroteuthis lebt in der Tiefsee des Pazifiks und kann mit den Spitzen seiner acht Tentakel biolumineszentes Licht erzeugen. Quelle: Mandy Reid: "Scary by name but not by nature", Australian Museum Research Institute (2020, abgerufen 06.05.2026). |
Klaus Taschwer (DerStandard.at,
2015): "Die
dunklen Geheimnisse von Vampyrotheutis infernalis". (Abgerufen: 08.05.2026).
Mandy Reid: "Scary
by name but not by nature", Australian Museum Research Institute (2020,
abgerufen 06.05.2026).
Die fossile Sachlage sieht hingegen anders aus: Erst unlängst (2025) wurde der sehr große fossile Kopffüßer Nanaimoteuthis haggarti aus der späten Kreidezeit (vor ca. 100 bis 72 Mio. Jahren, vgl. Erdzeitalter) entdeckt. Von diesen fossilen Kopffüßern ist nur der versteinerte Schnabel bekannt. Extrapoliert man dessen Größe auf die mögliche Größe des lebenden Tiers, so könnte Nanaimoteuthis mit einer Länge nur des Mantels von bis zu 19 m noch größer gewesen sein als ein heutiger Riesenkalmar (Architeuthis dux). Während man anfangs noch davon ausging, es handle sich um einen fossilen Riesenkraken, geht die Vermutung inzwischen eher dahin, dass es sich nicht um einen Vertreter der Cirrenkraken (Cirrata, s.u.), sondern vielmehr um einen Vertreter der Vampirtintenfische handelt, der sich allerdings in seiner Lebensweise sehr stark vom heutigen Vampirtintenfisch unterschied und möglicherweise zu den Spitzenprädatoren seiner Zeit gehörte.
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| Merkur.de: "Wir beginnen gerade erst zu sehen" - Forscher entdecken Urzeitmonster aus dem Meer. (Abgerufen: 17.05.2026). | |
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| Ikegami, S. et al. (2026): "Earliest octopuses were giant top predators in Cretaceous oceans". Science 392 (6796), S. 406-410. (Abstract, abgerufen: 17.05.2026). |
![]() Tiefsee-Oktopus (Graneledone boreopacifica?) in 2500 m Tiefe auf dem Galapagos-Rücken im Pazifik. Bild: NOAA (NOAA Photo Library). |
Ebenfalls zu den Octopoda gehört die bemerkenswerte Gruppe der Papierboote (Argonautidae). Obwohl sie nur über acht Arme verfügen, besitzen die weiblichen Papierboote dennoch eine äußere Schale. Jedoch wird diese erst nachträglich mit einem Arm hergestellt und entsteht nicht im Verlauf der Entwicklung des Tieres, wie beim Nautilus und vielen anderen Weichtieren.
Mehrere Arten der Octopoda leben im Ozean in großer Tiefe. Zwei Beispiele sind hier der Tiefsee-Oktopus (Graneledone boreopacifica), der auf fast 2000 m Tiefe beobachtet wurde und sich durch eine besonders lange Brutfürsorge auszeichnet, und der Vulkan-Oktopus (Vulcanoctopus hydrothermalis), der, wie sein Name schon sagt, in noch größerer Tiefe (ca. 2600 - 2837 m) an hydrothermalen Quellen (hot vents) am ostpazifischen Rücken im Pazifik gefunden wurde, ähnlich wie die Schuppenfußschnecke (Chrysomallon squamiferum).
Dort macht er Jagd auf die verschiedenen anderen Tiere, die sich ebenfalls an diesen möglicherweise lebensfeindlichsten Lebensraum der Erde angepasst haben. Systematisch gehört er zur Familie Enteroctopodidae, ebenso wie die größte rezente Krakenart, der Pazifische Riesenkrake (Enteroctopus dofleini).
OctoNation:
Vulcanoctopus. (Abgerufen: 09.05.2026).
Auralis und
Natural World Facts:
The Most
Extreme Ecosystem on Earth. (
YouTube Video, abgerufen:
06.05.2026).
MolluscaBase:
Vulcanoctopus González
& Guerra,
1998. (Abgerufen: 09.05.2026).
Obwohl die meisten Kopffüßer anderen Weichtieren aufgrund ihrer Anpassung an ihre Lebensweise nur sehr wenig ähneln, charakterisiert der Bauplan ihres Körpers sie dennoch als Weichtiere:
![]() Gewöhnlicher Tintenfisch (Sepia officinalis): Marseille, Frankreich. Bild: Floroux (iNaturalist) |
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![]() Schulp eines Gewöhnlichen Tintenfisch (Sepia officinalis): Thessaloniki, Griechenland. Bild: Kostas Zontanos (iNaturalist). |
Die Fortbewegung der Kopffüßer.
Den Kopffüßern, wie anderen Weichtieren, fehlt sowohl ein inneres als auch ein äußeres Skelett aus Knochen oder Skelettplatten. Stattdessen besitzen Kopffüßer ein so genanntes hydrostatisches Skelett (Hydroskelett): Die Körperwand zusammen mit der mit Flüssigkeit gefüllte Körperhöhle dienen als Stützgerüst, gegen das die Muskeln arbeiten, um Bewegung und Formveränderung zu ermöglichen. Dies verschafft den Kopffüßern eine bemerkenswerte zusammen mit dem hoch entwickelten dezentralen Nervensystem eine erstaunliche Flexibilität und besondere Möglichkeiten, sich zu tarnen.
![]() Perlboot (Nautilus pompilius): Brugelette, Belgien. Bild: Hans Hillwaert (Quelle). Rechts: Geöffnete Schale von Nautilus pompilius. Bild: Anne Laudisoit (iNaturalist). |
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Zudem ist sie in einzelne Kammern geteilt, die das Perlboot mittels des so genannten Siphunculus zur Kontrolle seines Auftriebs nutzt (Bild rechts). Dadurch kann der Nautilus den Wasser- und Gasgehalt in den Kammern steuern, ähnlich wie dies heutige U-Boote tun.
Dies scheint auch der ursprüngliche Grund zu sein, aus dem sich die Kopffüßer überhaupt entwickelt haben: Die ersten urtümlichsten Kopffüßervorfahren aus der Übergangszeit zwischen Präkambrium und Kambrium (vgl. Erdzeitalter) entwickelten eine revolutionäre Methode, ihre Schale für Auftrieb im Wasser zu nutzen und sich so vom Ozeanboden zu lösen.
PBS Eons:
How the
Squid Lost Its Shell. (
YouTube Video, abgerufen: 09.05.2026).
Fossile Geschichte und Paläontologie.
Andere Schalen tragende Kopffüßer sind unter den fossilen Vertretern zu finden: Bekannt sind beispielsweise die Ammoniten mit einer gewundenen runden Schale, die in großer Artenzahlen die Meere des Jurazeitalters bevölkerten und die so genannten Belemniten aus denselben Zeitaltern der Erdgeschichte, deren gerade, ungewundene Schalen auch als Donnerkeile bezeichnet werden, nach den Blitzen, die Zeus in der griechischen Mythologie zu schleudern pflegte. Andere geradschalige (orthokone) fossile Kopffüßer sind die riesenhaften Cameroceras aus dem deutlich früheren Ordovizium (vgl. Erdzeitalter). Im Gegensatz zu ihren schalenlosen Verwandten sind die Schalen tragenden Kopffüßer natürlich deutlich häufiger als Fossilien zu finden, nachdem von ersteren meist höchstens der papageienähnliche Schnabel (vgl. Ernährung) fossil zu finden ist.
Mit Ausnahme der Perlboote (Nautilida) zeigen die übrigen rezenten Kopffüßer eine starke Tendenz zur Reduktion der Schale:
Die größte innere Schale besitzen die zehnarmigen so genannten "Tintenfische" der Sepien (Sepiidae, Ordnung Sepiida). Die auch als Schulp bekannte Schale der Sepien wird oft am Strand angeschwemmt, nachdem der Weichkörper zerfallen ist, und wird von Vogelbesitzern gerne als Schnabelwetzstein im Vogelkäfig und von Schneckenhaltern als Kalkquelle im Terrarium verwendet. Außer zur Stabilisierung des Mantels wird der Schulp der Sepien allerdings auch zur Regulierung des Auftriebs genutzt.
Im Gegensatz dazu steht die deutlich zurückgebildete innere Schale der ebenfalls zehnarmigen Kalmare (Loliginidae, Ordnung Myopsida). Während der dicke Schulp der Sepien noch verkalkt ist, besteht die innere Schale der Kalmare aus einem hornähnlichen Material. Wegen ihrer äußerlichen Ähnlichkeit mit dem Schwert eines römischen Legionärs bezeichnet man sie auch als Gladius.
Die höchstentwickelten heutigen Kopffüßer hingegen, die achtarmigen Kraken (Ordnung Octopoda), besitzen im Gegensatz dazu gar keine Schale mehr, weder eine innere noch eine äußere. Darin sind sie vergleichbar mit Landnacktschnecken, wie den Wegschnecken (Arionidae), denen eine Schale völlig fehlt, im Gegensatz etwa zu den Schnegeln (Limacidae), die wie die Sepien und Kalmare noch einen kleinen inneren Schalenrest besitzen.
Eine Ausnahme scheinen die so genannten Papierboote (Argonauta) darzustellen: Sie gehören zwar zu den zu den Krakenverwandten (Octopoda), besitzen jedoch eine dünne, papierartige Schale. Jedoch ist diese eine sekundäre Bildung und der ursprünglichen Schale der Weichtiere nicht homolog. Zudem können Papierboote auch außerhalb ihrer Schale überleben, im Gegensatz etwa zu einem Nautilus.
![]() Kalmare (Hier Lessons Riffkalmar Sepioteuthis lessoniana) haben im Ver- gleich zum Kopf gigantische Augen: Rotes Meer, Westküste, Ägypten. Bild: Jean-Paul Cassez (iNaturalist). |
Die Entwicklungsstufe der Augen bei den Kopffüßern ist jedoch nicht einheitlich. So findet man bei den urtümlichen Perlbooten noch so genannte Lochkamera-Augen, die nach dem Prinzip einer Camera obscura funktionieren, bei dem die Augenöffnung so stark verkleinert wird, dass auch ohne Linse ein Bild auf die Netzhaut projiziert werden kann. In der betreffenden Folge der BBC-Reihe "Walking with Dinosaurs - Sea Monsters" werden solche auch für den riesigen Kopffüßer Cameroceras aus dem Ordovizium (vgl. Erdzeitalter) postuliert, gegen den Nigel Marven sich im Film zur Wehr setzen kann, indem er ihm ins Auge leuchtet.
Im Gegensatz dazu verfügen die "modernen" Kopffüßer - Sepien, Kalmare und Kraken - jedoch über hoch entwickelte Linsenaugen. Die Augen des Riesenkalmars (Architeuthis dux), der erst in der jüngeren Geschichte bekannt geworden ist, nachdem seine Existenz zuvor nur vermutet werden konnte, gehören mit 25 bis 30 cm Durchmesser zu den größten bekannten Augen im Tierreich: Riesenkalmare leben vorwiegend in der lichtlosen Tiefsee, wo die einzige Lichtquelle Biolumineszenz ist. Ein Riesenkalmar kann einen Pottwal auf über 100 m Entfernung erkennen: Das ist zwar weniger ist als die Reichweite des Pottwal-Sonars, verschafft dem Kalmar aber eine gute Chance, zu entkommen.
Im Gegensatz dazu setzt der Kolosskalmar (Mesonychoteuthis hamiltoni) vermutlich sogar selbst Biolumineszenz ein, um in der Finsternis der antarktischen Tiefsee Bedrohungen und Beute besser erkennen zu können.
ARD Alpha:
Den Riesenkalmar gibt es in der Tiefsee wirklich. (Abgerufen: 27.04.2026).
Science.orf.at:
Augen groß wie Basketbälle. (Abgerufen: 01.05.2026).
Nilsson,
D.; Warrant, E.; Johnsen,
S.; Hanlon, R.; Shashar,
N. (2012): A Unique Advantage for Giant Eyes in Giant Squid. Current Biology 22,
S. 683 - 688.
Anders als bei den Wirbeltieren handelt es sich bei den Augen der Kopffüßer aber um so genannte everse Augen: Im Gegensatz zu den inversen Augen der Wirbeltiere entsteht das Auge des Kopffüßers als Augenbecher durch eine Einfaltung der embryonalen Außenhaut und wird erst nachträglich durch Nervenzellen mit dem Gehirn verbunden.
![]() Auge eines Gewöhnlichen Tintenfischs (Sepia officinalis): Setubal, Portu- gal. Bild: João Pedro Silva (iNaturalist). |
Man kann bei den Weichtieren einen Entwicklungsweg darstellen von den Grubenaugen urtümlicher Schnecken über die bereits erwähnten höher entwickelten Lochkameraaugen des (Nautilus, bei denen die Öffnung der Grube auf Kosten der Lichtintensität des Bildes verkleinert wurde, aber dafür ein schärferes Bild ermöglicht, bis hin zu den einfachen Linsenaugen der Landlungenschnecken und die hochentwickelten Linsenaugen der heutigen Kopffüßer (vgl. Augen der Schnecken).
Lange galt es als Rätsel, wie Kopffüßer ihre Umgebung farblich anpassen können, obwohl sie vermutlich nur über einen einzigen Typ von Lichtsinneszellen verfügen und daher eigentlich farbenblind sein müssten. Eine mögliche Erklärung könnte in der ungewöhnlichen Form ihrer Pupillen liegen: Anders als die runden Pupillen der Wirbeltiere besitzen viele Kopffüßer U-, W- oder hantelförmige Pupillen. Diese verstärken einen optischen Effekt, die sogenannte chromatische Aberration, bei der unterschiedliche Farben unterschiedlich stark gebrochen werden. Statt diesen Effekt zu vermeiden, wie das die Augen der meisten Tiere tun, könnten Kopffüßer ihn gezielt nutzen: Durch kleine Veränderungen der Fokussierung würden verschiedenfarbige Objekte unterschiedlich scharf erscheinen. Auf diese Weise könnten Kopffüßer Farben möglicherweise indirekt erkennen, obwohl sie kein Farbsehen im eigentlichen Sinn besitzen. Diese Erklärung wird derzeit jedoch noch wissenschaftlich diskutiert.
Robert Sanders (2016):
"Weird pupils let octopuses see their colorful gardens". UC
Berkeley News. (Abgerufen: 05.05.2026).
UC Berkeley News:
Are octopuses really colorblind?. (
YouTube Video, abgerufen:
14.05.2026).
Wie andere Weichtiere zeigen auch die Kopffüßer die Einteilung in den typischen Grundbauplan, bestehend aus Kopf, Fuß, Eingeweidesack und Mantel (vgl. z.B. Körperbau der Schnecken). Ebenso wie die übrigen Weichtiere, etwa Schnecken oder Muscheln, haben aber auch die Kopffüßer einen charakteristischen eigenen Bauplan entwickelt, der optimal an ihre Lebensweise angepasst ist.
So werden die Kopffüßer seit Cuvier 1795 als Cephalopoda bezeichnet, ein Name der sich aus den griechischen Bausteinen κεφαλή (kephalē): Kopf und ποδ- (pod-): Fuß zusammensetzt. Und tatsächlich tragen Kopffüßer eine Anzahl von Fangarmen oder Füßen, die am Kopf ansetzen. Dies ist jedoch nur die halbe Wahrheit, denn aus dem Fuß der Weichtiere sind nicht nur die Tentakel der Kopffüßer, sondern auch der so genannte Sipho, entstanden und als homolog zu betrachten. Im Gegensatz zum ebenfalls als Sipho bekannten verlängerten Mantelhöhlenausgang vieler Meeresschnecken dient der Sipho der Kopffüßer auch der Fortbewegung: Durch Zusammenziehen der Ringmuskulatur der Mantelhöhle wird Wasser durch den Sipho ausgepresst, wodurch der Kopffüßer durch einen natürlichen "Düsenantrieb" nach hinten getrieben wird. Besonders die Kalmare können dadurch erstaunliche Geschwindigkeiten erreichen.
Ein früher gebräuchlicher wissenschaftlicher Name für die Klasse der Kopffüßer ist Siphonopoda: Diese Bezeichnung umschreibt die Tatsache, dass der Sipho und die Fangarme der Kopffüßer gemeinsam aus dem ursprünglichen Fuß der Weichtiere entstanden sind.
![]() Breitarm-Sepie (Ascarosepion latimanus): Sulawesi, Indonesien. Bild: Steve Cappell (iNaturalist |
Die urtümlichsten Kopffüßer, wie die Perlboote (Nautilida) einerseits tragen eine Vielzahl an Tentakeln. Eine ähnliche Situation wird bei fossilen Kopffüßern, wie dem riesenhaften Cameroceras aus dem Ordovizium (vgl. Erdzeitalter), angenommen, obwohl die Weichteile fossiler Weichtiere natürlich naturgemäß selten erhalten bleiben. Perlboote besitzen bis zu 90 Tentakel, die keine Saugnäpfe tragen.
Im Gegensatz dazu verfügen Sepien (Sepiida) und Kalmare (Loliginidae, Myopsida) über zehn Arme (Tentakel), von denen zwei sehr stark verlängert sind und als Fangarme dienen, um der Beute zunächst habhaft zu werden und anschließend die Beute heranzuziehen, wo sie mit den acht übrigen, deutlich kürzeren Greifarmen ergriffen und zur Mundöffnung geführt wird. Kraken (Octopoda) schließlich besitzen, wie ihr Name bereits vermuten lässt, nur acht Tentakel: Bei ihnen sind die beiden stark verlängerten Fangarme zurückgebildet.
![]() Fangarm mit Saugnäpfen des Pazifischen Riesenkraken (Enteroctopus dofleini): Triton, Washington, USA. |
![]() Großaufnahme der Saugnäpfe. Bilder: Daniel Hershman (iNaturalist). |
Die Saugnäpfe der Oegopsida, zu denen die geheimnisvollen
Riesenkalmare
(Architeuthis), Kolosskalmare (Mesonychoteuthis) und ebenso die
Pfeilkalmare (Ommastrephiidae) gehören, sind zusätzlich mit einem Kranz aus
Krallen besetzt, die einen besseren Halt an der Beute ermöglichen. Die größten
Saugnäpfe auf den Endplatten der langen Fangarme können außerdem mit vier großen
Krallen ausgestattet sein (
vgl.
Systematik der Kopffüßer!).
Bevor Riesenkalmare überhaupt so gut bekannt waren, wie das heute der Fall ist, waren die Narben, die diese Krallen an den Pottwalen hinterlassen hatten, zu deren Hauptbeute die Riesenkalmare zählen, bereits unter Walfängern bekannt.
Eine Sonderform des Kopffüßerarms ist außerdem der so genannte Hectocotylus (s.u.): Dieser umgestaltete Arm dient dem männlichen Kopffüßer dazu, dem Weibchen Samenzellen in einem Paket, der Spermatophore, zu übertragen.
Das Nervensystem der Kopffüßer ist einerseits sehr hoch entwickelt, andererseits aber teilweise dezentral: Die Fangarme oder Tentakel besitzen eigene Nervenknoten (Ganglien), so dass sie zumindest durch Reflexe bedingt unabhängig (autonom) vom Körper des Tieres eingesetzt werden können.
Die Kopffüßer sind eine ausschließlich meereslebende Gruppe und haben auch, soweit aus fossilen Hinweisen bekannt ist, im Gegensatz zu Schnecken (Gastropoda) und Muscheln (Bivalvia) das Meer niemals dauerhaft verlassen. Allerdings sind z.B. Kraken durchaus dazu in der Lage, sich über kurze Strecken an Land fortzubewegen, um sich z.B. von einem Gezeitentümpel zum nächsten zu begeben.
Die Anzahl der Kiemen ist bei Kopffüßern unterschiedlich (s.o.): So unterscheiden sich die urtümlichen Perlboote (Nautilidae) mit ihren vier Kiemen von den "modernen" rezenten Kopffüßern, wie Sepien, Kalmaren und Kraken, die nurmehr zwei Kiemen besitzen. Die Kiemen der Kopffüßer sind im Wesentlichen Kammkiemen (Ctenidien) mit einer stark vergrößerten Oberfläche und einem dünnen Kiemenepithel, durch das Sauerstoff aus dem Wasser aufgenommen und Kohlendioxid abgegeben wird. Wie auch bei den meisten anderen Weichtieren ist das bei der Atmung genutzte respiratorische Pigment Hämocyanin, nutzt also Kupfer als Sauerstoff bindendes Komplexatom. Daher ist auch bei den Kopffüßern das Blut im sauerstoffreichen Zustand blau.
Kopffüßer sind die einzigen Weichtiere, die einen geschlossenen Blutkreislauf besitzen. Außerdem besitzen sie mehrere Herzen: Bei den modernen Kopffüßern versorgen zwei zusätzliche Kiemenherzen die beiden Kiemen jeweils direkt mit Blut. Der daraus resultierende hohe Blutdruck unterstützt die vergleichsweise hohe Stoffwechselrate.
![]() Gemeiner Krake (Octopus vulgaris): Marseille, Frankreich. Bild: Sylvain LeBris (iNaturalist) |
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![]() Schwimmender Krake (Octopus vulgaris): Sète, Hérault, Frankreich. Bild: Thomas Menut (iNaturalist) |
Andererseits verfügen aber auch die Fangarme der modernen Kopffüßer über eigene autonom agierende Nervenknoten, durch die besondere Reflexe bei der Fortbewegung, etwa bei der Nahrungssuche oder Jagd, ausgelöst werden können. Kopffüßer verfügen außerdem über chemische Sinneszellen auf den Fangarmen, die vor allem um die Saugnäpfe konzentriert sind. Dies hat zur Folge, dass der Kopffüßer seine Umgebung nicht nur ertasten, sondern auch schmecken kann. Bei Kraken ist tatsächlich die Mehrzahl der Neuronen in den peripheren Nervenbahnen und in den acht Ganglien der Tentakel konzentriert. Zusätzlich verfügen Kraken über intermuskuläre Nervenbahnen, die Nervenbahnen der Fangarme verbinden, ohne den Weg über das Zentralgehirn zu nehmen.
Nature News Feature: Drew, L. (2026):
"Do octopus brains work like humans’ - or
is there another way to be smart?"
(Link,
abgerufen: 05.05.2026).
Auralis and
Natural World Facts:
Why
Octopuses Haven't Taken Over The World... Yet. (
YouTube Video, abgerufen:
06.05.2026).
So kann das Nervensystem der Kraken einen außergewöhnlichen Einblick in dezentrale Neuralnetze, möglicherweise auch bei automatischen Systemen in der Technik, bieten.
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| Bennice, C.O.; Buresch, K.C.; Grossman, J.H. et al. (2025): "Octopus arm flexibility facilitates complex behaviors in diverse natural environments". Sci. Rep. 15, 31875 (Link, abgerufen: 03.05.2026). | |
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Mr. Science:
Nothing
About Octopus Is Normal… Here’s Why. ( |
Eine weitere Eigentümlichkeit zumindest der modernen Kopffüßer sind die so genannten Riesenaxone, also besonders dicke Fortsätze der Nervenzellen. Die Grundlage ist hier, dass die Nervenzellen der Weichtiere nicht über die Isolierung durch myelinisierte Schwann'sche Scheiden wie bei den Wirbeltieren verfügen und die so genannte saltatorische Erregungsleitung somit nicht möglich ist, aber durch eine Vergrößerung des Durchmessers der Axone eine Übertragungsgeschwindigkeit erreicht werden konnte, die an die Nervenzellen von Wirbeltieren heranreicht.
Wikipedia:
Riesenaxone
(Abgerufen: 01.05.2026).
Wikipedia:
Erregungsleitung
(Abgerufen: 01.05.2026).
Nachdem die Augen der modernen Kopffüßer sehr hoch entwickelt sind, verfügen diese auch über große optische Zentren (Optische Loben) im Zentralgehirn. Zusätzlich besitzen Kopffüßer hoch entwickelte Gleichgewichtsorgane (Statocysten), die seitlich des Gehirns liegen und neben Lageveränderungen und Beschleunigung vermutlich auch niederfrequenten Schall wahrnehmen können.
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| Kaifu, K.; Akamatsu, T.; Segawa, S. (2008): Underwater sound detection by cephalopod statocyst. Fisheries Science, Band 74, S. 781 - 786 (Internet Archive PDF, abgerufen: 01.05.2026). | |
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| Hu, M.Y.; Yan, H.Y.; Chung, W.S.; Shiao, J.; Hwang, P. (2009): Acoustically evoked potential in two cephalopods infered using the auditory brainstem response (ABR) approach. Comparative Biochemistry and Physiology, Part A: Molecular & Integrative Physiology. Band 153, Nr. 3, 2009, S. 278 - 283, (ResearchGate, Abgerufen: 01.05.2026). |
Kopffüßer gelten als die intelligentesten wirbellosen Tiere. Aus Verhaltensexperimenten geht hervor, dass die kognitiven Fähigkeiten von Kraken teilweise an die von Hunden heranreichen. So sind sie zur Abstraktion (beispielsweise Zählen bis 4 oder Unterscheiden verschiedener Formen) und zum Lösen komplexer Probleme in der Lage (u. a. das Öffnen des Schraubverschlusses eines Glases, um an den Inhalt zu gelangen).
Intelligenz außerhalb der Wirbeltiere?
Trotz ihrer geringen Artenzahl, verglichen mit anderen Weichtierklassen, ist es den Kopffüßern gelungen, sich im Verlauf ihrer Entwicklung an sehr unterschiedliche Lebensräume und Lebensweisen im Meer anzupassen. Entsprechend verschieden sind auch die Methoden, die Kopffüßer bei der Ernährung, Fortbewegung und Verteidigung einsetzen: So unterscheiden sich die pfeilschnell durchs Meer schießenden Kalmare deutlich von den geruhsam schwebenden Perlbooten und Sepien und den am Boden herumwandernden Kraken. Erstaunlich und bemerkenswert sind die Fähigkeiten vieler Kopffüßer, ihre Farbe und Form zu verändern und sich auf vielfältige Weise zu tarnen. Der Einsatz von Tinte hat bei vielen Kopffüßern zur umgangssprachlichen Bezeichnung Tintenfische geführt.
Die rezenten Kopffüßer sind sämtlich Fleischfresser, mit Ausnahme des urtümlichen, tiefseelebenden Vampirtintenfischs (Vampyroteuthis infernalis, s.o.), der von Detritus, als zerfallendem organischem Material, lebt. Ebenso wie andere Weichtiere haben Kopffüßer eine Radula oder Raspelzunge, mit der sie die weichen Teile ihrer Beute zerlegen. Zusätzlich dazu haben sie den Oberkiefer zu einem hornigen papageienartigen Schnabel entwickelt, mit dem sie Panzer oder Schalen ihrer Beute aufknacken können. Bei den meisten Kopffüßern dient er außerdem zum Zerkleinern der Nahrung, da das ringförmig um die Speiseröhre (Oesophagus) angeordnete Gehirn nur das Verschlucken von Nahrungsbrocken bis zu einer gewissen Größe erlaubt.
![]() Schnabel eines Riesenkalmars. Bild: Marian Oliver (iNaturalist). |
Zum anderen haben die meisten Coleoiden-Arten, also fast alle "modernen" rezenten Kopffüßer keine oder fast keine Schale mehr. Paläontologen stehen daher vor dem Problem, dass es kaum Fossilien von schalenlosen Kopffüßern gibt. Um so bemerkenswerter ist es also, wenn eine fossile Krakenart, oder in diesem Fall genau genommen ein Angehöriger der Vamirtintenfische (Vampyromorpha, vgl. Systematik der Kopffüßer) anhand ihres Schnabels nachgewiesen werden konnte und man anhand dieses Schnabels außerdem noch glaubt, ableiten zu können, dass Nanaimoteuthis haggarti zu Lebzeiten in der späten Kreidezeit vor ca. 100 bis 72 Mio. Jahren, vgl. Erdzeitalter) mit einer Mantellänge von bis zu 19 m vermutlich größer war, als ein heutiger Riesenkalmar (Architeuthis dux).
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| Merkur.de: "Wir beginnen gerade erst zu sehen" - Forscher entdecken Urzeitmonster aus dem Meer. (Abgerufen: 17.05.2026). | |
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| Ikegami, S. et al. (2026): "Earliest octopuses were giant top predators in Cretaceous oceans". Science 392 (6796), S. 406-410. (Abstract, abgerufen: 17.05.2026). |
![]() Großer Blauring-Krake (Hapalochlaena lunulata), Philippinen. Photo: Jeff Rosenfeld. Quelle: Vibrant Sea. |
Die Beute der Kopffüßer ist unterschiedlich, ebenso wie ihre Lebensweise: Kalmare stellen vor allem Fischen und Garnelen nach, aber auch anderen Kopffüßern, wie kleineren Kalmaren und Kraken, wobei ihnen ihre langes Paar Fangarme einen entscheidenden Vorteil verschafft, da sie den Fisch bereits fangen können, bevor er überhaupt weiß, dass ein Kalmar da ist. Die meist bodenlebenden Kraken hingegen haben sich auf die Jagd nach hartschaliger Beute, wie Schnecken und Krebstieren spezialisiert. Dabei nutzen sie ihren harten Hornschnabel, um den Panzer oder die Schale der Beute aufzubrechen und fressen den Weichkörper der Beute nachher mit der Radula aus dem Panzer heraus. Bei vielen Arten erleichtert ein im Speichel enthaltenes lähmendes Nervengift die Überwindung der Beute. Außerdem enthält der Speichel der Kraken unterschiedliche Enzyme: Chitinasen zur Schwächung des Panzers bei Krebstieren und Proteasen zum Aufweichen des Weichkörpers der Beute.
Nachdem bei den Kraken die Radula im Allgemeinen mehr oder minder stark reduziert ist, verwendet das Tier eine so genannte Speichelpapille (Salivary papilla) unter der Radula, um Löcher in die Panzer oder Schalen seiner Beute zu bohren. Um ein Loch in die Schalenklappe einer Herzmuschel zu bohren, braucht der Krake etwa 3 Stunden. Anschließend "injiziert" er seinen enzymhaltigen Speichel (s.o.) und saugt das Innere der Muschel durch die Öffnung.
Nixon, M. (1980):
"The salivary papilla of Octopus as an accessory radula for
drilling shells". Journal of Zoology, 190: 53-57. (Abstract,
abgerufen:
04.05.2026).
Einige Kraken-Arten können dieses Gift sogar für die Selbstverteidigung einsetzen: Die normalerweise unscheinbaren Blauringkraken (z.B. Hapalochlaena lunulata) zeigen ihr charakteristisches buntes Ringmuster nur, wenn sie sich bedroht fühlen und verfügen über das Gift Tetrodoxin, das z.B. auch bei Kugelfischen und Seitenkiemerschnecken (Notaspidea) vorkommt und durchaus auch dem Menschen gefährlich werden kann.
![]() Prachtsepia (Ascarosepion pfefferi): Bitung, Lembeh-Straße, Sulawesi, Indonesien. Bild: Eva Paulus (iNaturalist). |
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![]() Wunderpus photogenicus ist eine Krakenart, die sich besonders auf Mi- mikry spezialisiert hat: Lombok, Bali-See, Indonesien. Bild: Alexandra Rawden (iNaturalist) |
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Sepien - die verstohlenen Lauerjäger
Bild: Eva Paulus (iNaturalist): Lembeh Island, Indonesien. |
Diese Fähigkeit nutzen Kopffüßer unter anderem, um sich zu tarnen, indem sie sich farblich an den Untergrund anpassen. Besonders Sepien und Kraken sind sogar dazu fähig, kompliziertere Muster, z.B. ein Schachbrett, nachzubilden. Außerdem können Sepien ihre Stimmung durch Farbmuster kundtun: So lassen sie z.B. Farbstreifen in Wellen über ihren Körper laufen, um Stress zu zeigen, etwa, wenn sie einer konkurrierenden Sepie begegnen. Andererseits ist z.B. die Prachtsepia (Ascarosepion pfefferi, Bild links), ihrem Namen gerecht, auch im Ruhezustand sehr farbenfroh gezeichnet.
Manche Tintenfische, wie die Breitarmige Sepie (Ascarosepion latimanus) nutzen ihre Fähigkeit zur Farbveränderung auch bei der Beutejagd - nicht nur zur Tarnung, sondern auch, um die Beute, meist Krabben und andere Krebstiere, abzulenken und möglicherweise sogar zu hypnotisieren. Wenn Ascarosepion latimanus auf eine Beute trifft, schwimmt sie langsam auf sie zu und wechselt dabei rhythmisch flimmernd ihre Farbe. Die abgelenkte Beute kann nicht rechtzeitig reagieren und sobald die Sepie nahe genug ist, kommen die beiden langen Fangarme zum Einsatz, ergreifen die Beute und führen sie den acht kurzen Greifarmen zu.
BBC Earth: Blue
Planet II:
Cuttlefish Hypnotises Prey.
YouTube Video, abgerufen: 08.05.2026).
Discovery News:
Cuttlefish - Chameleons of the Sea.
YouTube Video, abgerufen: 08.05.2026).
Auch viele Kraken haben unterschiedliche Farben, wenn sie aggressionsbereit sind und wenn sie friedlich sind. Giftige Kraken, wie die bereits erwähnten Blauringkraken, verwenden ihre Musterung auch als Warnsignal: Die charakteristische Blauring-Zeichnung ist nur sichtbar, wenn der Krake aggressiv ist. Kalmare verwenden auch flimmernde Farbmuster, um ihre Beute, meist Fische, zu verwirren, so dass sie sie leichter fangen können.
Viele Kopffüßer, darunter vor allem die Sepien und die Kraken, können nicht nur ihre Farbe, sondern zum Teil auch ihre Körperform verändern: So können sie durch muskuläre Kontraktion einzelner Hautbereiche deren Oberfläche durch Papillen verändern, einerseits um sich vor Beute, andererseits, um sich vor Feinden zu tarnen. Dabei kann mit einer farblichen Anpassung an den Untergrund auch die Tinte (s.u.) genutzt werden, wegen der Kopffüßer allgemein den umgangssprachlichen Namen Tintenfische haben.
Ein besonderer Vertreter auf diesem Gebiet ist der Krake mit dem verblüffenden Namen Wunderpus photogenicus (Bild links), der in der Bali-See in Indonesien vorkommt und erst seit 2006 beschrieben ist. Er hat die Fähigkeit, die Gestalt anderer Tiere anzunehmen, um sich zu schützen (Mimikry), wie z.B. einen giftigen Feuerfisch (z.B. Pteropterus antennatus), einer Seeschlange oder andere Fische. Im Gegensatz zum äußerst ähnlichen Mimik-Octopus (Thaumoctopus mimicus) unterscheidet er sich durch eine unterschiedliche Musterung der Saugnäpfe und seine vorwiegend nächtliche Lebensweise.
MolluscaBase eds.
(2021):
Wunderpus photogenicus Hochberg,
Norman & Finn, 2006.
(Abgerufen: 06.05.2026).
![]() Leuchtkalmar (Watasenia scintillans): Toyama, Honshu, Japan. Bild: Kisaland (iNaturalist) |
Den in der lichtlosen (aphotischen) Tiefsee lebenden ikonischen Riesenkalmaren und Kolosskalmaren dient Biolumineszenz außerdem zur Orientierung und Verteidigung: Zusammen mit ihren übergroßen, hoch entwickelten Augen, deren Wahrnehmung bei den Kolosskalmaren sogar selbst mit Biolumineszenz verstärkt wird, haben diese riesigen Kopffüßer dadurch eine entscheidende Chance gegenüber Pottwalen, die mit Sonar nach ihnen jagen. Im Gegensatz zum Pottwal kann der Kalmar seinen Feind auf etwa 100 m Entfernung sehen und sich so rechtzeitig zurückziehen, auch wenn dessen Sonar eine etwas größere Reichweite hat.
Eine der wenigen biolumineszenten Kopffüßerarten, die auch nahe der Oberfläche anzutreffen sind, sind die so genannten Leuchtkalmare (z.B. Watasenia scintillans, Bild rechts). Sie kommen im chinesischen Meer bis nach Japan vor und werden dort auch gefischt.
Viele Kopffüßer werden umgangssprachlich als Tintenfische bezeichnet. Natürlich sind sie keine Fische, aber die namengebende Tinte ist vielen Kopffüßern eigentümlich. Diese besitzen hinter dem Anus eine besondere Tintendrüse, in der die Tinte aus dem Farbstoff und anderen chemischen Substanzen hergestellt und durch den Sipho nach draußen entlassen wird. Die Anwendung der Tinte bei Kopffüßern ist unterschiedlich: Sie kann zum einen naheliegenderweise der Tarnung dienen, indem der Kopffüßer sie wie eine Rauchbombe einsetzt und sich in ihrem Schutz zurückzieht. Chemische Stoffe in der Tinte können außerdem den Geruchssinn des Feindes behindern. Zusätzlich können manche Kopffüßer mit Hilfe von Schleim der Tinte auch eine bestimmte Gestalt geben, um den Gegner zusätzlich zu verwirren. Bei manchen Arten der Kopffüßer können in der Tinte auch biolumineszierende Partikel Verwendung finden, um für weitere Ablenkung zu sorgen. Außerdem kann die Tinte der Kopffüßer auch Anwendung bei der Jagd oder bei der Paarung finden. Manche Kopffüßer, wie die Gemeine Sepie (Sepia officinalis) färben auch die Hüllen ihrer Eier, um die Embryonen zu tarnen. Viele Tiefsee-Kopffüßer hingegen besitzen keine Tintendrüse.
Kalmare: Raketenschwimmer im Ozean!
Besonders auf der Flucht können Kalmare erstaunliche Geschwindigkeiten erreichen: Japanische Wissenschaftler haben eine maximale Geschwindigkeit von 11,2 m/s (über 40 km/h oder 20 Knoten) ermittelt, mehr als der schnellste bekannte menschliche Athlet, Usain Bolt. Quelle: Spiegel Wissenschaft (2013, Abgerufen: 02.05.2026). |
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![]() Pfeilkalmar (Ommastrephes bartramii): Südöstlich von Kyushu, Japan. Bild: Maksim Stefanovich (iNaturalist)) |
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![]() Ein Schwarm von Pfeilkalmaren (Ommastrephes bartramii). Bild: Maksim Stefanovich (iNaturalist) |
Hinzu kommen verschiedene Mantelanhänge, die die Fortbewegung unterstützen. So besitzen Kalmare endständige Flossen am Mantelrand, die sie bei der Steuerung unterstützen. Im Gegensatz dazu haben die Sepien den Mantelrand zu einem Saum erweitert, der durch eine wellenartige Bewegung die Fortbewegung unterstützt, die allerdings deutlich geruhsamer ist als bei den Kalmaren.
Im Gegensatz zu seinen flinken Verwandten ist der Karibische Riffkalmar (Sepioteuthis sepioidea, Bild rechts) ein eher geruhsames Tier, was man auch daran erkennt, dass seine endständigen Flossen fast zu einem Mantelsaum wie bei den Sepien ausgewachsen sind. Sein wissenschaftlicher Name beschreibt diese optische Ähnlichkeit mit den Sepien.
Im Besonderen aus Gründen der Energie-Effizienz verwenden schwimmende Kopffüßer ihre Flossen oder Mantelsäume für langsame Geschwindigkeiten, den Rückstoßantrieb jedoch für schnelle Geschwindigkeiten.
Manche Kalmare haben den Rückstoßantrieb so perfektioniert, dass z.B. Pfeilkalmare der Familie Ommastrephidae (Ordnung Oegopsida: vgl. Systematik der Kopffüßer). in Schwärmen sogar manchmal aus dem Wasser springen: eine Fähigkeit, wegen der sie auch als "Fliegende Kalmare" (Flying squid) bezeichnet werden. So kann man z.B. nahe Madeira oft ganze "Schulen" von Pfeilkalmaren (s.u.) beobachten, wie sie aus dem Wasser springen, möglicherweise um Fressfeinden zu entkommen.
Auch in der Nähe von Japan konnten Pfeilkalmare (Ommastrephes bartramii oder Sthenoteuthis oualaniensis) beim Flugverhalten beobachtet werden. Dabei konnte man erkennen, dass die Kalmare sich nicht nur mit dem Rückstoß aus dem Wasser katapultierten und diesen in der Luft weiter einsetzten, sondern zusätzlich ihre groß ausgebildeten Flossen und verbreiterten Tentakel ausbreiteten, um eine längere Flugbahn zu erreichen. Damit konnten die Kalmare sich für bis zu 3 s und eine Entfernung von ca. 30 m in der Luft halten. Sie erreichten eine Geschwindigkeit von 11,2 m/s (über 40 km/h oder 20 Knoten).
Wikipedia:
Ommastrephidae. (Abgerufen: 05.05.2026).
Muramatsu,
K. et al. (2013):
"Oceanic squid do fly".
Marine Biology, 160. (PDF,
abgerufen: 05.05.2026).
Im Gegensatz zu den vorwiegend im freien Wasser lebenden Sepien und Kalmaren (wobei die Sepien gemeinhin eher nahe dem Ozeanboden leben), sind die Kraken eher an eine bodenlebende (benthische) Lebensweise angepasst. Vor allem jagen sie Krebstiere und Schnecken und verwenden dazu teilweise auch Gift (vgl. Ernährung der Kopffüßer). Im Gegensatz zu ihren freischwimmenden Verwandten bewegen sich Kraken dabei vor allem auch fort, indem sie auf ihren Fangarmen über den Boden "gehen". Im Gegensatz zu Sepien und Kalmaren erlaubt ihnen dies auch, kurze Strecken über Land zurückzulegen, etwa, um von einem Gezeitentümpel zum anderen zu gelangen.
Inky der Octopus: Zurück in die Wildnis!
Der Maori-Krake (Macroctopus maorum) war 2014 aus einem Krabbenkorb in Neuseeland gerettet worden und endete schließlich im Nationalen Aquarium von Neuseeland. Nach einem Namenswettbewerb erhielt er den Namen Inky. Nachdem ein Tierpfleger die Abdeckung des Aquariums einen Spalt offen gelassen hatte, entwich Inky 2016 aus seinem Aquarium. Er überquerte mehrere Meter trockenen Boden, bis er ein Abflussrohr erreichte, über das er in den offenen Ozean entkam. Quelle: Inside Edition auf YouTube (Abgerufen: 01.05.2026). |
![]() Kokosnuss-Krake (Amphioctopus marginatus): Lembeh-Straße, Sulawe- si, Indonesien: Bild: Colin Marshall (iNaturalist) |
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Großer
blauer Krake (Octopus cyanea): Beersheba, Rotes Meer, Israel.Bild: Jonigr (iNaturalist). |
BBC Earth:
Genius
Octopus Can Open Jars. (
YouTube Video, abgerufen: 02.05.2026).
Kraken können zudem auch Gegenstände verwenden: So benutzen manche Arten, wie der Kokosnuss-Oktopus (Amphioctopus marginatus) etwa Kokosnuss-Schalen, um sich darunter zu verstecken. Nachdem der Krake die Kokosnuss-Schalen nicht nur verwendet, um sich darunter zu verstecken, sondern sie auch aktiv mitnimmt, um sie an einen anderen Ort zu transportieren, interpretieren Wissenschaftler dies als eine einfache Form der Werkzeugnutzung.
Scinexx.de (2009):
Oktopus trägt Kokosnuss-Schalen. (Abgerufen: 05.05.2026).
Andererseits hat man beobachtet, dass der Große blaue Krake (Octopus cyanea, Bild rechts) bei der Nahrungssuche mit Fischen zusammenarbeitet, die ihm potenzielle Nahrung, vor allem Krabben und andere Krebstiere, zeigen oder diese zumindest aufscheuchen. Wenn jedoch ein Fisch nicht kooperativ ist, versucht, Beute zu stehlen oder dem Kraken ansonsten lästig wird, verteilt dieser auch kräftige Schläge mit den Fangarmen, um den Fisch zu vertreiben. Zumindest stellen Sampaio et al. (2021) auch die These auf, dass manche dieser Angriffe möglicherweise einfach nur "out of spite" (aus Gehässigkeit) stattfinden könnten. Auch dies, wenn auch betrüblich, wäre wiederum ein Zeichen für Intelligenz.
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BBC Earth:
Float Like
a Butterfly… Punch Like an Octopus? ( |
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| SWR Kultur: Frank Wittig, Nina Kunze: Erstaunliches Teamwork: Kraken und Fische jagen gemeinsam (Abgerufen: 02.05.2026). | |
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| Sampaio, E.; Seco, M.C.; Rosa, R.; Gingins, S. (2021): Octopuses punch fishes during collaborative interspecific hunting events. Ecology 102 (3). (Link, Abgerufen: 02.05.2026). |
Auch wenn das Ausmaß der intellektuellen Fähigkeiten der Kraken noch nicht vollständig bekannt, so hat sich hier doch erstaunlicherweise eine Form von Intelligenz im Tierreich unabhängig und außerhalb der Wirbeltiere entwickelt. Bei allem Ruhm, den Kraken aufgrund ihrer Fähigkeiten genießen, so sollte man doch die Fähigkeiten von Kalmaren nicht außer Acht lassen, die teilweise in großen Schwärmen schwimmen, ähnlich wie Fische, und der Sepien, die den Farbwechsel perfektioniert haben, was oftmals auch zu beobachten ist, wenn sie ihr Revier gegen eine konkurrierende Sepie verteidigen.
DerStandard.at: Karin
Krichmayr:
Ist Oktopus-Intelligenz
fundamental anders als unsere? (Abgerufen: 05.05.2026).
![]() Gewöhnlicher Tintenfisch (Sepia officinalis) mit Ab- wehrgeste. Bild: Falk Viczian (iNaturalist). |
IIm Gegensatz dazu sind Sepien und Kraken deutlich weniger sozial: Außerhalb des Paarungsverhaltens (s.u.) sind sie Einzelgänger, die ihr Revier auch vehement gegen Artgenossen verteidigen. Besonders bemerkenswert ist dabei auch die Drohgebärde der Sepien (Bild links), wenn sie sich gegen andere Sepien verteidigen wollen. Ebenso wird dazu eine Farbveränderung eingesetzt, sowohl Kraken als auch Sepien, zeigen meist eine besondere Färbung, wenn sie aggressiv sind.
Kopffüßer sind sämtlich getrennt geschlechtlich. Nach einem im Allgemeinen ausgiebigen Paarungsvorspiel übergibt das Männchen an das Weibchen die Spermien in einer Spermatophore.
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Das Geheimnis des Hectocotylus
Die Erforschungsgeschichte des Hectocotylus bei Kopffüßern ist nicht
uninteressant: Während Aristoteles bereits ca. 400 v.Chr. beschrieben hatte, dass Kopffüßer einen "Penis in einem ihrer
Fangarme" hätten, wurden noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts von mehreren Gelehrten die
Hectoctyli der Papierboote als parasitische Würmer beschrieben, die in der
Mantelhöhle der Tiere lebten. Cuvier schuf dafür 1829 die gemeinsame Gattung
Hectocotylus. |
Als Besonderheit löst sich bei den mit den Kraken verwandten Papierbooten (Argonautidae) der Hectocotylus vom Weibchen und schwimmt aktiv, von chemischen Botenstoffen angezogen, in ihre Mantelhöhle, wo die eigentliche Begattung stattfindet. Perlboote (Nautilidae) hingegen besitzen ein spezialisiertes Begattungsorgan, das aus vier verschmolzenen Tentakeln besteht und als Spadix (Lat.: Spaten) bezeichnet wird. Dieses befindet sich neben dem Mund inmitten der übrigen, etwa 90 Tentakel.
Im Allgemeinen unterscheiden sich die Hectocotyli von den übrigen Fangarmen des Kopffüßers deutlich, da sie weniger Saugnäpfe aufweisen und meist eine besondere Form besitzen, die bei der Begattung hilreich ist. Bei Kalmaren und Sepien holt der Hectocotylus die Spermatophoren selbst aus der so genannten Needham'schen Tasche, bei den Kraken wird er vom Penis des Männchens mit Spermatophoren bestückt.
Wikipedia:
Hectocotylus.. (Abgerufen: 03.05.2026).
Hanlon,
R.T.; Messenger, J.B. (2018): Cephalopod
Behaviour. 2. Ed, S. 148 - 205. Cambridge University Press.
Zusätzlich kommt bei manchen Kopffüßern, darunter in besonderer Weise bei den Papierbooten (Argonautidae), ein ausgeprägter Sexualdimorphismus vor, bei dem das Männchen deutlich kleiner ist als das Weibchen. Überdies stellen nur die Weichen das charakteristische Wohngehäuse her.
Nach dem Austreten aus dem Eileiter werden die Eizellen des Weibchens befruchtet. Anschließend werden sie in Trauben (Sepien, Kraken) oder in Schläuchen (Kalmare), die jeweils eine Vielzahl an Eiern enthalten, abgelegt. Die Eier sind voluminös und dotterreich. Die Furchung bei der Embryogenese findet partiell-diskoidal statt, so dass sich der Embryo teilweise um den Dotter herum entwickelt. Ein oftmals größerer Teil des Dotters bleibt als äußerer Dottersack außerhalb des Embryos. Während der Embryo sich während der Entwicklung im Ei vorwiegen vom äußeren Dotter ernährt, verbleibt zumindest ein Teil des inneren Dottersacks für die Zeit nach dem Schlupf, bis das Jungtier sich selbständig ernähren kann.
![]() Tiefsee-Oktopus (Graneledone boreopacifica) auf dem Davidson deep sea mountain in 1970 m Tiefe. Quelle: NOAA (Wikimedia Commons). |
Das Weibchen des Tiefsee-Oktopus (Graneledone boreopacifica) ist mit viereinhalb Jahren Brutpflege (53 Monate konnten nachgewiesen werden) im nur 7 °C warmen Wasser der Tiefsee die Rekordhalterin in Sachen längste Brutzeit mit Brutfürsorge. Allerdings sind auch die Umstände besonders: Die tiefen Wassertemperaturen haben eine längere Entwicklungszeit der Embryonen und einen deutlich langsameren Metabolismus des Muttertiers zur Folge. Jedoch haben Untersuchungen ergeben, dass auch das Weibchen von Graneledone boreopacifica während der Brutfürsorge über mehrere Jahre keine Nahrung zu sich nimmt, auch wenn sie ihr, wie im Experiment, von einem DSRV angeboten werden.
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| Robison, B.; Seibel, B.; Drazen, J. (2014): Deep-Sea Octopus (Graneledone boreopacifica) Conducts the Longest-Known Egg-Brooding Period of Any Animal. (PLOS ONE 9/7, abgerufen: 05.05.2026). | |
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| Mongabay News: Jeremy Hance (2014): The world’s best mother: meet the octopus that guards its eggs for over four years. (Abgerufen: 05.05.2026). |
Im Gegensatz dazu führen Kalmare und Sepien keine Brutfürsorge durch, allerdings führen manche Kalmare ihre Gelege mit sich. Andere legen die Gelege ab und überlassen sie sich selbst. Auch Perlboote legen einzelne Eier ab und überlassen sie dann sich selbst.
![]() Paralarve des Pazifischen Riesenkraken (Enteroctopus dofleini): San Juan Island, Washington, USA. Bild: Jen Strongin (iNaturalist). |
![]() Wenige Tage bis Wochen altes Jungtier des Gewöhnlichen Tintenfischs (Sepia officinalis): Bild: Thomas Dreux (iNaturalist) |
Die meisten Kopffüßer haben keine große Lebensspanne: Sie sind semelpare Lebewesen. Unter Semelparität versteht man dabei einen Lebenszyklus, bei dem sich der betreffende Organismus nur einmal in seinem Leben sexuell fortpflanzt.
So werden Kraken werden nur ein bis wenige Jahre alt, Sepien und Kalmare vollziehen meist den gesamten Lebenszyklus in nur einem Jahr. Vor diesem Hintergrund ist es zum einen sehr erstaunlich, dass Kopffüßer ihre teilweise bemerkenswerten Fähigkeiten trotz ihrer geringen Lebensspanne erreichen. Zum anderen ist es wohl auch so, dass Kopffüßer gerade wegen ihrer geringen Lebensspanne sehr anpassungsfähig sind und daher weniger empfindlich gegen vom Menschen verursachte Umweltveränderungen sind als viele andere Tiergruppen.
Spectrum.de Scilogs:
Gabriele Kerber (2020):
Tintenfisch statt Sprotten
- Gewinner des Klimawandels. (Abgerufen: 05.05.2026).
Zu den Kopffüßern gehören heute die größten aller Wirbellosen. Obwohl riesige Kalmare historisch schon lange bekannt waren, da der Mageninhalt erlegter Pottwale (Physeter macrocephalus) oftmals eine große Zahl ihrer Schnäbel enthielt (vgl. Ernährung), und überdies die Spuren der Krallen in ihren Saugnäpfen (vgl. Fangarme) als Narben in der Haut der Pottwale zu erkennen war, blieben die Riesenkalmare bis etwa Mitte des 19. Jahrhunderts eine Legende, fast schon ein Mythos, unter den Walfängern. Anders als die Pottwale, die zum Atmen auftauchen müssen, verlassen die Riesenkalmare niemals freiwillig ihre heimatliche Tiefsee. Jedoch mit dem Aufkommen der modernen Tiefseefischerei im Rahmen der industriellen Revolution wurden seither auch öfter Riesenkalmare mit dem Schleppnetz gefangen oder harpuniert.
Extinct Zoo:
When
Krakens Were Real. (
YouTube Video, abgerufen: 14.05.2026).
|
Die "Königsechse" unter den Kalmaren? Der wissenschaftliche Name des Riesenkalmars ist aus mehreren griechischen und lateinischen Teilen zusammen gesetzt: ἀρχός (archós): Herrscher, τευθίς (teuthís): Kalmar, dux: Anführer. Damit wollte Steenstrup 1857 ausdrücken, dass es sich um den größten und beeindruckensten Kopffüßer der Welt handle. Wie wir heute wissen, ist der Riesenkalmar jedoch nicht der größte aller Kopffüßer, ein Titel, der dem Kolosskalmar (s.u.) gebührt. Das war Steenstrup aber nicht bekannt. Ebenso ist allerdings auch der Basilosaurus (Königsechse auf Griechisch) weder ein König, noch eine Echse. |
![]() Riesenkalmar (Architeuthis dux): KI-Reproduktion. Bild: Robert Nordsieck. |
Erst über hundert Jahre später, 2004, gelangen erstmals Filmaufnahmen (Kubodera et al., 2005) von lebenden Riesenkalmaren, nachdem die gefangenen Exemplare bisher entweder an Verletzungen während des Fangs oder durch den ungewohnten Wasserdruck verendet waren. Anfänglich wurden zahlreiche unterschiedliche Arten der Gattung Architeuthis beschrieben. Eine 2013 veröffentlichte DNA-Untersuchung der verschiedenen Arten ergab jedoch, dass diese nach heutigem systematischen Verständnis alle als Synonyme einer einzigen Art, Architeuthis dux, betrachtet werden müssen.
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| MolluscaBase: Architeuthis dux Steenstrup, 1857. (Abgerufen: 09.05.2026). | |
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| Kubodera, T.; Mori, K. (2005): First-ever observations of a live giant squid in the wild. In: Proc. Biol. Sci. 272, S. 2583–2586. (Abstract, abgerufen: 09.05.2026). | |
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| Winkelmann, I. et al. (2013): Mitochondrial genome diversity and population structure of the giant squid Architeuthis: genetics sheds new light on one of the most enigmatic marine species. Proceedings of the Royal Society 280 (1759). (Abstract, abgerufen: 11.05.2026). |
Obwohl es sich deutlich erkennbar um einen Kalmar handelt - Das Tier besitzt zehn Arme, davon zwei langen Fangarme, sowie Flossen am Ende des Mantels - wurde der Riesenkalmar historisch auch oft als Riesenkrake bezeichnet, eine Bezeichnung, die unter den rezenten Kopffüßern jedoch nur dem Pazifischen Riesenkraken (Enteroctopus dofleini, s.u.) gebührt.
![]() Saugnäpfe eines Riesenkalmars mit zahnbesetzten Rändern. Bild: Marian Oliver (iNaturalist). |
Riesenkalmare kommen in allen Meeren vor, scheinen aber gemäßigte Wassertemperaturen zu bevorzugen. Die meisten Funde oder Sichtungen von Riesenkalmaren gab es in Neufundland, Spanien, Portugal, Südafrika, Namibia, Japan, Neuseeland und Australien. Obwohl der offene Ozean wohl der bevorzugte Lebensraum von Riesenkalmaren ist, scheinen nahe gelegene Flachmeere, wie die Tasmanische See, die Karibik und der Golf von Mexiko ebenfalls geeignete Lebensräume zu sein. Es gibt zwar einige Sichtungen von Riesenkalmaren im Mittelmeer, jedoch scheinen die Tiere dort nicht heimisch zu sein. Riesenkalmare leben vermutlich in einer Wassertiefe von je nach Angaben zwischen 300 und 500 bis 1000 m Tiefe. Ihr weicher Körper ist dabei an die Tiefsee angepasst, weswegen auch die meisten gefangenen Exemplare beim Erreichen der Wasseroberfläche verenden.
Am bemerkenswertesten sind die Augen des Riesenkalmars, die bis zu 25 cm Durchmesser haben können und damit zu den größten Augen im bekannten Tierreich zählen, nur noch übertroffen von denen des Kolosskalmars (s.u.). Dies ermöglicht dem Riesenkalmar ein besseres Sehen in der Dunkelheit der Tiefsee und einen entscheidenden Vorteil beim Aufspüren von Beute und der Vermeidung von Feinden (s.u.).
Farbe spielt in der Tiefsee nur eine geringe Rolle, da mit zunehmender Tiefe fast ausschließlich kurzwelliges blaues Licht vorhanden ist. Rote Tiere erscheinen dort daher nahezu schwarz und sind überraschend gut getarnt. Viele tiefseelebende Kopffüßer besitzen deshalb eine rötliche Färbung. Gleichzeitig sind die Augen vieler Tiefsee-Kopffüßer besonders stark an das Erkennen schwacher Lichtquellen (z.B. Biolumineszenz) angepasst, während Farbsehen in der Dunkelheit der Tiefsee vermutlich nur eine untergeordnete Rolle spielt.
Nilsson,
D.; Warrant, E.; Johnsen,
S.; Hanlon, R.; Shashar,
N. (2012): A Unique Advantage for Giant Eyes in Giant Squid. Current Biology 22,
S. 683 - 688.
Auralis:
Why Deep
Sea Camouflage Gets Weirder The Deeper You Go. (
YouTube Video, abgerufen: 14.05.2026).
Riesenkalmare leben, wie wir inzwischen wissen, räuberisch (wie fast alle
Kopffüßer, vgl. Ernährung): Zu ihrer Nahrung gehören
vor allem Fische und kleinere Kopffüßer, darunter durchaus auch kleinere Artgenossen.
Riesenkalmare sind vermutlich Lauerjäger, die sich langsam driftend fortbewegen.
Darin ähneln sie eher den Sepien als den schnellen Kalmaren in der Ordnung
Myopsida. Im Gegensatz zu diesen werden sie jedoch der Ordnung Oegopsida zugeordnet, zu
der allerdings auch die Familie der sehr schnellen Pfeilkalmare (Ommastrephidae)
gehört (
vgl.
Systematik der Kopffüßer!).
Die schnelle Fortbewegung des Riesenkalmars
auf kurze Strecken findet zum einen durch den Rückstoßantrieb statt (s.o.), eine langsame
Fortbewegung vor allem aber auch mit Hilfe der gut entwickelten Flossen am
Mantel.
![]() Schnabel eines Riesenkalmars. Bild: Marian Oliver (iNaturalist). |
Two Oceans Aquarium,
Südafrika (2022):
Everything you need to know about giant squids. (Abgerufen: 12.05.2026).
Wie alle Kopffüßer sind Riesenkalmare getrennt geschlechtlich und verwenden vermutlich spezialisierte Fangarme, um die Spermatophoren zu übertragen. Das Vorhandensein eines spezialisierten Hectocotylus ist dabei strittig. Es wird vermutet, dass das Männchen die Spermatophoren eher in der Haut eines Arms des Weibchens einlagert. Die weiblichen Riesenkalmare werden deutlich größer als die Männchen.
Während junge Riesenkalmare manchmal sogar von Seevögeln gefangen werden können, wenn sie sich an die Wasseroberfläche verirren, sind aber die wichtigsten Fressfeinde des Riesenkalmars vor allem Haie und unterschiedliche Arten von Walen. Vermutlich der Einzige, der einem erwachsenen Riesenkalmar in seiner natürlichen Umgebung gewachsen ist, dürfte allerdings ein erwachsener Pottwal sein. Dabei kommt es zu einem bemerkenswerten natürlichen "Wettrüsten": Während der Riesenkalmar seine hochentwickelten und sehr großen Augen, möglicherweise unterstützt von Biolumineszenz, einsetzen kann, um den Pottwal rechtzeitig zu erkennen, hat das Sonar des Pottwals, der in der Tiefsee nur eingeschränkt sehen kann, eine größere Reichweite. Schlussendlich kommt es dann darauf an, ob der Riesenkalmar lange genug verhindern kann, dass er gefressen wird, bevor der Pottwal auftauchen muss oder ertrinkt.
Die sehr große Zahl an Kalmarschnäbeln in den Mägen erlegter Pottwale legt ein deutliches Zeugnis darüber ab, dass die Chancen des Riesenkalmars, wenn er einmal entdeckt ist, relativ schlecht sind.
Der Riesenkalmar auf weichtiere.at.
Angeschwemmter Riesenkalmar in Scarborough (16.08.2022, North Cape Province,
Südafrika) auf iNaturalist.
(Abgerufen: 10.05.2026).
ARD Alpha:
Den Riesenkalmar gibt es in der Tiefsee wirklich. (Mit Bilderserie). (Abgerufen: 27.04.2026).
Ellis,
R.: "Riesenkraken der Tiefsee". Heel Verlag, Königswinter, 2000. (Link,
abgerufen: 12.05.2026) (Anmerkung: Der deutsche Titel ist irreführend!).
OctoLab:
Meet The
Squid That Refuses to Be Seen by Humans. (
YouTube Video, abgerufen: 11.05.2026).
Science.orf.at:
Augen groß wie Basketbälle. (Abgerufen: 01.05.2026).
Wild Life
Documentary:
The
Greatest Hunt You've Never Seen: Sperm Whale vs. Giant Squid. (
YouTube Video, abgerufen: 10.05.2026).
Steve
O'Shea und
Kat
Bolstad:
Giant Squid and Colossal Squid Fact Sheet. (The
Octopus News Magazine Online 2008/2019, Abgerufen: 12.05.2026).
Der Riesenkalmar war seit seiner Entdeckung Mitte des 19. Jahrhunderts nach Jahrhunderten von Mythen und Seemannsgarn relativ gut bekannt. In regelmäßigen Abständen wurden Exemplare in vielen Teilen der Welt angeschwemmt oder von Fischern mit dem Netz gefangen (s.o.). In den 1920er Jahren stellte sich jedoch heraus, dass es eine weitere sehr große Art von Kalmaren gibt, die der Mensch sehr viel seltener zu Gesicht bekommt. Dies sollte sich in der kommenden Zeit durch die zunehmende Tiefseefischerei in den Gewässern der Antarktis jedoch ändern.
1925 waren im Magen eines erlegten Pottwals mehrere Teile von Fangarmen eines Kalmars entdeckt worden. Robson beschreibt unter anderem die bemerkenswerten, drehbaren Haken auf den Fangkeulen der Tentakel und der Haken auf den kürzeren Armen. Aufgrund dieser besonderen Eigenschaften entschloss sich G.C. Robson, diesen Kalmar, obwohl dieser nur in Fragmenten erhalten war, als eine neue Art, Mesonychoteuthis hamiltoni, zu beschreiben.
Robson, G.C. (1925).
"On Mesonychoteuthis, a new genus of oegopsid, Cephalopoda". Annals and Magazine
of Natural History. 9 (16): 272–277. (Auszug,
abgerufen: 13.05.2026).
MolluscaBase:
Mesonychoteuthis hamiltoni G. C. Robson,
1925. (Abgerufen: 12.05.2026).
Seitdem sind nur wenige Kolosskalmare gefunden worden: 1981 fing ein sowjetischer Trawler im Rossmeer einen nicht ausgewachsenen weiblichen Kolosskalmar mit einer Größe von 4 m. Erst 2003 wurde ein weiteres Exemplar, ebenfalls ein nicht ausgewachsenes Weibchen mit einer Gesamtlänge von 6 m und einer Mantellänge von 2,5 m in der Antarktis gefangen. Noch ein Weibchen mit einer Gesamtlänge von 6 m und einer Mantellänge von 2,5 m, ebenfalls nicht ausgewachsen, wurde 2003 nahe der Wasseroberfläche in der Antarktis gefunden. Das erste lebende Exemplar wurde 2005 von Fischern mit einer Langleine nahe der britischen Insel Südgeorgien gefangen, wo es nach einem Köderfisch gegriffen hatte. Schätzungen zufolge betrug seine Mantellänge 3,5 m, seine Tentakellänge 2,3 m und das Gewicht wurde auf 150 bis 200 kg geschätzt, jedoch konnten nur Teile der Fangarme sichergestellt werden.
![]() Kolosskalmar (Mesonychoteuthis hamiltoni, oben) und Riesenkalmar (Architeuthis dux, unten) im Vergleich. Bild: Harry Wilson. Oben: Belegte Exemplare (vgl. O'Shae und Bolstad: Giant Squid and Colossal Squid Fact Sheet). Unten: Vermutete Größen, berechnet nach Schnabellänge und unvollständigen Exemplaren. |
BBC News Asia-Pacific (22.02.2007): "NZ
fishermen land colossal squid". (Abgerufen: 11.05.2026).
Spiegel
Wissenschaft (22.02.2007): "Fischer
fangen lebenden Tiefsee-Koloss". (Archiv, abgerufen: 11.05.2026).
Alison Ballance (Radio
New Zealand, 16.09.2014):
Colossal squid to give up its secrets. (Abgerufen: 11.05.2026).
Dieser Fund hat zu zahlreichen Erkenntnissen geführt:
|
Giganten der Tiefsee - Wie kommt es dazu? Dass Tiere, die in der Tiefsee leben, oftmals größer und robuster gebaut sind, als ihre Verwandten aus höheren Schichten des Meeres, hat mehrere Gründe:
Dieser auch als Abyssal-Gigantismus bezeichnete Effekt tritt bei zahlreichen Tiergruppen auf, darunter Krebstieren, Würmern, Quallen und auch Kopffüßern. Allerdings sind die Ursachen bis heute nicht vollständig geklärt, da hier vermutlich mehrere Faktoren gleichzeitig zusammenwirken. Quelle:
Wikipedia (Englisch):
Deep
Sea Gigantism. (Abgerufen: 13.05.2026). |
Kolosskalmare nutzen ebenso wie die Riesenkalmare eine Ammoniakverbindung in ihrem Muskelgewebe, um leichter im Wasser schweben zu können. Die Flossen am Ende des Mantels sind, verglichen mit denen des Riesenkalmars, außerdem relativ deutlich stärker und breiter ausgebildet, was vermutlich darauf schließen lässt, dass der Kolosskalmar sich häufiger langsam schwebend fortbewegt als die agileren Riesenkalmare.
Die Augen des Kolosskalmars sind vermutlich die größten bekannten Augen im Tierreich und besitzen einen Durchmesser von mindestens 27 cm mit einem Pupillendurchmesser von 8 - 9 cm. Es wird angenommen, dass die Augen beim lebenden Tier eher 30 - 40 cm groß sein können. Das Sehzentrum des Kolosskalmars ist besonders stark entwickelt. Zusätzlich besitzt der Kolosskalmar Licht erzeugende Organe (Photophoren). Diese bilden jeweils ein senkrechtes Band hinter den Augäpfeln. Das erzeugte Licht dient vermutlich dazu, die unmittelbare Umgebung und mögliche Beute in der Dunkelheit der antarktischen Tiefsee sichtbar zu machen. Die Biolumineszenz entsteht durch chemische Prozesse, möglicherweise unter Beteiligung symbiotischer Bakterien.
Der Schnabel des Exemplars wurde mit 38 mm (Länge des Unterschnabels) vermessen. Nachdem in den Mägen erlegter Pottwale jedoch Kalmar-Schnäbel mit einer erheblich größeren Länge gefunden wurden, geht man davon aus, dass Kolosskalmare deutlich größer werden können.
Die Fangarme des Kolosskalmars sind, wie beim Riesenkalmar mit Zahnkränzen an den Saugnäpfen bewehrt. Zusätzlich aber verfügen Kolosskalmare auch noch über Chitinhaken in den Armen und in den keulenähnlichen Enden (Fangkeulen) der langen Tentakel. Die Armhaken sind feststehend: Jeder Haken sitzt in einer Muskelscheide in einer Doppelreihe entlang der Arme. Die Haken sind dreispitzig: Sie besitzen eine Hauptspitze und zwei kleinere, weiter unten ansetzende Spitzen. Im Gegensatz dazu sind die Haken in den Fangkeulen kleiner und besitzen nur eine Spitze. Sie sind um 360° drehbar, wobei unklar ist, ob der Kalmar die Haken willentlich drehen kann. Auch diese Haken sind in einer Doppelreihe entlang der Mittellinie der Fangkeulen angeordnet. Auf der Außenseite jeder Reihe drehbarer Haken verläuft außerdem eine Reihe kleiner Saugnäpfe. Insgesamt besitzt der Kalmar etwa 20- 25 Haken auf jeder Fangkeule.
![]() Glaskalmar (Teutowenia pellucida): Poor Knights Is- lands, Neuseeland. Bild: Paul Caiger (iNaturalist). |
Zwar verfügen auch andere Kalmar-Gruppen über Tentakel-Krallen, der Riesenkalmar gehört jedoch nicht dazu (mit Ausnahme der zahnbewehrten Ränder der Saugnäpfe).
New Zealand National Museum
(Te Papa Tongarewa):
Colossal Squid (Arms
and Tentacles). (Abgerufen: 11.05.2026).
BeyondTheBlue:
Why
Squids Are So Terrifying In The Antarctic. (
YouTube Video, abgerufen: 12.05.2026).
Die hakenbewehrten Fangarme des Kolosskalmars erklären auch die Herkunft seines
wissenschaftlichen Namens: Mesonychoteuthis setzt sich zusammen aus dem
griechischen "μέσος" (mésos): in der Mitte, "ὄνυξ" (ónyx): Kralle und "τευθίς"
(teuthís): Kalmar. Nach seinem Entdecker Hamilton heißt er also übersetzt
Hamiltons Mittelkrallenkalmar. Systematisch gehört er in der Ordnung Oegopsida
jedoch zu einer anderen Gruppe als die Riesenkalmare, und zwar zur Familie der
Gallertkalmare (Cranchiidae:
vgl.
Systematik der Kopffüßer!).
Erst 2025 wurde ein 30 cm langes Jungtier des Kolosskalmars bei den südlichen Sandwich-Inseln im Rahmen einer ozeanographischen Expedition im Südatlantik erstmals in freier Wildbahn dokumentiert. Diese Jungtiere oder Paralarven sind durchsichtig und ähneln stark denen des Antarktischen Glaskalmars (Galiteuthis glacialis), der in denselben Gewässern vorkommt. Nachdem die Forscher beide antreffen konnten, war anscheinend eine Unterscheidung anhand der Armkrallen des Kolosskalmars möglich.
Nat Geo Animals:
Hunt for
the Giant Squid (2019). (
YouTube Video, abgerufen: 12.05.2026).
Schmidt Ocean
Institute:
Colossal
Squid, 1st Live Observation (2025). (
YouTube Video, abgerufen: 12.05.2026).
Wikipedia (Englisch):
Colossal
Squid. (Abgerufen: 12.05.2026).
![]() Alexander von Humboldt (1769 - 1859). Gemälde von Joseph Karl Stieler (Quelle). |
![]() Humboldtkalmar (Dosidicus gigas): Isla Mocha, Chile. Bild: Daniel Martínez-Piña (iNaturalist) |
MolluscaBase:
Dosidicus gigas (A. d'Orbigny, 1835).
(Abgerufen: 13.05.2026).
Der Name des Humboldtkalmars rührt von seinem Hauptverbreitungsgebiet her: Humboldtkalmare sind vor allem entlang der Westküste Süd- und Mittelamerikas zu finden. Dort verläuft der Humboldtstrom (benannt nach dem Forscher Alexander von Humboldt) oder Perustrom, eine kalte, salzarme oberflächennahe Meeresströmung, die ihren Ursprung in der Antarktis hat und entlang der Küste Chiles und Perus nach Norden fließt, bis sie südlich des Äquators die Küste verlässt und nach Westen fließt. Zusammen mit vertikalen Wasserströmungen ("Upwelling"), die nährstoffreiches Wasser aus der Tiefe zuführen, gehört das Gebiet des Humboldtstroms zu den nährstoffreichsten der Erde.
Wikipedia:
Humboldtstrom. (Abgerufen: 13.05.2026).
In einer Wassertiefe von 200 bis 700 m jagen die Humboldtkalmare hier nach Fischen und anderen Kopffüßern und haben sich dabei von Patagonien bis nach Kalifornien im Norden ausgebreitet. Wenige Exemplare wurden inzwischen auch schon weiter nördlich, z.B. im Puget Sound (Washington State, USA) und British Columbia (Kanada) angetroffen. Eine möglicherweise folgenschwere Veränderung findet allerdings unter anderem durch das Phänomen El Niño statt: Die Erwärmung des Wassers aufgrund meteorologischer Veränderungen hat zur Folge, dass das Wasser weniger Sauerstoff und in weiterer Folge weniger Nährstoffe enthält. Die daraus folgende abnehmende Anzahl an Beutetieren, wie Fischen und anderen Kopffüßern hat letztlich auch eine Abnahme der Humboldtkalmare zur Folge. Ähnliche Folgen sind von der zunehmenden klimatischen Veränderung durch die globale Erwärmung zu erwarten. Klimatische Veränderungen könnten außerdem die Grundlage für Migrationsbewegungen des Humboldtkalmars nach Norden bilden, der zwar sehr niedrigen Sauerstoffgehalt im Wasser tolerieren kann, jedoch den Beutegründen folgt.
Zeidberg,
L.D.; Robison, B.H. (2007): "Invasive
range expansion by the Humboldt squid, Dosidicus gigas, in the eastern
North Pacific". Proc. Natl. Acad. Sci. U.S.A. 104 (31) 12948 - 12950. (Link,
abgerufen 13.05.2026).
Humboldtkalmare sind die größten der Pfeilkalmare (Ommastrephidae), die auf Englisch auch als "Jumping Squid" bezeichnet werden. Sie leben meist in Schulen von bis zu 1200 Kalmaren. Dank ihres kalmartypischen Rückstoßantriebes können sie sich schwimmend mit einer Geschwindigkeit von bis zu 24 km/h oder 13 Knoten fortbewegen. Zur langsameren Fortbewegung dienen ihnen ihre sehr breit ausgebildeten Mantelflossen.
![]() Zwei Humboldtkalmare (Dosidicus gigas): Bucht von Monterey, Kalifornien, USA. Quelle: Zeidberg, Robison (2007). |
Wikipedia (Englisch):
Humboldt
Squid. (Abgerufen: 13.05.2026).
![]() Humboldtkalmar (Dosidicus gigas): La Jolla, Kalifor- nien, USA. Bild: Ferleys (iNaturalist). |
Ob und inwieweit Humboldtkalmare tatsächlich koordiniert jagen, ist strittig. Mehrere Arbeiten vertreten diese Ansicht, jedoch wird die Gültigkeit teilweise angezweifelt.
Helena Smith (Deep
Sea News):
Coordinated Hunting in Red Devils. (Abgerufen: 13.05.2026).
Auf Spanisch wird der Humboldtkalmar auch als "diablo rojo" oder roter Teufel bezeichnet: Es gibt zum einen vielfältige Hinweise darauf, dass Humboldtkalmare auch Artgenossen fressen, seien es kleinere, schwächere oder verletzte Exemplare. Zudem sind Humboldtkalmare recht groß und treten oft in großer Zahl in einem Gebiet auf, das aufgrund seines Fischreichtums auch von der lokalen Fischerei genutzt wird. Zusammenstöße sind daher nahezu vorprogrammiert.
Allerdings liegt der zum Teil auch von der Literatur (s.o.) übernommene Schimpfname zum einen vor allem darin begründet, dass die Tiere (wie viele Kopffüßer) insbesondere im aggressiven Zustand eine rote Färbung zeigen und dass sie zum anderen durchaus auch gegenüber Menschen aggressives Verhalten zeigen können: Das geschieht allerdings vor allem während ihrer Nahrungsaufnahme, z.B. durch Beute-Verwechslungen, und außerdem, wenn sich die Kalmare durch besonders bunte Ausrüstung oder Lampen des Tauchers provoziert fühlen. Dann allerdings ist der kräftige Schnabel durchaus dazu in der Lage, die menschliche Haut zu durchdringen. Taucher tragen daher in Gebieten, wo mit dem Auftreten von Humboldtkalmaren zu rechnen ist, oftmals einen Kettenpanzeranzug oder ähnliche Schutzmaßnahmen.
Der Humboldtkalmar ist die am meisten durch den Menschen genutzte Art von Kopffüßern. Er wird vorwiegend mit Köder tragenden Langleinen gefischt. Der Konsum von in der Größenordnung einer Mio. Tonnen von Humboldtkalmaren durch den Menschen jährlich ist auch insofern interessant, da Humboldtkalmare, ebenso wie der Riesenkalmar und der Kolosskalmar (s.o.) Ammoniakverbindungen enthalten, um den Auftrieb zu unterstützen, auch wenn der Humboldtkalmar erheblich agiler ist als die zuvor genannten Arten. Daher muss das Fleisch des Humboldtkalmars zunächst behandelt werden, bevor es vom Menschen konsumiert werden kann: Eine Methode ist zum Beispiel, dass die frisch gefangenen Kalmare zunächst weichgeklopft werden, anschließend drei Stunden in Eiswasser mit einer 1%igen Milch- und Zitronensäurelösung eingelegt, dann gewaschen und schließlich in einer 6%igen Salzlake-Lösung weitere drei Stunden eingelegt werden. Erst dann können sie, z.B. als Kalmarsteaks, auf dem Fischmarkt angeboten werden.
![]() Pazifischer Riesenkrake (Enteroctopus dofleini): Hoodsport, Washing- ton, USA. Bild: Amelia Serafin (iNaturalist) |
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Die größten heute auf der Erde existierenden Kraken sind jedoch deutlich kleiner und keineswegs dazu in der Lage, etwa ein Segelschiff anzugreifen. Zu den Riesenkraken gehört immerhin die größte rezente Krakenart, der pazifische Riesenkrake (Enteroctopus dofleini).
Die erwachsenen Tiere erreichen normalerweise etwa 15 kg mit einer maximalen Armspannweite von über 4 m. Das größte gemessene Exemplar soll immerhin 270 kg gewogen und eine Armspannweite von knapp 10 m besessen haben. Der Pazifische Riesenkrake ist einer der bekanntesten amerikanischen Kopffüßerarten und ist unter anderem deshalb so bekannt geworden, da er in vielen Aquarien entlang der amerikanischen Westküste gehalten wird und außerdem eine nicht unbedeutende Rolle in der Fischerei und in der lokalen Kultur spielt.
Erlebnis Erde:
Riesenkraken - Geheimnisvolle Wesen aus der Tiefe.
(
YouTube Video, abgerufen:
16.05.2026).
![]() Roter Riesenkrake (Enteroctopus megalocyathus): Pardelas, Golfo Nuevo, Argentinien. Bild: Gonzalo Bravo (iNaturalist) |
Der Pazifische Riesenkrake wurde 1862 von dem amerikanischen Malakologen W.M. Gabb als Octopus punctatus beschrieben. In der Arbeit heißt es, Octopus punctatus sei dem südamerikanischen Octopus (später Enteroctopus) megalocyathus am ähnlichsten. Berichten zufolge erreiche die Art, die in der Umgebung von San Francisco häufig und auch in Baja California zu finden sei, eine Armlänge von mehreren Fuß, es sei aber auch schon ein Exemplar mit einer Armlänge von über sieben Fuß (ca. 2,10 m nach heutiger Rechnung) beobachtet worden. Der deutsche Malakologe G. Wülker beschrieb den Pazifischen Riesenkraken 1910 erneut in einer Arbeit über Kopffüßer in japanischen Gewässern, benannte ihn jedoch als Polypus dofleini. Der Artname Octopus punctatus setzte sich schlussendlich nicht durch.
Erst 1998 erkannte man nach anatomischen Untersuchungen, dass sich verschiedene anatomische Merkmale, unter anderem der Aufbau der Kiemen, so nennenswert von denen anderer Kraken, wie dem Gewöhnlichen Kraken (Octopus vulgaris) unterschied, dass es gerechtfertigt erschien, ihn der Gattung Enteroctopus zuzuordnen. Zu dieser gehören heute eben auch die bereits genannten anderen Riesenkrakenarten. Seit 2014 werden sie in der Familie Enteroctopodidae zusammengefasst, zusammen mit anderen Arten, wie dem tiefseelebenden Vulkanoktopus (Vulcanoctopus hydrothermalis, vgl. Systematik der Kopffüßer).
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| MolluscaBase: Enteroctopodidae Strugnell, Norman, Vecchione, Guzik & Allcock, 2014. (Abgerufen: 14.05.2026). | |
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| MolluscaBase: Enteroctopus dofleini (Wülker, 1910). (Abgerufen: 16.05.2026). | |
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Wikipedia (Englisch):
Giant Pacific Octopus. (Abgerufen: 14.05.2026). |
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| Gabb, G. (1862): Descriptions of two new species of Cephalopodes in the Museum of the California Academy of Natural Sciences. Proceedings of the California Academy of Natural Sciences. 2: S. 170-172. (Link, abgerufen: 16.05.2026). | |
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| Wülker, G. (1910): Über japanische Cephalopoden: Beiträge zur Kenntnis der Systematik und Anatomie der Dibranchiaten. Bd. 3: 1, S. 7 f. Verlag der K.B. Akademie der Wissenschaften, München. (Link, abgerufen: 14.05.2026). |
![]() Stellerscher Seelöwe (Eumetopias jubatus) frisst einen Riesenkraken: Elfin Cove, Alaska, USA. Bild: Kim Nesbitt (iNaturalist) |
Gayne C. Young (Outdoor
Life):
Pacific Octopus Eats Seagull. (Abgerufen: 14.05.2026).
![]() Möwe frisst den Tentakel eines Riesenkraken: Victoria, British Columbia, Kanada. Bild: Kelpadelpian (iNaturalist) |
In seinem Verbreitungsgebiet ist der Riesenkrake meistens von der Gezeitenzone (Intertidal) bis in eine Tiefe von 2000 m anzutreffen, und kommt besonders in kälterem sauerstoff- und nährstoffreichem Wasser. Dabei stehen dem Riesenkraken, wie anderen Kraken auch, zwei unterschiedliche Fortbewegungsmethoden zur Verfügung:
Eine schnelle schwimmende Fortbewegung im Wasser findet durch den für Kopffüßer typischen Rückstoßantrieb statt: Der Krake presst Wasser aus der Mantelhöhle durch den Sipho aus und wird dadurch rückwärts davongetrieben. Dabei schwimmt er mit dem Körper voran und zieht seine Fangarme hinter sich her (s.o.).
Am Ozeanboden kann er sich hingegen langsamer fortbewegen, indem er mit den Fangarmen über den Boden "geht". Dabei untersucht er gleichzeitig die Umgebung: Um die Saugnäpfe herum angeordnete Sinneszellen versorgen ihn zusätzlich mit Geruchs- und Geschmacksinformationen. Nachdem jeder Arm einen eigenen Nervenknoten oder Ganglion besitzt, können die Arme auch bis zum gewissen Grade autonom eingesetzt werden (vgl. Nervensystem). Diese Saugnäpfe können bei großen Riesenkalmaren bis über 6 cm Durchmesser haben und bis zu 16 kg Gewicht halten.
Cosgrove,
James; McDaniel, Neil: "Super Suckers: The Giant Pacific Octopus and Other
Cephalopods of the Pacific Coast". Harbour Publishing, Pender Harbour, BC, 2009.
![]() Riesenkrake in seinem Versteck: Puget Sound, Washington, USA. Bild: Daniel Hershman (iNaturalist) |
Riesenkraken sind relativ ortstreu, sie behalten ihre Wohnstatt meist so lange, wie es geht und ziehen nur bei Notwendigkeit, oft nur wenige Meter entfernt, um. Solche Wanderbewegungen können oftmals stattfinden, weil nicht mehr genug Nahrung zur Verfügung steht, oder weil der Sauerstoffgehalt des Wassers, z.B. als Folge von Überdüngung und Algenblüte) zu gering wird. Zudem bevorzugt der Pazifische Riesenkrake Wassertemperaturen von 8 - 12°C, was auch infolge von Klimaveränderungen dazu führen kann, dass die Tiere in tieferes und kälteres Wasser abwandern.
Monterey Bay
Aquarium:
Giant Pacific Octopus. (Abgerufen: 16.05.2026).
Während die meisten Krakenarten nur ein Jahr alt werden, können Pazifische Riesenkraken ein Alter von drei bis fünf Jahren, mit einer Geschlechtsreife bei etwa zwei Jahren, erreichen. Um ihre dennoch vergleichsweise kurze Lebenserwartung zu kompensieren, legen Riesenkraken sehr viele Eier: Ein weiblicher Riesenkrake kann zwischen 120.000 und 400.000 Eiern legen. Die Begattung findet durch den so genannten Hectocotylus statt, einen spezialisierten Arm, mit dessen Hilfe das Männchen eine sehr große Spermatophore im Mantel des Weibchens platziert. Das Weibchen bewahrt die Spermatophore in ihrer sogenannten Spermatheca auf, bis sie bereit für die Befruchtung ist. Bei einem Weibchen im Seattle Aquarium konnte eine Zeitspanne von etwa sieben Monaten zwischen Begattung und Ablage der befruchteten Eier beobachtet werden.
![]() Paralarve eines Pazifischen Riesenkraken (Enteroctopus dofleini): San Juan Island, Washington, USA. Bild: J.A. Fields (iNaturalist). |
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| Anderson, R.C.; Wood, J.B.; Byrne, R.A. (2002): "Octopus Senescence: The Beginning of the End". Journal of Applied Animal Welfare Science. 5 (4): 275 - 283. (Abstract, abgerufen: 16.05.2026). |
Die Paralarven des Pazifischen Riesenkraken haben beim Schlüpfen etwa die Größe eines Reiskorns und wiegen nur 0,03 g. Allerdings wachsen sie sehr schnell: Bis etwa zum Alter von zwei Jahren täglich etwa 0,9%, bis sie etwa 20 - 40 kg Gewicht erreicht haben. Bis dahin gehören sie aber zur Beute sehr vieler Plankton fressender oder filtrierender Tiere, und nur sehr wenige überleben das Jugendstadium. Das Wachstum und Heranreifen von Kraken hängen erheblich von der Wassertemperatur ab: Während die Tiere in kälterem Wasser langsamer heranwachsen, geschieht dies in wärmerem Wasser schneller, jedoch haben diese Kraken daher auch eine um bis zu 20% kürzere Lebenserwartung.
![]() Riesenkrake versteckt sich hinter einer Kamm-Muschel: Alexander Ar- chipelago, Alaska, USA. Bild: Madison Reynolds (iNaturalist). |
Riesenkraken, wie andere Kraken, haben erstaunliche Fähigkeiten. Sie können ihre Farbe verändern, um sich zu tarnen, aber auch, um Stimmungen kundzutun: Deshalb zeigen viele Kraken eine rote Farbe, nachdem sie gerade gefangen wurden - ein Ausdruck von Aggression oder Stress. Zusätzlich können sie mit Hilfe von Hautpapillen auch die Oberflächenstruktur ihrer Haut veränderrn, um ihre Tarnung zu verbessern (vgl.: Färbung, Tarnung und Verteidigung).
Kraken werden gemeinhin als die intelligentesten Wirbellosen betrachtet. Gerade der Pazifische Riesenkrake wird oft entlang der amerikanischen Westküste in Aquarien und Zoos gehalten, da die Tiere aufgrund ihrer Größe leicht zu sehen sind und für Besucher sehr interessant sind. Riesenkraken sind beispielsweise dabei beobachtet worden, dass sie bestimmte Menschen erkennen können und mit Farb- und Formveränderungen, sowie Verhaltensäußerungen, wie Wasser aus dem Sipho zu spritzen, auf sie reagieren. Man geht sogar davon aus, dass Kraken unterschiedliche Persönlichkeiten haben. Riesenkraken können auch Behältnisse, sogar solche mit Kindersicherung, öffnen, um an den Inhalt zu gelangen. Ähnlich, wie der Kokosnuss-Krake (Amphioctopus marginatus) können auch Riesenkraken Gegenstände sammeln oder als Schutz benutzen (vgl.: Intelligenz außerhalb der Wirbeltiere?).
![]() Pazifischer Riesenkrake: Andreevka, Wladiwostok, Russland. Bild: Elena Kushkhova (iNaturalist). |
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BBC Earth:
Genius
Octopus Can Open Jars. ( |
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Monterey Bay Aquarium:
Stuck
on you: caring for our giant Pacific octopus. ( |
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OctoNation:
Playing with Godzilla, the Giant Pacific Octopus at Aquarium of the Pacific!. ( |
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| Anderson, R.C.; Mather, J.A.; Monette, M.Q.; Zimsen, S.R.M. (2010): "Octopuses (Enteroctopus dofleini) Recognize Individual Humans". Journal of Applied Animal Welfare Science. 13 (3): S. 261 - 272. (Abstract, abgerufen: 17.05.2026). | |
|
| Mather, J.A.; Kuba, M.J. (2013): "The cephalopod specialties: complex nervous system, learning and cognition". Canadian Journal of Zoology. 91 (6): S. 431 - 449. (Abstract, abgerufen: 17.05.2026). | |
|
| Mather, Jennifer A.; Anderson, Roland C.; Wood, James B.: "Octopus: The Ocean's Intelligent Invertebrate ". Timber Press, Portland, 2010. (Link, abgerufen: 17.05.2026). | |
|
| Monterey Aquarium: The Giant Octopus Exhibit. (Abgerufen: 17.05.2026). |
Die Auswirkungen des menschlichen Einflusses auf Kraken sind unterschiedlich:
Zum einen werden Kraken aufgrund ihrer weitgehenden Ortstreue von Veränderungen in den Eigenschaften des umgebenden Wassers beeinflusst. Darunter zählen neben Sauerstoff- und Nährstoffgehalt, sowie Wassertemperatur vor allem auch der Säuregrad (pH) des Wassers, der auf Kraken sehr negative Auswirkungen haben kann.
Während einerseits die Verfügbarkeit von Beutetieren durch die Fischerei und Veränderungen der Wasserqualität stark beeinflusst werden kann, kann diese andererseits durch das Abfischen von Fressfeinden der Kraken positiv auf die Krakenpopulation wirken. Dies wiederum führt aber natürlich zu Nahrungskonkurrenz unter den Kraken, mit der Einschränkung, dass ja auch Kraken gefischt werden. Nachdem viele Beutetiere der Kraken, darunter Krebstiere, Muscheln und Schnecken dazu neigen, Schadstoffe in ihrem Gewebe anzusammeln, hat auch dies negative Auswirkungen auf die Gesundheit von Krakenpopulationen.
Seitens der IUCN wird der Pazifische Riesenkrake derzeit als "least concern" eingestuft. Lokal gibt es Bestrebungen, die Fischerei nach Riesenkraken teilweise einzuschränken. Dies beruht allerdings vorwiegend auf lokalen Initiativen aufgrund der großen Bekanntheit des Pazifischen Riesenkraken. Ebenso werden oftmals Stimmen laut, die die Haltung von Kraken in Aquarien ablehnen, da dies eine unzumutbare Grausamkeit gegenüber einem offensichtlich intelligenten Lebewesen darstelle.
In Arbeit
In Arbeit
In Arbeit
In Arbeit
In Arbeit
In Arbeit
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Letzte Änderung: 18.05.2026 (Robert Nordsieck).