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Wie alt ist der Nautilus?

 

Inhalt


Zirrenkrake oder Kleiner Octopus (Eledone cirrhosa): Pembrokeshire,
Wales, UK. Bild: Phil Newman (iNaturalist) Bild vergrößern!.
     
Teil 1 Teil 2 Teil 3 Teil 4
     

 

Einleitung

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Bezeichnung Artenzahl Prozent  
Gastropoda ca. 65.000 - 80.000 ~ 76%



Diagramm: Vergrößerte Darstellung!
Bivalvia ca. 20.000 ~ 21%
Cephalopoda ca. 900 ~ 1%
Scaphopoda ca. 900 ~ 1%
Monoplacophora ca. 25 < 1%
Polyplacophora ca. 1.000 ~ 1%
Solenogastres ca. 300 < 1%
Caudofoveata ca. 150 < 1%
Mollusca ca. 85.000 - 100.000  
  Artenzahlen der Mollusca, verteilt auf Untergruppen, prozentual. Quellen: WoRMS: MolluscaBase eds. (2025): Mollusca Linnaeus, 1758.
In Arbeit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verschiedene Gruppen und Unterschiede

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Klasse Cephalopoda Cuvier, 1795

Unterklasse Endoceratoidea †
Ordnung Endoceratida †
Familie Endoceratidae †: z.B. Cameroceras trentonense Conrad, 1842 †

Unterklasse Nautiloidea
Ordnung Nautilida
Überfamilie Nautiloidea
Familie Nautilidae: z.B. Nautilus pompilius Linnaeus, 1758

Unterklasse Coleoidea
Überordnung Ammonoida †
Überordnung Decapodiformes
Ordnung Bathyteuthida
Ordnung Belemnitida †
Ordnung Idiosepida
Ordnung Myopsida
Familie Loliginidae: z.B. Loligo vulgaris Lamarck, 1798
Ordnung Oegopsida
Überfamilie Cranchoidea
Familie Cranchiidae: z.B. Mesonychoteuthis hamiltoni G.C. Robson, 1925
Familie Ommastrephidae: z.B. Dosidicus gigas (A. d'Orbigny, 1835)
Überfamilie Architeuthoidea
Familie Architeuthidae: z.B. Architeuthis dux Steenstrup, 1857
Ordnung Sepiida
Unterordnung Sepiina
Überfamilie Sepioidea
Familie Sepiidae: z.B. Sepia officinalis Linnaeus, 1758
Ordnung Sepiolida
Ordnung Spirulida

Überordnung Octopodiformes
Ordnung Vampyromorpha
Gattung Nanaimoteuthis: z.B. Nanaimoteuthis haggarti
Familie Vampyroteuthidae: z.B. Vampyroteuthis infernalis Chun, 1903
Ordnung Octopoda
Unterordnung Cirrata
Unterordnung Incirrata
Überfamilie Argonautoidea
Familie Argonautidae: z.B: Argonauta argo Linnaeus, 1758
Überfamilie Octopodoidea
Familie Eledonidae: z.B. Eledone cirrhosa (Lamarck, 1789)
Familie Enteroctopodidae: z.B. Enteroctopus dofleini (Wülker, 1910)
Familie Octopodidae: z.B. Octopus vulgaris Cuvier, 1797.

Quelle: MolluscaBase (2025): Cephalopoda Cuvier, 1795, vereinfacht (Abgerufen 26.04.2026).

Mehrere Exemplare von Lessons Riffkalmar (Sepioteuthis lessoniana):
Seychellen. Bild: David Kimr (iNaturalist) Bild vergrößern!.
 
Kopffüßer (Cephalopoda) sind eine ausschließlich meereslebende Klasse der Weichtiere, die verglichen mit den Schnecken (Gastropoda) und den Muscheln (Bivalvia) nur eine sehr geringe Artenzahl aufzuweisen hat: Weltweit geht man davon aus, dass es etwa 900 bis 1000 rezente Arten von Kopffüßern gibt (s.o.), die nur einen Anteil von etwa 1% der heute bekannten Weichtiere (Mollusca) einnehmen.

Die Bezeichnung Kopffüßer rührt von dem charakteristischen Körperbau dieser Tiergruppe her: Der Körper eines Kopffüßers besteht aus Kopf und Eingeweidesack mit mehreren armähnlichen Anhängen, Füßen oder Fangarmen. Diese setzen am Kopf an, woher der Name, aus dem griechischen κεφαλή (kephalē): Kopf und ποδ- (pod-): Fuß stammt. Während Aristoteles noch den Namen Polypus (πολύπους (polýpous): Vielfüßer) für sie prägte, wurde der daraus entstandene Begriff Polyp später nurmehr für die junge Generation der Hohltiere (Cnidaria), wie z.B. Quallen, verwendet. Georges Cuvier prägte schließlich 1797 den Begriff Cephalopoda für die Gruppe.

Die Zahl der namengebenden Fangarme ist bei den verschiedenen Gruppen der Kopffüßer unterschiedlich: Während die urtümlichen Perlboote eine große Anzahl von bis zu 90 Fangarmen besitzen, verfügen Kraken nur über deren acht, die mit Saugnäpfen besetzt sind. Den Sepien und Kalmaren hingegen stehen zwei weitere, deutlich längere Fangarme zur Verfügung, während die übrigen acht kürzeren Arme nur als Greifarme verwendet werden.

Früher wurden die Kopffüßer in zwei "moderne" Gruppen, wenig überraschend nach der Zahl ihrer Fangarme, unterschieden - die Decabrachia (Zehnarmige Tintenfische), unter diesen die Kalmare und Sepien, und Octobrachia (Achtarmige Tintenfische) mit den Kraken und verwandten Arten. Diesen entgegengestellt wurde die offensichtlich sehr alte Gruppe der Perlboote oder Nautilus-Ähnlichen.

Wie die nebenstehende (vereinfachte) Systematik zeigt, ist die Einteilung in dieser Form jedoch nicht mehr aktuell und, obwohl die Systematik der Kopffüßer noch nicht vollständig erforscht ist, soll hier die heutige Sicht laut MolluscaBase (2025) dargestellt werden. Dabei sollte allerdings auch erwähnt werden, dass MolluscaBase eine dynamische Datenbank ist, die sich mit neueren Erkenntnissen verändern kann. So werden die Kopffüßer heute in phylogenetische Gruppen eingeteilt.

Auf nachfolgenden Seiten sollen vier große Gruppen innerhalb der Kopffüßer in größerem Detail behandelt werden, und zwar die Kraken (Octopodidae), die Kalmare (Loliginidae), die Sepien (Sepiidae) und die Perlboote (Nautilidae). Diese vier unterscheiden sich erheblich in ihrem Entwicklungsweg und in ihrer Lebensweise: Während die Kraken vorwiegen am Ozeanboden (benthisch) und die Sepien nahe dem Ozeanboden leben, aber im Allgemeinen deutlich mobiler sind, leben die Kalmare, ähnlich wie viele Fische, im freien Wasser (pelagisch).

Unterklasse Nautiloidea


Perlboot (Nautilus pompilius), Frontalansicht: Bru-
gelette, Belgien. Bild: Hans Hillwaert (Quelle).
 
Zur altertümlichen Unterklasse der Nautiloidea mit der einzigen rezenten Ordnung Nautilida auf der einen Seite gehört z.B. das Perlboot (Nautilus pompilius), das aufgrund vieler als urtümlich angesehener Merkmale (z.B. eine Vielzahl von Tentakeln ohne Saugnäpfe, vier Kiemen und eine äußere Schale als einzige rezente Gruppe der Kopffüßer) als lebendes Fossil betrachtet wird. Tatsächlich geht man davon aus, dass die Linie der Nautilida vermutlich deutlich weiter zurück reicht, als etwa die der bekanntesten fossilen, Schalen tragenden, Kopffüßer, etwa Ammoniten und Belemniten, die in den Meeren des Jura-Zeitalters (vgl. Erdzeitalter) in großer Zahl vorkamen.

Unterklasse Coleoidea

Dem entgegen steht die unter den rezenten Kopffüßern heute dominante Gruppe der Coleoidea, eingeteilt in die zehnarmigen Decapodiformes und die achtarmigen Octopodiformes: 

Äußerlich unterscheiden sich die beiden wichtigsten Gruppen der Coleoidea neben ihrer Lebensweise vor allem durch die Zahl ihrer Fangarme: Kraken haben, wie ihr Name Octopus (griechisch Achtfüßer) schon besagt, acht Fangarme, die sämtlich mit Saugnäpfen besetzt sind. Kalmare und Sepien hingegen haben zehn Fangarme, davon acht kurze mit Saugnäpfen besetzte, und zwei lange, die nur am Ende keulenartig verbreitert sind und Saugnäpfe tragen.

Überordnung Decapodiformes

Zur Gruppe der Decapodiformes gehören die zehnarmigen Kopfüßer. Zu diesen gehört einerseits die Ordnung Sepiida mit den Sepien oder "eigentlichen" "Tintenfischen" (Sepiidae). Zur Ordnung Myopsida gehören andererseits die "eigentlichen" Kalmare (Loliginidae). Zwar ist beiden gemeinsam, dass sie zusätzlich zu den acht Greifarmen auch zwei weitere stark verlängerte Fangarme besitzen, jedoch unterscheiden sie sich im Erscheinungsbild und in der Lebensweise stark:

 
Gewöhnlicher Tintenfisch (Sepia officinalis): Zakynthos, Griechenland.
Bild: Falk Viczian (iNaturalist) Bild vergrößern!. 
 
Gewöhnlicher Tintenfisch (Sepia officinalis):  Girona, Katalonien, Spa-
nien. Bild: Ealcaniz (iNaturalist) Bild vergrößern!. 
Sepien sind vorwiegend geruhsame Schwimmer, die, oftmals sehr gut getarnt vgl. Färbung, Tarnung und Verteidigung), im Schelfmeer nahe dem Ozeanboden leben und für die Fortbewegung vor allem ihren verbreiterten Mantelsaum benutzen.

Karibischer Riffkalmar (Sepioteuthis sepioidea)
Karibischer Riffkrake (Sepioteuthis sepioidea): Virgin Islands.
Bild: Monica Schandel (iNaturalist)) Bild vergrößern!.
 
   
Ommastrephes bartramii
Pfeilkalmar (Ommastrephes bartramii): Südöstlich von Kyushu, Japan.
Bild: Maksim Stefanovich (iNaturalist)) Bild vergrößern!. 
 
Hingegen sind die Kalmare meist schnelle, oftmals in Schwärmen im offenen Meer lebende Tiere sind, die sich vorwiegend mit Hilfe ihres Rückstoßantriebs bewegen und zur Stabiliserung endständige Flossen am Mantel besitzen, die sie auch zur langsamen Fortbewegung nutzen (vgl. Fortbewegung der Kopffüßer). Die Riffkalmare (Sepioteuthis) andererseits sind zwar Kalmare, ähneln aber in ihrer Lebensweise eher einer Sepie: Ihre Flossen sind stark verbreitert und ähneln fast dem charakteristischen Flossensaum der Sepien.

Zur Ordnung der Oegopsida andererseits gehören zum einen die größten bekannten rezenten Kopffüßer, wie der Riesenkalmar (Architeuthis dux, Familie Architeuthidae) und der Kolosskalmar (Mesonychoteuthis hamiltoni, Familie Cranchiidae). Riesenkalmare, die auch in die tiefsten Regionen des Meeres vordringen, können über 25 m lang werden, wobei allerdings der größte Teil auf die Fangarme entfällt und der eigentliche Körper nur etwa 6 bis 8 m lang wird.

Zum anderen gehören zu ihnen die schnellen Pfeilkalmare (Ommastrephidae, s.u.), die sich in Schwärmen äußerst schnell durchs Wasser fortbewegen können und auf der Suche nach Beute oder auf der Flucht vor Feinden sogar in der Lage sind, für bis zu 30 m durch die Luft zu gleiten, weshalb sie auf Englisch auch als "flying squids" bezeichnet werden (vgl. Fortbewegung). Zu den Pfeilkalmaren gehört aber auch eine andere, sehr große Kalmar-Art, der Humboldtkalmar (Dosidicus gigas).

Unter den rezenten achtarmigen Kopffüßern (Octopodiformes) sind hingegen nur die so genannten Riesenkraken (Enteroctopodidae, s.o.) mit dem unter anderem in Kalifornien vorkommenden Pazifischen Riesenkraken (Enteroctopus dofleini), der eine Spannweite von 9,5 m erreichen kann, relativ groß geworden.

Überordnung Octopodiformes

Auf der anderen Seite umfasst die Gruppe der Octopodiformes die achtarmigen Kopffüßer, die allerdings ihrerseits in mehrere unterschiedliche Gruppen eingeteilt werden:

 

Der Vampirtintenfisch aus der Hölle

Vampirtintenfisch (Vampyroteuthis infernalis)
Vampyroteuthis infernalis. Bild: Monterey Bay Aquarium (MBARI).

Trotz seines wissenschaftlichen Namens, wörtlich "Vampir-Tintenfisch aus der Hölle", ist dieser Kopffüßer nichts davon: Vampyroteuthis is kein Vampir, sindern lebt von Detritus. Er ist auch kein Tintenfisch, denn wie die meisten in der Tiefsee lebenden Kopffüßer besitzt er keine Tintendrüse. Er ist weder ein Kalmar noch ein Krake, sondern als lebendes Fossil zwischen diesen Gruppen anzusiedeln. Vampyroteuthis lebt in der Tiefsee des Pazifiks und kann mit den Spitzen seiner acht Tentakel biolumineszentes Licht erzeugen.

Quelle: Mandy Reid: "Scary by name but not by nature", Australian Museum Research Institute (2020, abgerufen 06.05.2026).

Die Vampirtintenfische (Vampyromorpha) sind eine sehr interessante Übergangsgruppe mit nur einem rezente Vertreter, dem Vampirtintenfisch (Vampyroteuthis infernalis, Familie Vampyroteuthidae). Dessen umgangssprachlicher Name "Vampirtintenfisch" ist allerdings irreführend, denn er ist kein Tintenfisch (vgl. Kasten rechts), sondern vermutlich eine erdgeschichtlich sehr alte Übergangsform zwischen Kalmaren und Kraken. Und als einziger bekannter rezenter Kopffüßer ernährt er sich auch nicht räuberisch, sondern von Detritus, also zerfallendem organischem Material in der Tiefsee. Interessant ist bei dieser Gruppe auch die Nomenklatur: Die Gattungsnamen enden auf -teuthis, was üblicherweise eine Bezeichnung für Arten der Kalmare ist.

Klaus Taschwer (DerStandard.at, 2015): "Die dunklen Geheimnisse von Vampyrotheutis infernalis". (Abgerufen: 08.05.2026).
Mandy Reid: "Scary by name but not by nature", Australian Museum Research Institute (2020, abgerufen 06.05.2026).

Die fossile Sachlage sieht hingegen anders aus: Erst unlängst (2025) wurde der sehr große fossile Kopffüßer Nanaimoteuthis haggarti aus der späten Kreidezeit (vor ca. 100 bis 72 Mio. Jahren, vgl. Erdzeitalter) entdeckt. Von diesen fossilen Kopffüßern ist nur der versteinerte Schnabel bekannt. Extrapoliert man dessen Größe auf die mögliche Größe des lebenden Tiers, so könnte Nanaimoteuthis mit einer Länge nur des Mantels von bis zu 19 m noch größer gewesen sein als ein heutiger Riesenkalmar (Architeuthis dux). Während man anfangs noch davon ausging, es handle sich um einen fossilen Riesenkraken, geht die Vermutung inzwischen eher dahin, dass es sich nicht um einen Vertreter der Cirrenkraken (Cirrata, s.u.), sondern vielmehr um einen Vertreter der Vampirtintenfische handelt, der sich allerdings in seiner Lebensweise sehr stark vom heutigen Vampirtintenfisch unterschied und möglicherweise zu den Spitzenprädatoren seiner Zeit gehörte.


 
Merkur.de: "Wir beginnen gerade erst zu sehen" - Forscher entdecken Urzeitmonster aus dem Meer. (Abgerufen: 17.05.2026).

 
Ikegami, S. et al. (2026): "Earliest octopuses were giant top predators in Cretaceous oceans". Science 392 (6796), S. 406-410. (Abstract, abgerufen: 17.05.2026).

Octopus in 2500 m Tiefe
Tiefsee-Oktopus (Graneledone boreopacifica?) in 2500 m Tiefe auf dem
Galapagos-Rücken im Pazifik. Bild: NOAA (NOAA Photo Library).
 
Zu den Octopoda schließlich gehören zum Einen die Cirrenkraken (Cirrata) und zum Anderen die zirrenlosen Kraken (Incirrata), wie z.B. die Enteroctopodidae mit dem Pazifischen Riesenkraken (Enteroctopus dofleini), dem größten heute lebenden Kraken und die Octopodidae mit den eigentlichen Kraken mit dem in europäischen Meeren vorkommenden Gemeinen Kraken (Octopus vulgaris) und dem Großen Blauen Kraken (Octopus cyaneus, s.u.), sowie den ikonischen giftigen Blauringkraken (z.B. Hapalochlaena lunulata).

Ebenfalls zu den Octopoda gehört die bemerkenswerte Gruppe der Papierboote (Argonautidae). Obwohl sie nur über acht Arme verfügen, besitzen die weiblichen Papierboote dennoch eine äußere Schale. Jedoch wird diese erst nachträglich mit einem Arm hergestellt und entsteht nicht im Verlauf der Entwicklung des Tieres, wie beim Nautilus und vielen anderen Weichtieren.

Mehrere Arten der Octopoda leben im Ozean in großer Tiefe. Zwei Beispiele sind hier der Tiefsee-Oktopus (Graneledone boreopacifica), der auf fast 2000 m Tiefe beobachtet wurde und sich durch eine besonders lange Brutfürsorge auszeichnet, und der Vulkan-Oktopus (Vulcanoctopus hydrothermalis), der, wie sein Name schon sagt, in noch größerer Tiefe (ca. 2600 - 2837 m) an hydrothermalen Quellen (hot vents) am ostpazifischen Rücken im Pazifik gefunden wurde, ähnlich wie die Schuppenfußschnecke (Chrysomallon squamiferum).

Dort macht er Jagd auf die verschiedenen anderen Tiere, die sich ebenfalls an diesen möglicherweise lebensfeindlichsten Lebensraum der Erde angepasst haben. Systematisch gehört er zur Familie Enteroctopodidae, ebenso wie die größte rezente Krakenart, der Pazifische Riesenkrake (Enteroctopus dofleini).

OctoNation: Vulcanoctopus. (Abgerufen: 09.05.2026).
Auralis und Natural World Facts: The Most Extreme Ecosystem on Earth. ( YouTube Video, abgerufen: 06.05.2026).
MolluscaBase: Vulcanoctopus González & Guerra, 1998. (Abgerufen: 09.05.2026).

Körperbau und Morphologie

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Obwohl die meisten Kopffüßer anderen Weichtieren aufgrund ihrer Anpassung an ihre Lebensweise nur sehr wenig ähneln, charakterisiert der Bauplan ihres Körpers sie dennoch als Weichtiere:


Gewöhnlicher Tintenfisch (Sepia officinalis): Marseille, Frankreich.
Bild: Floroux (iNaturalist) Bild vergrößern!. 
 
   

Schulp eines Gewöhnlichen Tintenfisch (Sepia officinalis): Thessaloniki,
Griechenland. Bild: Kostas Zontanos (iNaturalist).
 
Wie bei anderen Weichtieren ist auch bei den Kopffüßern der Körper in Kopf, Eingeweidesack und Fuß eingeteilt, wobei der Mantel den Eingeweidesack schützt. Anders als z.B. bei den Schnecken hat sich der Fuß bei den Kopffüßern zu zwei Körperteilen entwickelt: Zum einen die Tentakel in unterschiedlicher Zahl, zum anderen der Sipho, der für den ikonischen Rückstoßantrieb der meisten Kopffüßer genutzt wird.

Die Fortbewegung der Kopffüßer.

Den Kopffüßern, wie anderen Weichtieren, fehlt sowohl ein inneres als auch ein äußeres Skelett aus Knochen oder Skelettplatten. Stattdessen besitzen Kopffüßer ein so genanntes hydrostatisches Skelett (Hydroskelett): Die Körperwand zusammen mit der mit Flüssigkeit gefüllte Körperhöhle dienen als Stützgerüst, gegen das die Muskeln arbeiten, um Bewegung und Formveränderung zu ermöglichen. Dies verschafft den Kopffüßern eine bemerkenswerte zusammen mit dem hoch entwickelten dezentralen Nervensystem eine erstaunliche Flexibilität und besondere Möglichkeiten, sich zu tarnen.

Wikipedia: Hydroskelett.

Die Schale

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Perlboot (Nautilus pompilius): Brugelette, Belgien.
Bild: Hans Hillwaert (Quelle).

Rechts: Geöffnete Schale von Nautilus pompilius.
Bild: Anne Laudisoit (iNaturalist).
 
Eine äußere Schale fehlt den meisten rezenten Kopffüßern. Die einzige Ausnahme bilden die urtümlichen Perlboote (Nautilidae, Ordnung Nautilida), die bereits seit Jahrmillionen mit einer gewundenen Schale durch die tropischen Ozeane schwimmen. Allerdings ist, anders als die Schale der Schnecken, die der Perlboote nicht zu einer Seite gewunden, sondern in einer Ebene.

Zudem ist sie in einzelne Kammern geteilt, die das Perlboot mittels des so genannten Siphunculus zur Kontrolle seines Auftriebs nutzt (Bild rechts). Dadurch kann der Nautilus den Wasser- und Gasgehalt in den Kammern steuern, ähnlich wie dies heutige U-Boote tun.

Dies scheint auch der ursprüngliche Grund zu sein, aus dem sich die Kopffüßer überhaupt entwickelt haben: Die ersten urtümlichsten Kopffüßervorfahren aus der Übergangszeit zwischen Präkambrium und Kambrium (vgl. Erdzeitalter) entwickelten eine revolutionäre Methode, ihre Schale für Auftrieb im Wasser zu nutzen und sich so vom Ozeanboden zu lösen.

PBS Eons: How the Squid Lost Its Shell. ( YouTube Video, abgerufen: 09.05.2026).
Fossile Geschichte und Paläontologie.

Andere Schalen tragende Kopffüßer sind unter den fossilen Vertretern zu finden: Bekannt sind beispielsweise die Ammoniten mit einer gewundenen runden Schale, die in großer Artenzahlen die Meere des Jurazeitalters bevölkerten und die so genannten Belemniten aus denselben Zeitaltern der Erdgeschichte, deren gerade, ungewundene Schalen auch als Donnerkeile bezeichnet werden, nach den Blitzen, die Zeus in der griechischen Mythologie zu schleudern pflegte. Andere geradschalige (orthokone) fossile Kopffüßer sind die riesenhaften Cameroceras aus dem deutlich früheren Ordovizium (vgl. Erdzeitalter). Im Gegensatz zu ihren schalenlosen Verwandten sind die Schalen tragenden Kopffüßer natürlich deutlich häufiger als Fossilien zu finden, nachdem von ersteren meist höchstens der papageienähnliche Schnabel (vgl. Ernährung) fossil zu finden ist.

Mit Ausnahme der Perlboote (Nautilida) zeigen die übrigen rezenten Kopffüßer eine starke Tendenz zur Reduktion der Schale:

Die größte innere Schale besitzen die zehnarmigen so genannten "Tintenfische" der Sepien (Sepiidae, Ordnung Sepiida). Die auch als Schulp bekannte Schale der Sepien wird oft am Strand angeschwemmt, nachdem der Weichkörper zerfallen ist, und wird von Vogelbesitzern gerne als Schnabelwetzstein im Vogelkäfig und von Schneckenhaltern als Kalkquelle im Terrarium verwendet. Außer zur Stabilisierung des Mantels wird der Schulp der Sepien allerdings auch zur Regulierung des Auftriebs genutzt.

Im Gegensatz dazu steht die deutlich zurückgebildete innere Schale der ebenfalls zehnarmigen Kalmare (Loliginidae, Ordnung Myopsida). Während der dicke Schulp der Sepien noch verkalkt ist, besteht die innere Schale der Kalmare aus einem hornähnlichen Material. Wegen ihrer äußerlichen Ähnlichkeit mit dem Schwert eines römischen Legionärs bezeichnet man sie auch als Gladius.

Die höchstentwickelten heutigen Kopffüßer hingegen, die achtarmigen Kraken (Ordnung Octopoda), besitzen im Gegensatz dazu gar keine Schale mehr, weder eine innere noch eine äußere. Darin sind sie vergleichbar mit Landnacktschnecken, wie den Wegschnecken (Arionidae), denen eine Schale völlig fehlt, im Gegensatz etwa zu den Schnegeln (Limacidae), die wie die Sepien und Kalmare noch einen kleinen inneren Schalenrest besitzen.

Eine Ausnahme scheinen die so genannten Papierboote (Argonauta) darzustellen: Sie gehören zwar zu den zu den Krakenverwandten (Octopoda), besitzen jedoch eine dünne, papierartige Schale. Jedoch ist diese eine sekundäre Bildung und der ursprünglichen Schale der Weichtiere nicht homolog. Zudem können Papierboote auch außerhalb ihrer Schale überleben, im Gegensatz etwa zu einem Nautilus.

Die Augen

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Kalmare (Hier Lessons Riffkalmar Sepioteuthis lessoniana) haben im Ver-
gleich zum Kopf gigantische Augen: Rotes Meer, Westküste, Ägypten.
Bild: Jean-Paul Cassez (iNaturalist).  Ansicht des gesamten Tiers.
 
Schon Alfred Brehm schrieb über die Kopffüßer, "Die Augen sind außerordentlich groß, und zwar nicht nur im Verhältnis zum Körper, sondern auch an sich.". Mit dieser Feststellung war er seiner Zeit nicht der Einzige. Und tatsächlich zählen die Augen der Kopffüßer zu den höchstentwickelten Sehorganen der Wirbellosen.

Die Entwicklungsstufe der Augen bei den Kopffüßern ist jedoch nicht einheitlich. So findet man bei den urtümlichen Perlbooten noch so genannte Lochkamera-Augen, die nach dem Prinzip einer Camera obscura funktionieren, bei dem die Augenöffnung so stark verkleinert wird, dass auch ohne Linse ein Bild auf die Netzhaut projiziert werden kann. In der betreffenden Folge der BBC-Reihe "Walking with Dinosaurs - Sea Monsters" werden solche auch für den riesigen Kopffüßer Cameroceras aus dem Ordovizium (vgl. Erdzeitalter) postuliert, gegen den Nigel Marven sich im Film zur Wehr setzen kann, indem er ihm ins Auge leuchtet.

Im Gegensatz dazu verfügen die "modernen" Kopffüßer - Sepien, Kalmare und Kraken - jedoch über hoch entwickelte Linsenaugen. Die Augen des Riesenkalmars (Architeuthis dux), der erst in der jüngeren Geschichte bekannt geworden ist, nachdem seine Existenz zuvor nur vermutet werden konnte, gehören mit 25 bis 30 cm Durchmesser zu den größten bekannten Augen im Tierreich: Riesenkalmare leben vorwiegend in der lichtlosen Tiefsee, wo die einzige Lichtquelle Biolumineszenz ist. Ein Riesenkalmar kann einen Pottwal auf über 100 m Entfernung erkennen: Das ist zwar weniger ist als die Reichweite des Pottwal-Sonars, verschafft dem Kalmar aber eine gute Chance, zu entkommen.

Im Gegensatz dazu setzt der Kolosskalmar (Mesonychoteuthis hamiltoni) vermutlich sogar selbst Biolumineszenz ein, um in der Finsternis der antarktischen Tiefsee Bedrohungen und Beute besser erkennen zu können.

ARD Alpha: Den Riesenkalmar gibt es in der Tiefsee wirklich. (Abgerufen: 27.04.2026).
Science.orf.at: Augen groß wie Basketbälle. (Abgerufen: 01.05.2026).
Nilsson, D.; Warrant, E.; Johnsen, S.; Hanlon, R.; Shashar, N. (2012): A Unique Advantage for Giant Eyes in Giant Squid. Current Biology 22, S. 683 - 688.

Anders als bei den Wirbeltieren handelt es sich bei den Augen der Kopffüßer aber um so genannte everse Augen: Im Gegensatz zu den inversen Augen der Wirbeltiere entsteht das Auge des Kopffüßers als Augenbecher durch eine Einfaltung der embryonalen Außenhaut und wird erst nachträglich durch Nervenzellen mit dem Gehirn verbunden.

 
Auge eines Gewöhnlichen Tintenfischs (Sepia officinalis): Setubal, Portu-
gal. Bild: João Pedro Silva (iNaturalist).
Daher ist beim inversen Auge der Wirbeltiere die Retina invertiert, so dass das Licht zunächst mehrere Zellschichten durchdringen muss, bevor es die Lichtsinneszellen erreicht. Beim Auge der Kopffüßer hingegen ist die Retina nicht invertiert und die Lichtsinneszellen der Retina daher dem Lichteinfall zugewandt. Die Linse des Kopffüßerauges ist dabei eine besondere Bildung. Die Entstehung des Auges bei Weichtieren und bei Wirbeltieren stellt daher ein klassisches Beispiel für eine konvergente Evolution dar.

Man kann bei den Weichtieren einen Entwicklungsweg darstellen von den Grubenaugen urtümlicher Schnecken über die bereits erwähnten höher entwickelten Lochkameraaugen des (Nautilus, bei denen die Öffnung der Grube auf Kosten der Lichtintensität des Bildes verkleinert wurde, aber dafür ein schärferes Bild ermöglicht, bis hin zu den einfachen Linsenaugen der Landlungenschnecken und die hochentwickelten Linsenaugen der heutigen Kopffüßer (vgl. Augen der Schnecken).

Lange galt es als Rätsel, wie Kopffüßer ihre Umgebung farblich anpassen können, obwohl sie vermutlich nur über einen einzigen Typ von Lichtsinneszellen verfügen und daher eigentlich farbenblind sein müssten. Eine mögliche Erklärung könnte in der ungewöhnlichen Form ihrer Pupillen liegen: Anders als die runden Pupillen der Wirbeltiere besitzen viele Kopffüßer U-, W- oder hantelförmige Pupillen. Diese verstärken einen optischen Effekt, die sogenannte chromatische Aberration, bei der unterschiedliche Farben unterschiedlich stark gebrochen werden. Statt diesen Effekt zu vermeiden, wie das die Augen der meisten Tiere tun, könnten Kopffüßer ihn gezielt nutzen: Durch kleine Veränderungen der Fokussierung würden verschiedenfarbige Objekte unterschiedlich scharf erscheinen. Auf diese Weise könnten Kopffüßer Farben möglicherweise indirekt erkennen, obwohl sie kein Farbsehen im eigentlichen Sinn besitzen. Diese Erklärung wird derzeit jedoch noch wissenschaftlich diskutiert.

Robert Sanders (2016): "Weird pupils let octopuses see their colorful gardens". UC Berkeley News. (Abgerufen: 05.05.2026).
UC Berkeley News: Are octopuses really colorblind?. ( YouTube Video, abgerufen: 14.05.2026).

Der Weichkörper

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Wie andere Weichtiere zeigen auch die Kopffüßer die Einteilung in den typischen Grundbauplan, bestehend aus Kopf, Fuß, Eingeweidesack und Mantel (vgl. z.B. Körperbau der Schnecken). Ebenso wie die übrigen Weichtiere, etwa Schnecken oder Muscheln, haben aber auch die Kopffüßer einen charakteristischen eigenen Bauplan entwickelt, der optimal an ihre Lebensweise angepasst ist.

So werden die Kopffüßer seit Cuvier 1795 als Cephalopoda bezeichnet, ein Name der sich aus den griechischen Bausteinen κεφαλή (kephalē): Kopf und ποδ- (pod-): Fuß zusammensetzt. Und tatsächlich tragen Kopffüßer eine Anzahl von Fangarmen oder Füßen, die am Kopf ansetzen. Dies ist jedoch nur die halbe Wahrheit, denn aus dem Fuß der Weichtiere sind nicht nur die Tentakel der Kopffüßer, sondern auch der so genannte Sipho, entstanden und als homolog zu betrachten. Im Gegensatz zum ebenfalls als Sipho bekannten verlängerten Mantelhöhlenausgang vieler Meeresschnecken dient der Sipho der Kopffüßer auch der Fortbewegung: Durch Zusammenziehen der Ringmuskulatur der Mantelhöhle wird Wasser durch den Sipho ausgepresst, wodurch der Kopffüßer durch einen natürlichen "Düsenantrieb" nach hinten getrieben wird. Besonders die Kalmare können dadurch erstaunliche Geschwindigkeiten erreichen.

Ein früher gebräuchlicher wissenschaftlicher Name für die Klasse der Kopffüßer ist Siphonopoda: Diese Bezeichnung umschreibt die Tatsache, dass der Sipho und die Fangarme der Kopffüßer gemeinsam aus dem ursprünglichen Fuß der Weichtiere entstanden sind.

Die Fangarme

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  Breitarm-Sepie (Ascarosepion latimanus)
Breitarm-Sepie (Ascarosepion latimanus): Sulawesi, Indonesien.
Bild: Steve Cappell (iNaturalist Bild vergrößern!.
Kopffüßer verfügen über eine unterschiedliche Anzahl an Tentakeln oder Fangarmen. Deren Anzahl ist bei den verschiedenen Gruppen der Kopffüßer allerdings unterschiedlich (s.o.).

Die urtümlichsten Kopffüßer, wie die Perlboote (Nautilida) einerseits tragen eine Vielzahl an Tentakeln. Eine ähnliche Situation wird bei fossilen Kopffüßern, wie dem riesenhaften Cameroceras aus dem Ordovizium (vgl. Erdzeitalter), angenommen, obwohl die Weichteile fossiler Weichtiere natürlich naturgemäß selten erhalten bleiben. Perlboote besitzen bis zu 90 Tentakel, die keine Saugnäpfe tragen.

Im Gegensatz dazu verfügen Sepien (Sepiida) und Kalmare (Loliginidae, Myopsida) über zehn Arme (Tentakel), von denen zwei sehr stark verlängert sind und als Fangarme dienen, um der Beute zunächst habhaft zu werden und anschließend die Beute heranzuziehen, wo sie mit den acht übrigen, deutlich kürzeren Greifarmen ergriffen und zur Mundöffnung geführt wird. Kraken (Octopoda) schließlich besitzen, wie ihr Name bereits vermuten lässt, nur acht Tentakel: Bei ihnen sind die beiden stark verlängerten Fangarme zurückgebildet.


Fangarm mit Saugnäpfen des Pazifischen Riesenkraken (Enteroctopus
dofleini
):  Triton, Washington, USA.
 
Großaufnahme der Saugnäpfe.
Bilder: Daniel Hershman (iNaturalist).
 
Außerdem verfügen die Coleoidea, im Gegensatz zu den urtümlichen Nautilida, über Saugnäpfe auf ihren Fang- und Greifarmen. Die stark verlängerten Fangarme der zehnarmigen Kopffüßer besitzen dabei ein keulenartig verbreitertes Ende (Fangkeule), die als einziger Teil des Fangarms über Saugnäpfe verfügt. Die acht kürzeren Greifarme hingegen sind an einer Seite vollständig mit Saugnäpfen besetzt. Zusätzlich dazu verfügen die Fang- und Greifarme über Sinneszellen um die Saugnäpfe herum, die dem Kopffüßer Informationen über die Natur seiner Beute oder seiner Umgebung verschaffen. Dies kann man besonders gut auch bei Kraken sehen, wenn sie über den Ozeanboden "wandern" und dabei mit den Tentakeln ihre Umgebung erkunden.

Die Saugnäpfe der Oegopsida, zu denen die geheimnisvollen Riesenkalmare (Architeuthis), Kolosskalmare (Mesonychoteuthis) und ebenso die Pfeilkalmare (Ommastrephiidae) gehören, sind zusätzlich mit einem Kranz aus Krallen besetzt, die einen besseren Halt an der Beute ermöglichen. Die größten Saugnäpfe auf den Endplatten der langen Fangarme können außerdem mit vier großen Krallen ausgestattet sein ( vgl. Systematik der Kopffüßer!).

Bevor Riesenkalmare überhaupt so gut bekannt waren, wie das heute der Fall ist, waren die Narben, die diese Krallen an den Pottwalen hinterlassen hatten, zu deren Hauptbeute die Riesenkalmare zählen, bereits unter Walfängern bekannt.

Eine Sonderform des Kopffüßerarms ist außerdem der so genannte Hectocotylus (s.u.): Dieser umgestaltete Arm dient dem männlichen Kopffüßer dazu, dem Weibchen Samenzellen in einem Paket, der Spermatophore, zu übertragen.

Das Nervensystem der Kopffüßer ist einerseits sehr hoch entwickelt, andererseits aber teilweise dezentral: Die Fangarme oder Tentakel besitzen eigene Nervenknoten (Ganglien), so dass sie zumindest durch Reflexe bedingt unabhängig (autonom) vom Körper des Tieres eingesetzt werden können.

Atmung und Blutkreislauf

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Die Kopffüßer sind eine ausschließlich meereslebende Gruppe und haben auch, soweit aus fossilen Hinweisen bekannt ist, im Gegensatz zu Schnecken (Gastropoda) und Muscheln (Bivalvia) das Meer niemals dauerhaft verlassen. Allerdings sind z.B. Kraken durchaus dazu in der Lage, sich über kurze Strecken an Land fortzubewegen, um sich z.B. von einem Gezeitentümpel zum nächsten zu begeben.

Die Anzahl der Kiemen ist bei Kopffüßern unterschiedlich (s.o.): So unterscheiden sich die urtümlichen Perlboote (Nautilidae) mit ihren vier Kiemen von den "modernen" rezenten Kopffüßern, wie Sepien, Kalmaren und Kraken, die nurmehr zwei Kiemen besitzen. Die Kiemen der Kopffüßer sind im Wesentlichen Kammkiemen (Ctenidien) mit einer stark vergrößerten Oberfläche und einem dünnen Kiemenepithel, durch das Sauerstoff aus dem Wasser aufgenommen und Kohlendioxid abgegeben wird. Wie auch bei den meisten anderen Weichtieren ist das bei der Atmung genutzte respiratorische Pigment Hämocyanin, nutzt also Kupfer als Sauerstoff bindendes Komplexatom. Daher ist auch bei den Kopffüßern das Blut im sauerstoffreichen Zustand blau.

Kopffüßer sind die einzigen Weichtiere, die einen geschlossenen Blutkreislauf besitzen. Außerdem besitzen sie mehrere Herzen: Bei den modernen Kopffüßern versorgen zwei zusätzliche Kiemenherzen die beiden Kiemen jeweils direkt mit Blut. Der daraus resultierende hohe Blutdruck unterstützt die vergleichsweise hohe Stoffwechselrate.

Das Nervensystem

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Gemeiner Krake (Octopus vulgaris): Marseille, Frankreich.
Bild: Sylvain LeBris (iNaturalist) Bild vergrößern!.
   
 
Schwimmender Krake (Octopus vulgaris): Sète, Hérault, Frankreich.
Bild: Thomas Menut (iNaturalist) Bild vergrößern!.
Das Nervensystem der Kopffüßer stellt das leistungsfähigste System nicht nur bei den Weichtieren, sondern wahrscheinlich bei allen Wirbellosen dar: Einerseits sind die großen zentralen Nervenknoten (Cerebral-, Pedal- und Pleuralganglien) bei den Kopffüßern zu einer komplexen Struktur verschmolzen, die man mit einigem Fug und Recht als Gehirn bezeichnen kann. Das Gehirn der Kopffüßer ist ringförmig aufgebaut und um die Speiseröhre (Oesophagus) herum angeordnet. Daher müssen Kopffüßer ihre Nahrung vor dem Verschlucken ausreichend zerkleinern.

Andererseits verfügen aber auch die Fangarme der modernen Kopffüßer über eigene autonom agierende Nervenknoten, durch die besondere Reflexe bei der Fortbewegung, etwa bei der Nahrungssuche oder Jagd, ausgelöst werden können. Kopffüßer verfügen außerdem über chemische Sinneszellen auf den Fangarmen, die vor allem um die Saugnäpfe konzentriert sind. Dies hat zur Folge, dass der Kopffüßer seine Umgebung nicht nur ertasten, sondern auch schmecken kann. Bei Kraken ist tatsächlich die Mehrzahl der Neuronen in den peripheren Nervenbahnen und in den acht Ganglien der Tentakel konzentriert. Zusätzlich verfügen Kraken über intermuskuläre Nervenbahnen, die Nervenbahnen der Fangarme verbinden, ohne den Weg über das Zentralgehirn zu nehmen.

Nature News Feature: Drew, L. (2026): "Do octopus brains work like humans’ - or is there another way to be smart?" (Link, abgerufen: 05.05.2026).
Auralis and Natural World Facts: Why Octopuses Haven't Taken Over The World... Yet. ( YouTube Video, abgerufen: 06.05.2026).

So kann das Nervensystem der Kraken einen außergewöhnlichen Einblick in dezentrale Neuralnetze, möglicherweise auch bei automatischen Systemen in der Technik, bieten.


 
Bennice, C.O.; Buresch, K.C.; Grossman, J.H. et al. (2025): "Octopus arm flexibility facilitates complex behaviors in diverse natural environments". Sci. Rep. 15, 31875 (Link, abgerufen: 03.05.2026).

 
Mr. Science: Nothing About Octopus Is Normal… Here’s Why. ( YouTube Video, abgerufen: 06.05.2026).

Eine weitere Eigentümlichkeit zumindest der modernen Kopffüßer sind die so genannten Riesenaxone, also besonders dicke Fortsätze der Nervenzellen. Die Grundlage ist hier, dass die Nervenzellen der Weichtiere nicht über die Isolierung durch myelinisierte Schwann'sche Scheiden wie bei den Wirbeltieren verfügen und die so genannte saltatorische Erregungsleitung somit nicht möglich ist, aber durch eine Vergrößerung des Durchmessers der Axone eine Übertragungsgeschwindigkeit erreicht werden konnte, die an die Nervenzellen von Wirbeltieren heranreicht.

Wikipedia: Riesenaxone (Abgerufen: 01.05.2026).
Wikipedia: Erregungsleitung (Abgerufen: 01.05.2026).

Nachdem die Augen der modernen Kopffüßer sehr hoch entwickelt sind, verfügen diese auch über große optische Zentren (Optische Loben) im Zentralgehirn. Zusätzlich besitzen Kopffüßer hoch entwickelte Gleichgewichtsorgane (Statocysten), die seitlich des Gehirns liegen und neben Lageveränderungen und Beschleunigung vermutlich auch niederfrequenten Schall wahrnehmen können.


 
Kaifu, K.; Akamatsu, T.; Segawa, S. (2008): Underwater sound detection by cephalopod statocyst. Fisheries Science, Band 74, S. 781 - 786 (Internet Archive PDF, abgerufen: 01.05.2026).

 
Hu, M.Y.; Yan, H.Y.; Chung, W.S.; Shiao, J.; Hwang, P. (2009): Acoustically evoked potential in two cephalopods infered using the auditory brainstem response (ABR) approach. Comparative Biochemistry and Physiology, Part A: Molecular & Integrative Physiology. Band 153, Nr. 3, 2009, S. 278 - 283, (ResearchGate, Abgerufen: 01.05.2026).

Kopffüßer gelten als die intelligentesten wirbellosen Tiere. Aus Verhaltensexperimenten geht hervor, dass die kognitiven Fähigkeiten von Kraken teilweise an die von Hunden heranreichen. So sind sie zur Abstraktion (beispielsweise Zählen bis 4 oder Unterscheiden verschiedener Formen) und zum Lösen komplexer Probleme in der Lage (u. a. das Öffnen des Schraubverschlusses eines Glases, um an den Inhalt zu gelangen).

Intelligenz außerhalb der Wirbeltiere?

Verhalten und Lebensweise

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Trotz ihrer geringen Artenzahl, verglichen mit anderen Weichtierklassen, ist es den Kopffüßern gelungen, sich im Verlauf ihrer Entwicklung an sehr unterschiedliche Lebensräume und Lebensweisen im Meer anzupassen. Entsprechend verschieden sind auch die Methoden, die Kopffüßer bei der Ernährung, Fortbewegung und Verteidigung einsetzen: So unterscheiden sich die pfeilschnell durchs Meer schießenden Kalmare deutlich von den geruhsam schwebenden Perlbooten und Sepien und den am Boden herumwandernden Kraken. Erstaunlich und bemerkenswert sind die Fähigkeiten vieler Kopffüßer, ihre Farbe und Form zu verändern und sich auf vielfältige Weise zu tarnen. Der Einsatz von Tinte hat bei vielen Kopffüßern zur umgangssprachlichen Bezeichnung Tintenfische geführt.

Nahrungsaufnahme und Verdauung

Die rezenten Kopffüßer sind sämtlich Fleischfresser, mit Ausnahme des urtümlichen, tiefseelebenden Vampirtintenfischs (Vampyroteuthis infernalis, s.o.), der von Detritus, als zerfallendem organischem Material, lebt. Ebenso wie andere Weichtiere haben Kopffüßer eine Radula oder Raspelzunge, mit der sie die weichen Teile ihrer Beute zerlegen. Zusätzlich dazu haben sie den Oberkiefer zu einem hornigen papageienartigen Schnabel entwickelt, mit dem sie Panzer oder Schalen ihrer Beute aufknacken können. Bei den meisten Kopffüßern dient er außerdem zum Zerkleinern der Nahrung, da das ringförmig um die Speiseröhre (Oesophagus) angeordnete Gehirn nur das Verschlucken von Nahrungsbrocken bis zu einer gewissen Größe erlaubt.

Schnabel eines Riesenkalmars
Schnabel eines Riesenkalmars. Bild: Marian Oliver (iNaturalist).
 
Der Schnabel der Kopffüßer ist weitgehend artspezifisch. Der so genannte Unterschnabel ist größer als der Oberschnabel, daher erinnert der Schnabel eines Kopffüßers an einen umgedrehten Papageienschnabel. Die Schnäbel von Kopffüßern sind auch für die Wissenschaft von Bedeutung. Zum einen kann man von der Schnabelgröße eines Kopffüßers auf die Größe seines Körpers schließen, auch wenn dieser nicht mehr zur Verfügung steht. Dies wurde besonders wichtig bei der Erforschung der Riesenkalmare, die oftmals nicht vollständig vorhanden oder bekannt waren, jedoch wurden die Schnäbel in den Mägen erlegter Pottwale gefunden.

Zum anderen haben die meisten Coleoiden-Arten, also fast alle "modernen" rezenten Kopffüßer keine oder fast keine Schale mehr. Paläontologen stehen daher vor dem Problem, dass es kaum Fossilien von schalenlosen Kopffüßern gibt. Um so bemerkenswerter ist es also, wenn eine fossile Krakenart, oder in diesem Fall genau genommen ein Angehöriger der Vamirtintenfische (Vampyromorpha, vgl. Systematik der Kopffüßer) anhand ihres Schnabels nachgewiesen werden konnte und man anhand dieses Schnabels außerdem noch glaubt, ableiten zu können, dass Nanaimoteuthis haggarti zu Lebzeiten in der späten Kreidezeit vor ca. 100 bis 72 Mio. Jahren, vgl. Erdzeitalter) mit einer Mantellänge von bis zu 19 m vermutlich größer war, als ein heutiger Riesenkalmar (Architeuthis dux).


 
Merkur.de: "Wir beginnen gerade erst zu sehen" - Forscher entdecken Urzeitmonster aus dem Meer. (Abgerufen: 17.05.2026).

 
Ikegami, S. et al. (2026): "Earliest octopuses were giant top predators in Cretaceous oceans". Science 392 (6796), S. 406-410. (Abstract, abgerufen: 17.05.2026).

 
Großer Blauring-Krake (Hapalochlaena lunulata), Philippinen.
Photo: Jeff Rosenfeld. Quelle: Vibrant Sea.
Die meisten Kopffüßer nehmen ihre Beute einerseits visuell wahr (vgl. Augen der Kopffüßer), können sie andererseits aber auch mit Hilfe der Fangarme (Tentakel) ertasten. Die Fangarme der meisten heute lebenden Kopffüßer (mit Ausnahme der Perlboote) sind mit Saugnäpfen ausgestattet, die das Ergreifen der Beute erleichtern, die Riesenkalmare verfügen außerdem über Haken in den Saugnäpfen, die den Halt beim Ergreifen der Beute verbessern.

Die Beute der Kopffüßer ist unterschiedlich, ebenso wie ihre Lebensweise: Kalmare stellen vor allem Fischen und Garnelen nach, aber auch anderen Kopffüßern, wie kleineren Kalmaren und Kraken, wobei ihnen ihre langes Paar Fangarme einen entscheidenden Vorteil verschafft, da sie den Fisch bereits fangen können, bevor er überhaupt weiß, dass ein Kalmar da ist. Die meist bodenlebenden Kraken hingegen haben sich auf die Jagd nach hartschaliger Beute, wie Schnecken und Krebstieren spezialisiert. Dabei nutzen sie ihren harten Hornschnabel, um den Panzer oder die Schale der Beute aufzubrechen und fressen den Weichkörper der Beute nachher mit der Radula aus dem Panzer heraus. Bei vielen Arten erleichtert ein im Speichel enthaltenes lähmendes Nervengift die Überwindung der Beute. Außerdem enthält der Speichel der Kraken unterschiedliche Enzyme: Chitinasen zur Schwächung des Panzers bei Krebstieren und Proteasen zum Aufweichen des Weichkörpers der Beute.

Nachdem bei den Kraken die Radula im Allgemeinen mehr oder minder stark reduziert ist, verwendet das Tier eine so genannte Speichelpapille (Salivary papilla) unter der Radula, um Löcher in die Panzer oder Schalen seiner Beute zu bohren. Um ein Loch in die Schalenklappe einer Herzmuschel zu bohren, braucht der Krake etwa 3 Stunden. Anschließend "injiziert" er seinen enzymhaltigen Speichel (s.o.) und saugt das Innere der Muschel durch die Öffnung.

Nixon, M. (1980): "The salivary papilla of Octopus as an accessory radula for drilling shells". Journal of Zoology, 190: 53-57. (Abstract, abgerufen: 04.05.2026).

Einige Kraken-Arten können dieses Gift sogar für die Selbstverteidigung einsetzen: Die normalerweise unscheinbaren Blauringkraken (z.B. Hapalochlaena lunulata) zeigen ihr charakteristisches buntes Ringmuster nur, wenn sie sich bedroht fühlen und verfügen über das Gift Tetrodoxin, das z.B. auch bei Kugelfischen und Seitenkiemerschnecken (Notaspidea) vorkommt und durchaus auch dem Menschen gefährlich werden kann.

Färbung, Tarnung und Verteidigung

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Prachtsepia (Ascarosepion pfefferi):  Bitung, Lembeh-Straße, Sulawesi, Indonesien. Bild: Eva Paulus (iNaturalist).
 
   

Wunderpus photogenicus ist eine Krakenart, die sich besonders auf Mi-
mikry spezialisiert hat: Lombok, Bali-See, Indonesien.
Bild: Alexandra Rawden (iNaturalist) Bild vergrößern!.
 
 

Sepien - die verstohlenen Lauerjäger

Breitarm-Sepie (Ascarosepion latimanus)
Tintenfische oder Sepien (hier: Ascarosepion latimanus) haben zehn Arme. Die beiden langen Fangarme ziehen sie jedoch im Ruhezustand ein. Diese sind nur sichtbar, wenn die Sepie etwas fangen will. Zusätzlich kann die Sepie sich sehr gut tarnen, wenn sie nicht gesehen werden will.
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Bild: Eva Paulus (iNaturalist): Lembeh Island, Indonesien.

Zu den erstaunlichsten Eigenschaften vieler Kopffüßer gehört ihre Fähigkeit, ihre Farbe zu verändern. Dies erreichen sie durch spezialisierte Zellen, die so genannten Chromatophoren. Diese Zellen enthalten einen Farbstoff und sind umgeben von einem Kranz winziger Muskeln. Je nachdem, ob die Chromatophore ausgedehnt oder zusammengezogen wird, ist die enthaltene Farbe sichtbar oder nicht. Kopffüßer können Chromatophoren selektiv steuern und so groß- oder kleinflächig die Farbe ihrer Haut steuern.

Diese Fähigkeit nutzen Kopffüßer unter anderem, um sich zu tarnen, indem sie sich farblich an den Untergrund anpassen. Besonders Sepien und Kraken sind sogar dazu fähig, kompliziertere Muster, z.B. ein Schachbrett, nachzubilden. Außerdem können Sepien ihre Stimmung durch Farbmuster kundtun: So lassen sie z.B. Farbstreifen in Wellen über ihren Körper laufen, um Stress zu zeigen, etwa, wenn sie einer konkurrierenden Sepie begegnen. Andererseits ist z.B. die Prachtsepia (Ascarosepion pfefferi, Bild links), ihrem Namen gerecht, auch im Ruhezustand sehr farbenfroh gezeichnet.

Manche Tintenfische, wie die Breitarmige Sepie (Ascarosepion latimanus) nutzen ihre Fähigkeit zur Farbveränderung auch bei der Beutejagd - nicht nur zur Tarnung, sondern auch, um die Beute, meist Krabben und andere Krebstiere, abzulenken und möglicherweise sogar zu hypnotisieren. Wenn Ascarosepion latimanus auf eine Beute trifft, schwimmt sie langsam auf sie zu und wechselt dabei rhythmisch flimmernd ihre Farbe. Die abgelenkte Beute kann nicht rechtzeitig reagieren und sobald die Sepie nahe genug ist, kommen die beiden langen Fangarme zum Einsatz, ergreifen die Beute und führen sie den acht kurzen Greifarmen zu.

BBC Earth: Blue Planet II: Cuttlefish Hypnotises Prey. YouTube Video, abgerufen: 08.05.2026).
Discovery News: Cuttlefish - Chameleons of the Sea. YouTube Video, abgerufen: 08.05.2026).

Auch viele Kraken haben unterschiedliche Farben, wenn sie aggressionsbereit sind und wenn sie friedlich sind. Giftige Kraken, wie die bereits erwähnten Blauringkraken, verwenden ihre Musterung auch als Warnsignal: Die charakteristische Blauring-Zeichnung ist nur sichtbar, wenn der Krake aggressiv ist. Kalmare verwenden auch flimmernde Farbmuster, um ihre Beute, meist Fische, zu verwirren, so dass sie sie leichter fangen können.

Viele Kopffüßer, darunter vor allem die Sepien und die Kraken, können nicht nur ihre Farbe, sondern zum Teil auch ihre Körperform verändern: So können sie durch muskuläre Kontraktion einzelner Hautbereiche deren Oberfläche durch Papillen verändern, einerseits um sich vor Beute, andererseits, um sich vor Feinden zu tarnen. Dabei kann mit einer farblichen Anpassung an den Untergrund auch die Tinte (s.u.) genutzt werden, wegen der Kopffüßer allgemein den umgangssprachlichen Namen Tintenfische haben.

Ein besonderer Vertreter auf diesem Gebiet ist der Krake mit dem verblüffenden Namen Wunderpus photogenicus (Bild links), der in der Bali-See in Indonesien vorkommt und erst seit 2006 beschrieben ist. Er hat die Fähigkeit, die Gestalt anderer Tiere anzunehmen, um sich zu schützen (Mimikry), wie z.B. einen giftigen Feuerfisch (z.B. Pteropterus antennatus), einer Seeschlange oder andere Fische. Im Gegensatz zum äußerst ähnlichen Mimik-Octopus (Thaumoctopus mimicus) unterscheidet er sich durch eine unterschiedliche Musterung der Saugnäpfe und seine vorwiegend nächtliche Lebensweise.

MolluscaBase eds. (2021): Wunderpus photogenicus Hochberg, Norman & Finn, 2006. (Abgerufen: 06.05.2026).

 
Leuchtkalmar (Watasenia scintillans): Toyama, Honshu, Japan.
Bild: Kisaland (iNaturalist) Bild vergrößern!.
Neben der Fähigkeit, ihre Farbe und Form zu verändern, haben viele Kopffüßer auch die Fähigkeit zur Biolumineszenz. So sind über 70 Arten von Kalmaren bekannt, die biologisches Licht erzeugen können. Die Biolumineszenz entsteht entweder mit Hilfe symbiotischer Bakterien, oder durch spezialisierte Zellen, die so genannten Photophoren, in denen das Enzym Luciferase durch eine Reaktion von Luciferin und Sauerstoff eine Lichtreaktion herbeiführt. Biolumineszenz dient Kopffüßern bei der Paarung oder Tarnung.

Den in der lichtlosen (aphotischen) Tiefsee lebenden ikonischen Riesenkalmaren und Kolosskalmaren dient Biolumineszenz außerdem zur Orientierung und Verteidigung: Zusammen mit ihren übergroßen, hoch entwickelten Augen, deren Wahrnehmung bei den Kolosskalmaren sogar selbst mit Biolumineszenz verstärkt wird, haben diese riesigen Kopffüßer dadurch eine entscheidende Chance gegenüber Pottwalen, die mit Sonar nach ihnen jagen. Im Gegensatz zum Pottwal kann der Kalmar seinen Feind auf etwa 100 m Entfernung sehen und sich so rechtzeitig zurückziehen, auch wenn dessen Sonar eine etwas größere Reichweite hat.

Eine der wenigen biolumineszenten Kopffüßerarten, die auch nahe der Oberfläche anzutreffen sind, sind die so genannten Leuchtkalmare (z.B. Watasenia scintillans, Bild rechts). Sie kommen im chinesischen Meer bis nach Japan vor und werden dort auch gefischt.

Viele Kopffüßer werden umgangssprachlich als Tintenfische bezeichnet. Natürlich sind sie keine Fische, aber die namengebende Tinte ist vielen Kopffüßern eigentümlich. Diese besitzen hinter dem Anus eine besondere Tintendrüse, in der die Tinte aus dem Farbstoff und anderen chemischen Substanzen hergestellt und durch den Sipho nach draußen entlassen wird. Die Anwendung der Tinte bei Kopffüßern ist unterschiedlich: Sie kann zum einen naheliegenderweise der Tarnung dienen, indem der Kopffüßer sie wie eine Rauchbombe einsetzt und sich in ihrem Schutz zurückzieht. Chemische Stoffe in der Tinte können außerdem den Geruchssinn des Feindes behindern. Zusätzlich können manche Kopffüßer mit Hilfe von Schleim der Tinte auch eine bestimmte Gestalt geben, um den Gegner zusätzlich zu verwirren. Bei manchen Arten der Kopffüßer können in der Tinte auch biolumineszierende Partikel Verwendung finden, um für weitere Ablenkung zu sorgen. Außerdem kann die Tinte der Kopffüßer auch Anwendung bei der Jagd oder bei der Paarung finden. Manche Kopffüßer, wie die Gemeine Sepie (Sepia officinalis) färben auch die Hüllen ihrer Eier, um die Embryonen zu tarnen. Viele Tiefsee-Kopffüßer hingegen besitzen keine Tintendrüse.

Die Fortbewegung

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Kalmare: Raketenschwimmer im Ozean!

Gemeiner Kalmar (Loligo vulgaris)
Gemeiner Kalmar (Loligo vulgaris): St. Raphaël, Côte d'Azur, Frankreich.
Bilder: Thomas Menut (iNaturalist).

Besonders auf der Flucht können Kalmare erstaunliche Geschwindigkeiten erreichen: Japanische Wissenschaftler haben eine maximale Geschwindigkeit von 11,2 m/s (über 40 km/h oder 20 Knoten) ermittelt, mehr als der schnellste bekannte menschliche Athlet, Usain Bolt.

Quelle: Spiegel Wissenschaft (2013, Abgerufen: 02.05.2026).
 

 

Gemeiner Kalmar (Loligo vulgaris)
Benutzung der Flossen beim langsamen Schwim-
men des Kalmars.

 
  Ommastrephes bartramii
Pfeilkalmar (Ommastrephes bartramii): Südöstlich von Kyushu, Japan.
Bild: Maksim Stefanovich (iNaturalist)) Bild vergrößern!.
   
  Ommastrephes bartramii
Ein Schwarm von Pfeilkalmaren (Ommastrephes bartramii).
Bild: Maksim Stefanovich (iNaturalist) Bild vergrößern!.
Die Fortbewegung der Kopffüßer ist innerhalb der Weichtiere bemerkenswert, jedoch ebenso unterschiedlich wie die Lebensweise der verschiedenen Gruppen der Kopffüßer. Eine Gemeinsamkeit ist die Fortbewegung nach dem Rückstoßprinzip. Dazu verwenden die Tiere den so genannten Sipho, eine schlauchartige Verlängerung des Mantelhöhlenausgangs. Zusammen mit den Fangarmen ist der so genannte Sipho homolog zum allgemeinen Fuß der Weichtiere. Indem der Kopffüßer durch Zusammenziehen der Ringmuskulatur ruckartig Wasser aus der Mantelhöhle ausstößt, bewegt er sich sehr schnell in der Gegenrichtung fort. Der Sipho kann zudem bewegt werden und außerdem als Steuerorgan dienen.

Hinzu kommen verschiedene Mantelanhänge, die die Fortbewegung unterstützen. So besitzen Kalmare endständige Flossen am Mantelrand, die sie bei der Steuerung unterstützen. Im Gegensatz dazu haben die Sepien den Mantelrand zu einem Saum erweitert, der durch eine wellenartige Bewegung die Fortbewegung unterstützt, die allerdings deutlich geruhsamer ist als bei den Kalmaren.

Im Gegensatz zu seinen flinken Verwandten ist der Karibische Riffkalmar (Sepioteuthis sepioidea, Bild rechts) ein eher geruhsames Tier, was man auch daran erkennt, dass seine endständigen Flossen fast zu einem Mantelsaum wie bei den Sepien ausgewachsen sind. Sein wissenschaftlicher Name beschreibt diese optische Ähnlichkeit mit den Sepien.

Im Besonderen aus Gründen der Energie-Effizienz verwenden schwimmende Kopffüßer ihre Flossen oder Mantelsäume für langsame Geschwindigkeiten, den Rückstoßantrieb jedoch für schnelle Geschwindigkeiten.

Manche Kalmare haben den Rückstoßantrieb so perfektioniert, dass z.B. Pfeilkalmare der Familie Ommastrephidae (Ordnung Oegopsida: vgl. Systematik der Kopffüßer). in Schwärmen sogar manchmal aus dem Wasser springen: eine Fähigkeit, wegen der sie auch als "Fliegende Kalmare" (Flying squid) bezeichnet werden. So kann man z.B. nahe Madeira oft ganze "Schulen" von Pfeilkalmaren (s.u.) beobachten, wie sie aus dem Wasser springen, möglicherweise um Fressfeinden zu entkommen.

Auch in der Nähe von Japan konnten Pfeilkalmare (Ommastrephes bartramii oder Sthenoteuthis oualaniensis) beim Flugverhalten beobachtet werden. Dabei konnte man erkennen, dass die Kalmare sich nicht nur mit dem Rückstoß aus dem Wasser katapultierten und diesen in der Luft weiter einsetzten, sondern zusätzlich ihre groß ausgebildeten Flossen und verbreiterten Tentakel ausbreiteten, um eine längere Flugbahn zu erreichen. Damit konnten die Kalmare sich für bis zu 3 s und eine Entfernung von ca. 30 m in der Luft halten. Sie erreichten eine Geschwindigkeit von 11,2 m/s (über 40 km/h oder 20 Knoten).

Wikipedia: Ommastrephidae. (Abgerufen: 05.05.2026).
Muramatsu, K. et al. (2013): "Oceanic squid do fly". Marine Biology, 160. (PDF, abgerufen: 05.05.2026).

Im Gegensatz zu den vorwiegend im freien Wasser lebenden Sepien und Kalmaren (wobei die Sepien gemeinhin eher nahe dem Ozeanboden leben), sind die Kraken eher an eine bodenlebende (benthische) Lebensweise angepasst. Vor allem jagen sie Krebstiere und Schnecken und verwenden dazu teilweise auch Gift (vgl. Ernährung der Kopffüßer). Im Gegensatz zu ihren freischwimmenden Verwandten bewegen sich Kraken dabei vor allem auch fort, indem sie auf ihren Fangarmen über den Boden "gehen". Im Gegensatz zu Sepien und Kalmaren erlaubt ihnen dies auch, kurze Strecken über Land zurückzulegen, etwa, um von einem Gezeitentümpel zum anderen zu gelangen.

Intelligenz außerhalb der Wirbeltiere?

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Inky der Octopus: Zurück in die Wildnis!


Maori-Krake (Macroctopus maorum): Wellington, Neuseeland. (Hinweis: Das ist nicht Inky!). Bild: Luca Davenport-Thomas (iNaturalist).

Der Maori-Krake (Macroctopus maorum) war 2014 aus einem Krabbenkorb in Neuseeland gerettet worden und endete schließlich im Nationalen Aquarium von Neuseeland. Nach einem Namenswettbewerb erhielt er den Namen Inky.

Nachdem ein Tierpfleger die Abdeckung des Aquariums einen Spalt offen gelassen hatte, entwich Inky 2016 aus seinem Aquarium. Er überquerte mehrere Meter trockenen Boden, bis er ein Abflussrohr erreichte, über das er in den offenen Ozean entkam.

Quelle: Inside Edition auf YouTube (Abgerufen: 01.05.2026).
 
Kopffüßer gelten als die intelligentesten wirbellosen Tiere. Auch wenn es verwunderlich anmutet, Intelligenz mit wirbellosen Tieren in Verbindung zu bringen, deren nächste Verwandte Schnecken und Muscheln sind, geht aus Verhaltensexperimenten hervor, dass vor allem die kognitiven Fähigkeiten der Kraken teilweise an die von Ratten oder Hunden heranreichen. So sind Kraken beispielsweise zur Abstraktion (Zählen oder Unterscheidung von Formen) in der Lage und sind imstande zu lernen: In einem Experiment konnte ein Krake z.B. eine Glocke bedienen, um Futter zu erhalten.

 
Kokosnuss-Krake (Amphioctopus marginatus): Lembeh-Straße, Sulawe-
si, Indonesien: Bild: Colin Marshall (iNaturalist) Bild vergrößern!.
   
  Großer blauer Krake (Octopus cyanea): Beersheba, Rotes Meer, Israel.
Bild: Jonigr (iNaturalist).
Viele Kraken sind außerdem fähig, komplexe Probleme zu lösen: Ein beliebtes Experiment ist beispielsweise, einem Kraken eine Krabbe in einem zugeschraubten Glas zur Verfügung zu stellen. Der Krake kann seine Nahrung nur erreichen, wenn es ihm gelingt, den Schraubverschluss zu öffnen. Beobachtungsexperimente haben außerdem ergeben, dass Kraken Gesichter erkennen können. Dass Kraken auch gerne spielen, ist ebenfalls ein Zeichen für Intelligenz.

BBC Earth: Genius Octopus Can Open Jars. ( YouTube Video, abgerufen: 02.05.2026).

Kraken können zudem auch Gegenstände verwenden: So benutzen manche Arten, wie der Kokosnuss-Oktopus (Amphioctopus marginatus) etwa Kokosnuss-Schalen, um sich darunter zu verstecken. Nachdem der Krake die Kokosnuss-Schalen nicht nur verwendet, um sich darunter zu verstecken, sondern sie auch aktiv mitnimmt, um sie an einen anderen Ort zu transportieren, interpretieren Wissenschaftler dies als eine einfache Form der Werkzeugnutzung.

Scinexx.de (2009): Oktopus trägt Kokosnuss-Schalen. (Abgerufen: 05.05.2026).

Andererseits hat man beobachtet, dass der Große blaue Krake (Octopus cyanea, Bild rechts) bei der Nahrungssuche mit Fischen zusammenarbeitet, die ihm potenzielle Nahrung, vor allem Krabben und andere Krebstiere, zeigen oder diese zumindest aufscheuchen. Wenn jedoch ein Fisch nicht kooperativ ist, versucht, Beute zu stehlen oder dem Kraken ansonsten lästig wird, verteilt dieser auch kräftige Schläge mit den Fangarmen, um den Fisch zu vertreiben. Zumindest stellen Sampaio et al. (2021) auch die These auf, dass manche dieser Angriffe möglicherweise einfach nur "out of spite" (aus Gehässigkeit) stattfinden könnten. Auch dies, wenn auch betrüblich, wäre wiederum ein Zeichen für Intelligenz.


 
BBC Earth: Float Like a Butterfly… Punch Like an Octopus? ( YouTube Video, abgerufen: 02.05.2026).

 
SWR Kultur: Frank Wittig, Nina Kunze: Erstaunliches Teamwork: Kraken und Fische jagen gemeinsam (Abgerufen: 02.05.2026).

 
Sampaio, E.; Seco, M.C.; Rosa, R.; Gingins, S. (2021): Octopuses punch fishes during collaborative interspecific hunting events. Ecology 102 (3). (Link, Abgerufen: 02.05.2026).

Auch wenn das Ausmaß der intellektuellen Fähigkeiten der Kraken noch nicht vollständig bekannt, so hat sich hier doch erstaunlicherweise eine Form von Intelligenz im Tierreich unabhängig und außerhalb der Wirbeltiere entwickelt. Bei allem Ruhm, den Kraken aufgrund ihrer Fähigkeiten genießen, so sollte man doch die Fähigkeiten von Kalmaren nicht außer Acht lassen, die teilweise in großen Schwärmen schwimmen, ähnlich wie Fische, und der Sepien, die den Farbwechsel perfektioniert haben, was oftmals auch zu beobachten ist, wenn sie ihr Revier gegen eine konkurrierende Sepie verteidigen.

DerStandard.at: Karin Krichmayr: Ist Oktopus-Intelligenz fundamental anders als unsere? (Abgerufen: 05.05.2026).

Sozialverhalten

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Gewöhnlicher Tintenfisch (Sepia officinalis) mit Ab-
wehrgeste. Bild: Falk Viczian (iNaturalist). 
 
Viele Kopffüßer zeigen auch ein ausgeprägtes Sozialverhalten. Kalmare einerseits leben, ähnlich wie Fische, oftmals in Schwärmen. Dies verschafft dem einzelnen Kalmar gegenüber Beutegreifern (Walen Fischen und sogar anderen Kalmaren) den Vorteil, dass eine zielreiche Umgebung zu einer geringeren Chance führt, dass ein bestimmter einzelner Kalmar gefressen wird.

IIm Gegensatz dazu sind Sepien und Kraken deutlich weniger sozial: Außerhalb des Paarungsverhaltens (s.u.) sind sie Einzelgänger, die ihr Revier auch vehement gegen Artgenossen verteidigen. Besonders bemerkenswert ist dabei auch die Drohgebärde der Sepien (Bild links), wenn sie sich gegen andere Sepien verteidigen wollen. Ebenso wird dazu eine Farbveränderung eingesetzt, sowohl Kraken als auch Sepien, zeigen meist eine besondere Färbung, wenn sie aggressiv sind.

Fortpflanzung und Entwicklung

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Kopffüßer sind sämtlich getrennt geschlechtlich. Nach einem im Allgemeinen ausgiebigen Paarungsvorspiel übergibt das Männchen an das Weibchen die Spermien in einer Spermatophore.

Der Hectocotylus

 

Das Geheimnis des Hectocotylus

Großes Papierboot (Argonauta argo)
Weibliches Großes Papierboot (Argonauta argo): Teneriffa, Kanarische Inseln. Bild: Marc Martin Sola (iNaturalist). Vergrößerte Darstellung!

Die Erforschungsgeschichte des Hectocotylus bei Kopffüßern ist nicht uninteressant: Während Aristoteles bereits ca. 400 v.Chr. beschrieben hatte, dass Kopffüßer einen "Penis in einem ihrer Fangarme" hätten, wurden noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts von mehreren Gelehrten die Hectoctyli der Papierboote als parasitische Würmer beschrieben, die in der Mantelhöhle der Tiere lebten. Cuvier schuf dafür 1829 die gemeinsame Gattung Hectocotylus.

Erst Jahre später gelang es Heinrich Müller, die eigentliche Bedeutung des Hectocotylus richtig zu interpretieren. Die Bezeichnung Hectocotylus ist bis heute erhalten geblieben.


Quelle: Müller, H. (1853): "Ueber das Männchen von Argonauta Argo und die Hectocotylen". Zeitschr. wiss. Zool., Band 4, S. 1 - 35. (PDF, Abgerufen: 03.05.2026).

Bei vielen Kopffüßern findet diese Übertragung durch einen spezialisierten Fangarm, den so genannten Hectocotylus, statt. Die Form und Position der Hectocotyli sind dabei artspezifisch und daher bedeutende Bestimmungsmerkmale. Einige Sepien und Kalmare besitzen zwei Hectocotyli, bei anderen Kalmaren, den Vampirtintenfischen (Vampyroteuthidae) und den Cirrenkraken (Cirrata) fehlen sie vollständig ( vgl. Systematik der Kopffüßer!).

Als Besonderheit löst sich bei den mit den Kraken verwandten Papierbooten (Argonautidae) der Hectocotylus vom Weibchen und schwimmt aktiv, von chemischen Botenstoffen angezogen, in ihre Mantelhöhle, wo die eigentliche Begattung stattfindet. Perlboote (Nautilidae) hingegen besitzen ein spezialisiertes Begattungsorgan, das aus vier verschmolzenen Tentakeln besteht und als Spadix (Lat.: Spaten) bezeichnet wird. Dieses befindet sich neben dem Mund inmitten der übrigen, etwa 90 Tentakel.

Im Allgemeinen unterscheiden sich die Hectocotyli von den übrigen Fangarmen des Kopffüßers deutlich, da sie weniger Saugnäpfe aufweisen und meist eine besondere Form besitzen, die bei der Begattung hilreich ist. Bei Kalmaren und Sepien holt der Hectocotylus die Spermatophoren selbst aus der so genannten Needham'schen Tasche, bei den Kraken wird er vom Penis des Männchens mit Spermatophoren bestückt.

Wikipedia: Hectocotylus.. (Abgerufen: 03.05.2026).
Hanlon, R.T.; Messenger, J.B. (2018): Cephalopod Behaviour. 2. Ed, S. 148 - 205. Cambridge University Press.

Zusätzlich kommt bei manchen Kopffüßern, darunter in besonderer Weise bei den Papierbooten (Argonautidae), ein ausgeprägter Sexualdimorphismus vor, bei dem das Männchen deutlich kleiner ist als das Weibchen. Überdies stellen nur die Weichen das charakteristische Wohngehäuse her.

Befruchtung und Eiablage

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Nach dem Austreten aus dem Eileiter werden die Eizellen des Weibchens befruchtet. Anschließend werden sie in Trauben (Sepien, Kraken) oder in Schläuchen (Kalmare), die jeweils eine Vielzahl an Eiern enthalten, abgelegt. Die Eier sind voluminös und dotterreich. Die Furchung bei der Embryogenese findet partiell-diskoidal statt, so dass sich der Embryo teilweise um den Dotter herum entwickelt. Ein oftmals größerer Teil des Dotters bleibt als äußerer Dottersack außerhalb des Embryos. Während der Embryo sich während der Entwicklung im Ei vorwiegen vom äußeren Dotter ernährt, verbleibt zumindest ein Teil des inneren Dottersacks für die Zeit nach dem Schlupf, bis das Jungtier sich selbständig ernähren kann.

Brutfürsorge und Lebenserwartung


Tiefsee-Oktopus (Graneledone boreopacifica) auf dem Davidson deep
sea mountain in 1970 m Tiefe. Quelle: NOAA (Wikimedia Commons).
 
Während sich erwachsene Kopffüßer nach dem Schlupf nicht mehr um die Jungtiere kümmern, findet zumindest bei vielen Kraken auf jeden Fall eine Brutfürsorge durch das Weibchen statt: Sie reinigt die Eier und fächelt ihnen sauerstoffreiches Wasser zu. Nach dem Schlüpfen stirbt das Muttertier im Allgemeinen, nachdem sie auch während der Brutfürsorge keine Nahrung zu sich genommen hat.

Das Weibchen des Tiefsee-Oktopus (Graneledone boreopacifica) ist mit viereinhalb Jahren Brutpflege (53 Monate konnten nachgewiesen werden) im nur 7 °C warmen Wasser der Tiefsee die Rekordhalterin in Sachen längste Brutzeit mit Brutfürsorge. Allerdings sind auch die Umstände besonders: Die tiefen Wassertemperaturen haben eine längere Entwicklungszeit der Embryonen und einen deutlich langsameren Metabolismus des Muttertiers zur Folge. Jedoch haben Untersuchungen ergeben, dass auch das Weibchen von Graneledone boreopacifica während der Brutfürsorge über mehrere Jahre keine Nahrung zu sich nimmt, auch wenn sie ihr, wie im Experiment, von einem DSRV angeboten werden.


 
Robison, B.; Seibel, B.; Drazen, J. (2014): Deep-Sea Octopus (Graneledone boreopacifica) Conducts the Longest-Known Egg-Brooding Period of Any Animal. (PLOS ONE 9/7, abgerufen: 05.05.2026).

 
Mongabay News: Jeremy Hance (2014): The world’s best mother: meet the octopus that guards its eggs for over four years. (Abgerufen: 05.05.2026).

Im Gegensatz dazu führen Kalmare und Sepien keine Brutfürsorge durch, allerdings führen manche Kalmare ihre Gelege mit sich. Andere legen die Gelege ab und überlassen sie sich selbst. Auch Perlboote legen einzelne Eier ab und überlassen sie dann sich selbst.

Larvalentwicklung und Ausbreitung

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Paralarve des Pazifischen Riesenkraken (Enteroctopus dofleini): San
Juan Island, Washington, USA. Bild: Jen Strongin (iNaturalist).
 
Wenige Tage bis Wochen altes Jungtier des Gewöhnlichen Tintenfischs
(Sepia officinalis): Bild: Thomas Dreux (iNaturalist) Bild vergrößern!.
Kopffüßer entwickeln und verbreiten sich nach dem Schlüpfen über so genannte Paralarven, die als Planktonfresser im offenen Wasser leben, aber in ihrem Aussehen bereits den erwachsenen Kopffüßern ähneln, anders als andere Larvenformen, die völlig anders aussehen als das erwachsene Tier.

Die meisten Kopffüßer haben keine große Lebensspanne: Sie sind semelpare Lebewesen. Unter Semelparität versteht man dabei einen Lebenszyklus, bei dem sich der betreffende Organismus nur einmal in seinem Leben sexuell fortpflanzt.

Wikipedia: Semelparität.

So werden Kraken werden nur ein bis wenige Jahre alt, Sepien und Kalmare vollziehen meist den gesamten Lebenszyklus in nur einem Jahr. Vor diesem Hintergrund ist es zum einen sehr erstaunlich, dass Kopffüßer ihre teilweise bemerkenswerten Fähigkeiten trotz ihrer geringen Lebensspanne erreichen. Zum anderen ist es wohl auch so, dass Kopffüßer gerade wegen ihrer geringen Lebensspanne sehr anpassungsfähig sind und daher weniger empfindlich gegen vom Menschen verursachte Umweltveränderungen sind als viele andere Tiergruppen.

Spectrum.de Scilogs: Gabriele Kerber (2020): Tintenfisch statt Sprotten - Gewinner des Klimawandels. (Abgerufen: 05.05.2026).

Riesenhafte Kalmare

Zu den Kopffüßern gehören heute die größten aller Wirbellosen. Obwohl riesige Kalmare historisch schon lange bekannt waren, da der Mageninhalt erlegter Pottwale (Physeter macrocephalus) oftmals eine große Zahl ihrer Schnäbel enthielt (vgl. Ernährung), und überdies die Spuren der Krallen in ihren Saugnäpfen (vgl. Fangarme) als Narben in der Haut der Pottwale zu erkennen war, blieben die Riesenkalmare bis etwa Mitte des 19. Jahrhunderts eine Legende, fast schon ein Mythos, unter den Walfängern. Anders als die Pottwale, die zum Atmen auftauchen müssen, verlassen die Riesenkalmare niemals freiwillig ihre heimatliche Tiefsee. Jedoch mit dem Aufkommen der modernen Tiefseefischerei im Rahmen der industriellen Revolution wurden seither auch öfter Riesenkalmare mit dem Schleppnetz gefangen oder harpuniert.

Extinct Zoo: When Krakens Were Real. ( YouTube Video, abgerufen: 14.05.2026).

Riesenkalmar

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Die "Königsechse" unter den Kalmaren?

Der wissenschaftliche Name des Riesenkalmars ist aus mehreren griechischen und lateinischen Teilen zusammen gesetzt: ἀρχός (archós): Herrscher, τευθίς (teuthís): Kalmar, dux: Anführer. Damit wollte Steenstrup 1857 ausdrücken, dass es sich um den größten und beeindruckensten Kopffüßer der Welt handle.

Wie wir heute wissen, ist der Riesenkalmar jedoch nicht der größte aller Kopffüßer, ein Titel, der dem Kolosskalmar (s.u.) gebührt. Das war Steenstrup aber nicht bekannt.

Ebenso ist allerdings auch der Basilosaurus (Königsechse auf Griechisch) weder ein König, noch eine Echse.

  Riesenkalmar (Architeuthis dux)
Riesenkalmar (Architeuthis dux): KI-Reproduktion. Bild: Robert Nordsieck.
Bild vergrößern!.
Nachdem 1854 ein Riesenkalmar an der Küste Dänemarks angespült worden war, beschrieb Japetus Steenstrup 1857 erstmals Architeuthis dux. Bis dahin waren Sichtungen des Riesenkalmars ins Reich der Sagen und Legenden verbannt worden. Es dauerte allerdings bis in die 70er Jahre des 19. Jahrhunderts, bis kanadische Fischer einen vollständigen Riesenkalmar sicherstellen konnten, der zunächst fotografiert und später der Wissenschaft zugänglich gemacht wurde.

Erst über hundert Jahre später, 2004, gelangen erstmals Filmaufnahmen (Kubodera et al., 2005) von lebenden Riesenkalmaren, nachdem die gefangenen Exemplare bisher entweder an Verletzungen während des Fangs oder durch den ungewohnten Wasserdruck verendet waren. Anfänglich wurden zahlreiche unterschiedliche Arten der Gattung Architeuthis beschrieben. Eine 2013 veröffentlichte DNA-Untersuchung der verschiedenen Arten ergab jedoch, dass diese nach heutigem systematischen Verständnis alle als Synonyme einer einzigen Art, Architeuthis dux, betrachtet werden müssen.


 
MolluscaBase: Architeuthis dux Steenstrup, 1857. (Abgerufen: 09.05.2026).

 
Kubodera, T.; Mori, K. (2005): First-ever observations of a live giant squid in the wild. In: Proc. Biol. Sci. 272, S. 2583–2586. (Abstract, abgerufen: 09.05.2026).

 
Winkelmann, I. et al. (2013): Mitochondrial genome diversity and population structure of the giant squid Architeuthis: genetics sheds new light on one of the most enigmatic marine species. Proceedings of the Royal Society 280 (1759). (Abstract, abgerufen: 11.05.2026).

Obwohl es sich deutlich erkennbar um einen Kalmar handelt - Das Tier besitzt zehn Arme, davon zwei langen Fangarme, sowie Flossen am Ende des Mantels - wurde der Riesenkalmar historisch auch oft als Riesenkrake bezeichnet, eine Bezeichnung, die unter den rezenten Kopffüßern jedoch nur dem Pazifischen Riesenkraken (Enteroctopus dofleini, s.u.) gebührt.


Saugnäpfe eines Riesenkalmars mit zahnbesetzten Rändern.
Bild: Marian Oliver (iNaturalist).
 
Heute geht man davon aus, dass Riesenkalmare eine Mantellänge von über 2 m erreichen können, bei einer zusätzlichen Länge der zwei langen Fangarme bis über 10 m. Im Allgemeinen werden deutlich kleinere Exemplare gefunden. Nachdem man historisch davon ausging, man könne die Größe eines Riesenkalmars anhand der Saugnapfnarben an Pottwalen berechnen, weiß man inzwischen, dass diese Narben sich mit dem Wachstum der Haut des Pottwals dehnen und daher nur sehr bedingt einen Rückschluss auf den Kalmar zulassen, der sie verursacht hat. Die Saugnäpfe von Riesenkalmaren erreichen tatsächlich einen Durchmesser von etwas über 5 cm. Zusätzlich dazu sind die Saugnäpfe des Riesenkalmars mit einem Kranz kleiner Zähne bewehrt, die einen besseren Halt auf der Haut der Beute ermöglicht.

Riesenkalmare kommen in allen Meeren vor, scheinen aber gemäßigte Wassertemperaturen zu bevorzugen. Die meisten Funde oder Sichtungen von Riesenkalmaren gab es in Neufundland, Spanien, Portugal, Südafrika, Namibia, Japan, Neuseeland und Australien. Obwohl der offene Ozean wohl der bevorzugte Lebensraum von Riesenkalmaren ist, scheinen nahe gelegene Flachmeere, wie die Tasmanische See, die Karibik und der Golf von Mexiko ebenfalls geeignete Lebensräume zu sein. Es gibt zwar einige Sichtungen von Riesenkalmaren im Mittelmeer, jedoch scheinen die Tiere dort nicht heimisch zu sein. Riesenkalmare leben vermutlich in einer Wassertiefe von je nach Angaben zwischen 300 und 500 bis 1000 m Tiefe. Ihr weicher Körper ist dabei an die Tiefsee angepasst, weswegen auch die meisten gefangenen Exemplare beim Erreichen der Wasseroberfläche verenden.

Am bemerkenswertesten sind die Augen des Riesenkalmars, die bis zu 25 cm Durchmesser haben können und damit zu den größten Augen im bekannten Tierreich zählen, nur noch übertroffen von denen des Kolosskalmars (s.u.). Dies ermöglicht dem Riesenkalmar ein besseres Sehen in der Dunkelheit der Tiefsee und einen entscheidenden Vorteil beim Aufspüren von Beute und der Vermeidung von Feinden (s.u.).

Farbe spielt in der Tiefsee nur eine geringe Rolle, da mit zunehmender Tiefe fast ausschließlich kurzwelliges blaues Licht vorhanden ist. Rote Tiere erscheinen dort daher nahezu schwarz und sind überraschend gut getarnt. Viele tiefseelebende Kopffüßer besitzen deshalb eine rötliche Färbung. Gleichzeitig sind die Augen vieler Tiefsee-Kopffüßer besonders stark an das Erkennen schwacher Lichtquellen (z.B. Biolumineszenz) angepasst, während Farbsehen in der Dunkelheit der Tiefsee vermutlich nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Nilsson, D.; Warrant, E.; Johnsen, S.; Hanlon, R.; Shashar, N. (2012): A Unique Advantage for Giant Eyes in Giant Squid. Current Biology 22, S. 683 - 688.
Auralis: Why Deep Sea Camouflage Gets Weirder The Deeper You Go. ( YouTube Video, abgerufen: 14.05.2026).

Riesenkalmare leben, wie wir inzwischen wissen, räuberisch (wie fast alle Kopffüßer, vgl. Ernährung): Zu ihrer Nahrung gehören vor allem Fische und kleinere Kopffüßer, darunter durchaus auch kleinere Artgenossen. Riesenkalmare sind vermutlich Lauerjäger, die sich langsam driftend fortbewegen. Darin ähneln sie eher den Sepien als den schnellen Kalmaren in der Ordnung Myopsida. Im Gegensatz zu diesen werden sie jedoch der Ordnung Oegopsida zugeordnet, zu der allerdings auch die Familie der sehr schnellen Pfeilkalmare (Ommastrephidae) gehört ( vgl. Systematik der Kopffüßer!). Die schnelle Fortbewegung des Riesenkalmars auf kurze Strecken findet zum einen durch den Rückstoßantrieb statt (s.o.), eine langsame Fortbewegung vor allem aber auch mit Hilfe der gut entwickelten Flossen am Mantel.

  Schnabel eines Riesenkalmars
Schnabel eines Riesenkalmars. Bild: Marian Oliver (iNaturalist).
Nachdem Kalmare, im Gegensatz zum Nautilus, bis auf eine stark reduzierte innere Schale, den Gladius, keine Schale mehr besitzen, die sie zur Kontrolle ihres Auftriebs nutzen könnten, verwenden sie stattdessen eine konzentrierte Ammoniumchloridlösung im Körpergewebe: Diese ist weniger dicht als die Salzlösung des Meerwassers und verleiht dem Riesenkalmar auf diese Weise Auftrieb. Ammoniumchlorid, auch bekannt als Salmiak, ist andererseits auch der Grund dafür, dass Riesenkalmare nicht zur menschlichen Diät gehören.

Two Oceans Aquarium, Südafrika (2022): Everything you need to know about giant squids. (Abgerufen: 12.05.2026).

Wie alle Kopffüßer sind Riesenkalmare getrennt geschlechtlich und verwenden vermutlich spezialisierte Fangarme, um die Spermatophoren zu übertragen. Das Vorhandensein eines spezialisierten Hectocotylus ist dabei strittig. Es wird vermutet, dass das Männchen die Spermatophoren eher in der Haut eines Arms des Weibchens einlagert. Die weiblichen Riesenkalmare werden deutlich größer als die Männchen.

Während junge Riesenkalmare manchmal sogar von Seevögeln gefangen werden können, wenn sie sich an die Wasseroberfläche verirren, sind aber die wichtigsten Fressfeinde des Riesenkalmars vor allem Haie und unterschiedliche Arten von Walen. Vermutlich der Einzige, der einem erwachsenen Riesenkalmar in seiner natürlichen Umgebung gewachsen ist, dürfte allerdings ein erwachsener Pottwal sein. Dabei kommt es zu einem bemerkenswerten natürlichen "Wettrüsten": Während der Riesenkalmar seine hochentwickelten und sehr großen Augen, möglicherweise unterstützt von Biolumineszenz, einsetzen kann, um den Pottwal rechtzeitig zu erkennen, hat das Sonar des Pottwals, der in der Tiefsee nur eingeschränkt sehen kann, eine größere Reichweite. Schlussendlich kommt es dann darauf an, ob der Riesenkalmar lange genug verhindern kann, dass er gefressen wird, bevor der Pottwal auftauchen muss oder ertrinkt.

Die sehr große Zahl an Kalmarschnäbeln in den Mägen erlegter Pottwale legt ein deutliches Zeugnis darüber ab, dass die Chancen des Riesenkalmars, wenn er einmal entdeckt ist, relativ schlecht sind.

Der Riesenkalmar auf weichtiere.at.
Angeschwemmter Riesenkalmar in Scarborough (16.08.2022, North Cape Province, Südafrika) auf iNaturalist. (Abgerufen: 10.05.2026).

ARD Alpha: Den Riesenkalmar gibt es in der Tiefsee wirklich. (Mit Bilderserie). (Abgerufen: 27.04.2026).
Ellis, R.: "Riesenkraken der Tiefsee". Heel Verlag, Königswinter, 2000. (Link, abgerufen: 12.05.2026) (Anmerkung: Der deutsche Titel ist irreführend!).
OctoLab: Meet The Squid That Refuses to Be Seen by Humans. ( YouTube Video, abgerufen: 11.05.2026).
Science.orf.at: Augen groß wie Basketbälle. (Abgerufen: 01.05.2026).
Wild Life Documentary: The Greatest Hunt You've Never Seen: Sperm Whale vs. Giant Squid. ( YouTube Video, abgerufen: 10.05.2026).
Steve O'Shea und Kat Bolstad: Giant Squid and Colossal Squid Fact Sheet. (The Octopus News Magazine Online 2008/2019, Abgerufen: 12.05.2026).

Kolosskalmar

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Der Riesenkalmar war seit seiner Entdeckung Mitte des 19. Jahrhunderts nach Jahrhunderten von Mythen und Seemannsgarn relativ gut bekannt. In regelmäßigen Abständen wurden Exemplare in vielen Teilen der Welt angeschwemmt oder von Fischern mit dem Netz gefangen (s.o.). In den 1920er Jahren stellte sich jedoch heraus, dass es eine weitere sehr große Art von Kalmaren gibt, die der Mensch sehr viel seltener zu Gesicht bekommt. Dies sollte sich in der kommenden Zeit durch die zunehmende Tiefseefischerei in den Gewässern der Antarktis jedoch ändern.

1925 waren im Magen eines erlegten Pottwals mehrere Teile von Fangarmen eines Kalmars entdeckt worden. Robson beschreibt unter anderem die bemerkenswerten, drehbaren Haken auf den Fangkeulen der Tentakel und der Haken auf den kürzeren Armen. Aufgrund dieser besonderen Eigenschaften entschloss sich G.C. Robson, diesen Kalmar, obwohl dieser nur in Fragmenten erhalten war, als eine neue Art, Mesonychoteuthis hamiltoni, zu beschreiben.

Robson, G.C. (1925). "On Mesonychoteuthis, a new genus of oegopsid, Cephalopoda". Annals and Magazine of Natural History. 9 (16): 272–277. (Auszug, abgerufen: 13.05.2026).
MolluscaBase: Mesonychoteuthis hamiltoni G. C. Robson, 1925. (Abgerufen: 12.05.2026).

Seitdem sind nur wenige Kolosskalmare gefunden worden: 1981 fing ein sowjetischer Trawler im Rossmeer einen nicht ausgewachsenen weiblichen Kolosskalmar mit einer Größe von 4 m. Erst 2003 wurde ein weiteres Exemplar, ebenfalls ein nicht ausgewachsenes Weibchen mit einer Gesamtlänge von 6 m und einer Mantellänge von 2,5 m in der Antarktis gefangen. Noch ein Weibchen mit einer Gesamtlänge von 6 m und einer Mantellänge von 2,5 m, ebenfalls nicht ausgewachsen, wurde 2003 nahe der Wasseroberfläche in der Antarktis gefunden. Das erste lebende Exemplar wurde 2005 von Fischern mit einer Langleine nahe der britischen Insel Südgeorgien gefangen, wo es nach einem Köderfisch gegriffen hatte. Schätzungen zufolge betrug seine Mantellänge 3,5 m, seine Tentakellänge 2,3 m und das Gewicht wurde auf 150 bis 200 kg geschätzt, jedoch konnten nur Teile der Fangarme sichergestellt werden.

Kolosskalmar und Riesenkalmar im Vergleich
Kolosskalmar (Mesonychoteuthis hamiltoni, oben) und Riesenkalmar (Architeuthis dux, unten) im Vergleich. Bild: Harry Wilson.
Oben: Belegte Exemplare (vgl. O'Shae und Bolstad: Giant Squid and Colossal Squid Fact Sheet). Unten: Vermutete Größen, berechnet nach
Schnabellänge und unvollständigen Exemplaren.
 
Erst 2007 konnte ein weitgehend vollständiges Exemplar von einem neuseeländischen Trawler, ebenfalls im Rossmeer in der Antarktis, gefangen werden und nach Neuseeland gebracht werden, wo es im Nationalmuseum untersucht wurde. Als er im Museum vermessen wurde, ergab sich ein Gewicht von 495 kg bei einer Mantellänge von 2,5 m und einer Gesamtlänge von nur 4,2 m, allerdings wurde davon ausgegangen, dass die Fangarme nach dem Tod des Tieres geschrumpft waren. Man geht davon aus, dass das Tier zu Lebzeiten eine Gesamtlänge von ca. 10 m erreicht hatte.

BBC News Asia-Pacific (22.02.2007): "NZ fishermen land colossal squid". (Abgerufen: 11.05.2026).
Spiegel Wissenschaft (22.02.2007): "Fischer fangen lebenden Tiefsee-Koloss". (Archiv, abgerufen: 11.05.2026).
Alison Ballance (Radio New Zealand, 16.09.2014): Colossal squid to give up its secrets. (Abgerufen: 11.05.2026).

Dieser Fund hat zu zahlreichen Erkenntnissen geführt:

 

Giganten der Tiefsee - Wie kommt es dazu?

Dass Tiere, die in der Tiefsee leben, oftmals größer und robuster gebaut sind, als ihre Verwandten aus höheren Schichten des Meeres, hat mehrere Gründe:

Kolosskalmar in der Tiefsee
Kolosskalmar in der Tiefsee. KI-Reproduktion: Robert Nordsieck.

1. Kälte: Die niedrigen Temperaturen der Tiefsee führen bei vielen Organismen zu einem langsameren Stoffwechsel und einer verzögerten geschlechtlichen Reife. Dadurch wachsen viele Tiere über längere Zeiträume hinweg und erreichen größere Körpergrößen.

2. Knappes Nahrungsangebot: Größere Tiere besitzen größere Energiereserven und können längere Perioden mit geringem Nahrungsangebot überstehen. Außerdem sind sie in der Lage, auch große oder widerstandsfähige Beute zu überwältigen.

3. Geringerer Beutedruck: Tiere, die einer geringeren Bedrohung durch Fressfeinde ausgesetzt sind, haben eine größere Chance, älter und somit größer zu werden.

4. Höhere Sauerstoffsättigung: Kaltes Tiefseewasser kann mehr Sauerstoff lösen als warmes Wasser. Dies erleichtert bei manchen Tieren die Versorgung großer Körper mit Sauerstoff.

Dieser auch als Abyssal-Gigantismus bezeichnete Effekt tritt bei zahlreichen Tiergruppen auf, darunter Krebstieren, Würmern, Quallen und auch Kopffüßern. Allerdings sind die Ursachen bis heute nicht vollständig geklärt, da hier vermutlich mehrere Faktoren gleichzeitig zusammenwirken.

Quelle: Wikipedia (Englisch): Deep Sea Gigantism. (Abgerufen: 13.05.2026).

Kolosskalmare sind deutlich robuster gebaut als Riesenkalmare, was erklärt, warum sie bei einer ähnlichen Gesamtlänge deutlich schwerer werden als diese: Ein Phänomen, das man als Tiefsee-Gigantismus oder Abyssal-Gigantismus bezeichnet (vgl. Kasten rechts).

Kolosskalmare nutzen ebenso wie die Riesenkalmare eine Ammoniakverbindung in ihrem Muskelgewebe, um leichter im Wasser schweben zu können. Die Flossen am Ende des Mantels sind, verglichen mit denen des Riesenkalmars, außerdem relativ deutlich stärker und breiter ausgebildet, was vermutlich darauf schließen lässt, dass der Kolosskalmar sich häufiger langsam schwebend fortbewegt als die agileren Riesenkalmare.

Die Augen des Kolosskalmars sind vermutlich die größten bekannten Augen im Tierreich und besitzen einen Durchmesser von mindestens 27 cm mit einem Pupillendurchmesser von 8 - 9 cm. Es wird angenommen, dass die Augen beim lebenden Tier eher 30 - 40 cm groß sein können. Das Sehzentrum des Kolosskalmars ist besonders stark entwickelt. Zusätzlich besitzt der Kolosskalmar Licht erzeugende Organe (Photophoren). Diese bilden jeweils ein senkrechtes Band hinter den Augäpfeln. Das erzeugte Licht dient vermutlich dazu, die unmittelbare Umgebung und mögliche Beute in der Dunkelheit der antarktischen Tiefsee sichtbar zu machen. Die Biolumineszenz entsteht durch chemische Prozesse, möglicherweise unter Beteiligung symbiotischer Bakterien.

Der Schnabel des Exemplars wurde mit 38 mm (Länge des Unterschnabels) vermessen. Nachdem in den Mägen erlegter Pottwale jedoch Kalmar-Schnäbel mit einer erheblich größeren Länge gefunden wurden, geht man davon aus, dass Kolosskalmare deutlich größer werden können.

Die Fangarme des Kolosskalmars sind, wie beim Riesenkalmar mit Zahnkränzen an den Saugnäpfen bewehrt. Zusätzlich aber verfügen Kolosskalmare auch noch über Chitinhaken in den Armen und in den keulenähnlichen Enden (Fangkeulen) der langen Tentakel. Die Armhaken sind feststehend: Jeder Haken sitzt in einer Muskelscheide in einer Doppelreihe entlang der Arme. Die Haken sind dreispitzig: Sie besitzen eine Hauptspitze und zwei kleinere, weiter unten ansetzende Spitzen. Im Gegensatz dazu sind die Haken in den Fangkeulen kleiner und besitzen nur eine Spitze. Sie sind um 360° drehbar, wobei unklar ist, ob der Kalmar die Haken willentlich drehen kann. Auch diese Haken sind in einer Doppelreihe entlang der Mittellinie der Fangkeulen angeordnet. Auf der Außenseite jeder Reihe drehbarer Haken verläuft außerdem eine Reihe kleiner Saugnäpfe. Insgesamt besitzt der Kalmar etwa 20- 25 Haken auf jeder Fangkeule.

Glaskalmar (Teutowenia pellucida)
Glaskalmar (Teutowenia pellucida): Poor Knights Is-
lands, Neuseeland. Bild: Paul Caiger (iNaturalist).
 
Es ist davon auszugehen, dass die Armhaken des Kolosskalmars eine Beute-Anpassung darstellen: Aufgrund des Phänomens des so genannten Tiefsee-Gigantismus (vgl. Kasten rechts) sind Fische, die zur Beute des Kalmars zählen im Allgemeinen sehr groß und robust gebaut und außerdem sehr schleimig. Ein Fangarm mit konventionellen Saugnäpfen würde die Beute also nur schwer halten können. Andererseits sind die Krallen auch sehr nützlich bei der Abwehr des wichtigsten Fressfeindes des Kolosskalmars - des Pottwals (Physeter macrocephalus): Narben in der Haut gefangener Pottwale zeugen davon.

Zwar verfügen auch andere Kalmar-Gruppen über Tentakel-Krallen, der Riesenkalmar gehört jedoch nicht dazu (mit Ausnahme der zahnbewehrten Ränder der Saugnäpfe).

New Zealand National Museum (Te Papa Tongarewa): Colossal Squid (Arms and Tentacles). (Abgerufen: 11.05.2026).
BeyondTheBlue: Why Squids Are So Terrifying In The Antarctic. ( YouTube Video, abgerufen: 12.05.2026).

Die hakenbewehrten Fangarme des Kolosskalmars erklären auch die Herkunft seines wissenschaftlichen Namens: Mesonychoteuthis setzt sich zusammen aus dem griechischen "μέσος" (mésos): in der Mitte, "ὄνυξ" (ónyx): Kralle und "τευθίς" (teuthís): Kalmar. Nach seinem Entdecker Hamilton heißt er also übersetzt Hamiltons Mittelkrallenkalmar. Systematisch gehört er in der Ordnung Oegopsida jedoch zu einer anderen Gruppe als die Riesenkalmare, und zwar zur Familie der Gallertkalmare (Cranchiidae: vgl. Systematik der Kopffüßer!).

Erst 2025 wurde ein 30 cm langes Jungtier des Kolosskalmars bei den südlichen Sandwich-Inseln im Rahmen einer ozeanographischen Expedition im Südatlantik erstmals in freier Wildbahn dokumentiert. Diese Jungtiere oder Paralarven sind durchsichtig und ähneln stark denen des Antarktischen Glaskalmars (Galiteuthis glacialis), der in denselben Gewässern vorkommt. Nachdem die Forscher beide antreffen konnten, war anscheinend eine Unterscheidung anhand der Armkrallen des Kolosskalmars möglich.

Nat Geo Animals: Hunt for the Giant Squid (2019). ( YouTube Video, abgerufen: 12.05.2026).
Schmidt Ocean Institute: Colossal Squid, 1st Live Observation (2025). ( YouTube Video, abgerufen: 12.05.2026).
Wikipedia (Englisch): Colossal Squid. (Abgerufen: 12.05.2026).

Humboldtkalmar

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  Alexander von Humboldt
Alexander von Humboldt (1769 - 1859).
Gemälde von Joseph Karl Stieler (Quelle).
Humboldkalmar (Dosidicus gigas)
Humboldtkalmar (Dosidicus gigas): Isla Mocha, Chile.
Bild: Daniel Martínez-Piña (iNaturalist) Bild vergrößern!.
 
Der Humboldtkalmar (Dosidicus gigas) ist der größte Vertreter der Pfeilkalmare (Ommastrephiidae) und der einzige Vertreter seiner Gattung. Er erreicht eine Größe von bis zu 1,5 m Mantellänge bei einer Gesamtlänge von bis zu 2,5 m und ist damit einer der größten Kalmar-Arten, übertroffen natürlich vom zuvor bereits beschriebenen Riesenkalmar (Architeuthis dux) und dem Kolosskalmar (Mesonychoteuthis hamiltoni). Letzterer gehört zur Familie Cranchiidae, neben den Ommastrephidae eine verwandte Familie in der Überfamilie Cranchoidea und der Ordnung Oegopsida ( vgl. Systematik der Kopffüßer!). Im Gegensatz zu den zuvor genannten riesenhaften Kalmaren hat er große Bedeutung für die kommerzielle Fischerei und ist außerdem dadurch aufgefallen, dass er angeblich mehrfach Menschen angegriffen hat.

MolluscaBase: Dosidicus gigas (A. d'Orbigny, 1835). (Abgerufen: 13.05.2026).

Der Name des Humboldtkalmars rührt von seinem Hauptverbreitungsgebiet her: Humboldtkalmare sind vor allem entlang der Westküste Süd- und Mittelamerikas zu finden. Dort verläuft der Humboldtstrom (benannt nach dem Forscher Alexander von Humboldt) oder Perustrom, eine kalte, salzarme oberflächennahe Meeresströmung, die ihren Ursprung in der Antarktis hat und entlang der Küste Chiles und Perus nach Norden fließt, bis sie südlich des Äquators die Küste verlässt und nach Westen fließt. Zusammen mit vertikalen Wasserströmungen ("Upwelling"), die nährstoffreiches Wasser aus der Tiefe zuführen, gehört das Gebiet des Humboldtstroms zu den nährstoffreichsten der Erde.

Wikipedia: Humboldtstrom. (Abgerufen: 13.05.2026).

In einer Wassertiefe von 200 bis 700 m jagen die Humboldtkalmare hier nach Fischen und anderen Kopffüßern und haben sich dabei von Patagonien bis nach Kalifornien im Norden ausgebreitet. Wenige Exemplare wurden inzwischen auch schon weiter nördlich, z.B. im Puget Sound (Washington State, USA) und British Columbia (Kanada) angetroffen. Eine möglicherweise folgenschwere Veränderung findet allerdings unter anderem durch das Phänomen El Niño statt: Die Erwärmung des Wassers aufgrund meteorologischer Veränderungen hat zur Folge, dass das Wasser weniger Sauerstoff und in weiterer Folge weniger Nährstoffe enthält. Die daraus folgende abnehmende Anzahl an Beutetieren, wie Fischen und anderen Kopffüßern hat letztlich auch eine Abnahme der Humboldtkalmare zur Folge. Ähnliche Folgen sind von der zunehmenden klimatischen Veränderung durch die globale Erwärmung zu erwarten. Klimatische Veränderungen könnten außerdem die Grundlage für Migrationsbewegungen des Humboldtkalmars nach Norden bilden, der zwar sehr niedrigen Sauerstoffgehalt im Wasser tolerieren kann, jedoch den Beutegründen folgt.

Zeidberg, L.D.;  Robison, B.H. (2007): "Invasive range expansion by the Humboldt squid, Dosidicus gigas, in the eastern North Pacific". Proc. Natl. Acad. Sci. U.S.A. 104 (31) 12948 - 12950. (Link, abgerufen 13.05.2026).

Humboldtkalmare sind die größten der Pfeilkalmare (Ommastrephidae), die auf Englisch auch als "Jumping Squid" bezeichnet werden. Sie leben meist in Schulen von bis zu 1200 Kalmaren. Dank ihres kalmartypischen Rückstoßantriebes können sie sich schwimmend mit einer Geschwindigkeit von bis zu 24 km/h oder 13 Knoten fortbewegen. Zur langsameren Fortbewegung dienen ihnen ihre sehr breit ausgebildeten Mantelflossen.

  Humboldtkalmare (Dosidicus gigas)
Zwei Humboldtkalmare (Dosidicus gigas): Bucht von Monterey,
Kalifornien, USA. Quelle: Zeidberg, Robison (2007).
Während des Tages halten sie sich in größerer Tiefe auf und steigen gegen Abend an die Oberfläche auf, um zu jagen. Wie andere Kopffüßer setzen auch die Humboldtkalmare ihre Chromatophoren ein, um die Farbe zu verändern. Dabei scheint es zwei Muster zu geben: Ein Farbwechsel zwischen rötlich und weiß bis zu vier Mal die Sekunde scheint der Kommunikation zwischen den Tieren zu dienen, obwohl die genaue Bedeutung nicht bekannt ist. Eine langsam wellenartig über die Körperoberfläche laufende Farbänderung zwischen rot und weiß scheint hingegen eher dazu zu dienen, die Lichteffekte im Wasser vorzutäuschen und die Tiere so zu tarnen.

Wikipedia (Englisch): Humboldt Squid. (Abgerufen: 13.05.2026).

Humboldtkalmar (Dosidicus gigas)
Humboldtkalmar (Dosidicus gigas): La Jolla, Kalifor-
nien, USA. Bild: Ferleys (iNaturalist).
 
Die Beute des Humboldtkalmars besteht vorwiegend aus kleineren Fischen, Krebstieren und anderen Kopffüßern. Ebenso wie der Kolosskalmar besitzt der Humboldtkalmar einerseits durch Zahnkränze verstärkte Saugnäpfe, sowie andererseits Chitin-Haken in den Fangkeulen der langen Fangarme. Bei der Jagd schwimmt der Kalmar auf die Beute zu und bildet dabei mit den acht kurzen Armen einen Trichter. Kommt eine Beute zu nahe, schleudert der Kalmar die langen Fangarme mit großer Geschwindigkeit nach vorne, greift die Beute mit den hakenbewehrten Fangplatten und führt sie den kleineren Armen zu. Diese wiederum führen die Beute zum Mund, wo der scharfe Schnabel, unterstützt von der Radula, die Beute zerkleinert, bevor der Kalmar sie verschluckt.

Ob und inwieweit Humboldtkalmare tatsächlich koordiniert jagen, ist strittig. Mehrere Arbeiten vertreten diese Ansicht, jedoch wird die Gültigkeit teilweise angezweifelt.

Helena Smith (Deep Sea News): Coordinated Hunting in Red Devils. (Abgerufen: 13.05.2026).

Auf Spanisch wird der Humboldtkalmar auch als "diablo rojo" oder roter Teufel bezeichnet: Es gibt zum einen vielfältige Hinweise darauf, dass Humboldtkalmare auch Artgenossen fressen, seien es kleinere, schwächere oder verletzte Exemplare. Zudem sind Humboldtkalmare recht groß und treten oft in großer Zahl in einem Gebiet auf, das aufgrund seines Fischreichtums auch von der lokalen Fischerei genutzt wird. Zusammenstöße sind daher nahezu vorprogrammiert.

Allerdings liegt der zum Teil auch von der Literatur (s.o.) übernommene Schimpfname zum einen vor allem darin begründet, dass die Tiere (wie viele Kopffüßer) insbesondere im aggressiven Zustand eine rote Färbung zeigen und dass sie zum anderen durchaus auch gegenüber Menschen aggressives Verhalten zeigen können: Das geschieht allerdings vor allem während ihrer Nahrungsaufnahme, z.B. durch Beute-Verwechslungen, und außerdem, wenn sich die Kalmare durch besonders bunte Ausrüstung oder Lampen des Tauchers provoziert fühlen. Dann allerdings ist der kräftige Schnabel durchaus dazu in der Lage, die menschliche Haut zu durchdringen. Taucher tragen daher in Gebieten, wo mit dem Auftreten von Humboldtkalmaren zu rechnen ist, oftmals einen Kettenpanzeranzug oder ähnliche Schutzmaßnahmen.

Der Humboldtkalmar ist die am meisten durch den Menschen genutzte Art von Kopffüßern. Er wird vorwiegend mit Köder tragenden Langleinen gefischt. Der Konsum von in der Größenordnung einer Mio. Tonnen von Humboldtkalmaren durch den Menschen jährlich ist auch insofern interessant, da Humboldtkalmare, ebenso wie der Riesenkalmar und der Kolosskalmar (s.o.) Ammoniakverbindungen enthalten, um den Auftrieb zu unterstützen, auch wenn der Humboldtkalmar erheblich agiler ist als die zuvor genannten Arten. Daher muss das Fleisch des Humboldtkalmars zunächst behandelt werden, bevor es vom Menschen konsumiert werden kann: Eine Methode ist zum Beispiel, dass die frisch gefangenen Kalmare zunächst weichgeklopft werden, anschließend drei Stunden in Eiswasser mit einer 1%igen Milch- und Zitronensäurelösung eingelegt, dann gewaschen und schließlich in einer 6%igen Salzlake-Lösung weitere drei Stunden eingelegt werden. Erst dann können sie, z.B. als Kalmarsteaks, auf dem Fischmarkt angeboten werden.

Riesenkraken

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Pazifischer Riesenkrake (Enteroctopus dofleini)
Pazifischer Riesenkrake (Enteroctopus dofleini): Hoodsport, Washing-
ton, USA. Bild: Amelia Serafin (iNaturalist) Bild vergrößern!
 

Ordnung Octopoda
Überfamilie Octopodoidea

Familie Enteroctopodidae
Gattung Enteroctopus Rochebrune & Mabille, 1889
Enteroctopus dofleini (Wülker, 1910)
Enteroctopus magnificus (Villanueva et al., 1992)
Enteroctopus megalocyathus (A. A. Gould, 1852)
Enteroctopus zealandicus (Benham, 1944) 

 

Quelle: MolluscaBase: Enteroctopodidae Strugnell, Norman, Vecchione, Guzik & Allcock, 2014. (Abgerufen: 14.05.2026).
 
In fast allen Geschichten über mythische Seemonster ist die Rede von Riesenkraken oder auch nur einfach von Kraken. Nach einem berichteten "Angriff eines Riesenkraken" auf französische Seeleute vor Angola wurde ein Gemälde des Ereignisses in einer Kirche in St. Malo (Bretagne) gemalt, das später, 1801, in einem Buch des französischen Naturforschers Pierre Dénys de Montfort abgebildet wurde. Auch in Jules Vernes Abenteuerroman "20000 Meilen unter den Meeren" begegnet das Unterseeboot "Nautilus" des berühmten Kapitäns Nemo ebenfalls einem Riesenkraken.

Die größten heute auf der Erde existierenden Kraken sind jedoch deutlich kleiner und keineswegs dazu in der Lage, etwa ein Segelschiff anzugreifen. Zu den Riesenkraken gehört immerhin die größte rezente Krakenart, der pazifische Riesenkrake (Enteroctopus dofleini).

Die erwachsenen Tiere erreichen normalerweise etwa 15 kg mit einer maximalen Armspannweite von über 4 m. Das größte gemessene Exemplar soll immerhin 270 kg gewogen und eine Armspannweite von knapp 10 m besessen haben. Der Pazifische Riesenkrake ist einer der bekanntesten amerikanischen Kopffüßerarten und ist unter anderem deshalb so bekannt geworden, da er in vielen Aquarien entlang der amerikanischen Westküste gehalten wird und außerdem eine nicht unbedeutende Rolle in der Fischerei und in der lokalen Kultur spielt.

Erlebnis Erde: Riesenkraken - Geheimnisvolle Wesen aus der Tiefe. ( YouTube Video, abgerufen: 16.05.2026).

  Roter Riesenkrake (Enteroctopus megalocyathus)
Roter Riesenkrake (Enteroctopus megalocyathus): Pardelas, Golfo
Nuevo, Argentinien. Bild: Gonzalo Bravo (iNaturalist) Bild vergrößern!
Während der Pazifische Riesenkrake entlang der Küsten des nördlichen Pazifik, von Baja California entlang der amerikanischen Westküste bis nach Alaska und die Aleuten im Norden und entlang der nordpazifischen Küste Asiens von Korea über die chinesische und japanische Küste bis nach Kamtschatka und das Ochotskische Meer vorkommt, gibt es Riesenkraken auch in anderen Teilen der Welt: Der Rote Riesenkrake (Enteroctopus megalocyathus) zum Beispiel an der Küste des südlichen Südamerika, der Südafrikanische Riesenkrake (Enteroctopus magnificus) unter anderem an der Küste Südafrikas und schließlich der Neuseeländische Riesenkrake (Enteroctopus zealandicus) im Gebiet um Neuseeland.

Der Pazifische Riesenkrake wurde 1862 von dem amerikanischen Malakologen W.M. Gabb als Octopus punctatus beschrieben. In der Arbeit heißt es, Octopus punctatus sei dem südamerikanischen Octopus (später Enteroctopus) megalocyathus am ähnlichsten. Berichten zufolge erreiche die Art, die in der Umgebung von San Francisco häufig und auch in Baja California zu finden sei, eine Armlänge von mehreren Fuß, es sei aber auch schon ein Exemplar mit einer Armlänge von über sieben Fuß (ca. 2,10 m nach heutiger Rechnung) beobachtet worden. Der deutsche Malakologe G. Wülker beschrieb den Pazifischen Riesenkraken 1910 erneut in einer Arbeit über Kopffüßer in japanischen Gewässern, benannte ihn jedoch als Polypus dofleini. Der Artname Octopus punctatus setzte sich schlussendlich nicht durch.

Erst 1998 erkannte man nach anatomischen Untersuchungen, dass sich verschiedene anatomische Merkmale, unter anderem der Aufbau der Kiemen, so nennenswert von denen anderer Kraken, wie dem Gewöhnlichen Kraken (Octopus vulgaris) unterschied, dass es gerechtfertigt erschien, ihn der Gattung Enteroctopus zuzuordnen. Zu dieser gehören heute eben auch die bereits genannten anderen Riesenkrakenarten. Seit 2014 werden sie in der Familie Enteroctopodidae zusammengefasst, zusammen mit anderen Arten, wie dem tiefseelebenden Vulkanoktopus (Vulcanoctopus hydrothermalis, vgl. Systematik der Kopffüßer).


 
MolluscaBase: Enteroctopodidae Strugnell, Norman, Vecchione, Guzik & Allcock, 2014. (Abgerufen: 14.05.2026).

 
MolluscaBase: Enteroctopus dofleini (Wülker, 1910). (Abgerufen: 16.05.2026).

 
Wikipedia (Englisch): Giant Pacific Octopus. (Abgerufen: 14.05.2026).


 
Gabb, G. (1862): Descriptions of two new species of Cephalopodes in the Museum of the California Academy of Natural Sciences. Proceedings of the California Academy of Natural Sciences. 2: S. 170-172. (Link, abgerufen: 16.05.2026).

 
Wülker, G. (1910): Über japanische Cephalopoden: Beiträge zur Kenntnis der Systematik und Anatomie der Dibranchiaten. Bd. 3: 1, S. 7 f. Verlag der K.B. Akademie der Wissenschaften, München. (Link, abgerufen: 14.05.2026).

Stellers Seelöwe frisst einen Riesenkraken.
Stellerscher Seelöwe (Eumetopias jubatus) frisst einen Riesenkraken:
Elfin Cove, Alaska, USA. Bild: Kim Nesbitt (iNaturalist) Bild vergrößern!
 
Der Pazifische Riesenkrake ist vorwiegend nachtaktiv und ein so genannter generalistischer Beutegreifer: Im Wesentlichen frisst er also fast alles, was ihn nicht frisst. Wie andere Kraken ernähren Riesenkraken sich vor allem von Krustentieren, wie Krabben und Langusten, von anderen Weichtieren, wie Muscheln, Meerohrschnecken (Haliotidae) und anderen Schnecken, sowie nicht zuletzt Kalmaren und anderen Kraken einschließlich kleineren Artgenossen. Riesenkraken fressen auch Fische, in ihrem Magen hat man auch Überreste kleinerer Haie gefunden. In British Columbia (Kanada) konnte 2012 ein Riesenkrake sogar dabei beobachtet werden, wie er eine (vermutlich sehr unachtsame) Möwe fraß.

Gayne C. Young (Outdoor Life): Pacific Octopus Eats Seagull. (Abgerufen: 14.05.2026).

  Möwe frisst Tentakel eines Riesenkraken
Möwe frisst den Tentakel eines Riesenkraken: Victoria, British Columbia,
Kanada. Bild: Kelpadelpian (iNaturalist Bild vergrößern!
Das bedeutet jedoch nicht, dass Riesenkraken andererseits nicht selbst auch Beute für viele Meerestiere wären: Wie bei vielen Kopffüßern sind ihre Paralarven eine willkommene Beute für viele Planktonfresser und Filtrierer (s.u.). Aber auch die erwachsenen Riesenkraken gehören trotz ihrer Größe zur Beute unterschiedlicher Robbenarten, wie dem Seehund (Phoca vitulina) oder dem Stellerschen Seelöwen (Eumetopias jubatus), Seeottern und unterschiedlichen Walen, wie z.B. dem Schwertwal (Orcinus orca), sowie vielen unterschiedlichen Fischen, wie z.B. dem Pazifischen Schlafhai (Somniosus pacificus). Seevögel, wie Möwen, fressen vor allem angeschwemmte oder verletzte Riesenkraken.

In seinem Verbreitungsgebiet ist der Riesenkrake meistens von der Gezeitenzone (Intertidal) bis in eine Tiefe von 2000 m anzutreffen, und kommt besonders in kälterem sauerstoff- und nährstoffreichem Wasser. Dabei stehen dem Riesenkraken, wie anderen Kraken auch, zwei unterschiedliche Fortbewegungsmethoden zur Verfügung:

Eine schnelle schwimmende Fortbewegung im Wasser findet durch den für Kopffüßer typischen Rückstoßantrieb statt: Der Krake presst Wasser aus der Mantelhöhle durch den Sipho aus und wird dadurch rückwärts davongetrieben. Dabei schwimmt er mit dem Körper voran und zieht seine Fangarme hinter sich her (s.o.).

Am Ozeanboden kann er sich hingegen langsamer fortbewegen, indem er mit den Fangarmen über den Boden "geht". Dabei untersucht er gleichzeitig die Umgebung: Um die Saugnäpfe herum angeordnete Sinneszellen versorgen ihn zusätzlich mit Geruchs- und Geschmacksinformationen. Nachdem jeder Arm einen eigenen Nervenknoten oder Ganglion besitzt, können die Arme auch bis zum gewissen Grade autonom eingesetzt werden (vgl. Nervensystem). Diese Saugnäpfe können bei großen Riesenkalmaren bis über 6 cm Durchmesser haben und bis zu 16 kg Gewicht halten.

Cosgrove, James; McDaniel, Neil: "Super Suckers: The Giant Pacific Octopus and Other Cephalopods of the Pacific Coast". Harbour Publishing, Pender Harbour, BC, 2009.

Riesenkrake in seinem Versteck
Riesenkrake in seinem Versteck: Puget Sound, Washington, USA.
Bild: Daniel Hershman (iNaturalist) Bild vergrößern!
 
Der Pazifische Oktopus löst dieses Problem, indem er sich ein dauerhaftes Versteck sucht, zu dem er regelmäßig zurückkehrt. Dies können Höhlen sein, die der Oktopus teilweise in weicherem Untergrund auch selbst gräbt, aber auch vom Menschen gemachte Gegenstände, wie Flaschen oder Abwasserrohre. Die Wahl des Untergrundes, in dem der Oktopus sich eine Wohnstatt sucht, hängt oftmals auch mit seiner bevorzugten Nahrung zusammen: Muschelsucher logieren eher in weichem Untergrund, während Krabbenfresser sich eher Rückzugsorte in felsigem Terrain suchen. Der Oktopus bringt seine Beute oftmals zurück in sein Versteck, um sie dort in Sicherheit zu fressen. Infolgedessen liegen um Oktopus-Höhlen oftmals Nahrungsreste verstreut, wie Bruchstücke des Panzers oder Schalen. Nachdem Kraken sich in sehr kleine Räume zwängen können, sind ihre Höhlen im Allgemeinen gerade so groß, dass das Tier hineinpasst und sich umdrehen kann.

Riesenkraken sind relativ ortstreu, sie behalten ihre Wohnstatt meist so lange, wie es geht und ziehen nur bei Notwendigkeit, oft nur wenige Meter entfernt, um. Solche Wanderbewegungen können oftmals stattfinden, weil nicht mehr genug Nahrung zur Verfügung steht, oder weil der Sauerstoffgehalt des Wassers, z.B. als Folge von Überdüngung und Algenblüte) zu gering wird. Zudem bevorzugt der Pazifische Riesenkrake Wassertemperaturen von 8 - 12°C, was auch infolge von Klimaveränderungen dazu führen kann, dass die Tiere in tieferes und kälteres Wasser abwandern.

Monterey Bay Aquarium: Giant Pacific Octopus. (Abgerufen: 16.05.2026).

Während die meisten Krakenarten nur ein Jahr alt werden, können Pazifische Riesenkraken ein Alter von drei bis fünf Jahren, mit einer Geschlechtsreife bei etwa zwei Jahren, erreichen. Um ihre dennoch vergleichsweise kurze Lebenserwartung zu kompensieren, legen Riesenkraken sehr viele Eier: Ein weiblicher Riesenkrake kann zwischen 120.000 und 400.000 Eiern legen. Die Begattung findet durch den so genannten Hectocotylus statt, einen spezialisierten Arm, mit dessen Hilfe das Männchen eine sehr große Spermatophore im Mantel des Weibchens platziert. Das Weibchen bewahrt die Spermatophore in ihrer sogenannten Spermatheca auf, bis sie bereit für die Befruchtung ist. Bei einem Weibchen im Seattle Aquarium konnte eine Zeitspanne von etwa sieben Monaten zwischen Begattung und Ablage der befruchteten Eier beobachtet werden.

  Paralarve des Riesenkraken
Paralarve eines Pazifischen Riesenkraken (Enteroctopus dofleini):
San Juan Island, Washington, USA. Bild: J.A. Fields (iNaturalist).
Bild vergrößern!
Das Weibchen kümmert sich um ihr Gelege (Brutfürsorge), indem sie ihnen sauerstoffreiches Wasser zuführt und Algenbewuchs entfernt. Während der etwa sechs Monate der Brutfürsorge nimmt sie keine Nahrung zu sich und verlässt das Gelege auch nicht. Nachdem sie nur durch ihr angesammeltes Körperfett überlebt hatte, stirbt sie nach dem Schlüpfen der Paralarven. Pazifische Riesenkraken sind semelpare (Semelparität) Lebewesen, d.h. sie pflanzen sich nur einmal im Leben fort. Teilweise schon während der Fortpflanzung beginnt der Alterungsprozess, der verschiedene physische und Verhaltensveränderungen inkludiert. Im Gegensatz zu den Weibchen halten sich die Männchen in dieser Zeit öfter außerhalb ihres Verstecks auf, was zur Folge hat, dass sie durchschnittlich öfter von Fressfeinden erbeutet werden.


 
Anderson, R.C.; Wood, J.B.; Byrne, R.A. (2002): "Octopus Senescence: The Beginning of the End". Journal of Applied Animal Welfare Science. 5 (4): 275 - 283. (Abstract, abgerufen: 16.05.2026).

Die Paralarven des Pazifischen Riesenkraken haben beim Schlüpfen etwa die Größe eines Reiskorns und wiegen nur 0,03 g. Allerdings wachsen sie sehr schnell: Bis etwa zum Alter von zwei Jahren täglich etwa 0,9%, bis sie etwa 20 - 40 kg Gewicht erreicht haben. Bis dahin gehören sie aber zur Beute sehr vieler Plankton fressender oder filtrierender Tiere, und nur sehr wenige überleben das Jugendstadium. Das Wachstum und Heranreifen von Kraken hängen erheblich von der Wassertemperatur ab: Während die Tiere in kälterem Wasser langsamer heranwachsen, geschieht dies in wärmerem Wasser schneller, jedoch haben diese Kraken daher auch eine um bis zu 20% kürzere Lebenserwartung.

Riesenkrake versteckt sich hinter Kamm-Muschel
Riesenkrake versteckt sich hinter einer Kamm-Muschel: Alexander Ar-
chipelago, Alaska, USA. Bild: Madison Reynolds (iNaturalist).
Bild vergrößern!
 

Riesenkraken, wie andere Kraken, haben erstaunliche Fähigkeiten. Sie können ihre Farbe verändern, um sich zu tarnen, aber auch, um Stimmungen kundzutun: Deshalb zeigen viele Kraken eine rote Farbe, nachdem sie gerade gefangen wurden - ein Ausdruck von Aggression oder Stress. Zusätzlich können sie mit Hilfe von Hautpapillen auch die Oberflächenstruktur ihrer Haut veränderrn, um ihre Tarnung zu verbessern (vgl.: Färbung, Tarnung und Verteidigung).

Kraken werden gemeinhin als die intelligentesten Wirbellosen betrachtet. Gerade der Pazifische Riesenkrake wird oft entlang der amerikanischen Westküste in Aquarien und Zoos gehalten, da die Tiere aufgrund ihrer Größe leicht zu sehen sind und für Besucher sehr interessant sind. Riesenkraken sind beispielsweise dabei beobachtet worden, dass sie bestimmte Menschen erkennen können und mit Farb- und Formveränderungen, sowie Verhaltensäußerungen, wie Wasser aus dem Sipho zu spritzen, auf sie reagieren. Man geht sogar davon aus, dass Kraken unterschiedliche Persönlichkeiten haben. Riesenkraken können auch Behältnisse, sogar solche mit Kindersicherung, öffnen, um an den Inhalt zu gelangen. Ähnlich, wie der Kokosnuss-Krake (Amphioctopus marginatus) können auch Riesenkraken Gegenstände sammeln oder als Schutz benutzen (vgl.: Intelligenz außerhalb der Wirbeltiere?).

  Pazifischer Riesenkrake (Enteroctopus dofleini)
Pazifischer Riesenkrake: Andreevka, Wladiwostok,
Russland. Bild: Elena Kushkhova (iNaturalist).
Die Betreiber stellt dies natürlich durchaus auch insofern vor Herausforderungen, als Kraken sehr wohl aus ihrem Aquarium entweichen können und dies auch tun werden, wenn sie die Gelegenheit dazu erhalten.


 
BBC Earth: Genius Octopus Can Open Jars. ( YouTube Video, abgerufen: 02.05.2026).

 
Monterey Bay Aquarium: Stuck on you: caring for our giant Pacific octopus. ( YouTube Video, abgerufen: 02.05.2026).

 
OctoNation: Playing with Godzilla, the Giant Pacific Octopus at Aquarium of the Pacific!. ( YouTube Video, abgerufen: 02.05.2026).


 
Anderson, R.C.; Mather, J.A.; Monette, M.Q.; Zimsen, S.R.M. (2010): "Octopuses (Enteroctopus dofleini) Recognize Individual Humans". Journal of Applied Animal Welfare Science. 13 (3): S. 261 - 272. (Abstract, abgerufen: 17.05.2026).

 
Mather, J.A.; Kuba, M.J. (2013): "The cephalopod specialties: complex nervous system, learning and cognition". Canadian Journal of Zoology. 91 (6): S. 431 - 449. (Abstract, abgerufen: 17.05.2026).

 
Mather, Jennifer A.; Anderson, Roland C.; Wood, James B.: "Octopus: The Ocean's Intelligent Invertebrate ". Timber Press, Portland, 2010. (Link, abgerufen: 17.05.2026).

 
Monterey Aquarium: The Giant Octopus Exhibit. (Abgerufen: 17.05.2026).

Die Auswirkungen des menschlichen Einflusses auf Kraken sind unterschiedlich:

Zum einen werden Kraken aufgrund ihrer weitgehenden Ortstreue von Veränderungen in den Eigenschaften des umgebenden Wassers beeinflusst. Darunter zählen neben Sauerstoff- und Nährstoffgehalt, sowie Wassertemperatur vor allem auch der Säuregrad (pH) des Wassers, der auf Kraken sehr negative Auswirkungen haben kann.

Während einerseits die Verfügbarkeit von Beutetieren durch die Fischerei und Veränderungen der Wasserqualität stark beeinflusst werden kann, kann diese andererseits durch das Abfischen von Fressfeinden der Kraken positiv auf die Krakenpopulation wirken. Dies wiederum führt aber natürlich zu Nahrungskonkurrenz unter den Kraken, mit der Einschränkung, dass ja auch Kraken gefischt werden. Nachdem viele Beutetiere der Kraken, darunter Krebstiere, Muscheln und Schnecken dazu neigen, Schadstoffe in ihrem Gewebe anzusammeln, hat auch dies negative Auswirkungen auf die Gesundheit von Krakenpopulationen.

Seitens der IUCN wird der Pazifische Riesenkrake derzeit als "least concern" eingestuft. Lokal gibt es Bestrebungen, die Fischerei nach Riesenkraken teilweise einzuschränken. Dies beruht allerdings vorwiegend auf lokalen Initiativen aufgrund der großen Bekanntheit des Pazifischen Riesenkraken. Ebenso werden oftmals Stimmen laut, die die Haltung von Kraken in Aquarien ablehnen, da dies eine unzumutbare Grausamkeit gegenüber einem offensichtlich intelligenten Lebewesen darstelle.

Fossile Geschichte und Paläontologie

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In Arbeit

https://www.merkur.de/wissen/meer-wir-beginnen-gerade-erst-zu-sehen-forscher-entdecken-urzeitmonster-aus-dem-zr-94289627.html

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Letzte Änderung: 18.05.2026 (Robert Nordsieck).