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Windelschnecken (Vertiginidae)

Vertiginidae Fitzinger 1833

  Überfamilie Pupilloidea (Puppenschnecken)
 
Familie Lauriidae (Genabelte Puppenschnecken)
Familie Strobilopsidae
Familie Argnidae
Familie Orculidae (Fässchenschnecken)
Familie Chondrinidae (Kornschnecken)
Familie Pupillidae (Puppenschnecken)
Familie Pyramidulidae (Pyramidenschnecken)
Familie Valloniidae (Grasschnecken)
Familie Vertiginidae (Windelschnecken)
 
  Übersicht über die Überfamilie der Pupilloidea.
Quelle: Mollbase: Pupilloidea.

Systematik

Klasse: Gastropoda
Unterklasse: Pulmonata
Überordnung: Eupulmonata
Ordnung: Stylommatophora
Unterordnung: Orthurethra
Überfamilie: Pupilloidea
Familie: Vertiginidae Fitzinger 1833

Quelle: Mollbase auf http://www.mollbase.de/list/.

Windelschnecken sind sehr kleine Schnecken, die zur Überfamilie der Puppenschnecken (Pupilloidea) gehören. Die meist nur wenige Millimeter großen Gehäuse sind eiförmig bis zylindrisch mit einer glatten bis stark gerippten Oberfläche. Die Mündung ist fast immer durch Vorsprünge ("Zähne", Lamellen oder einen Kallus) etwas eingeengt; meistens ist diese Mündungsarmatur spezifisch typisch für Gattungen oder Arten. Die Tiere besitzen nur ein Paar Fühler (mit Ausnahme der Unterfamilie Gastrocoptinae), auf denen die Augen sitzen; die vorderen Tentakel sind, im Gegensatz zu den Puppenschnecken (Pupillidae) weitgehend reduziert. Dennoch handelt es sich um Landlungenschnecken (Stylommatophora).

 
Gehäuse der Bauchigen Windelschnecke (Vertigo moulinsiana).
Bild: Vollrath Wiese, Haus der Natur, Cismar.

Bauchige Windelschnecke - Vertigo moulinsiana (Dupuy 1849)


Bauchige Windelschnecke (Vertigo moulinsiana).
Bild: Gilles St. Martin (Original).
 

Beschreibung: Die Bauchige Windelschnecke ist die größte in Mitteleuropa heimische Windelschnecke. Sie besitzt ein rötlich-braunes, durchscheinendes und stark glänzendes Gehäuse. Der letzte Umgang ist stark erweitert und kann bis zu zwei Dritteln der Gehäusehöhe einnehmen.

Die Mündung weist 4 eng zusammen stehende Lamellen auf, die den Mündungsquerschnitt verringern und Fressfeinden das Eindringen durch die Mündung erschweren. Zusätzlich minimieren sie die Verdunstung. Von den vier Lamellen befinden sich zwei auf der palatalen (rechts) Seite und je einer auf der columellaren (links) und der parietalen (oben) Seite der Mündung. Der Kopf und größte Teil des Fußes der Bauchigen Windelschnecke sind schwarz, der untere Teil des Fußes wird heller.

Maße: H: 2,25 - 2,75 mm ; B: 1,3 - 1,65; U: 3½ - 4½. Information: Abkürzungen

Lebensraum und Verbreitung: Die Bauchige Windelschnecke lebt bevorzugt im sumpfigen Verlandungsbereich stehender Gewässer. Sie ist charakteristisch für Großseggenriede der Niedermoorgebiete, wo sie nachts auf den Seggen dort wachsende Mikro-Pilze frisst. Vertigo moulinsiana verbringt dort auch ihre Trockenruhe und wird wahrscheinlich durch Wasservögel weiter verbreitet. Sie meidet Staunässe und benötigt ausreichend feuchtes und warmes Mikroklima.

 
Diese Briefmarke von der Bauchigen Windelschnecke (Vertigo moulinsiana)
entstand in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Museum für Naturkunde
in Stuttgart. Quelle: Hans-Jörg Niederhöfer.

Die Bauchige Windelschnecke kommt in Deutschland zerstreut vor, im Nordosten und Norden ist sie recht verbreitet. Es gibt vereinzelte Vorkommen dieser Art in ganz Mittel- und Westeuropa, auf den britischen Inseln und den südlichen Gebieten Skandinaviens. Im Süden erstreckt sich das Verbreitungsgebiet bis nach Nordafrika, im Osten bis in den Kaukasus. Intakte Populationen von Vertigo moulinsiana hat man in Südostengland, in Irland und in Nordostdeutschland gefunden.

Man geht davon aus, dass die isolierten Vorkommen der Bauchigen Windelschnecke, die relativ empfindlich gegen tiefe Wintertemperaturen ist, in Mitteleuropa als Relikte der nacheiszeitlichen Warmzeit zu deuten sind. Dies ist allerdings umstritten.


Bauchige Windelschnecke (Vertigo moulinsia-
na
). Bild: F. Julich (Quelle).
 

Bedrohungssituation: Die Bauchige Windelschnecke ist vor allem wegen ihres sehr lokalen Vorkommens und ihrer hohen Ansprüche an den Lebensraum stark gefährdet und durch Biotopzerstörung, z. B. durch Grundwasserabsenkungen und Trockenlegen von Feuchtgebieten und schilfbestandenen Seen, fast in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet vom Aussterben bedroht.

Eine zusätzliche Bedrohung besteht auch durch die Mahd des Grases, an dem die Schnecken leben, sowie durch die Nutzung ihres Lebensraums als Weideland.

Während die meisten historisch bestätigten Populationen bereits ausgestorben sein dürften, ist es der Art allerdings gelungen, neue Lebensräume zu besiedeln und man geht davon aus, dass sie häufiger ist, als angenommen.

 
Die links gewundene schlanke Windelschnecke (Vertigo angu-
stior
), ebenfalls eine bedrohte Art. Bild: F. Julich (Quelle).

Dennoch ist Vertigo moulinsiana in Bayern, Österreich, der Südschweiz, Teilen Italiens und in Rheinland-Pfalz vom Aussterben bedroht. Im übrigen Deutschland, in der Nordschweiz und im übrigen Italien ist die Art als gefährdet eingestuft, in Spanien als bedroht, in Großbritannien und Irland ist die Art selten, man geht davon aus, dass sie in Wales bereits gefährdet ist ( vgl. Gefährdungskategorien gemäß Roter Liste).

Nach dem Beschluss der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) im Jahr 1992 als "Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen" (Der Rat der Europäischen Gemeinschaften, 1992) sind für Vertigo moulinsiana besondere Schutzgebiete einzurichten.

Links

Arbeitskreis Mollusken NRW: Weichtier des Jahres 2003: Vertigo moulinsiana.
Mollbase Artenschutz: Vertigo moulinsiana.
Francisco Welter-Schultes: Vertigo moulinsiana species homepage.
A. W. Gmelig Meyling und R. H. de Bruyne: Zeggekorfslak,Vertigo moulinsiana (Dupuy, 1849).
Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie: Artensteckbrief: Bauchige Windelschnecke (Vertigo moulinsiana).

Natura 2000 Rheinland-Pfalz: Schlanke Windelschnecke (Vertigo angustior).
Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie: Artensteckbrief: Schmale Windelschnecke (Vertigo angustior).

Zylindrische Windelschnecke - Truncatellina cylindrica (Férussac 1807)

 
Zylinderwindelschnecke (Truncatellina cylindri-
ca
). Größe: ca. 2 mm. Zürich, Schweiz.
Bild: © Stefan Haller (schneckenfoto.ch).

Die Arten der Gattung Truncatellina gehören zu den "kleinsten und zartesten Pulmonaten" (Ehrmann, P., 1956).

Beschreibung: Die zylindrische Windelschnecke hat ein goldbraun-hornfarbenes Gehäuse, das nicht glänzend ist, sondern eine gerippte Oberfläche hat. Die Zwischenräume zwischen den Rippen sind ungefähr so breit, wie die Rippen selbst. Die vorletzte Windung weist etwa 65 Rippen auf. Das Gehäuse erscheint leicht konisch: Die Windungen weiten sich leicht in Richtung Mündung. Der Mundsaum ist nur wenig umgefaltet und weist keine Mündungszähne auf.

Maße: H: 1,8 - 2 mm; B: 0,9 mm; U: 5½. Information: Abkürzungen

Lebensraum und Verbreitung: Zylindrische Windelschnecken leben in sonnigen, trockenen und mäßig trockenen Hanglagen auf kalkreichem Boden, im Grasland auch auf sandigem und steinigem Untergrund und in der Pflanzendecke von Kalkfelsen. Im Süden ihres Verbreitungsgebietes leben diese kleinen Schnecken auch in lichten Wäldern. In Mitteleuropa und England kommt Truncatellina cylindrica typischerweise an Fetthennen (Sedum) und Beifuß (Artemisia) vor. In der Schweiz leben diese Windelschnecken oftmals an südexponierten trockenen und warmen Kalkfelsen vor.

Das Verbreitungsgebiet der Art erstreckt sich von England und Südschweden im Norden bis nach Mittelrussland und den Kaukasus im Osten, Südeuropa und die Türkei im Süden und Südosten, sowie nach Nordafrika.

Bedrohungssituation: Die zylindrische Windelschnecke ist von fortwährender Zerstörung ihres Lebensraums bedroht - die meisten Populationen in Großbritannien sind inzwischen verschwunden. In Irland ist die Art bereits ausgestorben, in Schottland ist das wahrscheinlich auch der Fall. In Vorarlberg und Niedersachsen ist die Art stark gefährdet (EN), in England und dem übrigen Deutschland ist Truncatellina cylindrica als gefährdet eingestuft.

Francisco Welter-Schultes: Truncatellina cylindrica species homepage.


Mit Bildern von Stefan Haller:
http://www.schneckenfoto.ch.