Kornschnecken (Chondrinidae)

Chondrinidae Steenberg 1925

  Überfamilie Pupilloidea (Puppenschnecken)
 
Familie Lauriidae (Genabelte Puppenschnecken)
Familie Strobilopsidae
Familie Argnidae
Familie Orculidae (Fässchenschnecken)
Familie Chondrinidae (Kornschnecken)
Familie Pupillidae (Puppenschnecken)
Familie Pyramidulidae (Pyramidenschnecken)
Familie Valloniidae (Grasschnecken)
Familie Vertiginidae (Windelschnecken)
 
  Übersicht über die Überfamilie der Pupilloidea.
Quelle: Mollbase: Pupilloidea.

Ebenso, wie die Puppenschnecken (Pupillidae), die Fässchenschnecken (Orculidae) und die Windelschnecken (Vertiginidae) gehören auch die Kornschnecken zur Überfamilie der Puppenschnecken (Pupilloidea).

Die Kornschnecken haben ihren Namen von der Form ihres Gehäuses, das mit seiner hoch aufgewundenen, aber bauchigen, leicht spindelartigen Form an ein Getreidekorn erinnert. Zu den Kornschnecken gehören etwa 60 Arten in Europe, von denen ein Teil bodenlebend ist (die Gattungen Granaria, Granopupa und Abida), andere (Solatopupa, Chondrina und Rupestrella) an steilen Felsen leben.

Von den übrigen Gruppen in der Überfamilie der Puppenschnecken unterscheiden sich die Kornschnecken vor allem durch die Form ihres Gehäuses, die keine stumpfe Schalenspitze (Apex) aufweist, wie etwa bei den Fässchenschnecken oder Windelschnecken, aufweist, so dass Kornschnecken an etwas korpulente Vielfraßschnecken (Enidae) erinnern, von denen sie sich durch ihr enger gewundenes Gehäuse und die stärkere Mündungsarmatur (s. u.) unterscheiden.


Kornschnecken (Chondrinidae) im Vergleich. Von links nach
rechts: Abida secale, Chondrina avenacea, Granaria frumen-
tum
. Bild: Vollrath Wiese, Haus der Natur, Cismar.
 

Die felsenlebenden Kornschnecken, wie die Haferkornschnecke (Chondrina avenacea), ernähren sich vorwiegend von Flechten, die am Felsen wachsen. Um an die im Felsen sitzenden Teile der Flechten zu gelangen, raspeln die Kornschnecken auch die oberste Gesteinsschicht ab. Dazu ist ihre Raspelzunge, die Radula, besonders angepasst.

 
Roggenkornschnecke (Abida secale).
Bilder: © Alexander Mrkvicka, (mrkvicka.at).
 
Wulstige Kornschnecke (Granaria frumentum).
Pfeil: Nackenschwiele (Kallus).

Zusätzlich tarnen sich vor allem junge Haferkornschnecken, indem sie ihre Schale mit Gesteinskrümeln verkleiden.

Viele Kornschneckenarten sind ausgezeichnet an das Leben in trockenen Gebieten angepasst und können im Trockenschlaf bis zu einem Jahr ohne Nahrung und Wasser überleben.

Als Anpassung an die Trockenheit in einem Großteil ihres Verbreitungsgebietes, aber wohl auch zum Schutz gegen Feinde besitzen Kornschnecken eine hoch entwickelte Mündungsarmatur aus mehreren Falten und Zähnen, ähnlich, wie bei den Schließmundschnecken (Clausiliidae), aber natürlich ohne deren Schließapparat (Clausiliar).

Die Kornschnecken (Chondrinidae) Österreichs:

Chondrinidae Steenberg 1925
Granaria frumentum (Draparnaud 1801)
Granaria illyrica (Rossmässler 1835)

Abida secale secale (Draparnaud 1801)

Chondrina avenacea avenacea (Bruguière 1792)
Chondrina avenacea lepta (Westerlund 1887)
Chondrina arcadica clienta (Westerlund 1883)
Chondrina megacheilos burtscheri Falkner & Stummer 1996

Quelle: Wolfgang Fischer: Checklist of Austrian Mollusca.

Roggenkornschnecke - Abida secale (Draparnaud 1801)


Roggenkornschnecke (Abida secale) aus dem Kanton Solo-
thurn (Schweiz). Bild: © Stefan Haller, (schneckenfoto.ch).

Beschreibung: Die Roggenkornschnecke hat ein bräunliches Gehäuse mit einer fein gerippten Oberfläche. Die Mündung weist eine leichte parietale Schwiele (Kallus) auf und ist durch etwa neun Zähne armiert. Die Angularis ist stärker ausgeprägt als die Parietalis, die Haupt-Palatalfalten sind lang, braun und von außen zu sehen (Erklärung: Mündungsarmatur). Das Gehäuse ist schlanker, als das der Wulstigen Kornschnecke (Granaria frumentum, s. o.) und weist keine Nackenschwiele auf. Die Gehäuse der Roggenkornschnecke sind jedoch örtlich sehr variabel bezüglich der Ausprägung der Oberflächenrippen, der Gehäusegröße und der Mündungsarmatur.

Maße: B: 2,3 - 2,8 mm; H: 6 - 11 mm; U: 9 - 9½.

Lebensraum und Verbreitung: Roggenkornschnecken leben an Felsen und in Felsschutt in mäßig lichten Wäldern auf kalkreichem Boden, aber auch auf Wiesen mit dünnem Bodengrund bis oberhalb der Baumgrenze. Die Höhengrenze der Verbreitung der Roggenkornschnecke liegt bei 2700 m NN. Roggenkornschnecken leben auch an Bäumen, in Frankreich sind sie auch auf sonnigen Trockenwiesen ohne Felsen zu finden. Auch in England leben Roggenkornschnecken oft an unbeschatteten Standorten.

Das Verbreitungsgebiet von Abida secale umfasst Westeuropa einschließlich England, im Westen bis nach Spanien. Im Osten erstreckt es sich bis in die West-Slowakei und die südlichen Karpaten.

Bedrohungssituation: In Mitteleuropa sind die Lebensräume der Roggenkornschnecke durch die Forstwirtschaft bedroht, in Großbritannien durch Veränderungen in der Landnutzung. In Österreich ist Abida secale als potentiell bedroht eingestuft (lower concern), in Bayern außerhalb der Alpen ist die Art im Rückgang begriffen; in Deutschland allgemein ist die Roggenkornschnecke potentiell bedroht (lower concern).

Illyrische Kornschnecke - Granaria illyrica (Rossmässler 1835)


Illyrische Kornschnecke (Granaria illyrica) aus dem Süd-Tessin
(Schweiz). Bild: © Stefan Haller, (schneckenfoto.ch).
 

Beschreibung: Die 'Illyrische Kornschnecke' (inoffizieller Trivialname) ist größer als die Wulstige Kornschnecke (Granaria frumentum), vom Gehäuse her dieser aber sehr ähnlich. Die weißliche Schwiele (Kallus) im Nacken des Mündungsumgangs fehlt oder ist nur schwach ausgebildet, und auf den letzten 2 bis 3 Umgängen ist die Schalenoberfläche weniger deutlich oder gar nicht gerippt.

 
Bild: Udo Schmidt.

Maße: B: 3,2 - 4 mm; H: 9 - 11,5 mm; U: 9 - 10.

Lebensraum und Verbreitung: Granaria illyrica lebt an trockenen und offenen Standorten auf Kalksteinboden (z.B. Trockenrasen auf Kalkschutt und Felsensteppen), aber auch in lichten Wäldern und Weingärten. In der Schweiz ist sie bis in einer Höhe von 1300 m NN zu finden.

Das Verbreitungsgebiet der Illyrischen Kornschnecke erstreckt sich von Südosteuropa (zu Illyrien zählten zu Habsburger Zeiten Kroatien, Slawonien und Dalmatien, in Anlehnung an die alte römische Provinz) bis nach Südost-Österreich und Norditalien. Das Südschweizer Vorkommen im Sottoceneri im Tessin schließt sich an das Hauptvorkommen im Westen, Süden und Osten an.

Systematische Anmerkung: Von manchen Autoren wird Granaria illyrica als Form zu Granaria frumentum gezählt (vgl. Kerney et al. 1983, S. 108). Der Artstatus bleibt auch laut Mollbase (s. u.) umstritten.

Francisco Welter-Schultes: Granaria illyrica species homepage.
Mollbase: Granaria illyrica.

Generoso-Kornschnecke - Chondrina generosensis H. Nordsieck 1963

 
Generoso-Kornschnecke (Chondrina generosensis) aus dem
Süd-Tessin. Bild: © Stefan Haller, (schneckenfoto.ch).

Beschreibung: Die 'Generoso-Kornschnecke' (inoffizieller Trivialname) besitzt ein hell hornfarbenes Gehäuse dessen Oberfläche unregelmäßig gestreift ist. Der Nacken der Endwindung ist gerundet, die Umgänge sind ebenfalls gewölbt (konvex). Die Mündung ist nur mit schwachen Falten armiert (Spiralis, Suprapalatalis und Suturalis fehlen, Angularis vorhanden - Erklärung: Mündungsarmatur).

Die Mündungslippe ist weit und nur wenig umgefaltet, an der parietalen Seite (oben) stehen die Mündungsränder nicht in Verbindung.

Maße: B: 2,1 - 2,9 mm; H: 4,6 - 7,0 mm; U: 5½ - 6½.

Lebensraum und Verbreitung: Die Generoso-Kornschnecke lebt an Kalkfelsen sowohl an offenen Standorten, als auch in schattigen Wäldern, in der Nähe von Wasserfällen und ebenfalls an Berggipfeln. In niederen Lagen bevorzugt die Generoso-Kornschnecke kühle und nordexponierte Stellen. Chondrina generosensis lebt in Höhen zwischen 700 und 1700 m NN.

Wie der Name schon sagt, kommt die Generoso-Kornschnecke in der Südschweiz im Sottoceneri des Tessin (und dort u. a. am Monte Generoso) vor, sowie in nahe liegenden Gebieten Norditaliens in der Nähe von Como.

Bedrohungssituation: Wegen ihres kleinen Verbreitungsgebietes ist die Art in der Schweiz potentiell gefährdet.

Francisco Welter-Schultes: Chondrina generosensis species homepage.
Mollbase: Chondrina generosensis.


Mit Bildern von Stefan Haller:
http://www.schneckenfoto.ch.