Fässchenschnecken (Orculidae)

Orculidae Pilsbry 1918

  Überfamilie Pupilloidea (Puppenschnecken)
 
Familie Lauriidae (Genabelte Puppenschnecken)
Familie Strobilopsidae
Familie Argnidae
Familie Orculidae (Fässchenschnecken)
Familie Chondrinidae (Kornschnecken)
Familie Pupillidae (Puppenschnecken)
Familie Pyramidulidae (Pyramidenschnecken)
Familie Valloniidae (Grasschnecken)
Familie Vertiginidae (Windelschnecken)
 
  Übersicht über die Überfamilie der Pupilloidea.
Quelle: Mollbase: Pupilloidea.

Ebenso, wie die Kornschnecken (Chondrinidae), die Windelschnecken (Vertiginidae) und die eigentlichen Puppenschnecken (Pupillidae) gehören auch die Fässchenschnecken (Orculidae) zur großen Überfamilie der Puppenschnecken (Pupilloidea).


Große Fässchenschnecke (Orcula dolium). Bild: Francisco Welter-Schultes, Animal base.
 

Wie ihr Name schon sagt, erinnern Fässchen äußerlich an ein Fass. Davon auszunehmen ist die Spitze des Gehäuses, die bei vielen Arten, z.B. bei der Großen Fässchenschnecke (Orcula dolium) flach kegelförmig ist.

Jungtiere besitzen ein kegelförmiges Gehäuse, das äußerlich an eine Pyramidenschnecke erinnert. Weitere Umgänge (ausgewachsene Fässchenschnecken können bis zu 10 Umgänge aufweisen) werden mit zunehmendem Alter der Schnecke in gleich bleibender Breite angesetzt, wodurch die Fässchenform entsteht.

Fässchenschnecken werden nur einige Millimeter (zwischen 3 und 10 mm) groß. Sie leben im Moos, unter Laub und zwischen Gesteinsschutt.

 
Große Fässchenschnecke (Orcula dolium). Jungtiere.
Bild: Francisco Welter-Schultes, Animal base.

Bei manchen Arten, besonders auch bei den Jungtieren, findet eine Tarnung (Camouflage) durch Erdkrumen oder den Kot der Schnecke statt.

Mollbase listet für Nord- und Mitteleuropa zehn Arten der Orculidae auf, in ganz Europa kommen rund 50 Arten vor, bei denen zahlreiche Unterarten und Rassen unterschieden werden. Darüber hinaus ist die Familie in Mittel- und Südeuropa, aber auch im Nahen Osten, in Zentralasien, in Nord- und Südafrika und auf Madagaskar verbreitet.

Arbeitsgruppe "Alpine Land Snails" des NHMW: Orcula project.


Große Fässchenschnecke (Orcula dolium) und
Roggenkornschnecke (Abida secale ?).
Bild: © Stefan Haller, (schneckenfoto.ch).
 

Große Fässchenschnecke - Orcula dolium (Draparnaud 1801)

Beschreibung: Die Große Fässchenschnecke hat ein dick walzenförmiges Gehäuse von einer gelblich braunen bis rötlich braunen Farbe, dessen Spitze (Apex) flach kegelförmig ist. Die Gehäuseoberfläche ist fein und unregelmäßig gestreift. Die Mündung ist gerundet und der Mundsaum ist breit und umgefaltet. In der Mündung sind drei Falten sichtbar, davon zwei im Spindelbereich (Columellarfalten) und eine am oberen Mündungsrand (Parietalfalte) (siehe Bild oben). Das Gehäuse der Großen Fässchenschnecke kann durch mineralische Ablagerungen schwarz verkrustet sein, zudem tarnen vor allem Jungtiere das Gehäuse mit Erdkrumen oder Kot.

Maße: B: 3 - 3,6 mm; H: 6,7 - 9 mm; U: 8½ - 10.

 
Fässchenschnecken (Orculidae). Von links nach rechts: Orcula dolium, Orcula
gularis
, Orcula conica. Bild: Francisco Welter-Schultes, Animal base.

Lebensraum und Verbreitung: Orcula dolium lebt an Kalkfelsen, sowie im Geröll und in der Bodenstreu schuttreicher Waldhänge, vor allem in höheren Lagen der montanen Zone. Die Große Fässchenschnecke besitzt eine große Feuchtigkeitstoleranz: Sie tritt an feuchten, waldigen Standorten ebenso auf, wie an trockenen, sonnigen Hängen.

Das Verbreitungsgebiet der Großen Fässchenschnecke erstreckt sich über die Alpen (ausgenommen die eigentliche Hochgebirgszone), sowie das nördliche Alpenvorland und die Karpaten. In der Schweiz ist die Große Fässchenschnecke bis in einer Höhe von 2100 m NN zu finden. Möglicherweise dehnt sich das Verbreitungsgebiet bis Nordafrika, Äthiopien und den Iran aus.

Bedrohungssituation: Während die Große Fässchenschnecke in den Salzburger Kalkalpen eine sehr häufige Art ist, ist das Verbreitungsgebiet in der Schweiz zerstreut. In Bayern ist die Große Fässchenschnecke im Rückgang begriffen.

Francisco Welter-Schultes: Orcula dolium species homepage.
Mollbase: Orcula dolium.

Andere Arten der Fässchenschnecken sind z.B. die Schlanke Fässchenschnecke (Orcula gularis) und die Kegel-Fässchenschnecke (Orcula conica), sowie die nicht zur Gattung Orcula gehörende Kleine Fässchenschnecke (Sphyradium doliolum).

Südalpen-Pagodenschnecke - Pagodulina austeniana (Nevill, 1880)


Südalpen-Pagodenschnecke (Pagodulina austeniana) aus dem
Süd-Tessin. Bild: © Stefan Haller, (schneckenfoto.ch).
 

Pagodenschnecken gehören zur Familie der Fässchenschnecken (Orculidae). Ihr Name rührt von der äußerlichen Ähnlichkeit ihres zylindrischen Gehäuses mit einer kleinen Pagode her. Im Gegensatz zur Großen Fässchenschnecke treffen bei den Pagodenschnecken die parietalen (oberen) Mündungsränder zusammen. Während sich die Parietalfalte weit ins Innere des Gehäuses zieht, enden die Palatal- oder Gaumenfalten innerhalb der Endwindung. Angularis, Subangularis und Spiralis fehlen (Erklärung: Mündungsarmatur). Weitere Besonderheiten des Genitalapparats sind naturgemäß äußerlich nicht sichtbar: Ein Penisappendix fehlt und der Penisretraktor setzt am Epiphallus an (Erklärung: Genitalapparat).

Beschreibung: Die Südalpen-Pagodenschnecke (Pagodulina austeniana) ähnelt der namengebenden Pagodulina pagodula: Sie hat ein ovales Gehäuse auf dessen feine und scharfe Rippen für einen seidigen Glanz sorgen. Allerdings ist die Gehäuseoberfläche bei der Südalpen-Pagodenschnecke weniger dicht gerippt und ovaler geformt. Während bei pagodula nur eine Palatalfalte tief im letzten Umgang liegt, besitzt Pagodulina austeniana neben einer langen Palatalfalte immer eine zweite kürzere Palatalfalte, manchmal sogar eine dritte. Der Nabel des Gehäuses ist geschlossen.

Maße: B: 2mm; H: 3,2 mm; U: 7½ - 8.

Lebensraum und Verbreitung: Die Südalpen-Pagodenschnecke lebt an mehr oder weniger feuchten und schattigen Standorten im Wald und zwischen Kalkfelsen bis in einer Höhe von 1700 m NN. Die Verbreitung der Art ist auf die Südwestalpen der Schweiz (Südlicher Tessin) und Norditaliens (Alpi Marittime bis hin zum Gardasee) beschränkt.

Bedrohungssituation: Die Südalpen-Pagodenschnecke ist in der Schweiz als potentiell bedroht (lower concern) eingestuft, vor allem wohl wegen ihres kleinen Verbreitungsgebiets.

Francisco Welter-Schultes: Pagodulina austeniana species homepage.
Mollbase: Pagodulina austeniana.


Mit Bildern von Stefan Haller:
http://www.schneckenfoto.ch.