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Schnirkelschnecken III: Mediterrane Helicidae

Schnirkelschnecken I: Ariantinae
Schnirkelschnecken II: Helicinae
 

Systematik

 
Eine der bekanntesten mediterranen Schnirkelschneckenarten
ist die Gefleckte Weinbergschnecke (Cornu aspersum).
Bild: Ferrean Turmo Gort (Quelle).

Klasse: Gastropoda
Unterklasse: Pulmonata
Überordnung: Eupulmonata
Ordnung: Stylommatophora
Unterordnung: Sigmurethra
Infraordnung: Arionoinei
Überfamilie: Helicoidea
Familie: Helicidae Rafinesque 1815

Quelle: Mollbase auf http://www.mollbase.de/list/.

Erklärung der Schalenmerkmale zur Bestimmung.

Im Mittelmeergebiet sind die Schnirkelschnecken stellenweise mit großem Artenreichtum weit verbreitet. Besondere Verbreitungszentren sind die Halbinsel Kleinasien, also der asiatische Teil der Türkei, und die Balkanhalbinsel.

Schnirkelschnecken (Helicidae) - Systematische Übersicht.

Nudelschnecke (Eobania vermiculata). Auch: Divertikelschnecke.


Nudelschnecke (Eobania vermiculata), Insel Rab (Kroatien).
Bild: Andreas Gruber.
 

Der zunächst verwunderliche Trivialname dieser Schneckenart rührt daher, dass der dänische Malakologe Otto Friedrich Müller ( Malakologie), als er sie 1774 als erster beschrieb (was ihm das Recht gab, der Art einen Namen zu geben), sich an Vermicelli-Nudeln erinnert fühlte. Offensichtlich hatte er sich auf einer Studienreise nach Italien nicht nur mit der Schneckenfauna beschäftigt. So heißt die Art bis heute Eobania vermiculata (O.F. Müller 1774) - Müller hatte sie zunächst als Helix vermiculata beschrieben, weshalb sein Name nur in Klammern geschrieben wird.

Beschreibung: Eobania vermiculata hat im Vergleich mit anderen Schnirkelschnecken ein eher gedrückt kugeliges Gehäuse, dessen Windungen relativ wenig ansteigen und deren Naht flach ist. Die letzte Windung fällt zur Mündung hin abrupt ab (siehe Bild links). Auffällig ist die stark entwickelte, meist weißliche Mündungslippe, die den Nabel völlig verdeckt. Das Gehäuse ist in Anpassung an den meist warmen und trockenen Lebensraum dickwandig, und von cremig-weißer Grundfarbe. Es weist bis zu 5 variable, dunkelbraune Bänder auf (Englisch: Chocolate Banded Snail), die oft undeutlich oder zu einzelnen Strichen aufgelöst und von einer weißlichen Netzzeichnung überlagert sind (daher Müllers Namenswahl).

 
Nudelschnecke (Eobania vermiculata), Insel Rab (Kroatien).
Bild: Andreas Gruber.

Maße: B: 14 - 27 mm; H: 22 - 30 mm; U: 5 - 6.

Lebensraum und Verbreitung: Eobania vermiculata bewohnt Trockenvegetation auf Feldern und in Heckenstrichen, oft auch Kulturgelände, wie Gärten und Weinberge.

Die Art ist im gesamten Mittelmeergebiet verbreitet. In Südfrankreich ist Eobania vermiculata auch ins Landesinnere, wie ins obere Rhône-Tal und das obere Tal der Garonne eingewandert. An anderen Orten in Europa, wie z.B. in Bad Schwartau in Norddeutschland, in Köln, sowie nahe Györ in Ungarn wurde die Art eingeschleppt, mit Nahrungsmitteltransporten erreichte sie u. a. auch Amerika und Australien. In den USA ist Eobania vermiculata in Louisiana und Texas eingeschleppt worden, stellt aber keine besondere Bedrohung dar. In Japan wurde eine naturalisierte Population der Art erstmals 2004 aus Urayasu in der Präfektur Chiba nachgewiesen. Von einer zweiten weiteren Population aus der Region wurde inzwischen berichtet.

Wirtschaftliche Bedeutung: In weiten Teilen ihres Verbreitungsgebietes wird die Nudelschnecke zu Nahrungszwecken gesammelt. Das hat zweifellos zu einem großen Anteil zur heutigen Verbreitung der Art im ganzen Mittelmeerraum und darüber hinaus geführt. Auf Kreta werden Eobania vermiculata und andere Landschnecken allgemein lebendig auf dem Markt verkauft, auch in Frankreich wird die als "Morguette" bezeichnete Schnecke ebenso gesammelt, wie in Spanien als "Caracol de huerta" (Gemüsegarten-Schnecke).

Weiter führende Informationen

Dünenschnecke - Theba pisana (O. F. Müller 1774)

Weitere Trivialnamen: Sand hill snail, White Italian snail, Mediterranean coastal snail. Italienisch: Lumachella (Lazio), Babbaluceddu (Sizilien), Bovoletto (Venedig).


Dünenschnecke (Theba pisana) auf Sizilien.
Bild: Carlo Columba (Quelle).
 

Beschreibung: Die Dünenschnecke ist eine sehr variable Schneckenart. Sie hat ein gelbliches oder weißes Gehäuse das dunkle Bänder oder Flecken trägt und oft eine dunkel blaugraue Spitze (Apex) aufweist. Während die Jungtiere scharf gekielt sind, wie bei der Wirtelschnecke (Aegopis verticillus), verschwindet der Kiel mit der letzten Windung beim erwachsenen Tier. Die Mündung ist innen oft hell rötlich gefärbt, der Mundsaum ist nur auf der Spindelseite umgebogen. Er verdeckt den engen Nabel zur Hälfte.

 
Dünenschnecken (Theba pisana) in der Camargue.
Bild: Fritz Geller-Grimm.

Von anderen mediterranen Schnirkelschneckenarten kann man die Dünenschnecke gut anhand der Größe ihres Apex und anhand der Form des Nabels unterscheiden. Jungtiere der Nudelschnecke (Eobania vermiculata) haben beispielsweise einen relativ gesehen deutlich größeren Apex.

Die Schnecke selbst hat einen sehr hell gelben Körper, an dem sich schwarze Streifen entlang der Seiten bis die großen Fühler hinauf ziehen, die bei der Dünenschnecke sehr lang sind.

Variationen der Dünenschnecke (Theba pisana).

Maße: H: 9 - 20 mm; B: 12 - 25 mm; U: 5½ - 6. In Griechenland sind die Formen meist deutlich kleiner.

Lebensraum und Verbreitung: Die Dünenschnecke lebt an der Küste auf oder in der Nähe von sandigen Standorten (daher der Name). In den Dünen kann die Schnecke auf dem nahezu kahlen Sand überleben, der nur leicht von Pflanzen befestigt ist. Die Tiere verbringen im heißen Klima der Mittelmeerländer den Trockenschlaf oft der Sonne ausgesetzt an Gräsern, Büschen oder Sukkulenten. Im Norden ihres Verbreitungsgebietes hingegen führen Dünenschnecken keinen Trockenschlaf durch, sondern kriechen nur an Pflanzen hinauf.

Sandheideschnecke (Cernuella virgata)
Sandheideschnecke (Cernuella virgata).
Bild: Robert Nordsieck.
 

Die Dünenschnecke ist zwar oft mit der Sandheideschnecke (Cernuella virgata) und der Schlanken Spitzschnecke (Cochlicella acuta) vergesellschaftet, ist aber besser als diese an das Leben im Sand angepasst und daher auch weiter und häufiger im Sand anzutreffen. Allerdings überlebt Theba pisana keine strengen Winterfröste, was ihre Ausbreitung nach Norden, z. B. auf den Britischen Inseln, begrenzt.

 
Die Sandheideschnecke (Cernuella virgata, a) und die Dünenschne-
cke (Theba pisana, b) werden oft verwechselt.
Bild: Vollrath Wiese, Haus der Natur, Cismar.

Dünenschnecken leben im Mittelmeergebiet und den daran anschließenden Atlantik-Küsten von Zentralmarokko bis nach Belgien und auf den mittelatlantischen Inseln, sowie in Israel und Ägypten. In Spanien kommt die Dünenschnecke manchmal auch im Landesinneren vor. Auf den Britischen Inseln, wo sie im Laufe des 18. Jahrhunderts eingeschleppt wurden, sind Dünenschnecken im Süden zu finden, von Südwestengland über Südwales bis nach Ost- und Südirland. Im größten Teil ihres Verbreitungsgebietes ist die Dünenschnecke nahe der Strände sehr häufig. Von Südportugal bis nach Griechenland gehört sie zu den häufigsten Landschneckenarten.

Eingeschleppt kommen Dünenschnecken auch auf dem nordamerikanischen Kontinent, sowie in Südafrika, Australien und Tasmanien, vor, in den USA werden sie bei massenhaftem Auftreten als Agrarschädling eingestuft.

Bedrohungssituation: In Spanien ist eine küstenlebende Unterart, Theba pisana arietina, als stark gefährdet eingestuft (vgl. Gefährdungskategorien gemäß Roter Liste).

Francisco Welter-Schultes: Theba pisana species homepage.
Molluscs of central Europa: Theba pisana (Dünenschnecke).

Quellen

Fortsetzung folgt.