Felsenschnecken (Chilostoma)

Felsenschnecken sind mittelgroße Schnecken mit einem mehr oder weniger flachen runden Gehäuse, dessen Umgänge mehr oder weniger gerundet sind. Sie gehören systematisch zu den Schnirkelschnecken (Helicidae) und sind mit der Baumschnecke (Arianta arbustorum) und dem Steinpicker (Helicigona lapicida) verwandt. Wie diese gehören sie zur Unterfamilie der Ariantinae. Das Verbreitungsgebiet der Felsenschnecken erstreckt sich von den Pyrenäen bis in die Alpen. Die Gattung Chilostoma wird in mehrere Untergattungen unterteilt, einige Arten zudem in mehrere Unterarten, die für Nicht-Fachleute nur schwer zu unterscheiden sind.

Forum Natura Mediterraneo: Chilostoma deposizione in parete.

Die Gattung Chilostoma in Österreich:

Chilostoma (Campylaea) illyricum (Stabile 1864)

Chilostoma (Cingulifera) cingulatum preslii (Rossmässler 1836)
Chilostoma (Cingulifera) cingulatum peregrini Falkner 1998
Chilostoma (Cingulifera) cingulatum carrarense (Strobel 1852) (Neozoon)

Chilostoma achates achates (Rossmässler 1835)
Chilostoma achates cingulina (Deshayes 1839)
Chilostoma achates stiriae (Forcart 1933)
Chilostoma achates rhaeticum (Strobel 1857)

Chilostoma (Kosicia) intermedium (A. Férussac 1832)
Chilostoma (Kosicia) ziegleri (Rossmässler 1836)

Quellen: Checklist of Austrian Mollusca, Mollbase.

Schnirkelschnecken (Helicidae) I: Ariantinae.

Schnirkelschnecken (Helicidae) - Systematische Übersicht.

Achat-Felsenschnecke - Chilostoma achates (Rossmässler 1835)


Achat-Felsenschnecke (Chilostoma achates
achates
) aus Graubünden.
Bild: © Luzi Sommerau.
 
Engadin-Felsenschnecke (Chilostoma achates
rhaeticum
) aus Graubünden.
Bild: © Luzi Sommerau.
 

Beschreibung: Die Achat-Felsenschnecke hat ein sehr variables Gehäuse, dessen Grundfarbe gelblich weiß ist und das ein braunes und ein helleres Band unterhalb der Außenlinie aufweist. Zwischen den leicht gewölbten Umgängen ist die Naht mäßig stark ausgebildet. Der letzte Umgang steigt vor der Mündung stark ab. Diese ist sehr schief, mit einer weißen, umgefalteten Mündungslippe. Die Ränder der Mündung treffen an der parietalen (oberen) Seite der Mündung nicht zusammen. Der Nabel (Umbilicus) des Gehäuses ist weit und nimmt ein Siebtel bis ein Sechstel des Gehäusedurchmessers ein. Auf dem letzten Umgang weicht er leicht von der Schalenmitte ab, so dass die Mündungslippe den Nabel gerade nicht verdeckt.

Maße: B: 17 - 29 mm; H: 7 - 12 mm; U: 5. Information: Abkürzungen

Verbreitung und Lebensraum: Wie der Name schon sagt, leben Felsenschnecken vorwiegend auf Felsen und Geröll, dabei beschränken sie sich nicht auf Kalkgestein. Felsenschnecken kommen vorwiegend in feuchten und schattigen Lebensräumen vor. In Bergwäldern und im Tal verstecken sie sich auch im Boden und kommen abseits von Felsen vor. Die Schnecken sind nur bei feuchtem Wetter aktiv und verstecken sich bei Trockenheit - gegen Sonneneinstrahlung sind sie empfindlich. Jungtiere kommen öfter an Felswänden vor, im Gegensatz zu den Alttieren, die auch im Tal unterhalb der Felswand zu finden sind, wo sie z.B. an Totholz leben.

 
Achat-Felsenschnecke (Chilostoma achates adelo-
zona
) vom Monte Generoso (Tessin).
Bild: © Stefan Haller, (schneckenfoto.ch).

Die Achat-Felsenschnecke ist im östlichen Alpengebiet bis in die Zillertaler Alpen, von der Tschechischen Republik bis nach Italien, verstreut bis ins Rheintal, verbreitet.

Man unterscheidet mehrere Unterarten, von denen Chilostoma achates achates in der Schweiz nur vereinzelt in Graubünden vorkommt.

Die Engadin-Felsenschnecke, Chilostoma achates rhaeticum (Strobel 1857) kommt im oberen Inntal von Landeck bis St. Moritz, sowie im oberen Veltlin und seinen Seitentälern vor. In der Schweiz ist diese Unterart nur in Graubünden zu finden (Engadin und Puschlav).

Chilostoma achates adelozona (Strobel 1857) schließlich kommt in den lombardischen Südalpen - den Bergamasker Alpen und der Adamello-Gruppe - vor. In der Schweiz ist Chilostoma achates adelozona ausschließlich im Tessin, im Mendrisiotto, zu finden.

Forum Natura Mediterraneo: Chilostoma (Chilostoma) adelozona.

Bedrohungssituation: Chilostoma achates allgemein ist in der Schweiz als stark gefährdet (endangered), in Österreich als potentiell gefährdet eingestuft und in Bayern selten (vgl. Gefährdungskategorien gemäß Roter Liste).

Francisco Welter-Schultes: Chilostoma achates species homepage.


Illyrische Felsschnecke (Chilostoma illyrica).
Bild: © Alexander Mrkvicka, Wien.
 

Flache Felsenschnecke - Chilostoma (Campylaea) illyricum (Stabile 1864)

Beschreibung: Die Flache Felsenschnecke ist eine mittelgroße Schnecke mit einem dick scheibenförmigen Gehäuse, dessen Gewinde schwach gewölbt ist. Das dünnschalige Gehäuse ist hornfarben und ziemlich glänzend mit verlöschenden Streifen. Ähnlich, wie bei der Wirtelschnecke (Aegopis verticillus) zeigen auch bei der Flachen Felsenschnecke hellere Felder Wachstumsunterbrechungen an. Zusätzlich weist das Gehäuse von Chilostoma illyricum ein rotbraunes, von helleren Zonen begrenztes Längsband auf, es gibt auch Formen mit drei angedeuteten Bändern. Der letzte Umgang ist mehr als doppelt so breit, wie der vorletzte. Die Mündung des Gehäuses ist wenig schief, der Mundsaum weist eine kräftige weiße Lippe auf. Der Nabel des Gehäuses ist mäßig weit.

Maße: B: 26 mm; H: 13 mm, U: 5 - 5,5. Information: Abkürzungen

Lebensraum und Verbreitung: Die Flache Felsenschnecke bewohnt feuchte, schattige Kalkfelsen, wo sie häufig unter Vegetation und Geröll zu finden ist. Das Verbreitungsgebiet der Art erstreckt sich über die Ostalpen südlich des Hauptkamms bis zur Etsch, nach Südösterreich, sowie bis nach Südslowenien. Etwa um 1850 wurde die Art am Burgberg von Donaustauf angesiedelt.

Illyrien (altgr. Ἰλλυρίς Illyris, lat. Illyricum) ist eine Bezeichnung für die Region im Westen der Balkanhalbinsel. Zur Habsburgerzeit umfasste Illyrien Kroatien, Slawonien und Dalmatien, in Anlehnung an die alte römische Provinz.

Francisco Welter-Schultes: Helicigona illyrica species homepage.
Mollbase: Chilostoma (Campylaea) illyricum.

Forum Natura Mediterraneo: Che cos'è Chilostoma illyricum?


Mit Bildern von Stefan Haller:
http://www.schneckenfoto.ch.