Die Ernährung der Schnecken III

Meeresschnecken

Teil I: Grundlagen, pflanzenfressende und aasfressende Landschnecken Teil II: Fleisch fressende Landschnecken Teil III: Meeresschnecken

Viele Meeresschnecken jedoch, wie die links im Bild dargestellte Wellhornschnecke (Buccinum undatum), sind Fleisch- oder Aasfresser, zu einem deutlich größeren Anteil als ihre landlebenden Verwandten.

Sipho einer Wellhornschnecke (Buccinum undatum)
Sipho einer Wellhornschnecke (Buccinum undatum).
Bild: Peter Jonas, Unterwasser-Welt Ostsee.
 

Die Wellhornschnecke überfällt zum Beispiel Miesmuscheln und klemmt ihren Fuß zwischen die Schalenklappen, bevor die überraschte Muschel diese schließen kann. Anschließend frisst sie das nahrhafte Innere der Muschel in aller Ruhe leer. Mit erhobenem Atemrohr, dem Sipho, in dem sich zahlreiche Geruchssinneszellen befinden, kriecht die Wellhornschnecke anschließend auf der Suche nach Beute weiter umher, die sie in ihrem Atemwasser riechen kann.

Andere Meeresschnecken haben sich darauf spezialisiert, die Schalen ihrer Beute aufzubohren, um sie anschließend aufzufressen. Viele Pflanzen fressende Schnecken haben daher besonders dicke und widerstandsfähige Schalen entwickelt, die sie gegen solche Angriffe schützen. Miesmuscheln versuchen, angreifende Schnecken mit ihren Byssusfäden zu fesseln. Napfschnecken schließlich versuchen, den Fuß der angreifenden Schnecke unter der Schale einzuklemmen.

 
Napfschnecke an ihrem angestammten Lagerplatz.
Quelle: Morris, Currie: Rocky Shore Ecology.

Keineswegs alle Meeresschnecken ernähren sich aber von tierischer Nahrung. Gerade die eben genannten Napfschnecken haben sich darauf spezialisiert, den Algenbewuchs von Felsen in der Gezeitenzone abzuraspeln. Um in der Brandung nicht vom Felsen gespült zu werden, besitzen diese Schnecken die napfförmige Schale, von der sie ihren Namen haben, und einen besonders kräftigen Fuß, der sie so fest am Felsen hält, dass man sie ohne Werkzeug kaum lösen kann.

Angepasst an ihre Ernährungsform ist die Radula der Napfschnecke wie ein starres Band aufgebaut. Seine gleichförmig gestalteten Zähnchen raspeln in einer charakteristischen Weise den Pflanzenbelag vom Untergrund ab. Wie im Bild rechts dargestellt, räumt die Napfschnecke dabei mit ihrer Schale konkurrierende Seepocken wie ein Bulldozer ab. Wo sie am Tag entlang gekrochen ist, kann man so leicht anhand der Fraßspur einer Napfschnecke erkennen.


Radula der Napfschnecke Patella rustica.
Bild: Universität Salzburg, mit freundlicher
Genehmigung.
 

Aufgrund des vielseitigen Nahrungsangebotes und der dazu passenden, vielfach sehr spezialisierten, Methoden der Nahrungsaufnahme ihrer  Nahrungsaufnahme hat sich  so bei den Meeresschnecken eine Vielzahl unterschiedlicher Radulaformen entwickelt. In der Systematik der Schnecken hat daher der Bau der Radula und die Form ihrer Zähnchen eine große systematische Bedeutung. Die starre Form der Radula einer Napfschnecke mit ihrer gleichmäßigen Bezahnung bezeichnet man wissenschaftlich als docoglosse Radula (Balkenzunge).

Einen selbst für die vielseitigen Schnecken außergewöhnlichen Sonderfall stellen die im Meer lebenden Kegelschnecken (Conidae) dar. Während die kleineren Arten, wie die Mittelmeer-Kegelschnecke (Conus mediterraneus) Jagd auf marine Würmer (Polychaeta) und andere Weichtiere, vor allem Schnecken, machen, greifen größere Arten, wie Conus textile, sogar kleine Fische an.

 
Conus marmoreus frisst eine Kaurischnecke (Cypraea caput-
serpentis
). Quelle: James McVey, NOAA Sea Grant Program.
 
Radula-Zahn einer Kegelschnecke. Quelle: Unterwasserbilder
von D. und W. Fritz.

Bemerkenswert ist die Jagdmethode der Kegelschnecken: Bei den meisten Arten wir die Beute zunächst mit einem schnell wirkenden Nervengift unbeweglich gemacht und anschließend ganz verschlungen. Dazu besitzt eine Kegelschnecke nur noch eine sehr geringe Anzahl von Radulazähnchen. Diese sind zu einer hohlen Kanüle umgewandelt, an deren Ende sich eine spezielle Giftdrüse befindet, aus der die Kegelschnecke ihrer Beute das Nervengift injiziert. Besonders das Gift der größeren Fisch fressenden Arten, kann selbst für den Menschen gefährlich werden. Der ausschließlich Würmer fressende Conus mediterraneus ist hingegen für den Menschen ungefährlich.

Die Radula der Kegelschnecken bezeichnet man passenderweise als toxoglosse Radula (Giftzunge).

Radula-Typen.

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