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Die Wellhornschnecke (Buccinum undatum)


Wellhornschnecke (Buccinum undatum). Gut sichtbar: Der Schalendeckel (Oper-
culum) und der lange Sipho. Bild: Peter Jonas, Unterwasser-Welt Ostsee.
 

Die gemeine Wellhornschnecke (Buccinum undatum) kommt in den Küstengebieten des Nordatlantiks, sowohl an der Ostküste, als auch an der Westküste, vor. Bevorzugt lebt die Wellhornschnecke in kaltem Wasser mit einem Salzgehalt zwischen 2 und 3 %. Die Wellhornschnecke kommt zwar auf unterschiedlichen Böden vor, jedoch ist sie auf weichem Untergrund, in Tiefen zwischen 5 und 200 Metern, am häufigsten. Offensichtlich leben junge und alte Wellhornschnecken in unterschiedlichen Tiefen, die jungen bevorzugen dabei die Flachwasserbereiche, während die älteren Schnecken eher in tiefe Regionen vordringen.

Die Wellhornschnecke ist mit bis zu 11 cm Schalenlänge eine der größten europäischen Schnecken. Die Farbe des Gehäuses ist unterschiedlich und meistens schwer zu erkennen, da sich die Wellhornschnecke entweder mit einer zum Untergrund passenden Algenbedeckung tarnt oder das ganze Gehäuse mit Seepocken (Balanus) bewachsen ist. Wie die meisten anderen Meeresschnecken mit einem Gehäuse besitzt die Wellhornschnecke auch einen Deckel, der am Fußende sitzt und das Gehäuse verschließt, wenn die Wellhornschnecke sich zurück zieht.

Wellhornschnecken sind getrennt geschlechtlich. Die Paarungszeit der Wellhornschnecken ist abhängig von der Wassertemperatur. In kalten Meeresgebieten paaren sich die Wellhornschnecken, wenn das Wasser im Frühling wärmer wird. In den warmen Gewässern Europas paaren sich die Wellhornschnecken erst im Herbst, da die kühlere Wassertemperatur dann für die Entwicklung der Jungen günstiger ist. Das Weibchen lockt das Männchen durch Pheromone an. Die interne Befruchtung ermöglichte die Entwicklung einer Eikapsel zum Schutz der Eier.

 
Wellhornschnecke (Buccinum undatum) bei der Eiablage.
Bild: Ron Offermans.

Die Wellhornschnecke legt ihre Eier in ganzen Kapselpaketen. Dabei können die jungen Wellhornschnecken in den Eikapseln von völlig verschiedenen Vätern stammen, denn Wellhornschnecken paaren sich mehrfach und bewahren die Samenzellen auf, bis günstige Außenumstände für eine Eiablage sprechen. Manche der Eikapseln, die von der Wellhornschnecke gelegt werden, sind leer. Sie dienen nur dazu, die weiter innen befindlichen Jungen zu schützen.

Dennoch überlebt von den gelegten Eiern nur etwa 1%. Das liegt unter anderem daran, dass die früher geborenen Jungschnecken die später geborenen Geschwister fressen. Die Entwicklung der Schnecke in der Schale durchläuft verschiedene Stadien. jedoch findet hier im Gegensatz zu anderen Meeresschnecken keine Entwicklung im freien Wasser statt. Die Lebenserwartung, rechnet man nicht den Faktor Mensch, beträgt etwa 10 bis 15 Jahre.

Die Wellhornschnecke ist ein Fleischfresser. Sie lebt vorwiegend von Würmern, Krebsen, Muscheln und anderen Weichtieren. Schalen und Panzer ihrer Beutetiere bohrt sie mit der Radula an, um das Innere zu fressen. 

Sipho einer Wellhornschnecke (Buccinum undatum)
Sipho einer Wellhornschnecke (Buccinum undatum).
Bild: Peter Jonas, Unterwasser-Welt Ostsee.
 

Die Wellhornschnecke orientiert sich besonders über den Geruchssinn. Dabei unterstützen sie Rezeptoren im Osphradium, einem Organ in der Mantelhöhle. Die Öffnung der Mantelhöhle ist zu einem langen Schlauch, dem Sipho, verlängert. Mit ihrem guten Geruchssinn kann die Wellhornschnecke wohl zwischen einem Räuber und einer potentiellen Beute unterscheiden. Auf dem Weg zu einer Nahrungsquelle erreichen Wellhornschnecken recht hohe Geschwindigkeiten von über 10 cm pro Minute. Bei der Suche nach einer Nahrungsquelle bewegt die Wellhornschnecke ihren Sipho hin und her, bis sie einen Geruch wahrnimmt.

Muscheln überlistet die Wellhornschnecke, um sie fressen zu können. Wenn sie eine Muschel gefunden hat, platziert sich die Wellhornschnecke vor der Muschel und wartet darauf, dass diese irgendwann die Schalenklappen öffnet. Wenn sie das tut, ist es auch schon zu spät, denn die Wellhornschnecke schiebt ihren Sipho zwischen die Schalenklappen und hindert die Muschel so daran, sich wieder zu schließen. Anschließend folgt die Schnauze mit der Radula. Mit ihren langen dolchartigen Zähnchen reißt die Wellhornschnecke ganze Fleischstücke aus der Muschel, so dass diese relativ schnell aufgefressen ist. Manche Muscheln versuchen, sich gegen die Wellhornschnecke zu wehren. Eine Strategie ist, länger warten zu können, als die Wellhornschnecke, die irgendwann die Geduld verliert und davon kriecht. Das Problem ist, dass Muscheln mit geschlossenen Schalen nicht vernünftig atmen können und irgendwann die Schalen öffnen müssen. Andere Muscheln entfernen sich, so schnell sie können. Dabei sind natürlich die Jakobsmuscheln (Pecten jacobaeus) im Vorteil, die schwimmen können. Wieder andere Muscheln vergraben sich tief im Sand, um der Wellhornschnecke zu entkommen.

Englisch wird die Wellhornschnecke als "whelk" bezeichnet. Die in englischen Texten als "dogwhelk" bezeichneten Schnecken sind aber keine Wellhorn, sondern Reusenschnecken, wie die Netzreusenschnecke (Hinia reticulata). Im amerikanischen Raum werden auch die dort ansässigen Kronen- und Birnenschnecken (Familie Melongenidae) als "whelk" bezeichnet. Mit der atlantischen Wellhornschnecke (Buccinum undatum) sind diese Schneckenarten jedoch nur weitläufig verwandt.

Mehr über die Wellhornschnecke

Common whelk bei Aquascope.
Peter Jonas: Unterwasser-Welt Ostsee: Die Wellhornschnecke.

Taxonomie der Gastropoda: Klade Caenogastropoda: Buccinidae.