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Die Rucksackschnecke (Testacella haliotidea)


Graugelbe Rucksackschnecke (Testacella haliotidea).
Quelle: KILLEEN (1992).
 

Schnecken, zu deren Lebensweise Graben im Erdreich gehört, können sich im Laufe ihrer Evolution von der hinderlichen Schale trennen, indem sie zurückgebildet wird - es entsteht eine schalenlose Schnecke oder Nacktschnecke. Zwischen Schalen tragenden Schnecken und schalenlosen Nacktschnecken gibt es zahlreiche Übergangsgrade, von denen man einen als Halbnacktschnecken bezeichnet.

Diese tragen an der Schwanzspitze eine winzige kleine rudimentäre Schale, in die sie sich nicht zurück ziehen können.

Eine solche Familie von Halbnacktschnecken sind auch die Daudebardien (Daudebardiinae), die zur Überfamilie der Gastrodontoidea gehören. Eine andere sind die Testacellidae, von deren Gehäuse aus sich zwei charakteristische Furchen über den Rücken der Schnecke nach vorn in Richtung Kopf ziehen. Von den Daudebardien unterscheiden sich die Testacellen außerdem schon äußerlich dadurch, dass ihr Gehäuse kein erkennbares Gewinde mehr hat, sondern vielmehr einer winzigen Schale einer Meerohrschnecke (Haliotidae) ähnelt.

 
Gelbe Rucksackschnecke (Testacella scutulum).
Bilder: Piergiorgio Di Pompeo (Quelle).
   
 
Unter der Erde und beim Fressen ziehen Tes-
tacellen die Fühler ein.

Im Gegensatz zu den sonst äußerlich ähnlichen Daudebardien (Daudebardiinae) zählen die Rucksackschnecken aber nicht zu den Glasschneckenverwandten (Vitrinoidea), sondern bilden eine eigene Überfamilie, die mit den Oleacinoidea verwandt ist, einer vorwiegend tropischen Schneckengruppe, zu der zum Beispiel die Wolfsschnecke (Euglandina) und die dalmatinische Raubschnecke (Poiretia) aus der Familie Oleacinidae gehören.

Testacellen leben vorwiegend unterirdisch. Zum einen, weil ihre bevorzugte Beute Regenwürmer sind, die sie unterirdisch jagen, zum zweiten, um der Verdunstung zu entgehen. Ihre Beute spüren die Rucksackschnecken mit ihrem gut entwickelten Geruchssinn auf. Mit den dolchartigen, nach hinten gebogenen Radulazähnchen können die Testacellen den Regenwurm festhalten, auch wenn dieser versucht, sich in sein Erdloch zurück zu ziehen. Einen Oberkiefer haben die Testacellen, wie die meisten Raubschnecken, nicht, da sie keine Nahrungsteile abschneiden müssen. Die Beute wird ganz verschlungen und lebendig verdaut. Testacellen sind oft in Gärten zu finden, dies steht natürlich in Zusammenhang mit dem meist lockeren Erdreich und dem reichen Angebot an Regenwürmern.

Es gibt drei europäischen Arten von Rucksackschnecken, die allesamt westeuropäisch mit Verbreitungsschwerpunkt auf den britischen Inseln und in Frankreich vorkommen. 

Testacella haliotidea ist bis in den Westen und Südwesten Deutschlands verbreitet.

Conchological Society of Great Britain & Ireland: Identification aid: Testacella species.
Tafel: Rucksckschnecken (Testacellidae).

Systematik

Klasse: Gastropoda
Unterklasse: Pulmonata
Überordnung: Eupulmonata
Ordnung: Stylommatophora
Unterordnung: Sigmurethra
Infraordnung: Achatinoinei
Überfamilie: Testacelloidea
Familie: Testacellidae Gray 1840

Quelle: Mollbase auf http://www.mollbase.de/list/.