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Blasenschnecken (Physidae)

 
Spitze Blasenschnecke (Physella acuta).
Bild: © Alexander Mrkvicka, Wien.

Systematik

Klasse: Gastropoda
Unterklasse: Pulmonata
Überordnung: Basommatophora
Ordnung: Hygrophila
Unterordnung: Branchiopulmonata
Infraordnung: Planorboinei
Überfamilie: Physoidea
Familie: Physidae Fitzinger 1830

Quelle: Mollbase auf http://www.mollbase.de/list/.

Taxonomie der Gastropoda: Informelle Gruppe Pulmonata: Physidae.

Blasenschnecken (Physidae) haben mit den Tellerschnecken (Planorbidae) die langen und dünnen, spitz zu laufenden Fühler gemeinsam. Auch neuere molekulargenetische Befunde sprechen für die enge Verwandtschaft dieser beiden Familien. Von den Tellerschnecken unterscheiden sich Blasenschnecken (trotz ihrer äußerlichen Ähnlichkeit z.B. mit der afrikanischen Tellerschneckengattung Bulinus) dadurch, dass sie immer links gewunden sind. Außerdem fehlt ihnen die sekundäre Kieme, die man bei den Tellerschnecken als lappenförmiges Organ aus der Mündung ragen sehen kann. Blasenschnecken sind für Schneckenverhältnisse sehr schnell, wie man im Aquarium sehen kann, wenn sie sich mit bemerkenswerter Geschwindigkeit durchs Wasser bewegen. Das oval bis spitz getürmte Gehäuse der Blasenschnecken ist glänzend und glatt.


Blasenschnecke (Familie Physidae) flottierend an der Untersei-
te der Wasseroberfläche. Bild: © Vollrath Wiese.
 

Blasenschnecken leben vor allem in stehenden und langsam fließenden Gewässern, wobei manche Arten auch durch Eutrophierung weniger günstige Wasserverhältnisse, wie Nitratkonzentration oder Säuregrad (pH-Wert) tolerieren können. Zur Nahrung der Blasenschnecken gehören zerfallende Pflanzenreste und Detritus, aber auch Algen, die nicht nur von Wasserpflanzen und Steinen abgeweidet werden: Blasenschnecken können dazu auch, wie Schlammschnecken (Lymnaeidae) an der Unterseite der Wasserhaut entlang kriechen (flottieren).

Eutrophierung.

Ursprünglich sind die Blasenschnecken holarktisch verbreitet (vgl. Faunenprovinzen der Erde), wobei sie bis nach Mittel- und Südamerika vorkommen. Durch menschlichen Einfluss sind viele Arten aber auch auf die südliche Hemisphäre verschleppt worden. Zusätzlich zu den in Europa heimischen Arten kommen hier auch die aus Amerika eingeschleppten Arten Physella heterostropha und Physella gyrina vor, die allerdings oft mit der einheimischen Spitzen Blasenschnecke (Physella acuta) verwechselt wird.

Man geht davon aus, dass es Blasenschnecken fossil schon seit der Trias (vor 210 bis 250 Mio. Jahren, vgl. Erdzeitalter) nachzuweisen sind, allerdings sind diese Nachweise nicht ganz sicher. Sicher sind fossile Blasenschnecken aus dem Miozän, dem unteren Pannonium (vor 10 bis 11 Mio. Jahren) des Wiener Beckens, nachzuweisen.

Harzhauser, M.; Binder, H.: Synopsis of the Late Miocene mollusc fauna of the classical sections Richardhof and Eichkogel in the Vienna Basin. Arch. Moll. 133: 1-57 (2004)

Moosblasenschnecke - Aplexa hypnorum (Linnaeus 1758)

 
Moosblasenschnecke (Aplexa hypnorum).
Bild: © Alexander Mrkvicka, Wien (mrkvicka.at).

Beschreibung: Die Moosblasenschnecke hat ein schlankes, dünnwandiges und glänzendes Gehäuse von gelblich bis rötlich brauner Farbe. Die Umgänge sind leicht gewölbt mit einer erkennbaren Naht (Sutur). Das Tier selbst ist schwarz, der Mantel reicht nicht bis auf die äußere Oberfläche des Gehäuses, wie bei anderen Blasenschneckenarten.

Maße: H: 9 - 15 mm; B: 4 - 6 mm; U: 4 - 6. Information: Abkürzungen


Moosblasenschnecke (Aplexa hypnorum).
Bild: © Alexander Mrkvicka, Wien (mrkvicka.at).
 

Lebensraum und Verbreitung: Die Moosblasenschnecke lebt in kleinen, vegetationsreichen Gewässern der Tieflande, sowie an sumpfigen und bewaldeten Seeufern, auch im Hochmoor, in sumpfigen Auwäldern und sehr feuchten Wiesen. In Schleswig-Holstein lebt Aplexa hypnorum regelmäßig in Tümpeln im Buchenwald. Die Moosblasenschnecke kann zeitweiliges Trockenfallen ihres Gewässers tolerieren, bevorzugt sogar pflanzenreiche Tümpel, die gelegentlich austrocknen. Moosblasenschnecken leben von Detritus und zerfallenden Blättern am Ufer stehender Pflanzen.

Moosblasenschnecken verlassen auf am Ufer stehenden Pflanzen auch ihr Gewässer (daher der Name). Moosblasenschnecken bewegen sich von allen Wasserschnecken am schnellsten. Sie zeigen eine erstaunliche Toleranz für den Säuregrad ihres Gewässers und können mit pH-Werten zwischen 5,8 und 8,5 leben.

Die Moosblasenschnecke ist paläarktisch, in Nordafrika und Eurasien, verbreitet. In Südeuropa wird sie seltener, in Norwegen kommt sie bis 61°N vor.

Bedrohungssituation: In vielen Teilen ihres Verbreitungsgebietes ist die Moosblasenschnecke durch die Zerstörung ihres Lebensraums in den Gewässerhabitaten bedroht, von denen z.B. in Großbritannien viele durch Aufschüttung von Teichen und Gräben verloren gingen. Während sie in Schweden bereits ausgestorben ist, ist Aplexa hypnorum in Bayern, der Südschweiz, Rheinland-Pfalz und Vorarlberg vom Aussterben bedroht, in Polen, Deutschland der Schweiz und in Österreich allgemein als gefährdet eingestuft ( vgl. Gefährdungskategorien gemäß Roter Liste).

Francisco Welter-Schultes: Aplexa hypnorum species homepage.
Vollrath Wiese et al.:

Spitze Blasenschnecke - Physella acuta (Draparnaud 1805)


Spitze Blasenschnecke (Physella acuta). Bild: Lars Peters.
 

Beschreibung: Die Spitze Blasenschnecke besitzt ein gelblich hornfarbenes, manchmal durchscheinendes Gehäuse mit einem spitzen Apex, dem die Art ihren Namen verdankt. Die Mündung nimmt ¾ der Gesamthöhe des Gehäuses ein. Gehäusespindel und Mündungslippe sind bei voll ausgewachsenen Tieren weiß. Im Verhältnis ist die Mündung höher als bei Physella heterostropha. Das Tier selbst ist schwärzlich oder dunkel grau violett. Der Mantel zeigt goldgelbe Flecken, die durch die durchscheinende Gehäusewand sichtbar sind. Nur der rechte Mantellappen reicht bis über die äußere Gehäusewand. Die Fühler sind gräulich und fast durchscheinend.

Maße: H: 8 - 16 mm; B: 5 - 9 mm; U: 4 - 5. Information: Abkürzungen

 
Rechter Mantellappen einer Spitzen Blasenschnecke (Physella
acuta
). Bild: © Alexander Mrkvicka, Wien (mrkvicka.at).

Lebensraum und Verbreitung: Physella acuta ist in warmen stehenden oder langsam fließenden Gewässern, auch an Seeufern, anzutreffen. Die Art toleriert auch eutrophische Wasserbedingungen. An der mittel-portugiesischen Küste kommt die Spitze Blasenschnecke oft auch in bewässerten Reisfeldern vor. Die Art ernährt sich vor allem von Detritus und Algen.

Die Spitze Blasenschnecke ist heute weltweit verbreitet, dabei ist nicht klar, ob sie ursprünglich aus Südwest-Europa oder aus Nordamerika kommt. In der Schweiz, wo sie seit den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts nachgewiesen ist, kommt sie bis in 800 m NN Höhe vor, häufig ist sie aber nur in warmen Quellen. In Deutschland ist Physella acuta eine Schnecke der tieferen Lagen, sie kommt nur bis in 280 m NN vor, in Süddeutschland ist sie häufiger.

Bedrohungssituation: Während Physella acuta in Spanien in vielen Gebieten die häufigste Wasserschneckenart ist, ist sie in der Schweiz als bedroht eingestuft ( vgl. Gefährdungskategorien gemäß Roter Liste).

Verwandte: Die einzigen anderen Physella-Arten, die in Europa noch vorkommen, sind die aus Amerika eingeschleppten Arten Physella heterostropha (oft mit Physella acuta verwechselt, aber mit einem größeren Gehäuse und einer relativ kleineren Mündung), sowie Physella gyrina, die einen dunkel gefärbten Körper mit weißen Flecken hat, deren Gehäuse aber sehr ähnlich ist.

Conchological Society of Great Britain and Ireland: Physidae, Identification Aid.
Francisco Welter-Schultes: Physella acuta species homepage.