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PapierbooteArgonauta Linnaeus, 1758 |
![]() Geflügeltes Papierboot (Argonauta hians): Komodo, Indonesien. Bild: Bvanant (iNaturalist) |
Die Papierboote (Argonautidae) sind eine verwunderlich anmutende Familie der Kopffüßer. Die englische Bezeichnung "paper nautilus" lässt annehmen, es handele sich um Verwandte der Perlboote (Nautilida), einer sehr alten Gruppe der Kopffüßer, die anders als die meisten heute lebenden Kopffüßer noch eine gewundene äußere Kalkschale besitzen und äußerlich mehr an einen fossilen Ammoniten erinnern, als an heutige Kraken oder Kalmare. Auf japanisch werden die Papierboote jedoch u.a. "Kaidako" (貝蛸) genannt, was wörtlich "Schalen-Oktopus" bedeutet.
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Laut MolluscaBase (2025) gibt es heute noch vier rezente Arten in der Familie Argonautidae, die sämtlich zur Gattung Argonauta gehören, während die übrigen Gattungen und Arten ausgestorben sind. Fossile Argonauten sind jedoch nicht leicht zu finden, vermutlich, weil das dünnwandige Gehäuse nur schwer überdauert und erhalten bleibt. Fossile Funde sind seit dem Oligozän (vor 23 - 34 Mio. Jahren, vgl. Erdzeitalter) bekannt, vor allem aber aus dem Miozän (vor 5,3 - 23 Mio. Jahren) Japans, Zyperns und der Steiermark,
![]() Weibliches Großes Papierboot (Argonauta argo): Teneriffa, Kanarische Inseln. Bild: Marc Martin Sola (iNaturalist). |
![]() Zeichnung eines Perlboots von C. Merculiano in Jatta, G. (1896): " I Cefalopodi viventi nel Golfo di Napoli". (Link, Quelle). |
Argonauta argo gehört zu den Krakenartigen (Octopoda), erkenntlich daraus, dass es acht Arme besitzt, die jeweils zwei Reihen an Saugnäpfen aufweisen, im Gegensatz z.B. zu einem Nautilus, der sehr viel mehr (bis zu 90) Arme besitzt, die aber keine Saugnäpfe tragen. Das Papierboot ist ein pelagischer Kopffüßer, anders als seine Krakenverwandten, die vorwiegend am Ozeanboden leben. Man geht heute davon aus, dass sich die Papierboote schon früh in ihrer Evolutionsgeschichte von den übrigen, überwiegend benthisch lebenden Kraken (Octopoda) getrennt hat. Diese Tiere könnten daher einige Merkmale der Vorfahren der Oktopusse beibehalten haben. DNA-Untersuchungen sollen dazu weitere Aufklärung liefern.
Den wissenschaftlichen Namen Argonauta verdanken das Große Papierboot der griechischen Mythologie: Die Argonautensage handelt von einer Gruppe griechischer Helden (nach ihrem außergewöhnlich schnellen Schiff genannt die Argonauten), angeführt von Iason, die auszogen, um das goldene Vlies von Kolchis im Kaukasus zu erobern. Bis ins 19. Jahrhundert nahm man an, dass die speziell angepassten Arme des weiblichen Argonauten dazu dienten, dass die Tiere sich mit Windkraft, etwa wie eine Portugiesische Galeere, fortbewegen könnten. Jedoch dienen, anders als die mythische Argo, die Armsegel des weiblichen Argonauten nicht der Fortbewegung, sondern zur Herstellung des Gehäuses mit Hilfe von Drüsenzellen in den segelartig verbreiterten Armenden.
Bizarre Beasts:
The Only
Octopus With a Shell. (
YouTube Video).
Em Gems: The Paper
Nautilus, An Octopus in Disguise. (
YouTube Video).
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Wer war Jeanne Villepreux-Power? Die französische Naturkundlerin Jeanne Villepreux-Power (1794 - 1871) erforschte der Zeit, die sie auf Sizilien lebte, die lokale Tier- und Pflanzenwelt. Ihr besonderes Interesse galt den Mollusken. Sie studierte Papierboote (Argonauta argo) in selbst gebauten Aquarien und konnte unter anderem nachweisen, dass das Gehäuse vom weiblichen Argonauten selbst hergestellt wird und dass die segelartig verbreiterten Armenden nur der Herstellung und Reparatur des Gehäuses und nicht der Fortbewegung dienten. Sie stand im Schriftkontakt mit zahlreichen männlichen Gelehrten und wurde z.B. 1858 von Richard Owen für ihre Verdienste auf dem Gebiet der experimentellen Zoologie anerkannt, was für eine Frau in der damaligen Zeit sehr ungewöhnlich war. Quelle: C. Arnal: Jeanne Villepreux-Power - A Pioneering Experimental Malacologist. The Malacologist 34 (Malacological Society of London). |
![]() Gehäuse des Großen Perlboots (Argonauta argo): Milazzo, Messina, Si- zilien, Italien. Bild: Andrea Ruggieri (iNaturalist) |
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Ein kleines Exemplar von Argonauta argo wurde dabei beobachtet, dass sie in einem 88 mm großen Gehäuse 48.800 Embryonen trug. Das größte bekannte Gehäuse eines Argonauta argo wurde jedoch auf 300 mm gemessen. Dies könnte jedoch eher die Ausnahme sein. Die Gehäuse der Argonauten sind relativ variabel, was zur Beschreibung zahlreicher zusätzlicher Arten von Perlbooten geführt hat, die inzwischen als jüngere Synonyme nurmehr vier verbleibender rezenter Arten eingestuft wurden.
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| Okutani, T.; Kawaguchi, T. (1983): "A mass occurrence of Argonauta argo (Cephalopoda: Octopoda) along the coast of Shimane Prefecture, Western Japan Sea". Venus 41: S. 281 - 290. |
Zusätzlich dazu kann der weibliche Argonaut Schäden des Gehäuses auch reparieren. Das Gehäuse ist im Übrigen nicht fest mit dem Weichkörper verbunden, im Gegensatz etwa zu den Schließ- oder Rückziehmuskeln der Muscheln oder Schnecken. Im Gegensatz zu diesen hält das Weibchen das Gehäuse mit einigen Armen fest. Das Gehäuse der Papierboote besteht jedoch nicht aus Aragonit, sondern aus Calcit. Außerdem ist es nicht gekammert, wie die Schale eines Nautilus. Ebenso wenig hat das Gehäuse eine Bedeutung für die Fortbewegung des Argonauten.
Im oberen Teil des Gehäuses ist zwar Luft eingeschlossen, die dem Auftrieb dient, auch füllt das Weibchen diesen Luftvorrat an der Wasseroberfläche bei Bedarf nach. Ein Gasaustausch findet zwischen dem Weichkörper und dem Gehäuse jedoch nicht statt. Stattdessen bewegt sich das Papierboot mit dem für die meisten Kopffüßer typischen Rückstoßantrieb fort, indem es Wasser aus der Mantelhöhle durch den Sipho ausstößt. Die charakteristische Form und Oberfläche des Gehäuses dient dabei der Verbesserung der Hydrodynamik, möglicherweise wirkt das Gehäuse auch als Schutz gegen UV-Strahlung durch das Sonnenlicht, dem Argonauten anders als ihre benthisch lebenden Verwandten in höherem Maße ausgesetzt sind.
Das Gehäuse des Papierbootes ist also nicht homolog mit der Schale der Weichtiere, sondern eine völlig andere, unabhängig entwickelte Konstruktion mit einer anderen Aufgabe, nämlich dem Schutz des Geleges und nicht des eigentlichen Tieres. Dieses kann das Gehäuse bei Bedarf auch verlassen, da es nicht über Rückziehmuskeln mit dem Gehäuse verbunden ist.
![]() Argonauta joanneus, ein fossiler Argonaut aus dem Miozän der Steier- mark. Quelle: Hilber, V. (1915). |
Die ältesten fossilen Nachweise von Argonauten und ihren Verwandten stammen aus dem Oligozän Japans (vor 23 - 34 Mio. Jahren): Obinautilus pulcher wurde anfangs für eine fossile Nautilusart gehalten, wird aber heute im Allgemeinen den Argonauten zugeordnet. Erst aus dem Miozän (vor 5,3 - 23 Mio. Jahren) wurden mehr Argonauten-Fossilien gefunden: Neben Funden aus Japan, Kalifornien und Zypern ist dies zum Beispiel der damals so benannte Argonauta joanneus aus Wetzelsdorf bei Preding in der Steiermark. Im Miozän war die heutige Steiermark von einem Randmeer des Urmeers der Tethys bedeckt, der so genannten Paratethys.
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| Hilber, V. 1915: "Der älteste bekannte und erste miozäne Argonauta". Mitteilungen des naturwissenschaftlichen Vereins für Steiermark 51: 107–110. (PDF, abgerufen: 23.05.2026). | |
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| Martill, D.M.; Barker, M.J. (2006): "A Paper Nautilus (Octopoda, Argonauta) From the Miocene Pakhna Formation of Cyprus". Palaeontology, Vol. 49, Part 5, S. 1035 - 1041 (PDF). | |
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| Saul, L.R.; Stadum, C.J. (2005): "Fossil Argonauts (Mollusca, Cephalopoda, Octopodida) From the Late Miocene Siltstones of the Los Angeles Basin, California". Journal of Paleontology, 79 (3): S. 520 - 531 (2005). (Link). |
![]() Geflügeltes Papierboot (Argonauta hians, vermutlich junges Weibchen ohne Gehäuse) auf einer pelagischen Qualle: Mabini, Batangas, Philip- pinen. Bild: Xenomatt (iNaturalist) |
Im offenen Meer wurden Argonauten auch schon an Quallen hängend gefunden worden. Zwar fressen die Argonauten die Qualle im Prinzip nicht, vielmehr fressen sie sich ins Innere des Qualle durch und saugen dann Nahrungspartikel aus deren Magen auf. Es wird außerdem angenommen, dass der Argonaut die Qualle zur Tarnung und zur Verteidigung nutzt.
Heeger,
T.; Piatkowski, U.; Möller, H. (1992): "Predation on jellyfish by the cephalopod
Argonauta argo". Marine Ecology Progress Series. 88: S. 293 - 296. (PDF,
abgerufen: 23.05.2026).
Robert Stansfield:
A crazy
night of argonauts. (Facebook Video, abgerufen: 20.05.2026).
Beobachtungen von weiblichen Argonauta argo in Gefangenschaft haben ergeben, dass die Tiere die segelartig erweiterten Armenden auch bei der Nahrungssuche nutzen: Berührt das Tier mit diesen Armen eine Beute, so ergreift sie sie schnell mit einem der anderen Arme (Norman, 2000).
An den Küsten Südafrikas und Australiens kommt es gelegentlich zur
massenhaften Anschwemmung verlassener Argonauten-Schalen. Diese
Anschwemmungsereignisse sind saisonal und finden zwischen April und August
statt, gegen Ende der Brutsaison, vermutlich, wenn die erwachsenen Tiere nach
dem Schlüpfen der Jungen abgestorben sind.
![]() Argonauta nodosus, Männchen mit sichtbarem Hectocotylus. Northland, Neuseeland. Bild: Paul Craiger (iNaturalist) |
Anders als bei anderen Kopffüßern trennt der männliche Argonaut den Hectocotylus jedoch bei der Kopulation ab (Autotomie), worauf dieser auch allein den Weg in die Mantelhöhle des Weibchens finden kann. Dass bisher noch keine männlichen Argonauten mit nachgewachsenen Hectocotyli gefunden wurden, spricht dafür, dass das Männchen nach der Kopulation wahrscheinlich stirbt.
Dies erklärt auch, warum der Hectocotylus von Georges Cuvier (1769 - 1832), der einen solchen in der Mantelhöhle eines weiblichen Argonauten gefunden hatte, 1829 zunächst als eigene Art beschrieben wurde. Die eigentliche Natur des Hectocotylus wurde erst Jahre später ergründet.
![]() Die vier bekannten rezenten Arten der Gattung Argonauta. (Quelle, verändert und korrigiert). |
Die vier derzeit bekannten rezenten Arten der Gattung Argonauta sind:
Letzte Änderung:
24.05.2026 (Robert
Nordsieck).
Letzte Link-Überprüfung: 24.05.2026.