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Schwarzdeckelschnecken (Melanopsidae)

 
Mangrovenschnecke (Terebralia palustris). Quelle: Wikipedia.

Systematik

Klasse: Gastropoda
Unterklasse: Orthogastropoda
Überordnung: Caenogastropoda
Ordnung: Neotaeniglossa
Überfamilie: Cerithioidea
Familie: Melanopsidae H. & A. Adams 1854

Quelle: Mollbase auf http://www.mollbase.de/list/.


Holandriana holandrii, eine Schwarzdeckelschnecke aus Slowe-
nien. Bild: © Alexander Mrkvicka, Wien (mrkvicka.at).
 

Taxonomie der Gastropoda: Klade Caenogastropoda: Melanopsidae.

Die Schwarzdeckelschnecken (Melanopsidae) sind eine süßwasserlebende Familie, die zur Überfamilie Cerithioidea gehört, zusammen mit den meereslebenden Hornschnecken (Cerithiidae, z.B. die Gewöhnliche Hornschnecke, Cerithium vulgare) und den Meer- und Brackwasser bewohnenden Mangrovenschnecken (Potamididae, z.B. Terebralia palustris).

Die Melanopsidae sind in Süd- und Osteuropa, in Nordafrika, im Nahen Osten, Neuseeland und den Süßwasserbächen mancher Inseln im Südpazifik verbreitet. Bei der Artbildung spielt in dieser Gruppe auch heute noch offensichtlich die Hybridisierung (Bastardisierung) zwischen nahe verwandten Arten eine bedeutende Rolle.

 
Pechschnecke (Esperiana daudebartii daudebartii).
Bild: © Alexander Mrkvicka, Wien (mrkvicka.at).

Für Mitteleuropa werden bei Mollbase vier Arten in drei Gattungen und einer Unterfamilie angegeben: Melanopsis pareyssii, Esperiana (Esperiana) esperi, Esperiana (Microcolpia) acicularis und Holandriana holandrii. W. Fischer gibt hingegen zwei Unterarten von Esperiana (Microcolpia) daudebartii an, nämlich daudebartii und acicularis.

Melanopsidae aus Slowenien und Kroatien: Bilder von Esperiana esperi und Holandriana holandrii.

Thermen-Pechschnecke - Esperiana (Microcolpia) daudebartii (Prevost 1821)


Thermen-Pechschnecke (Esperiana daudebartii acicularis).
Bild: © Alexander Mrkvicka, Wien (mrkvicka.at).
 

Beschreibung: Das spitz kegelige Gehäuse der Thermen-Pechschnecke ist dunkel rötlich braun bis schwarz-violett, glänzend und fein gestreift. Die Umgänge sind nahezu flach. Das Gewinde des Gehäuses ist höher als die Mündung. Die Schalenspindel ist unten abgestutzt. Allgemein ist das Gehäuse schlanker als bei der Pontischen Kronenschnecke (Esperiana esperi).

Maße: H: 10 - 25 mm; B: 4 - 8 mm; U: 7 - 8. Information: Abkürzungen

Lebensraum und Verbreitung: Die Pechschnecke lebt an Steinen, untergetauchten Wurzeln oder auf dem Uferschlamm von Flüssen des westlichen Schwarzmeergebietes. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich donauaufwärts bis nach Ostösterreich und die Slowakei.

 
Thermen-Pechschnecken (Esperiana daudebartii acicularis)  in
einer Thermalquelle in Niederösterreich.
Bilder: © Alexander Mrkvicka, Wien (mrkvicka.at).

Zusammen mit der Thermen-Kahnschnecke (Theodoxus prevostianus) und der Thermen-Zwergquellschnecke (Bythinella pareyssii) gehört die Pechschnecke daher zu den besonders schützenswerten Arten, die im warmen Wasser des Hansy-Baches in Bad Vöslau in Niederösterreich vorkommen.

Dieses Vorkommen stellt ein Relikt aus den wärmeren Zwischeneiszeiten dar, als die Art, wie fossil nachweisbar ist, bis nach Bayern und Thüringen vorkam. Ähnliche Relikte gibt es in Bad Fischau, ebenfalls in Niederösterreich, und im Bükk-Gebirge in Ungarn.

Fossil sind zahlreiche Verwandte der Thermen-Pechschnecke aus dem Tertiär (siehe Erdzeitalter) der Donauländer nachgewiesen. Wahrscheinlicher ist aber, dass die österreichischen Thermenschnecken Relikte aus den warmen Zwischeneiszeiten sind, da es keine direkte Kette fossiler Nachweise gibt, die die heutigen Arten mit im Tertiär lebenden Arten verbinden würden.

Links

Schneckenreservat Bad Vöslau.

Francisco Welter-Schultes: Microcolpia daudebartii species homepage.

Wolfgang Fischer:
Esperiana daudebartii daudebartii (Prevost 1821).
Checklist of Austrian Mollusca.
Liste fossiler und rezenter Melanopsidae.

Martin Kohl: Freshwater Molluscan Shells: Melanopsidae.

Literatur

  Fischer, W. (1994): Beiträge zur Kenntnis der rezenten und fossilen Melanopsidae II.. Über die Verbreitung und Entwicklung der Gattung Esperiana
  Fischer, W. (1995): Beiträge zur Kenntnis der rezenten und fossilen Melanopsidae IV. Bemerkungen und Berichtigungen zur Nomenklatur der Arten der Gattung Esperiana in Mitteleuropa.- Cl. Conchylia Inf. 27(1).
  Fischer, W. (2002): Bemerkungen zu GLÖER (2002): Die Süßwassergastropoden Nord- und Mitteleuropas. Beträge zur Kenntnis der rezenten und fossilen Melanopsidae VII. - N. Erste Vorarlb. Mal. Ges. 10: 5-7.
  Reischütz (1991): Beiträge zur Molluskenfauna Niederösterreichs, IX. Die Molluskenfauna des Thermalabflusses von Bad Fischau (Niederösterreich). - Mitt. zool. Ges. Braunau 5(13/16): 251-254.
  Reischütz, P. L. (1994): Beiträge zur Molluskenfauna Niederösterreichs, XI. Ist Starobogatovismus die Steigerung von Bourguignatismus? - N. Erste Vorarlb. Mal. Ges. 2: 51-52.