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Schnecken (Gastropoda)

Organe und Organsysteme

Schematischer Überblick über den Bauplan einer Schnecke
1: Schale; 2: Verdauungsdrüse; 3: Lunge; 4: After; 5: Atemloch; 6: Auge; 7: Fühler; 8: Cerebralgang-
lion; 9: Speicheldrüsengang; 10: Mundöffnung; 11: Ösophagus; 12: Speicheldrüse; 13: Genitalatrium;
14: Penis; 15: Vagina; 16: Fingerförmige Drüsen; 17: Eileiter; 18: Pfeilsack; 19: Fuß; 20: Magen;
21: Niere; 22: Mantel; 23: Herz; 24: Samenleiter (Vas deferens). Quelle: Wikipedia.

Von allen Weichtieren haben sich die Schnecken an die meisten Lebensräume angepasst, was dazu geführt hat, dass sie von den Weichtieren bei weitem die größte Artenzahl besitzen. Die Anpassung an so viele verschiedene Lebensräume war nur möglich, indem die Funktion von Organen und Organsystemen jeweils optimal angepasst wurde. Allein äußerlich fällt es manchmal schwer, zwei Schneckenarten der gemeinsamen Klasse Gastropoda zuzuordnen.

Atmung


In jeder Hinsicht sehr unterschiedlich, aber dennoch beides Schnecken.
Links: See-Engel (Clione limacina), rechts: Weinbergschnecke (Helix pomatia).
Bilder: Kevin Raskoff (Quelle), links, und Cornelia Kothmayer (rechts).
 

Gerade die Atmung ist bei den verschiedenen Schneckengruppen sehr unterschiedlich. Grundsätzlich gibt es Lungenschnecken, deren Mantelhöhle zu einer einfachen Lunge entwickelt ist, die Sauerstoff aus der Luft atmen können. Dazu gehören die meisten Landschnecken, sowie die süßwasserlebenden Wasserlungenschnecken.

 
Die meereslebende Nacktkiemerschnecke Flabellina exoptata
(Aeolidia) aus Malaysia. Bild: Choh Wah Ye (Quelle).

Andere Landschnecken haben die Fähigkeit zur Luftatmung erst später entwickelt. Alle Meeresschnecken, sowie einige Süßwasserschnecken hingegen atmen mit Kiemen. Schnecken besitzen ursprünglich die so genannten Kammkiemen (Ctenidien), die sich ebenfalls in der Mantelhöhle befinden. Eine Ausnahme sind die meereslebenden Nacktkiemer (Nudibranchia), deren ursprüngliche Kiemen zurück gebildet sind und die mit neu entwickelten fiedrigen Rückenanhängen, den Cerata, atmen.

Atmung und Blutkreislauf der Weinbergschnecke.

Blutkreislauf und Exkretion

Der Blutkreislauf der Schnecken ist grundsätzlich offen. Das bedeutet, dass Schnecken zwar einige grundlegende Blutgefäße besitzen (so zum Beispiel eine Lungenvene, die von der Lunge zum Herzen führt, und eine Körperschlagader oder Aorta), aber das Blut kreist frei zwischen den Organen. Dort mischt es sich mit der Lymphflüssigkeit zur Hämolymphe. Das Herz einer Schnecke hat zwei Kammern, eine Vorkammer und eine Herzkammer. Es liegt im Herzbeutel, dem Perikard.

Der Herzbeutel hat auch für die Exkretion der Schnecke, also für die Ausscheidung unverdaulicher, vor allem stickstoffhaltiger Verbindungen, Bedeutung. Bei den urtümlichsten Schnecken findet die Filtration des Blutes nämlich durch die Wand des Herzbeutels statt, von wo aus die Ausscheidung anschließend über den Harnleiter stattfindet. Die Exkretionsorgane der Schnecken sind ursprünglich von den Metanephridien der Ringelwürmer (Annelida) abzuleiten.

Während Wasserschnecken einen stark verdünnten Primärharn ausscheiden, findet bei den Landlungenschnecken in verstärktem Maße auch eine Wiedergewinnung (Resorption) von Wasser statt. Bei den Landlungenschnecken geschieht die Exkretion in der Niere. Im Inneren des Nierensacks ist die Oberfläche durch zahlreiche Innenwände (Septen) vergrößert, durch deren Wand die Filtration des durchfließenden Blutes stattfindet. Bei Landschnecken geschieht die Ausscheidung im Allgemeinen in Form von Harnsäure, die kaum noch Wasser enthält.

Ernährung


Eine Spitzschlammschnecke (Lymnaea stagnalis) weidet den
Algenrasen auf der Wasseroberfläche ab. Beachte die sicht-
bare Radula! Bild: Robert Nordsieck.
 

So unterschiedlich die Ernährungsweise der Schnecken auch sein mag (Pflanzenfresser, Aasfresser und Fleischfresser), so ist sie doch auf gemeinsame Organe zurück zu führen. Zur Nahrungsaufnahme dient den Schnecken dabei ein Organ, das im Tierreich einzigartig und den meisten Weichtieren gemeinsam ist - die Radula oder Raspelzunge. Diese besteht in ihrem Grundbauplan aus einem elastischen Band, das über einen Knorpelkern läuft und von Chitinzähnchen besetzt ist. Zur Nahrungsaufnahme wird dieses zahnbesetzte Band wie das Laufband eines Schaufelbaggers durch die Nahrung geführt und transportiert abgeraspelte Nahrungspartikel in den Schlund. Der bogenförmige Oberkiefer dient dabei dazu, die Nahrung abzuschneiden.

  Weinbergschnecke knabbert an einem Blatt.
Weinbergschnecke frisst an einem Blatt Grünfutter. Sie zieht
den Rand des Blattes dabei mit der Radula in den Mund und
schneidet ein Stück mit dem Kiefer ab.  Bild: Robert Nordsieck.

Ähnlich wie das Gebiss anderer Tiere ist auch die Radula stark an die Ernährungsweise der Schnecken angepasst. Während pflanzenfressende Arten, wie die Weinbergschnecke, breite Radulazähnchen haben, verfügen Raubschnecken meist über dolch- oder lanzenförmige Radulazähne, die es ihnen ermöglichen, einerseits die Beute festzuhalten, andererseits, Fleischstückchen aus ihr herauszureißen (Eine Raubschnecke aus dem amerikanischen Nordwesten heißt passenderweise "Robust lance tooth" - Robuster Lanzenzahn (Haplotrema vancouverense)).

Maximal an ihre Ernährung angepasst ist die Radula der Kegelschnecken (Conidae): Während sonst die Radula der meisten Schnecken aus mehreren tausend Zähnchen besteht, besitzen Kegelschnecken immer nur einen Zahn, der wie eine Harpune geformt ist und dazu dient, der Beute ein Gift zu injizieren. Die Form der Radula dient bei den Meeresschnecken oft auch systematischen Zwecken, so unterscheidet man beispielsweise die Balkenzüngler (Docoglossa, z.B. Napfschnecken, Patellidae) von den Giftzünglern (Toxoglossa, erwartungsgemäß u. a. die Kegelschnecken).

Radula-Typen.

In den Schlund der Schnecke münden zwei Speicheldrüsen, die zur anfänglichen Aufbereitung der Nahrung dienen, bei den Kegelschnecken aber zu Giftdrüsen umgewandelt sind. Der Magen ist bei den Schnecken nur ein einfacher Blindsack, in dem die Verdauung durch den Speichel weiter stattfindet. Die eigentliche Verdauung der Nahrung, sowie die Gewinnung von Nährstoffen (Resorption) findet allerdings erst in einem spezialisierten Organ statt, das den größten Teil des Eingeweidesackes einnimmt: Die Mitteldarmdrüse, auch als Hepatopankreas (eine Kombination aus Leber und Bauchspeicheldrüse) bezeichnet. Während in der Leber aber nur Verdauungssekrete produziert und Nährstoffe gespeichert werden, findet in der Mitteldarmdrüse einer Schnecke auch die eigentliche Verdauung statt. Außerdem wird schließlich auch Kalk aus der Nahrung gewonnen, der über den Blutkreislauf zu den schalenbildenden Zellen des Mantels transportiert wird.

Ernährung der Schnecken.
Ernährung der Weinbergschnecke.

Nervensystem

 
Prof. Eric Kandel mit einem Seehasen (Quelle).

Das Nervensystem der Schnecken liegt auf der Bauchseite und ist auf das Strickleiter-Nervensystem der Gliederwürmer (Annelida) zurück zu führen. Während bei sehr urtümlichen Schnecken noch Nervenknoten (Ganglien) in unterschiedlichen Teilen des Körpers zu finden sind (Fußganglion, Eingeweideganglion, Mantelganglion etc.), ist das Nervensystem bei den höher entwickelten Schnecken, besonders bei den Landlungenschnecken, sehr stark zentriert und alle Ganglien sind zu einem gemeinsamen Ring verschmolzen, der den Schlund umgibt und folgerichtig Schlundring heißt.

Gerade höher entwickelte Schnecken sind dabei zu beeindruckenden Nervenleistungen fähig - an der Meeresnacktschnecke Aplysia wurden zum Beispiel Lernverhalten und Konditionierung erforscht.

Nervensystem der Schnecken.

Fortpflanzung


Paarung des Tigerschnegels (Limax maximus). Bild: T. Hiddessen. (Wikipedia).
 

Während die Schnecken ursprünglich getrennt geschlechtlich sind, ist mit den Landlungenschnecken (Stylommatophora) und manchen Süßwasserschnecken, sowie den meereslebenden Hinterkiemern (Opisthobranchia) bei weitem der größte Teil der rezent lebenden Schneckenarten Zwitter und verfügt sowohl über männliche und weibliche Geschlechtsorgane in einem gemeinsamen Genitalapparat.

Der Ablauf der Paarung kann bei Landschnecken sehr interessant anzuschauen sein. So paaren sich Tigerschnegel (Limax maximus) beispielsweise von einem Schleimfaden herabhängend in der freien Luft. Im Gegensatz dazu paaren sich Weinbergschnecken am Boden, jedoch dauert ihr Liebesspiel mehrere Stunden. Dabei kann auch ein Liebespfeil eingesetzt werden. Bei den zwittrigen Weinbergschnecken findet die anschließende Begattung gleichzeitig und wechselseitig statt.

Bei Landschnecken findet die embyronale Entwicklung nach Befruchtung und nach der Eiablage weiter statt. Aus dem Ei schlüpfen schließlich fertige Jungschnecken, die heranwachsen, aber bereits über eine Schale und alle Organe verfügen.

Manche Wasserschnecken, vor allem die Meeresschnecken entwickeln sich hingegen über mehrere Larvenstadien (Trochophora-, Veligerlarve), die als Teil des Planktons frei schwimmen oder treiben.

Fortpflanzung der Schnecken.
Fortpflanzung der Weinbergschnecke.