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Verwandte der Weinbergschnecke

Weinbergschnecke (Überblick).
Schnirkelschnecken (Helicidae)
Schalenbilder.

Weinbergschnecken (Helix) gehören zu den Schnirkelschnecken (Helicidae). Diese größten Landgehäuseschnecken Mitteleuropas sind westpaläarktisch verbreitet, kommen also nahezu in ganz Europa bis weit nach Asien hinein vor. Das amerikanische Gegenstück sind mehrere Familien aus der Überfamilie Helicoidea, die in Amerika verbreitet sein. Schnirkelschnecken gehören aber nicht dazu - die Schnirkelschnecken, die in Amerika vorkommen, unter anderem Helix pomatia, Cornu aspersum, Theba pisana und Cepaea nemoralis, sind sämtlich durch den Menschen eingeschleppt worden.

 
Gestreifte Weinbergschnecke (Helix lucorum).
Bild: Robert Nordsieck.

Das Verbreitungszentrum mit der größten Artenvielfalt sind Südeuropa und die Länder um das Mittelmeer. Aber auch in Mitteleuropa findet man eine große Zahl an Schnirkelschnecken. Die mitteleuropäische Weinbergschnecke (Helix pomatia) ist zwar die einzige einheimische Weinbergschneckenart, aber eingeschleppt kommen inzwischen auch die Gefleckte Weinbergschnecke (Cornu aspersum) und die Gestreifte Weinbergschnecke (Helix lucorum) vor (so zum Beispiel im Süden von Wien, die Gefleckte Weinbergschnecke aber auch in Schleswig-Holstein und an anderen Orten, wo diese mediterranen bis ozeanischen Arten den Winter überleben können.

Ebenfalls zu den Schnirkelschnecken zählen die Bänderschnecken (Gattung Cepaea), die Baumschnecken (Arianta arbustorum), der Steinpicker (Helicigona lapicida) und ihre Verwandten.


Nudelschnecke (Eobania vermiculata), Insel Rab (Kroatien).
Bild: Andreas Gruber.
 

Im Mittelmeerraum sind Feldschnecken (Gattung Otala), Nudelschnecken (Eobania vermiculata) und Dünenschnecken (Theba pisana) mit den Weinbergschnecken verwandt.

Helix pomatia, Cornu aspersum und Helix lucorum sind aber keineswegs die einzigen Weinbergschneckenarten, die man kennt. Sowohl nach Osten, nach Südosten und nach Süden schließen sich an das Verbreitungsgebiet der mitteleuropäischen Weinbergschnecke die Verbreitungsgebiete anderer Weinbergschneckenarten an.

Manche davon, wie die Korsische Weinbergschnecke (Tyrrhenaria ceratina) und die Sizilianische Weinbergschnecke (Cornu mazzullii) kommen nur in einem sehr eng begrenzten Verbreitungsgebiet vor. Andere, wie die Podolische Weinbergschnecke (Helix lutescens) haben ein weiteres Verbreitungsgebiet, das sich im Osten an das der mitteleuropäischen Weinbergschnecke anschließt.

Gerade die Weinbergschnecken auf eng begrenztem Verbreitungsgebiet sind in ihrem Bestand meist mehr oder minder stark bedroht, besonders wenn sie außerdem als Nahrung von der einheimischen Bevölkerung gesammelt werden. Sowohl Tyrrhenaria ceratina, als auch Cornu mazzullii stehen mit unterschiedlicher Dringlichkeit auf der Roten Liste ihrer jeweiligen Heimatländer.

Schnirkelschnecken (Helicidae) - Systematische Übersicht.

Korsische Weinbergschnecke - Tyrrhenaria ceratina (Shuttleworth 1843)

Beschreibung: Die Korsische Weinbergschnecke ähnelt entfernt einer Gefleckten Weinbergschnecke (Cornu aspersum). Beide haben ein kugeliges Gehäuse mit dunklen Bändern, dessen Nabel (Umbilicus) versteckt ist. Allerdings ist die Korsische Weinbergschnecke deutlich kleiner und weist keine so deutliche Mündungslippe auf.


Korsische Weinbergschnecke (Tyrrhenaria ceratina).
Bild: Gerhard Falkner. Quelle: Musée de l'Histoire Naturelle.
 

Der Farbe ihres Gehäuses verdankt diese Weinbergschneckenart den Artnamen ceratina.

Besonders zu erwähnen ist die sehr stark verbreiterte Fußsohle der Korsischen Weinbergschnecke, eine Anpassung an den wenig stabilen, sandigen Untergrund ihres Lebensraums.

Maße: B: 25 mm. Information: Abkürzungen

 
Vorkommen von Tyrrhenaria ceratina (rot) und Cornu mazzullii (orange).
Quelle: Physical Map of Italy, equirectangular projection.

Lebensraum und Verbreitung: Der Lebensraum der Korsischen Weinbergschnecke liegt im oberen Bereich des Strandes unter einem Bewuchs von Salzmanns Ginster (Genista salzmanni) und verschiedenen anderen Pflanzenarten. Blätter und Blüten des Ginsters gehören auch zur Hauptnahrungsquelle der korsischen Weinbergschnecke. Zusätzlich lebt sie von Moosen und Flechten und verwertet organische Bestandteile, indem sie Sand frisst.

Tyrrhenaria ceratina bevorzugt lockeren Untergrund mit Heidevegetation, wo sie sich gut eingraben kann. Gebiete, die durch menschliche Einwirkung von der Vegetation befreit sind, deren Untergrund zu stark verdichtet oder von Ruderalpflanzen besiedelt ist, meidet sie. Die korsische Weinbergschnecke ist nachtaktiv, bei Tag kommt sie nur bei Regen heraus. Trockene Perioden verbringt sie im Sand eingegraben (manchmal bis zu 60 cm tief).

1843 entdeckt, hat sich Tyrrhenaria ceratina seitdem nur wenig verbreitet. Man schätzt, dass die Art nur etwa 6 ha. an der Südwest-Küste der Insel Korsika, bei Campo dell'Oro, bewohnt. Archäologische Hinweise deuten jedoch darauf hin, dass Tyrrhenaria ceratina in historischer Zeit (vor 4500 bis 9000 Jahren) weiter in Korsika verbreitet war - man hat bei Bastia und Bonifacio Gehäuse gefunden, die sich zwar von der heutigen Form leicht unterscheiden, aber dennoch der selben Art zugeordnet werden.

Aus dem Neolithikum liegen Fossilien vor, die beweisen, dass Tyrrhenaria ceratina in jener Zeit auf Korsika viel weiter verbreitet war. Unbekannt ist jedoch, ob die starke Verkleinerung des Lebensraums der Art mit klimatischen oder anthropogenen Veränderungen zusammen hängt - Tyrrhenaria ceratina wurde zeitweilig, wie viele Weinbergschneckenarten, als Nahrung gesammelt.

 

Bedrohungssituation: Wegen ihres sehr kleinräumigen Verbreitungsgebietes und der großen Bedrohung durch die Veränderung ihres Lebensraumes durch den Menschen wurde Tyrrhenaria ceratina als vom Aussterben bedroht (CR) eingestuft (vgl. Gefährdungskategorien gemäß Roter Liste).

Links und Literatur

Bouchet, P. 1996. Tyrrhenaria ceratina. In: IUCN 2010. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2010.4. <www.iucnredlist.org>. (Stand 16. November 2010).
Bouchet, P., Ripken, R. & Recorbet, B. (1997). Redécouverte de l'escargot de Corse Helix ceratina au bord de l'extinction. Revue d'Ecologie (La Terre et la Vie), 52 : 97 - 111. (Abstract)
Gargominy, O.; Bouchet, P. & Ripken, T. E. J. (1999). Tyrrhenaria ceratina. In Muséum national d'Histoire naturelle (Ed.) (2004). Inventaire national du Patrimoine naturel.
Bouchet, P.; Ripken, T. & Recorbet, B.: Conservation of a narrow-range mediterranean island endemic, Helix ceratina from Corsica, Journal of Conchology, Special Publication 2, 1998, p. 205 - 208.
Charrier, M.; Chevalier, L.; Paradis, G. & Recorbet, B. (2005). Field observations on spatial distribution and diet in the terrestrial snail Tyrrhenaria ceratina, an endemic species from Corsica. Notiziario S.I.M., Supplemento al Bollettino Malacologico, 23 (5 - 8) : 8. (PDF)
Wikipedia.fr: Escargot de Corse.

Sizilianische Weinbergschnecke - Cornu mazzullii (De Cristofori u. Jan 1832)


Sizilianische Weinbergschnecke (Cornu mazzullii).
Bild: Tato Grasso, Quelle: Wikipedia.
 

Beschreibung: Die Sizilianische Weinbergschnecke ähnelt auf den ersten Blick, auch von der Größe her, einer mitteleuropäischen Weinbergschnecke, allerdings ist ihr braungelbliches Gehäuse kräftig gestreift, fast gerippt. Die schnell ansteigenden Umgänge des Gehäuses werden vom letzten Umgang deutlich überwogen, der an der Mündung stark absteigt. Die Mündung des Gehäuses ist sehr groß, nahezu senkrecht. Das Innere der Mündung ist weiß. Der Mündungsrand endet auf der parietalen (oberen) Seite mit einer glänzenden und glatten weißen Schicht. Der Nabel (Umbilicus) des Gehäuses ist nicht sichtbar.

Maße: H: 30 - 40 mm; B: 28 - 35 mm; U: 3 - 4. Information: Abkürzungen

 
Von Cornu mazzullii durchlöcherter Kalkfelsen
am Monte Cofano auf Sizilien.
Bild: Tato Grasso, Quelle: Wikipedia.

Lebensraum und Verbreitung: Die Sizilianische Weinbergschnecke lebt auf und in der Nähe von Kalkfelsen. Diese löst sie mit einem gelblich-grünen, säurehaltigen Schleim an, um Kalk für den Schalenbau zu gewinnen. Unterstützt von der Radula bohrt sie außerdem Gänge im Kalkstein, in denen sie sich vor Beutegreifern, Hitze und Trockenheit versteckt.

Mit der Zeit und durch die Wirkung mehrerer Tiere kann ein Fels dann fast einem Schweizer Käse ähneln. In den Gängen, die Cornu mazzullii gebohrt hat, verstecken sich auch andere Schnecken.

Das Verbreitungsgebiet der Sizilianischen Weinbergschnecke ist auf die Küstenregion Nordwest-Siziliens zwischen Trapani und Cefalù beschränkt, wo es kleinere, voneinander isolierte Populationen der Art gibt.

Bedrohungssituation: In den vergangenen Jahren sind die Bestände der Art langsam zurück gegangen, sei es durch Absammlung durch die Einheimischen als Nahrung, sei es durch Zerstörung des Lebensraumes infolge menschlicher Siedlungserweiterung. Mittlerweile kommen stabile Populationen vor allem in den Naturschutzgebieten von Monte Cofano, Capo Gallo und Monte Pellegrino vor. Die Sizilianische Weinbergschnecke ist auf der italienischen Roten Liste als gering gefährdet (NT) eingestuft, befindet sich also auf der Vorwarnliste.

Links und Literatur

Excursione Malacologica nel Trapanese auf naturamediterraneo.it.
Manganelli, G. 2000. Cornu mazzullii. In: IUCN 2010. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2010.4. <www.iucnredlist.org>. (Stand: 16. 11. 2010).
Wikipedia.it: Cornu_mazzullii.
Guiseppe Ippolito und Silvia Bello: Il Monte Cofano e le sue chiocciole.
Francisco Welter-Schultes: Helix mazzullii species homepage.

Podolische Weinbergschnecke - Helix lutescens (Rossmässler 1837)


Podolische Weinbergschnecke (Helix lutescens) aus der Ost-
Slowakei. Bild: © Alexander Mrkvicka, Wien (mrkvicka.at).
 

Beschreibung: Die Podolische Weinbergschnecke ist der östliche Nachbar der mitteleuropäischen Weinbergschnecke. Sie wird deutlich kleiner als diese, besitzt ein bauchig-kugeliges Gehäuse mit recht niedrigem Gewinde (verglichen z.B. mit Cornu mazzullii). Das dünnwandige Gehäuse weist auf seiner Oberfläche feine Spirallinien auf, die mit den Längsstreifen an der Naht ein feines Gittermuster bilden können. Das Gehäuse ist bräunlich gelb bis gelblich weiß gefärbt, entweder ungebändert oder mit blassen, meist schmalen Bändern versehen (Bild). Der Mundsaum der wenig schiefen Mündung ist wenig erweitert, die Mündungslippe ist weiß bis rötlich. Der Nabel (Umbilicus) verschwindet unter dem Spindelumschlag der Mündungslippe und ist oft vollständig geschlossen.

Das Tier selbst ist gräulich gefärbt und weist zwei charakteristische helle Streifen entlang der Flanken auf.

 
Podolische Weinbergschnecke (Helix lutescens).
Bild: © Alexander Mrkvicka, Wien (mrkvicka.at).

Maße: H: 27 - 33 mm; B: 24 - 31 mm. Information: Abkürzungen

Lebensraum und Verbreitung: Die podolische Weinbergschnecke lebt auf Wiesen, Grasland und im Gebüsch an trockenen und sonnigen Hängen in niederen Lagen. Oftmals tritt sie in Gärten und Friedhöfen auf. Helix lutescens ist größtenteils nachtaktiv, kommt zwischen Nachmittag und Morgen heraus. Am aktivsten ist sie meisten in den frühen Morgenstunden, abhängig von Feuchtigkeit, Temperatur und Niederschlag.

Das Verbreitungsgebiet der Art erstreckt sich über die Karpaten und die benachbarten Gebiete, im Westen bis Krakau, die östliche Slowakei und Ostungarn, im Norden bis Brest, im Süden bis Nordserbien und die Walachei. Im Osten kommt Helix lutescens bis in die Ukraine westlich von Kiew, sowie im Norden Rumäniens und in Siebenbürgen vor.

Anmerkung: Podolien (russ. Подолье - Podolje) ist ein historisches Gebiet in der südwestlichen Ukraine und im nordöstlichen Moldawien (hier die nördliche Hälfte Transnistriens) und macht den östlichen Teil des Verbreitungsgebietes der Podolischen Weinbergschnecke aus.

Bedrohungssituation: In Polen ist die Podolische Weinbergschnecke leicht bedroht. Zum einen sind die Vorkommen polnischer Populationen von Helix lutescens, die am Rande des Verbreitungsgebietes der Art liegen, nur regionale und isolierte Vorkommen. Weiters kommt die Podolische Weinbergschnecke in Polen vor allem in menschlich überformten Lebensräumen vor und ist daher von Veränderungen dieser Lebensräume gleich betroffen. Abschließend wird Helix lutescens in Polen oft versehentlich zusammen mit der mitteleuropäischen Weinbergschnecke (Helix pomatia) als Speiseschnecke gesammelt. Auf der polnischen Roten Liste wird Helix lutescens daher als leicht gefährdet (NT) klassifiziert.

Links

Francisco Welter-Schultes: Helix lutescens species homepage.

Grunzschnecke - Cantareus apertus (Born 1778)


Grunzschnecke (Cantareus apertus). Bild: Clemens M. Brandstetter, Buers.
 
 
Gehäuseausschnitt von Cantareus aper-
tus
. Bild: Robert Nordsieck.

Beschreibung: Die Artbezeichnung dieser Schnecke bezieht sich auf ihr auffallend aufgeblähte Gehäuse, dessen letzte Windung die übrigen bei weitem überwiegt. Der triviale Name, ebenso, wie die Gattungsbezeichnung ("Singschnecke"), bezieht sich darauf, dass diese Schnecke, wenn sie gestört wird, sich unter lautem Ausstoßen von Schleimbläschen in ihr Haus zurück zieht. Das Gehäuse der Grunzschnecke ist viel dünnwandiger und deutlich kleiner als das von Helix pomatia oder Cornu aspersum, ziemlich glänzend, gelbbraun bis olivfarben ohne Streifen oder Flecken. Der Mundsaum ist kaum erweitert. Auf der parietalen (oberen) Seite weist die Mündung, die keine Mündungslippe zeigt, einen weißen Kallus auf.

Bestimmung nach Schalenbildern: Cantareus apertus.

Das Tier selbst ist hellgrau, am Rücken dunkelgrau gefärbt. Ein bläulich weißer "Aalstrich" zieht sich über den Nacken der Schnecke. Beim lebenden Tier ist der Fuß im Vergleich zur Schale sehr groß.

Maße: H, B: 22 - 28 mm. Information: Abkürzungen

Lebensraum und Verbreitung: Die Schnecke lebt in Macchien, Feldrainen und Weingärten.

 
Wenn Grunzschnecken gestört werden, setzen sie sich mit ex-
zessivem Grunzen und Schäumen zur Wehr.
Bild: Sarah Gregg, Quelle: Con altri occhi.

Die Grunzschnecke kommt in Südfrankreich westlich der Rhône-Mündung, in Ligurien, der Toskana und in Süditalien, sowie in Mittelgriechenland, auf Zypern und an der afrikanischen Mittelmeerküste vor. Außerdem ist die Grunzschnecke auf mehreren griechischen Inseln, im Tyrrhenischen, Ionischen und Ägäischen Meer heimisch.

In den trockenen Regionen des Mittelmeergebiets stellt die Grunzschnecke ebenfalls einen Kalkdeckel her, um ihre Schalenmündung zu verschließen, jedoch nicht zum Überwintern, wie Helix pomatia, sondern als Trockenheitsschutz. Trockenperioden verbringt die Grunzschnecke außerdem im Allgemeinen recht tief im Boden eingegraben. Auf Kreta ist sie erst drei bis vier Wochen nach den ersten Regenfällen im Oktober aktiv.

Grunzschnecken werden oft mit Obst- und Gemüselieferungen aus dem Mittelmeerraum nach Mitteleuropa eingeschleppt, überleben den Winter jedoch in freier Natur im Allgemeinen nicht. Stabile Populationen eingeschleppter Cantareus apertus außerhalb des eigentlichen Verbreitungsgebietes gibt es daher nur selten.

In Südfrankreich wird die Grunzschnecke als Delikatesse gesammelt und ist daher so selten geworden, dass sie nur mehr für den Eigenbedarf gesammelt werden darf. Vielfach wird auch Cantareus apertus bereits auf Schneckenfarmen, z. B. in Italien, gezüchtet.

Links

Francisco Welter-Schultes: Helix aperta species homepage.