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Die Verbreitung und Ausbreitung

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Weinbergschnecke liegt in Südosteuropa. Nicht nur sind dort die für die Weinbergschnecke am besten geeigneten Lebensräume und reiche Kalkvorkommen am ehesten zu finden, auch sind Südosteuropa und Kleinasien heute noch ein Zentrum der Verbreitung unterschiedlicher Weinbergschneckenarten, von denen nur wenige so bekannt sind, wie die gewerblich genutzten Arten.


Erst die Einflussnahme des Menschen auf die Waldgebiete Mit-
teleuropas nach der letzten Eiszeit ermöglichte die Ansiedlung
der Weinbergschnecke aus Südosteuropa.
Bild: Robert Nordsieck.
 

Man geht davon aus, dass die Weinbergschnecke die Eiszeit südlich der Alpen überlebt hat. Nach dem darauf folgenden Abschmelzen der Gletscher breitete sich auch die Weinbergschnecke nach Norden aus. Bereits in der Jungsteinzeit wurde ihre Ausbreitung bereits durch den Menschen unterstützt. Dabei stand die Nutzung der Weinbergschnecke als Nahrung wahrscheinlich weniger im Vordergrund, als dass der Mensch vor allem im ursprünglich stark bewaldeten Mitteleuropa durch Rodung für die Weinbergschnecke geeignete offene Lebensräume schuf.

Später, in der Antike, kam es in zunehmendem Maße zu einer Ausbreitung der Weinbergschnecke in den unterschiedlichen Teilen des römischen Imperiums. Zahlreiche Funde von Weinbergschneckenschalen in römischen Müllhaufen dokumentieren ihre Bedeutung als Nahrungsmittel während der Römerzeit, ein Faktor, der im Englischen zur Bezeichnung "Roman Snail" für die Weinbergschnecke geführt hat. Im Mittelalter wurde die Weinbergschnecke in ähnlicher Weise durch die Entstehung klösterlicher Anlagen ausgebreitet, in deren Umgebung Weinbergschnecken als Fastenspeise in „Schneckengärten“ gezüchtet wurden.

Selbst noch während der Feldzüge Napoleons wurden eingedeckelte Weinbergschnecken als natürliche Konserve von den Soldaten mitgeführt.

Man geht davon aus, dass das heutige Verbreitungsgebiet der Weinbergschnecke eine Folge andauernder Ausbreitung durch natürliche und vom Menschen verursachte Faktoren darstellt. Selbst wenn man außer Acht lässt, dass Weinbergschnecken zu Zuchtzwecken exportiert, aber auch unbeabsichtigt, z.B. mit Obst- und Gemüsetransporten eingeschleppt werden, so ist die Weinbergschnecke heute weiter als jemals verbreitet.
Das natürliche Verbreitungsgebiet der Weinbergschnecke reicht von Mitteleuropa im Westen bis nach Mittelfrankreich und Südengland, im Norden bis nach Südschweden und –norwegen, im Osten bis nach Estland, Weißrussland und die westliche Ukraine. Die südlichen Verbreitungsgrenzen der Weinbergschnecke reichen bis Norditalien, auf der Balkanhalbinsel bis nach Mazedonien.

Trotz ihrer geographisch weiten Verbreitung ist die Weinbergschnecke in weiten Teilen ihres Verbreitungsgebietes zu den bedrohten Tierarten zu zählen, so dass sie vielfach auf der Roten Liste aufgeführt wird.

 
Der Mensch hat nicht nur die Verbreitung der Weinbergschne-
cke nach Mitteleuropa ermöglicht, er stellt auch ihre größte Be-
drohung dar. Bild: Cornelia Kothmayer.
 
  Verbreitung der Weinbergschneckenarten in Europa: Orange: Cornu aspersum. Gelb: Helix pomatia. Grün: Helix lutescens. Hell orange: Überschneidung zwischen aspersum und pomatia. Die Karte ist beschränkt auf das Verbreitungsgebiet von KERNEY et al. 1983.

Der Grund für die Gefährdung der Weinbergschnecke ist, wie so oft, in der zunehmenden Beeinflussung der Umwelt durch den Menschen zu suchen. Die vom Menschen geformten offenen Standorte, die grundsätzlich als Lebensraum für die Weinbergschnecke gut geeignet wären, sind oftmals so stark überdüngt und durch Anwendung von Insektenvernichtungsmitteln vergiftet, dass sie für die Weinbergschnecke, und für andere Tiere, ungeeignet werden. In den meisten Gartenanlagen werden Schnecken durch Ausbringen von Schneckengift wahllos vernichtet, so dass auch hier die Weinbergschnecke nicht überleben kann. Die zunehmende Luftverschmutzung führt zu einer weiteren Beeinträchtigung der Weinbergschnecke: Besonders in stadtnahen Lagen sind die Schalen von Weinbergschnecken durch sauren Regen verätzt, so dass die Schalenhaut zu großen Teilen zerstört ist. Durch den sauren Regen kommt es zusätzlich zur Übersäuerung des Bodens mit weiteren negativen Auswirkungen für die Weinbergschnecke, die basische Kalkböden bei weitem bevorzugt. Weiter geht man von einer Beeinträchtigung der Fortpflanzungsfähigkeit von Schnecken durch sauren Regen aus.

Durch unkontrolliertes Absammeln ist die Weinbergschnecke zusätzlich in Mitleidenschaft gezogen worden. Freilebende Weinbergschnecken stehen daher fast im gesamten mitteleuropäischen Verbreitungsgebiet unter Naturschutz und dürfen heute nicht mehr gesammelt werden. Die kommerzielle Züchtung von Weinbergschnecken zum Nahrungskonsum könnte zu einer Entlastung der Bestände frei lebender Weinbergschnecken führen.