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Schalenmerkmale für die Bestimmung

 
Die wichtigsten Schalenmerkmale, die für eine Bestimmung ver-
wendet werden können.
Bild: Robert Nordsieck, nach Kerney et al. (1983)

Um Schnecken genau bestimmen zu können, muss man sie zunächst von anderen vergleichbaren Arten unterscheiden. Bei Gehäuseschnecken ist dies im Allgemeinen äußerlich besonders gut anhand der Merkmale ihrer Schale möglich. Bei Nacktschnecken muss man andere Bestimmungsmerkmale heranziehen.

Um die Bestimmungshilfen in Bestimmungsbüchern gut nutzen zu können, ist es notwendig, sich mit einigen Grundbegriffen der Schalenkunde vertraut zu machen.

Zunächst sind die Maße der Schale festzustellen. Von besonderer Wichtigkeit sind dabei die Schalenhöhe, die entlang der Schalenlängsachse gemessen wird, und die Schalenbreite, die senkrecht dazu gemessen wird. Während die Schale einer Weinbergschnecke etwa so breit, wie hoch ist (beides zwischen 35 und 50 mm), gibt es andere Landschnecken, deren Schalen deutlich breiter als hoch, oder, wie bei einer Schließmundschnecke, deutlich höher als breit sind.

Zusätzlich zählt man von der Schalenspitze (Apex) aus gerechnet die Anzahl der Umgänge. Dazu zählt man von der Schalenspitze nach einer Halbwindung die Umgänge bis zur Schalenmündung ab, so dass man in der Abbildung links  zu einer Zahl von 2¼ Umgängen kommt.

Betrachtet man die Schale einer Landschnecke von vorne mit nach unten zeigender Mündung und nach oben zeigender Schalenspitze, so kann man auch gut die Windungsrichtung erkennen. Weinbergschneckenschalen sind in der überwiegenden Zahl der Fälle nach rechts gewunden, die wenigen links gewundenen Exemplare werden wegen ihrer großen Seltenheit als Schneckenkönige bezeichnet. Bei anderen Landschneckengruppen jedoch ist die Windungsrichtung selbst zwischen einzelnen Arten unterschiedlich, so dass sie zu einem wichtigen arttypischen Unterscheidungsmerkmal wird.

 
Die Schale der Grunzschnecke (Cantareus apertus).
Bild: Robert Nordsieck.

Die Form der Schale ist allgemein bei den nahe verwandten Weinbergschnecken relativ ähnlich: Die Schalen sind gemeinhin sehr groß, bauchig geformt und dickwandig. Aber auch davon gibt es Ausnahmen, betrachtet man etwa die dünnwandige, im letzten Umgang aufgeblasene Schale einer Grunzschnecke (Cantareus apertus).

Bei den Weinbergschnecken von besonders großer Wichtigkeit für die Bestimmung sind Farbe und Oberflächenstruktur der Schale. Außer einer bestimmten Grundfarbe weisen die Schalen vieler Weinbergschneckenarten unterschiedlich breite Bänder auf, die verschieden stark ausgeprägt sein können. Zusätzlich kann die Schale gefleckt oder einfarbig sein. Die Oberflächenstruktur kann quer verlaufende Rippen und längs verlaufende Streifen umfassen, gekörnt oder vollständig glatt sein. In diesem Falle ist besonders die Schalenfarbe und -oberflächenstruktur von Cornu aspersum zu erwähnen, die deswegen als Gefleckte Weinbergschnecke bezeichnet wird.

Schalenbeschreibung von Cornu aspersum (neues Fenster).


Nabel der italienischen Weinbergschnecke (Helix ligata).
Bild: Karl Edlinger.
 

Die Mündung der Schale schließlich kann rundlich sein oder schief gedrückt aussehen. Sie kann in einer Mündungslippe ausgewachsen sein oder einen scharfen Rand aufweisen. Der Mündungsrand mancher Arten ist auch stumpf verdickt, ohne eine Lippe zu bilden. Auch diese ist besonders gut bei Cornu aspersum zu sehen, eines deren charakteristischer Schalenmerkmale die deutlich sichtbare umgeschlagene helle Mündungslippe ist.

Wenn die Innenwände der Schalenwindungen nicht aneinander stoßen, ist die so genannte Schalenspindel (Columella) innen hohl, ihre Öffnung bezeichnet man als Nabel (Umbilicus). Dieser kann groß oder nur spaltförmig sein, kann ganz oder teilweise von der Mündungslippe bedeckt sein. Einen deutlich sichtbaren Nabel findet man innerhalb der Weinbergschnecken selten, im Allgemeinen ist er nur klein und zusätzlich von der umgeschlagenen Mündungslippe im Spindelbereich verdeckt. Deutlich sichtbar ist er jedoch bei Helix ligata, der italienischen Weinbergschnecke (Bild links).