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Aufbau des Körpers

  Morphologie

In der Biologie bezeichnet man das Fachgebiet, das sich mit dem Bau und der Funktion der Körperteile und Organe eines Lebewesens beschäftigt, als Morphologie.

Im Allgemeinen kann man, wie auch auf dieser Seite, die innere und die äußere Morphologie der Weinbergschnecke unterscheiden. Während man die äußere Morphologie des Tieres durch reine Betrachtung des lebenden Organismus erkennen kann, muss man die Schnecke für die Untersuchung der inneren Morphologie abtöten und sezieren. Dadurch lassen sich die Organe nur schwer in ihrer Funktion im lebenden Tier beobachten.

Bei äußerlicher Betrachtung einer lebenden Weinbergschnecke kann man aufgrund der Größe des Tieres die Körperteile und ihre Funktion gut erkennen. Der Körper der Weinbergschnecke ist weich, flexibel und mit Schleim bedeckt und unterscheidet sich darin deutlich sichtbar von der harten, leblosen Schale.

Körperteile der Schnecke

Während die Körperteile der Schnecke äußerlich kaum voneinander zu trennen sind, kann man doch anhand ihrer Lage und Funktion ohne weiteres mehrere Körperteile des Tieres unterscheiden:


Der beschwerliche Weg einer Weinbergschnecke durch das
Unterholz offenbart hier den Anblick der Fußsohle.
Bild: Robert Nordsieck.
 

Die außerhalb der Schale liegenden Körperteile der Weinbergschnecke kann man in den vorne liegenden Kopf mit vier Fühlern und den dahinter liegenden Fuß unterscheiden, die fließend ineinander übergehen und daher auch als Kopffuß (Cephalopodium) bezeichnet werden. Auf dem Rücken der Schnecke befindet sich im Inneren der Schale der Eingeweidesack. Die empfindlichen inneren Organe im Eingeweidesack werden in der Schalenmündung durch eine dicke Hautfalte, den Mantel (Pallium) nach außen geschützt. Auf der rechten Seite des Mantels öffnet sich das Atemloch zur dahinter liegenden Mantelhöhle der Schnecke.

Körperteile und Organe einer Weinbergschnecke (neues Fenster).

Die Schleimschicht

Für ihr schleimiges Äußeres sind Schnecken ebenso bekannt, wie für ihre sprichwörtlich gemächliche Fortbewegung. Der gesamte sichtbare Körper der Weinbergschnecke ist von einer Schleimschicht bedeckt, die von zahlreichen über die Körperoberfläche verteilten Drüsen abgesondert wird.

Der Schleim einer Weinbergschnecke zeichnet sich im Allgemeinen durch eine große Viskosität aus, kann jedoch auch fast dünnflüssig sein. Man kann ihn zwischen den Fingern verreiben, aber nur schwer wieder abwaschen, denn im Wasser löst er sich nicht auf; vielmehr nimmt er Wasser auf. Schneckenschleim besteht aus einem Gemisch von so genannten Mucoproteinen, Eiweißstoffen, die im Wasser aufquellen und es so binden. Durch die Wasserbindungsfähigkeit ihres Schleims sind die Landschnecken, obwohl ihre Evolution seit Millionen von Jahren außerhalb des Wassers stattfindet, quasi immer noch von einem Wassermantel umgeben. Dieser wirksame Verdunstungsschutz durch die Schleimschicht ist für die Schnecke überlebenswichtig.

  Weinbergschnecke schäumt zur Abwehr.
Zur Abwehr schädlicher Substanzen, oder wenn sie sonst be-
sonders gestört wird, schäumt die Weinbergschnecke als Ab-
wehrmechanismus. Bild: Ingrid Mittelstaedt.

Der Schleim einer Weinbergschnecke schützt das Tier nicht nur gegen Austrocknung. Zwar sind besonders ältere Weinbergschnecken durch die dicken Wände ihrer Schale gegen viele Feinde besser geschützt, als kleinere Schnecken, wie z.B. Bänderschnecken (Cepaea), die von Drosseln problemlos an ihrer Drosselschmiede zerknackt werden.

Gegen kleinere Angreifer, wie z.B. Ameisen, ist jedoch kaum ein Kraut gewachsen, da es der Weinbergschnecke unmöglich ist, ihre große Schalenmündung wirksam zu verschließen. Besonders zur Abwehr solch kleiner Feinde setzt die Weinbergschnecke große Mengen eines dünnflüssigen Schleims ein, den sie durch stoßweise aus der Atemhöhle ausgeblasene Luft aufgeschäumt. Ameisen werden so z.B. daran gehindert, die Schnecke zu verletzen. Dabei kann die Weinbergschnecke auch ein zischendes Geräusch erzeugen, das manche Angreifer abschreckt. Im Erzeugen abschreckender Geräusche wird die Weinbergschnecke von ihrem Verwandten, der Grunzschnecke (Cantareus apertus) noch übertroffen, deren Name daher rührt, dass sie bei Bedrohung ein abschreckendes Zischgeräusch ausstößt.

Eine solche Abwehrreaktion zeigt die Weinbergschnecke nicht nur, wenn sie angegriffen wird, sondern auch, wenn sie mit einer schmerzhaften Substanz in Berührung geraten oder ihr sonst etwas sehr unangenehm ist. Offensichtlich dient der schaumige Schleim also auch dazu solche unangenehmen oder gefährlichen Substanzen abzuspülen.

Der Kopf

Am Kopf einer Weinbergschnecke befinden sich die meisten Sinnesorgane, man kann daher vom Sinneszentrum der Schnecke, da der Kopf sich immer in Richtung der Bewegung des Tieres befindet, auch vom Orientierungszentrum, sprechen. Während sie sich fortbewegt, orientiert eine Weinbergschnecke sich fortwährend mit ihren vier Fühlern, die in zwei Paaren parallel zur Mittellinie des Kopfes angeordnet sind. Dabei sind die beiden Fühler des unteren, kleineren Paares immer dem Untergrund zu gerichtet, während die beiden langen Fühler suchend die Umgebung beobachten. Sie dienen besonders dazu, den beiden Augen, die sich jeweils in ihrem Endknopf befinden, ein großes Gesichtfeld zu verschaffen. Die Augen der Weinbergschnecke gehören zwar zu den höchstentwickelten Lichtsinnesorganen der Weichtiere - es sind, wie bei den Wirbeltieren Linsenaugen - nach der Anzahl unterschiedlicher Typen von Sinneszellen im Auge der Weinbergschnecke kann sie jedoch bestenfalls ein Schwarzweiß-Bild, auf alle Fälle jedoch  Hell und Dunkel, erkennen.

 
Augenfühler einer Weinbergschnecke. Bild: Martina Eleveld.

Die Lichtsinneszellen der Augen sind am Kopf nicht die einzigen Sinneszellen, die der Schnecke einen Eindruck von ihrer Umgebung vermitteln. Beide Fühlerpaare sind dicht mit Geruchs- und Geschmackssinneszellen besetzt, die es der Schnecke ermöglichen, z.B. Nahrung oder andere Schnecken auch außerhalb ihres Gesichtsfeldes aufzuspüren. Auch die Lippen, die sich unterhalb der kleinen Fühler befinden, sind mit zahlreichen Geschmackssinneszellen besetzt.

Wenn die Schnecke Nahrung aufnimmt, kann man erkennen, dass sich hinter den Lippen der Schnecke ihre Mundöffnung befindet, mit der hier der Verdauungstrakt der Schnecke beginnt. Ebenso, wie die Ausführöffnungen mehrerer anderer Organsysteme, befindet sich der After der Weinbergschnecke jedoch in der Mantelfalte in der Schalenmündung nahe der Atemöffnung. Normalerweise auf der rechten Körperseite der Schnecke befindet sich, am Ende einer längs verlaufenden, deutlich erkennbaren Furche, die Öffnung des Genitalapparates, wie man bei der Paarung der Weinbergschnecke gut erkennen kann.

Der Fuß

Der Fuß der Weinbergschnecke ist als Kriechfuß ausgebildet: Seine Unterseite bildet eine flache Sohle, auf der sich das Tier fortbewegt. Im Gegensatz zur flachen Unterseite ist die Rückenseite des Fußes von zahlreichen Runzeln überzogen, die durch Kapillarwirkung der Schnecke zusätzlich Wasser zuführen.

Unterseite einer kriechenden Weinbergschnecke
Unterseite einer kriechenden Weinbergschnecke. Die dunklen
Querstreifen stellen Wellenbewegungen der Fußsohle dar, mit
denen sich die Schnecke fortbewegt. Am linken Bildrand hinter-
lässt die Schnecke ihre charakteristische Schleimspur.
Bild: Robert Nordsieck.
 

Im Gegensatz zu den deutlich sichtbaren Suchbewegungen des Kopfes und der Fühler findet die eigentliche Fortbewegung der Weinbergschnecke unmerklich und im Schneckentempo statt, ohne dass man äußerlich erkennen könnte, auf welche Weise sich die Schnecke eigentlich fortbewegt. Betrachtet man jedoch eine kriechende Schnecke von unten durch eine Glasplatte, so kann quer verlaufende Wellenbewegungen der Fußsohle beobachten, die als dunkle Schatten von hinten nach vorne wandern. Sie entstehen, indem ein weiter hinten liegender Teil der Fußsohle von der Unterlage abgehoben und etwas weiter vorne wieder aufgesetzt wird. Nachdem die entstandene Querwelle die gesamte Länge der Fußsohle durchlaufen hat, hat sich die Schnecke eine kleine Strecke nach vorne bewegt.

Film: Unterseite einer kriechenden Schnecke (Cornu aspersum). Robert Nordsieck. MOV-Datei, ca. 2 MB.

Wie im Bild links deutlich zu erkennen, verlaufen die beschriebenen Querwellen nicht über die ganze Breite des Fußes: Der Saum der Sohle bleibt immer in Kontakt mit dem Untergrund und ermöglicht es der Weinbergschnecke so, sich perfekt an den Untergrund anzupassen, Verletzungen zu vermeiden und selbst Dornen und andere scharfe Pflanzenteile zu überwinden. Die Saugwirkung des Sohlensaums unterstützt die Weinbergschnecke, indem sie einen Unterdruck herstellt, den man deutlich spüren kann, wenn man versucht, eine Schnecke von einer glatten Oberfläche abzulösen.

  Gefleckte Weinbergschnecke (Cornu aspersum)
Film von einer kriechenden Schnecke (Cornu aspersum).
Bild: Robert Nordsieck. MOV-Datei, ca. 5 MB.
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Wo immer eine Weinbergschnecke entlang gekrochen ist, hinterlässt sie eine Schleimspur. Eine große Schleimdrüse, die kurz hinter den Lippen auf der Unterseite des Fußes mündet, sondert ein Schleimbett ab, auf dem die Schnecke kriecht und das sie als Schleimspur hinter sich zurück lässt. Der Schleim, den die Schnecke bei der Fortbewegung absondert, verringert die Reibung am Untergrund unterstützt die Schnecke dabei, sich an die Oberfläche anzupassen, auf der sie kriecht, so dass Weinbergschnecken sogar scheinbar mühelos die Klinge eines scharfen Messers überwinden können.


Schnecke kriecht über eine Messerklinge.
Film: Robert Nordsieck.
 

Mantel und Eingeweidesack

Ein Teil des Körpers einer Weinbergschnecke verlässt beim lebenden Tier niemals die Schale. Um diese Körperteile betrachten zu können, muss man daher einer toten Schnecke die Schale entfernen. Man erkennt nun, dass Weinbergschnecken auf dem Rücken einen sackförmigen Körperteil tragen, der ebenso spiralig gewunden ist, wie die Schale und sich so innen an ihre Form anpassen kann. Im Inneren dieses Körperteils befinden sich verschiedene innere Organe der Schnecke, wie z.B. die große Mitteldarmdrüse, die bei der Verdauung unter anderem die Aufgaben der Leber übernimmt. Man bezeichnet den genannten Körperteil daher als Eingeweidesack. Äußerlich wird er von einer widerstandsfähigen Haut geschützt, die im Mündungsbereich der Schale eine dicke Falte bildet. Man bezeichnet diese Hautschicht als Mantel oder Pallium. Zusammen mit dem Eingeweidesack bildet er einen untrennbaren Komplex, das Visceropallium.

Die Mantelfalte im Bereich der Schalenmündung ist eine besondere Anpassung der Landschnecken, die man bei Wasser bewohnenden Schnecken nicht findet.

 
Die Schalenmündung einer lebenden Weinbergschnecke. Aus
diesem Blickwinkel sind der Mantel und das Atemloch besonders
gut zu erkennen. Bild: Robert Nordsieck.

Sie dient besonders dazu, den Wasserverlust durch Verdunstung zu vermindern und einzuschränken. Eine Hauptursache der Verdunstung ist bei Landschnecken aber die Atmung. Sie findet, wie die anderer Schnecken, in der Mantelhöhle statt, deren Öffnung als Atemloch (Pneumostom) von außen gut zu erkennen ist. Im Gegensatz zu den meisten Wasser bewohnenden Schnecken atmen Landschnecken aber trockene Luft, was zu einem ständigen Wasserverlust durch Verdunstung führt. Während die dicke Hautschicht des Mantels die Verdunstung aus der großen Mantelhöhle gering hält, muss diese dennoch nach außen geöffnet bleiben, um durch den Luftaustausch die Atmung zu ermöglichen. Durch einen Ringmuskel hat die Schnecke jedoch die Möglichkeit, die Atemöffnung, außer zum Aus- und Einatmen, zu verschließen.

Schale einer Weinbergschnecke
Die Schale der meisten Weinbergschnecken ist rechts gewun-
den - die Mündung befindet sich auf der rechten Seite der
Schalenlängsachse. Bild: Robert Nordsieck.
 

Der Mantel dient nicht nur dazu, den Eingeweidesack und die Mantelhöhle der Schnecke vor Verdunstung zu schützen. Er dient vor allem auch der Schalenbildung.

Während die frisch geschlüpften Jungschnecken bereits eine kleine glasartige Schale besitzen, wächst sie bis zur Geschlechtsreife der Schnecke im Alter von etwa drei Jahren laufend mit, sowohl in der Größe, als auch in der Wanddicke. Drüsenzellen auf der Manteloberfläche sondern ein kalkhaltiges Sekret ab, das im Inneren der Schale und im Mündungsbereich zu Kalkkristallen erstarrt. Besondere Drüsenzellen in einer am weitesten außen liegenden Schicht im Mündungsbereich lagern dem hauptsächlich aus Kalk bestehenden Schalenmaterial eine dünne organische Schicht auf, die die Schale gegen Umwelteinflüsse schützt und der ursprünglich weißen Schale ihre Farben verleiht.

Im Verlauf ihrer Entwicklungsgeschichte hat sich der Eingeweidesack der Schnecken zusammen mit dem Mantel asymmetrisch auf einer Seite des Körpers aufgewunden. Infolge dessen ist auch die Schale der Schnecken asymmetrisch zu einer Seite gewunden - die Schalenspitze befindet sich immer auf einer Seite des Körpers - bei den Weinbergschnecken ist es üblicherweise die rechte Seite. Neben diesen rechts gewundenen Weinbergschnecken gibt es auch links gewundene Mutanten, die man wegen ihrer großen Seltenheit (nur eine unter Zehntausenden) als Schneckenkönig bezeichnet.