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Die gefleckte Weinbergschnecke

Cornu aspersum (O.F. Müller 1774)

 
Gefleckte Weinbergschnecke (Cornu aspersum) aus Katalo-
nien. Bild: Ferrean Turmo Gort (Quelle).

Die gefleckte Weinbergschnecke (Cornu aspersum) ist eine der am weitesten verbreiteten Landschneckenarten der Welt. Ursprünglich im Mittelmeergebiet beheimatet, ist diese Schnecke heute in so weit entfernten Regionen, wie Nordamerika (South Carolina, Louisiana und Kalifornien), Südamerika (südlich von Brasilien), Australien und Neuseeland, sowie in Südafrika zu finden.

Schnirkelschnecken (Helicidae) - Systematische Übersicht.

Beschreibung

Verglichen mit der Weinbergschnecke (Helix pomatia) ist die Schale der gefleckten Weinbergschnecke meist etwas kleiner. Sie wird zwischen 25 und 40 mm breit und zwischen 25 und 35 mm hoch. Meist ist die Schale von Cornu aspersum, verglichen mit Helix pomatia, etwas bauchiger geformt, die letzte der 4½ bis 5 Schalenwindungen überwiegt deutlich.


Nahaufnahme der Schalenmusterung einer gefleckten Wein-
bergschnecke (Cornu aspersum). Bild: Robert Nordsieck.
 

Der Name der gefleckten Weinbergschnecke rührt von der Färbung und Musterung ihrer Schale her. Auf einer hell gelblichen bis bräunlichen Grundfarbe zeigen sich meist mehrere dunkle Längsbänder, die hell gefleckt sein können. Quer dazu verlaufen hell gelbliche Zickzack-Streifen. Die Schalenoberfläche ist charakteristisch gerunzelt.

Neben dieser dunklen Variante der gefleckten Weinbergschnecke existieren außerdem vor allem in Zuchtbetrieben weniger kräftig gefärbte, fast einfarbige Schalenvariationen, die aber immer noch die charakteristisch runzelige Oberfläche und die deutlich sichtbare umgefaltete Mündungslippe aufweisen.

Helle Variante von Cornu aspersum.

 

Im Gegensatz zur dunklen Farbe der Schalenoberfläche schließt die auffällig hell gefärbte Mündungslippe  die Mündung des Gehäuses beim erwachsenen Tier ab. Im Spindelbereich verdeckt sie den Nabel des Gehäuses meist vollständig (Bild rechts).

Lebensraum

Die gefleckte Weinbergschnecke kommt in den unterschiedlichsten Lebensräumen vor. Außer als Kulturfolger in vom Menschen gestalteten Garten- und Parkanlagen findet man sie auch in Dünen, Wäldern und Heckenstrichen und zwischen Felsen. Im Gegensatz zu Helix pomatia ist Cornu aspersum dabei nicht unbedingt an Kalkboden gebunden. Vielmehr ist sie selten in Sumpf- und Waldgebieten, aber auch auf freiem Feld, wo sich nicht ausreichender Schutz gegen Beutegreifer bietet. Stattdessen wird die gefleckte Weinbergschnecke Lebensräume vorziehen, wo sich in Mauer- und Felszwischenräumen oder unter starkem Vegetationsbewuchs ausreichend Schutz bietet. In den Gebirgen kommt Cornu aspersum nur bis zu einer Höhe von unter 1000 m vor.

Verbreitung


Verbreitung von Cornu aspersum (orange), Helix pomatia
(gelb) und Helix lutescens (grün) in Europa. Quelle: KERNEY
et al. (1983) (Im Rahmen des Bearbeitungsgebiets).
 
 
Gefleckte Weinbergschnecke (Cornu aspersum) aus Katalo-
nien. Bild: Ferrean Turmo Gort (Quelle).

Wie eingangs beschrieben, ist die gefleckte Weinbergschnecke heute fast weltweit verbreitet. Fossilfunde aus dem Oberpliozän Nordafrikas, sowie aus dem Quartär Südfrankreichs, des benachbarten Spaniens und Korsikas deuten aber auf ein ursprüngliches Verbreitungsgebiet im westlichen Mittelmeerraum hin.

Von dort aus hat sich die Schnecke, oft als Kulturfolger in Gartenanlagen, aber auch aufgrund ihrer Nutzung durch den Menschen als Nahrungsmittel in den klimatisch milden  Regionen des Mittelmeerraums und der angrenzenden atlantischen Küstengebiete verbreitet. Man geht heute davon aus, dass eine Besiedlung der britischen Inseln durch die gefleckte Weinbergschnecke schon deutlich vor der Ankunft der Römer, z.B. bereits zu Zeiten der Kelten, stattfand. In vielen anderen Gebieten des römischen Imperiums wurde die Schnecke aber sicher durch die Ausbreitung der römischen Zivilisation eingeführt.

Die jüngsten Ausdehnungen des Verbreitungsgebietes dieser Schneckenart fanden in moderner Zeit statt, da sie zum einen als Zuchtschnecke, zum anderen ungeplant mit Obst- und Gemüsetransporten auf der ganzen Welt verbreitet wurde.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz hat Cornu aspersum sich im Gegensatz zu Helix pomatia nicht weit und flächendeckend ausbreiten können, da hier aufgrund des überwiegend kontinentaler geprägten Klimas der Winter zu streng ausfällt. So ist Cornu aspersum in Deutschland nur in den milden Regionen der Oberrheinischen Tiefebene und des Niederrheins, sowie in Schleswig-Holstein anzutreffen, in Österreich gar nur eingeschleppt im Gebiet von Wien-Simmering. In der Schweiz neuerdings ebenfalls zu finden ist Cornu aspersum am Rheindamm und in Graubünden.

Besonderheiten

 
Die Paarung läuft bei Cornu aspersum anders, als bei der hei-
mischen  Helix pomatia, wie hier der Fotograf Hans Josef Köh-
ler
beobachtet hat.

Als Bewohner von ozeanischem Klima geprägter Lebensräume besitzt die gefleckte Weinbergschnecke nicht die Fähigkeit, den mitteleuropäischen Winter so effektiv zu überdauern, wie die Weinbergschnecke Helix pomatia. Cornu aspersum hingegen bildet keinen Winterdeckel, sondern verschließt bei tieferen Temperaturen ihre Gehäusemündung mit einem Schleimhäutchen und versteckt sich an einer geschützten Stelle, wo oft mehrere Schnecken auf einmal überwintern.

Deutliche Unterschiede zu Helix pomatia bietet auch der Genitalapparat von Cornu aspersum. Gemeinsam mit Helix lucorum ist der deutlich sichtbare Divertikel, ein Fortsatz des Stiels der Bursa copulatrix (vgl.: Bau des Genitalapparats).

Auch Cornu aspersum kann während des Liebesspiels, das aber anders als bei Helix pomatia in der herkömmlichen Stellung, wie bei anderen Schnirkelschnecken, stattfindet, einen Liebespfeil anwenden, um dem Partner ein Hormonsekret zu injizieren. Dieser Sachverhalt wurde gerade bei Cornu aspersum erforscht.

Systematik

Obwohl Cornu aspersum eine Weinbergschnecke ist, gehört sie dennoch nicht zur Gattung Helix. Fälschlicherweise wird sie dennoch oftmals als Helix aspersa bezeichnet. Siehe auch: "Das Cornu-Problem".

Nutzung

Heute stellt die gefleckte Weinbergschnecke unter der französischen Bezeichnung "Escargot petit gris" den Großteil der französischen Zuchtschnecken (im Gegensatz zur als Escargot de Bourgogne bezeichneten Helix pomatia) dar. Zuchtformen, der so genannte Gros gris, können das doppelte Gewicht einer herkömmlichen Cornu aspersum erreichen.

Im englischen Sprachraum wird die Schnecke gemeinhin als garden snail bezeichnet, im Gegensatz zur als Roman snail bezeichneten Helix pomatia.

Weiterführende Informationen: