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Walisische Geisterschnecke (Selenochlamys ysbryda)

Ihre unterirdische Lebensweise macht für räuberische Schnecken, die im Erdboden nach Regenwürmern jagen, manche Anpassung notwendig. So haben die Daudebardien (Daudebardiinae) zugunsten größerer Beweglichkeit ihr Gehäuse stark reduziert, allerdings auf Kosten dessen, dass sie sich nicht mehr in seinen Schutz zurück ziehen können. Weiter noch ist diese Reduktion bei den Rucksackschnecken (Testacellidae) fortgeschritten. Ihr Gehäuse ist nur mehr ein kleiner muschelförmiger Rest auf der Schwanzspitze der Schnecke und erinnert in seiner Form an das Gehäuse einer Meerohrschnecke (Haliotidae). Wenn sie im Boden nach Regenwürmern jagen, ziehen Rucksackschnecken ihre hinderlichen und verletzbaren Fühler ein. Sehen könnten sie ohnehin nichts.

Erst 2006 hat man in Wales eine Schneckenart entdeckt, die wegen ihrer unterirdischen Lebensweise bis dahin der Wissenschaft verborgen geblieben war und die den wissenschaftlichen Namen Selenochlamys ysbryda Rowson & Symondson 2008 erhielt. Der Artname ysbryda rührt vom walisischen Wort ysbryd für einen Geist her und tatsächlich hat die weiße, durchsichtig anmutende Nacktschnecke mit ihrer nächtlichen unterirdischen Lebensweise etwas Geisterhaftes an sich.

 
Walisische Geisterschnecke (Selenochlamys ysbryda).
Bild: © Amgueddfa Cymru - National Museum Wales.

Systematik

Klasse: Gastropoda
Unterklasse: Pulmonata
Überordnung: Eupulmonata
Ordnung: Stylommatophora
Unterordnung: Sigmurethra
Infraordnung: Arionoinei
Überfamilie: Parmacelloidea
Familie: Trigonochlamydidae O. Boettger 1883

Quelle: Mollbase auf http://www.mollbase.de/list/.

Die nächsten Verwandten dieser Nacktschneckenart aus der Familie der Trigonochlamydidae leben in der Türkei und in Georgien (Selenochlamys pallida). Man geht davon aus, dass Selenochlamys ysbryda eine eingeschleppte Art (Neozoon) ist, die vielleicht mit Topfpflanzen nach Großbritannien gelangt ist.


Radula und einzelner Radulazahn von Selenochlamys ysbryda.
EM-Bild: © Amgueddfa Cymru - National Museum Wales.
 

Passenderweise wurde das erste Exemplar der Geisterschnecke im Hof einer Kirche in Brecon in Wales gefunden. Weitere Exemplare tauchten später an anderen Stellen in Wales auf.

Noch weiter, als bei den Rucksackschnecken ist bei der Geisterschnecke die Reduktion der Schale fortgeschritten. Selenochlamys ist eine vollständige Nacktschnecke ohne eine äußerliche Spur eines Gehäuses. Anders, als bei den einheimischen Nacktschnecken befindet sich aber ihr Atemloch am Ende des Fußes, ähnlich, wie bei den Rucksackschnecken.

Zusätzlich sind bei der Geisterschnecke auch die bei unterirdischer Lebensweise wenig nutzbringenden Augen reduziert. Wie andere unterirdisch lebende Schnecken, wie etwa die Blindschnecke (Ceciliodes acicula) besitzt Selenochlamys zwar vier Fühler, aber keine Augen.

Ähnlich wie bei den räuberischen Rucksackschnecken, Daudebardien und der Dalmatinischen Raubschnecke (Poiretia cornea) sind auch die Radulazähne der Geisterschnecke (vgl. Ernährung der Schnecken II) an deren Ernährungsweise angepasst: Dolchartige Radulazähnchen erleichtern es der Schnecke, Regenwürmer zu packen, am Entweichen zu hindern und in den Mund zu ziehen. Man darf auch bei der Geisterschnecke davon ausgehen, dass der Regenwurm im Ganzen gefressen wird.

National Museum Wales: Ghost Slug Identification Guide (PDF), Unterscheidung von der Rucksackschnecke (Testacella).
National Museum Wales: Help us find out more about the mysterious alien "Ghost Slug".
National Museum Wales: Ghost Slug Update, Spring 2010: Verbreitungsinformationen, Unterscheidung vom Wurmschnegel (Boettgerilla pallens).