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Die Invasion der spanischen Wegschnecken

 
Mehrere Wegschnecken (Arion vulgaris) "überfallen" eine
Weinbergschnecke (Helix pomatia). Bild: Monika Samland.

Zwei milde Winter in Folge fordern ihren Tribut. Während manche Schneckenfarmen unter einer Überhandnahme von Laufkäfern, wie dem Goldlaufkäfer (Carabus auratus), leiden, wurde der Süden Deutschlands in letzter Zeit von einer wahre Nacktschneckenplage heimgesucht.

Ein gewisses Mindestmaß an Nacktschnecken wird bei der biologischen Landwirtschaft, die von der Schneckenfarm des Deutschen Instituts für Schneckenzucht in Nersingen betrieben wird, in Kauf genommen: Nacktschnecken, die man in den Gehegen und in den dazwischen liegenden Laufwegen findet, werden aufgesammelt und entfernt.

Wirtschaftliche Schneckenhaltung.

Neuerdings jedoch ist Arion vulgaris, die spanische Wegschnecke oder Kapuzinerschnecke, in die Offensive gegangen. Nicht nur sind die großen braunen Nacktschnecken noch sehr spät im Jahr (im Dezember) kriechend vorzufinden, auch verhalten sie sich untypisch zunehmend räuberisch. Eigentlich ist Arion vulgaris ein Aasfresser, der vor toten Tieren und Hundekot nicht zurückschreckt, auch gelegentlich schwächere Artgenossen verzehrt, aber nur in Ausnahmefällen andere Schnecken jagt.


Spanische Wegschnecke greift eine Weinbergschnecke zuerst
von oben im "Nacken" an, um sie dann von innen heraus zu
verzehren ( Bild unten). Bild: Monika Samland.
 
 

Wegschnecken und ihre vielseitige Nahrungsauswahl.

Im süddeutschen Nersingen überfallen die Wegschnecken jedoch die zur Zucht gehaltenen Weinbergschnecken (Helix pomatia) gleich eine zu mehreren, und verzehren sie von innen heraus. Laut Aussage von Monika Samland, der Betreiberin von Farm und Institut, wird der Eingeweidesack als erstes aus der Schale gefressen und erst als Letztes der Fuß verzehrt.

Anschließend legen die Wegschnecken in die leer gefressenen Gehäuse der Weinbergschnecken ihre Eier. 400 Stück davon kann ein Gelege von Arion vulgaris umfassen, ein Teil des Erfolgsrezeptes dieser Wegschneckenart, die so fast ganz Europa eingenommen hat und die einheimischen Wegschneckenarten, wie Arion rufus und Arion ater weitgehend verdrängt hat.

Die Wegschnecken verfolgen Weinbergschnecken sogar ins Nachbargehege, wenn diese zu ihrer Rettung abgesammelt und in ein nacktschneckenfreies Gehege gebracht wurden. Es gibt kein probates biologisch verträgliches Mittel gegen die Nacktschnecken, da auch Laufenten können die auftretenden Mengen von Nacktschnecken nicht eindämmen.

Schnecken - der Gartenschreck.

Wie Monika Samland erklärt, ist die einzige Möglichkeiten, die Nacktschnecken loszuwerden, sie mit tatkräftiger Hilfe massenweise abzusammeln und in großen Eimern zu vernichten. Leider findet man aber niemals alle und da wären auch noch die Eier, die versteckt auf den richtigen Moment zum Schlüpfen warten.

Es fällt schwer, dieses Verhalten der Wegschnecken zu erklären, besonders angesichts dessen, dass ausreichende pflanzliche Nahrung, sowie eine zusätzlich ausgebrachte Kleiemischung zur Verfügung steht. Auch ist unklar, woher plötzlich solche Mengen von Wegschnecken stammen, außer, dass ungewöhnlich viele Gelege die milden Winter überlebt haben.

Neueren Forschungen und auch den Beobachtungen von Frau Samland zufolge scheint es so zu sein, dass eines der wenigen wirksamen Mittel zur Regulierung der spanischen Wegschnecke die Anwesenheit anderer Nacktschneckenarten ist, die Wegschnecken fressen. Zu diesen zählen zum Beispiel der Tigerschnegel (Limax maximus) und die Wurmnacktschnecke (Boettgerilla pallens), die beide besonders auch Gelege fressen. Leider beraubt sich der Mensch durch das Streuen von Schneckenkorn im Garten gerade dieser Verbündeten.

Die Aussichten für das Frühjahr, wenn aus den bereits abgelegten Eiern Jungtiere schlüpfen, sind nicht erfreulich.

Literatur

Links

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