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Dolchschnecken (Gastrodontidae)

 
Elliotts Dolchschnecke (Zonitoides elliotti) aus Tennessee.
Bild: John Slapcinski, (Quelle).
   
 
"Liebesdolch" der Britischen Dolchschnecke (Zonitoides exca-
vatus
). Quelle: Taylor, J. W. (1894-1914).

Die Dolchschnecken (Gastrodontidae) sind eine den Glanzschnecken (Zonitidae u.a.) ähnliche Familie von Landschnecken, denen sie auch äußerlich ähneln. Systematisch werden heute die Gastrodontidae mit einem Teil der Glanzschnecken (Oxychilidae) und den Kegelchen (Euconulidae) in einer gemeinsamen Überfamilie, den Gastrodontoidea, zusammen gefasst.

Systematik

Klasse: Gastropoda
Unterklasse: Pulmonata
Überordnung: Eupulmonata
Ordnung: Stylommatophora
Unterordnung: Sigmurethra
Infraordnung: Arionoinei
Überfamilie: Gastrodontoidea
Familie: Gastrodontidae Tryon 1866

Quelle: Mollbase auf http://www.mollbase.de/list/, Fauna Europaea auf http://www.faunaeur.org.

Glasschneckenverwandte (Vitrinoidea).

Eine Besonderheit der Dolchschnecken ist aber ein "pfeilartiges verkalktes Reizorgan, das als Liebesdolch bezeichnet wird" (Falkner, 1990, S. 170), dem sie ihren deutschen, ebenso wie ihren wissenschaftlichen, Namen verdanken. Bei den Dolchschnecken befindet sich der Pfeilsack mit diesem "Liebesdolch" allerdings am unteren Teil des Penis, also im männliche Teil des Genitalapparats, im Gegensatz zu den meisten anderen Schneckengruppen, bei denen Pfeilsack und Liebespfeil im im weiblichen Teil des Genitalapparats entstanden sind! (Siehe auch "Der Liebespfeil").

Die meisten Dolchschnecken, die holarktisch verbreitet sind (vgl. Faunenprovinzen der Erde), sind kleine Schnecken, die zwischen mehreren Millimetern und etwa einem Zentimeter groß werden können. In Nordamerika kommen mehrere Arten vor, auch in Mittelamerika, auf den Kanarischen Inseln und auf Madeira ist die Familie zu finden. In Europa sind drei heimische Arten bekannt, sowie eine eingeschleppte Gewächshaus-Art. Die Tiere leben meist in Wassernähe.

Glänzende Dolchschnecke - Zonitoides nitidus (O. F. Müller 1774)

Englischer Name: Black gloss snail.


Glänzende Dolchschnecke (Zonitoides nitidus) aus Iowa.
Bild: Harlan Ratcliff, Poweshiek Skipper Project.
 

Beschreibung: Die Glänzende Dolchschnecke hat ein rötlich braunes Gehäuse mit quer verlaufenden Zuwachsstreifen. Der Nabel (Umbilicus) ist sehr weit und nimmt fast ein Viertel des Gehäusedurchmessers ein.

Die Schnecke selbst ist sehr dunkel gefärbt. Die charakteristische orangefarbene Manteldrüse kann man nahe der Mündung durch die Gehäusewand sehen. Jungtiere sind weißlich grau mit durchscheinenden hellbraunen Gehäusen.

Maße: H: 3,5 - 4 mm; B: 6 - 7 mm; U: 4¾ - 5. Information: Abkürzungen

 
Glänzende Dolchschnecke (Zonitoides nitidus) aus dem Kanton
St. Gallen (Schweiz). Bild: © Stefan Haller (schneckenfoto.ch).

Lebensraum und Verbreitung: Die Glänzende Dolchschnecke ist eine Feuchtigkeit liebende Schnecke, die meist in der Nähe von Gewässern, auf feuchten Wiesen und in Auwäldern zu finden ist, oft auch an im Wasser stehenden Pflanzen. Zonitoides nitidus besiedelt auch vom Menschen angelegte Lebensräume, wie zum Beispiel aufgelassene Steinbrüche, die unter Wasser stehen.

Trotz seiner Ähnlichkeit mit den Glanzschnecken, ist Zonitoides nitidus ein Pflanzenfresser. Die Schnecken leben von zerfallenden Blättern, Pilzen, Wurzeln und Früchten, wobei nasse Blätter bevorzugt werden. An Pilzen hinterlässt die Schnecke charakteristische Fraßspuren - sie frisst tiefe Löcher in den Fruchtkörper des Pilzes, in denen sie mitsamt Schale verschwinden kann.

Die Glänzende Dolchschnecke ist holarktisch verbreitet und mit Ausnahme des äußersten Südens in fast ganz Europa zu finden. Selten ist die Art in Nordgriechenland und dem schottischen und nordenglischen Hochland. Sie fehlt in Nordschottland und auf den nahe liegenden Inseln. Eingeschleppt wurde die Glänzende Dolchschnecke auf Menorca.

Bedrohungssituation: In einigen Teilen Großbritanniens ist die Glänzende Dolchschnecke wegen der Trockenlegung ihrer Lebensräume im Rückgang begriffen.

Francisco Welter-Schultes: Zonitoides nitidus species homepage.
Mollbase: Zonitoides (Zonitoides) nitidus (Glänzende Dolchschnecke)

Gewächshaus-Dolchschnecke - Zonitoides arboreus (Say 1816)

 
Gewächshaus-Dolchschnecke (Zonitoides arboreus) aus Iowa.
Bild: Harlan Ratcliff, Poweshiek Skipper Project.

Englische Bezeichnung: Quick gloss snail.

Beschreibung: Die Gewächshaus-Dolchschnecke besitzt ein hell braun-gelbliches durchscheinendes Gehäuse, das schwach und unregelmäßig gestreift ist. Die Umgänge sind manchmal leicht gekielt. Der Nabel (Umbilicus) ist tief, aber viel enger als bei Zonitoides nitidus, nur etwa ein Siebtel des Gehäusedurchmessers.

Die Schnecke selbst ist charakteristisch zweifarbig - Rücken, Fühler und obere Flanken sind blaugrau, untere Flanken und Fußsohle sind hellgrau gefärbt.


Gewächshaus-Dolchschnecke (Zonitoides arboreus) aus Iowa.
Bild: Harlan Ratcliff, Poweshiek Skipper Project.
 

Maße: H: 1,7 - 3 mm; B: 4,5 - 6 mm; U: 4 - 4½. Information: Abkürzungen

Lebensraum und Verbreitung: Die Gewächshaus-Dolchschnecke kommt an waldigen Standorten (der wissenschaftliche Name bedeutet "Baum-Dolchschnecke") und auch feuchteren Lebensräumen in unterschiedlichen Höhenzonen vor, unter anderem ist sie auch in Kulturland, wie in Gärten, zu finden. Allgemein bevorzugt Zonitoides arboreus trockenere Standorte als Zonitoides nitidus. Aus Montana wird die Art aus einer Höhe von 1471 m NN berichtet.

In Nordamerika ist die Gewächshaus-Dolchschnecke unter dem Namen "quick gloss snail" häufiger als die Glänzende Dolchschnecke. Sie ist weit verbreitet: In Kanada ist sie von British Columbia im Westen bis nach Neufundland im Osten, durch die USA bis nach Mexiko und im Süden bis nach Costa Rica. In Europa hingegen ist die Gewächshaus-Dolchschnecke, wie ihr Name schon sagt, eine so genannte Gewächshaus-Art, die vorwiegend mit importierten Pflanzen eingeschleppt in und nahe bei Gewächshäusern auftritt. Gerade auf Orchideenpflanzen sind Dolchschnecken oft zu entdecken, können diesen jedoch nicht unbedeutenden Fraßschaden zufügen. Eingeschleppt ist die Art aus Island und Schweden, Österreich und Ungarn, Deutschland und der Schweiz, sowie anderen Teilen der Welt (Australien, Kamtschatka, Japan, Hawaii, Israel, Südafrika) bekannt.

Entwichene Exemplare können zum Teil auch gut im Freien überleben. Frei lebende Populationen in Europa sind aber noch wenig erforscht. Bekannt aus neueren Berichten sind frei lebende Populationen aus Schweden (1956, 2003), Ungarn (2001), Mecklenburg-Vorpommern (2003) und Tschechien (2007). Ältere Berichte (vor 1920) erwähnen Finnland, Russland und Irland.

  Francisco Welter-Schultes: Zonitoides arboreus species homepage.
  Robert G. Forsyth et al.: Terrestrial Gastropods of the Columbia Basin, British Columbia: Family Zonitidae.
  Wolfgang Fischer et al.: Check List of Austrian Mollusca.
  Mollbase: Zonitoides (Zonitoides) arboreus (Gewächshaus-Dolchschnecke).
  Jacksonville Shell Club: Zonitoides arboreus (Quick gloss) in Florida (Florida Land Snails Gallery).
  Jueg, U.; von Proschwitz, T. (2003): Ein Freilandfund von Zonitoides arboreus (Say 1816) im Landkreis Ludwigslust (Mecklenburg-Vorpommern). - Mitt. dtsch. malakozool. Ges. 69/70 15 - 19 (PDF).
  Dvořák, L.; Kupka, J. (2007): The first outdoor find of an American snail Zonitoides arboreus (Say, 1816) from the Czech Republic. - Malacologica Bohemoslovaca (2007), 6: 1 - 2 (PDF).
 

Mit Bildern von Stefan Haller:
http://www.schneckenfoto.ch.