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Heimische Schließmundschnecken (Clausiliidae)

Schließmundschnecken (Clausiliidae): Allgemeine Informationen.
Schließmundschnecken (Clausiliidae): Systematik einheimischer Arten.

Hinweis: Der Autor dieser Seiten ist nicht Hartmut Nordsieck! Die Quelle der Bilder ist jeweils angegeben. Jegliche Beschriftung stammt vom Autor, ist also gegebenenfalls auch dessen Fehler!

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Unterfamilie Alopiinae
Glatte Schließmundschnecke (Cochlodina laminata)
Bleiche Schließmundschnecke (Cochlodina fimbriata)
Geradmund-Schließmundschnecke (Cochlodina orthostoma)

Unterfamilie Clausiliinae
Raue Schließmundschnecke (Clausilia rugosa)
Gitterstreifige Schließmundschnecke (Clausilia dubia)
Bauchige Schließmundschnecke (Macrogastra ventricosa)
Mittlere Schließmundschnecke (Macrogastra attenuata)
Gefältelte Schließmundschnecke (Macrogastra plicatula)

Unterfamilie Baleinae
Faltenrandige Schließmundschnecke (Laciniaria plicata)
Graue Schließmundschnecke (Bulgarica cana)

Literatur
Links

Einleitung

 
Einheimische Schließmundschnecken-Arten: Von links nach rechts: Alinda biplicata, Laciniaria plicata,
Cochlodina laminata, Bulgarica cana, Macrogastra ventricosa. Bild: © Vollrath Wiese, Haus der Natur.

Zwar liegt der Schwerpunkt der Artenvielfalt der Schließmundschnecken (Clausiliidae) eindeutig in Südosteuropa, beispielsweise auf der Balkanhalbinsel und besonders in Griechenland. Aber auch die Vielfalt der einheimischen Schließmundschnecken können den Laien erschrecken und selbst manchen Fachmann an seine Grenzen bringen. Hier sollen einige einheimische Schließmundschneckenarten beschrieben werden, um einen Einblick in ihre Unterscheidung zu geben.

Wie bereits im allgemeinen Teil beschrieben, werden für die Bestimmung von Schließmundschnecken nach Gehäusemerkmalen (soweit eine solche überhaupt möglich ist und nicht eine anatomische Untersuchung nötig ist, die in Anbetracht der geringen Größe nur von echten Fachleuten durchgeführt werden sollte) vor allem folgende Merkmale herangezogen:


Mündung und Mündungsumgang der Gemeinen Schließmund-
schnecke (Alinda biplicata). Bild: © Vollrath Wiese.
 

a: Columellar
b: Palatal
c: Parietal

1: Ober- oder Parietal-Lamelle
1 - 2: Interlamellar
2: Unter- oder Columellar-Lamelle
3: Subcolumellar-Lamelle
4: Gaumen- oder Palatal-Falte

5: Spiral-Lamelle
6: Prinzipal-Falte
7: Palatal-Falte (= 4).

Anmerkung: Die Mondfalte (Lunella), falls vorhanden, verläuft senkrecht zur Palatal-Falte. (vgl. dazu: Hartmut Nordsieck: "Clausiliidae 5: The genus Leucostigma A. J. Wagner 1919 (Gastropoda: Stylommatophora: Clausiliidae).", Abbildung "Clausilial apparatus of Leucostigma candidescens".

Hartmut Nordsieck: Clausiliidae 1: Sammeln und Bearbeitung von Schließmundschnecken, sowie für die Bestimmung notwendigen Fachausdrücke des Schließapparats.

Unterfamilie Alopiinae

 
Linke Fuchs-Schließmundschnecke (Alopia straminicollis) und Rechte Fuchs-
Schließmundschnecke (Alopia livida) aus dem Velikan-Tal (Bucegi, Rumä-
nien). Bild: Hartmut Nordsieck (Quelle).

Zur Unterfamilie der Alopiinae gehören, wie der Name schon sagt, Schließmundschnecken der Gattung Alopia, die man vorwiegend in den Karpaten von Tschechien und der Slowakei bis nach Rumänien findet. Unter diesen sind auch rechts gewundene Arten, wie die Rechte Fuchs-Schließmundschnecke (Alopia livida), die, im Gegensatz zur fast spiegelbildlich anmutenden Linken Fuchs-Schließmundschnecke (Alopia straminicollis), mit der sie außerdem teilweise den Lebensraum teilt, rechts gewunden ist. Zu den Alopiinae zählt auch der sehr formenreichen Gattung Albinaria, von der es z.B. im Süden der griechischen Halbinsel Peloponnes rechts gewundene Arten gibt.

Hartmut Nordsieck: Dextral Clausiliidae (Gastropoda, Stylommatophora), an evolutionary problem.
Hartmut Nordsieck: Interspecific hybridization in the genus Alopia (Gastropoda, Stylommatophora, Clausiliidae).


Bosnische Schließmundschnecken (Herilla bosniensis) in der
Klausen bei Mödling. Bild: © Alexander Mrkvicka, Wien.
 

Zur Unterfamilie der Alopiinae gehören aber auch einheimische Arten, vor allem die Gattung Cochlodina (s. u.), sowie die im Süden Wiens, in der Klausen bei Mödling in Niederösterreich,  eingeschleppte Bosnische Schließmundschnecke (Herilla bosniensis) und ihre unmittelbaren Verwandten.

Bosnische Schließmundschnecke (Herilla bosniensis): Eingeschleppt vorkommend in der Klausen bei Mödling in Niederösterreich.

Sehr gut sind bei dieser die Falten auf der Gaumenseite der Mündung zu erkennen.

Bei der folgenden Gattung Cochlodina unterscheidet man in Europa 4 Untergattungen: Cochlodina, Cochlodinastra, Paracochlodina und Procochlodina.

Checklist of European Continental Mollusca (CLECOM): Gattung Cochlodina.

Glatte Schließmundschnecke - Cochlodina (Cochlodina) laminata (Montagu 1803)

Die Glatte Schließmundschnecke ist eine der häufigsten einheimischen Schließmundschnecken. Sie ist auch relativ leicht zu erkennen, da sie sich, wie ihr Name schon sagt, von den übrigen einheimischen Arten darin unterscheidet, eine glatte Gehäuseoberfläche zu haben, anstatt der sonst charakteristischen Rippenskulptur.

 
Mündung und Palatalregion von Cochlodina laminata.
Bild: Francisco Welter-Schultes.

Beschreibung: Die Glatte Schließmundschnecke hat ein ziemlich bauchiges, fast glattes und glänzendes, gelbrotes bis rotbraunes, manchmal kirschrotes Gehäuse. Parietal-Lamelle (1) klein, Columellar-Lamelle (2) stärker hervortretend. Subcolumellar-Lamelle (7) bei schräger Ansicht sichtbar. Spiral-Lamelle (5) nicht so weit aufsteigend, wie die Columellar-Lamelle. Palataler Wulst (Kallus) schwach ausgebildet, aber breit.


Glatte Schließmundschnecke (Cochlodina laminata) aus dem
Wienerwald. Bild: Martina Eleveld.
 

Eine Unterscheidung von anderen Cochlodina-Arten (orthostoma und fimbriata) ist durch Form und Verhältnis des palatalen Kallus und der Palatal-Falten (3: Obere Palatal-Falte; 4: Untere Palatal-Falte; 6: Prinzipalfalte) möglich. Zusätzlich treffen bei Cochlodina fimbriata die Mündungsränder im Parietalbereich nicht zusammen. Bei Cochlodina orthostoma (s. u.) ist der columellare Rand der Mündung gerade, nicht gebogen.

Maße: H: 15 - 17 mm; B: 4 mm. Information: Abkürzungen

Lebensraum und Verbreitung: Die Glatte Schließmundschnecke lebt in Laubwäldern am Boden oder unter Gebüsch, in der Blattstreu und zwischen dem Moos. Im Gebirge kommt sie auch in Nadelwald vor. Bei feuchtem Wetter steigt sie an den Baumstämmen auf. Diese Schließmundschneckenart ernährt sich in feuchter Blattstreu von Algen, Pilzbewuchs und zerfallendem Holz.

Die Glatte Schließmundschnecke ist in Mitteleuropa eine der häufigsten Schließmundschneckenarten. Sie kommt in ganz Europa, von Südskandinavien bis nach Nordspanien, bis hin nach Süditalien, der südlichen Balkanhalbinsel und dem Kaukasus vor, auf den Britischen Inseln nicht im Süden Irlands, dem Norden Schottlands und den nahe gelegenen Inseln. In den Alpen kommt die Art bis in einer Höhe von 2000 m NN vor.

Francisco Welter-Schultes: Cochlodina laminata species homepage.

Bleiche Schließmundschnecke - Cochlodina  (Cochlodina) fimbriata (Rossmässler 1835)


Bleiche Schließmundschnecke (Cochlodina fimbriata) aus der
Lombardei (Italien). Bild: Gianbattista Nardi (Quelle).
 

Beschreibung: Die Bleiche Schließmundschnecke ähnelt der Glatten Schließmundschnecke, weist allerdings auf der Gehäuseoberfläche deutlicher zu erkennende Rippen auf. Farblich ist das Gehäuse normalerweise heller. Die Bleiche Schließmundschnecke besitzt eine kräftige Gaumenschwiele (Palataler Kallus). Die untere Palatalfalte ist schwach ausgebildet und erreicht die Schwiele nicht. Darin unterscheidet sich Cochlodina fimbriata von Cochlodina laminata, die eine schwach ausgebildete Gaumenschwiele und eine kräftige Palatalfalte besitzt.

 
Gehäuseoberfläche der Bleichen Schließmundschnecke (Coch-
lodina fimbriata
). Bild: Gianbattista Nardi (Quelle).

Maße: H: 14 - 16 mm; B: 3,6 - 4,4 mm. Information: Abkürzungen

Lebensraum und Verbreitung: Die Bleiche Schließmundschnecke bewohnt feuchte und schattige Standorte im Mischwald (nicht im Nadelwald) und zwischen Kalkfelsen. Sie ist enger an Kalkboden gebunden, als Cochlodina laminata, und braucht mehr Feuchtigkeit. Bei feuchter Witterung steigt die Schnecke an Bäumen hoch empor, sie ist auch unter der Rinde und unter Blättern zu finden.

Das Verbreitungsgebiet der Bleichen Schließmundschnecke erstreckt sich vom Alpenvorland (z. B. das Bodenseegebiet) über die Alpen bis nach Italien (Apuanische Alpen im Nordwesten der Toskana), sowie die dinarischen Bergzüge bis nach Kroatien und die Karpaten. In der Schweiz ist die Art bis in einer Höhe von 1600 m NN. zu finden. Im südlichen Slowenien ist die Bleiche Schließmundschnecke die häufigste Schließmundschnecken-Art.

Bedrohungssituation: In Deutschland ist die Bleiche Schließmundschnecke stark gefährdet (endangered EN), in Vorarlberg ist sie als gefährdet (vulnerable VU) eingestuft, in Österreich allgemein ist sie als möglicherweise gefährdet (least concern LC) eingestuft ( vgl. Gefährdungskategorien gemäß Roter Liste).

Francisco Welter-Schultes: Cochlodina fimbriata species homepage.
Molluscs of central Europe: Bleiche Schließmundschnecke (Cochlodina fimbriata).
Hartmut Nordsieck: Artenreiche Clausilienfaunen in Europa.

Geradmund-Schließmundschnecke - Cochlodina  (Paracochlodina) orthostoma (Menke 1828)


Cochlodina-Arten im Vergleich. Von links nach rechts: C. laminata, C. fimbria-
ta
, C. orthostoma. Bilder: Francisco Welter-Schultes.
 

Beschreibung: Wie ihr Name schon sagt, unterscheidet sich die Geradmund-Schließmundschnecke von ihrer Verwandten, Cochlodina laminata, vor allem durch die geraden Linien ihres Mundsaumes, besonders im Columellar-Bereich.

 
Geradmündige Schließmundschnecke (Cochlodina orthostoma)
aus der Slowakei. Bild: Jozef Grego (Quelle).

Zudem ist die Oberfläche des Gehäuses gerippt und nicht vollständig glatt. Die Palatal-Falten sind in der Mündungsansicht nicht sichtbar (Bild). Allgemein ist Cochlodina orthostoma etwas kleiner als Cochlodina laminata.

Hinter der Mündung ist im Nackenbereich des letzten Umgangs der Nackenwulst deutlich mit einer gelbroten Binde zu erkennen.

Maße: H: 12 - 13 mm; B: 3 mm; U: 9½ - 10. Information: Abkürzungen

Lebensraum und Verbreitung: Die Geradmund-Schließmundschnecke lebt in Laubwäldern, an feuchten und schattigen Standorten, oftmals an Baumstämmen. Wie Cochlodina laminata kommt sie unabhängig vom Gesteinsuntergrund vor.

Cochlodina orthostoma ist eine ovovivipare Schneckenart, bringt also lebende Jungtiere zur Welt, die im Körper des Muttertieres schlüpfen (vgl. Alinda biplicata).

Das Verbreitungsgebiet der Art erstreckt sich über Mittel- und Osteuropa bis nach Südwest-Finnland, die Ukraine und die Dobrudscha in Rumänien, die Nord- und Nordwest-Alpen. In Norddeutschland fehlt die Art. In der Schweiz ist sie bis in einer Höhe von 1400 m NN anzutreffen.

Francisco Welter-Schultes: Cochlodina orthostoma species homepage.

Unterfamilie Clausiliinae

Zur Unterfamilie der "eigentlichen" Clausilien gehört mit Clausilia rugosa die namengebende Art der Schließmundschnecken. Die kleinen bis mittelgroßen Schließmundschnecken besitzen an der Basis der Palatalregion einen Kamm mit einer Furche. Ihre Mündung ist unten rinnenartig verengt. Ober-(Parietal-)Lamelle und Spirallamelle sind verbunden, die untere Palatalfalte begrenzt den Palatalwulst.

Raue Schließmundschnecke - Clausilia rugosa (Draparnaud 1801)

 
Raue Schließmundschnecke (Clausilia rugosa parvula).
Bild: © Sigrid Hof (Quelle).

Beschreibung: Die Raue Schließmundschnecke ist sehr variabel - ihr Gehäuse ist bräunlich bis kirschbraun, in verwittertem Zustand auch violett. Es kann eine schwache Rippenstruktur aufweisen, aber auch fast glatt sein, ist aber nicht weiß gestrichelt. Der Nacken des Gehäuses weist einen kräftigen Kiel auf. Die Unter-(Columellar-)Lamelle ist tief liegend, in der Mündung aber gut sichtbar und weist vorne ein Doppelfältchen auf. Das Interlamellar ist gefältelt.

Die Mündung ist birnenförmig und gelblich braun, der Mundsaum abgelöst. Clausilia rugosa zeigt mehrere Unterarten: Clausilia rugosa rugosa ist weit gerippt und kommt in Südostfrankreich (Hérault und Gard) vor, Clausilia rugosa reboudii ist eng gerippt und kommt in Südfrankreich vor. Clausilia rugosa parvula schließlich ist fast glatt und kommt im Norden des Verbreitungsgebietes vor. Besonders in der älteren Literatur wird Clausilia rugosa parvula oft als Kleine Schließmundschnecke, Clausilia parvula, erwähnt.

Maße: H: 7 - 12 mm; B: 1,9 - 2,5 mm; U: 9½ - 10½. Information: Abkürzungen

Lebensraum und Verbreitung: Die Raue Schließmundschnecke ist Wärme liebend und an recht feuchten Standorten zwischen Felsen und Steinen, sowie an alten Mauern zu finden. Clausilia rugosa ist Kalk liebend, aber nicht zwingend an Kalkboden gebunden.

Das Verbreitungsgebiet der Art erstreckt sich über West-, Süd- und Mitteleuropa bis zu den nördlichen Karpaten, die westliche Slowakei, Südwestpolen, Süditalien (die Abruzzen), den Piemont und Nordostspanien. In der Schweiz ist Clausilia rugosa bis in einer Höhe von 2400 m NN anzutreffen.

Francisco Welter-Schultes: Clausilia rugosa species homepage.

Gitterstreifige Schließmundschnecke - Clausilia dubia Draparnaud 1805


Gitterstreifige Schließmundschnecke (Clausilia dubia).
Bild: © Sigrid Hof (Quelle).
 

Beschreibung: Die Gitterstreifige Schließmundschnecke ist meist eng gerippt, wobei manche Populationen auch weiter gerippt sein können. Das Interlamellar ist nicht gefältelt, die Unterlamelle weist ein Doppelfältchen auf. Die vordere untere Gaumen-(Palatal-)Falte ist z. T. zurück gebildet. Die vordere obere Palatal-Falte läuft in einem Kallus aus. Der Nackenkiel ist deutlicher als bei der Gattung Macrogastra (s. u.). Es gibt sehr viele lokale Formen.

Maße: H: 11 - 14 mm; B: 2,7 - 3,2 mm. Information: Abkürzungen

 
Zweizähnige Schließmundschnecke (Clausilia bidentata) aus
Genua, Italien. Bild: Wikipedia.

Lebensraum und Verbreitung: Die Gitterstreifige Schließmundschnecke lebt üblicherweise auf feuchten und schattigen Felsen und alten Mauern, an bemoosten Baumstämmen und -stümpfen. Clausilia dubia kommt nur selten in der Ebene, öfter im Hochland, vor und ist ebenfalls eine Kalk liebende Art. Bei Trockenheit versteckt sie sich in Ritzen und in der Bodenstreu, um bei feuchtem Wetter an Baumstämmen und Felsen hoch zu kriechen. Die Gitterstreifige Schließmundschnecke ernährt sich von Flechten und Algen.

Das Verbreitungsgebiet der Art erstreckt sich über ganz Europa, ausgenommen die Halbinseln des Mittelmeerraums. Auf den Britischen Inseln kommt sie nur isoliert in Nordengland, meist zwischen 250 und 600 m NN, und eingeschleppt bei Dover vor, außerdem isoliert in Finnland und Schweden. In der Schweiz ist Clausilia dubia bis in einer Höhe von 2400 m NN anzutreffen.

Mehrere weit gerippte Populationen, deren isolierte Vorkommen eigene Unterarten darstellen, sind in Kärnten, der Steiermark, Niederösterreich, der Slowakei und Siebenbürgen festgestellt worden (siehe auch: Wolfgang Fischer: Clausilia dubia). Die Abgrenzung dieser Unterarten wird jedoch diskutiert, da sie sowohl morphologisch (H. Nordsieck, 2002), als auch genetisch (Jaksch, Vortrag 2012, vgl. Artikel im Blog) schwer nachzuweisen ist.

Bedrohungssituation: In Nordengland ist die Art durch Luftverschmutzung und Zerstörung ihres Lebensraums bedroht, in Deutschland ist sie als gefährdet eingestuft (vgl. auch: Gefährdungskategorien gemäß Roter Liste). In der Schweiz ist Clausilia dubia in niederen Lagen selten.

Francisco Welter-Schultes: Clausilia dubia species homepage.
Katharina Jaksch: Arbeitsgruppe "Alpine Land Snails" des NHMW: Clausilia dubia project (Abgerufen 18.06.2012).

Edlinger, K., Fischer, W. (2000): Zur Variabilität von Clausilia dubia (Draparnaud 1805) in Mitteleuropa. Nachrichtenblatt d. E. Vorarlb. Mal. Ges., 8, 1 - 14.
Frank, C. (1997): Studien an Clausilia dubia Draparnaud 1805 (Stylommatophora: Clausiliidae). - Wiss. Mitt. Niederösterr. Landesmuseum, 10, 163 - 189.
Klemm, W. (1960): Clausilia dubia Draparnaud und ihre Formen in Österreich. - Arch. Moll., 89(1/3): 81-109; Frankfurt/Main.
Nordsieck, H. (2002): "The subspecies classification of Clausilia dubia Draparnaud (Gastropoda: Stylommatophora: Clausiliidae), a critical revision". - Mitt. Dt. Mal. Ges. 68: 37-44; Frankfurt/Main.

Bauchige Schließmundschnecke - Macrogastra ventricosa (Draparnaud 1801)


Macrogastra ventricosa, links, Alinda biplicata (unten), und
Macrogastra attenuata (oben). Bild: © Sigrid Hof (Quelle).
 

Beschreibung: Die Bauchige Schließmundschnecke ist die größte einheimische Schließmundschneckenart. Die Oberfläche ihres Gehäuses ist weit gerippt, an der Naht (Sutur) sind die Rippen gruppenweise weißlich gestrichelt. Der Nacken der Endwindung weist einen Kiel auf. Der Mundsaum ist abgelöst. Auf dem Interlamellar befinden sich keine Fältchen. Die Unter-(Columellar-)Lamelle weist vorne ein Doppelfältchen auf, so dass sie wie ein waagerechtes K () aussieht. Macrogastra ventricosa zeigt keine Palatalfalten oder -schwielen. Von der Gemeinen Schließmundschnecke (Alinda biplicata) unterscheidet sie sich durch das Fehlen der basalen Rinne. Das Innere der Mündung ist hellbraun.

 
Verbreitungsgebiet der Bauchigen Schließmund-
schnecke (Macrogastra ventricosa).
Quelle: Finnisches Naturhistorisches Museum.

Maße: H: 17 - 19 mm; B: 3,8 - 4,4 mm. Information: Abkürzungen

Lebensraum und Verbreitung: Die Bauchige Schließmundschnecke lebt in feuchten Wäldern, vor allem im Bergland, in der Bodenstreu, an moosbewachsenen Steinen, Felsen und Baumstämmen, in Schleswig-Holstein auch in Quellbruchwäldern und an quelligen Steilhängen. Bei feuchter Witterung kriecht sie an Baumstämmen und Felsen hoch.

Das Vorkommen der Art erstreckt sich in Europa von Südnorwegen und Mittelrussland bis nach Nordspanien und Norditalien. In der Schweiz kommt Macrogastra ventricosa bis in einer Höhe von 1800 m NN vor.

Im größten Teil der norddeutschen Tiefebene ist die Bauchige Schließmundschnecke nur verstreut zu finden. Vorkommen gibt es aber stellenweise in Schleswig-Holstein (dort kommt die Art nur lokal und selten vor), in Mecklenburg, sowie in West- und Ostpreußen. Isoliert kommt die Bauchige Schließmundschnecke außerdem im Süden Finnlands vor.

Vollrath Wiese et al.: Verbreitungsatlas Schleswig-Holstein 1991: Macrogastra ventricosa - Bauchige Schließmundschnecke.
Francisco Welter-Schultes: Macrogastra ventricosa species homepage.

Mittlere Schließmundschnecke - Macrogastra attenuata (Rossmässler 1835)

 
Schließmundschnecken der Gattung Macrogastra. Von links nach rechts: M. ventri-
cosa
, M. attenuata, M. plicatula. Bilder: Vollrath Wiese, Haus der Natur, Cismar.

Mittlere Schließmundschnecke (Macrogastra attenuata) aus.
der Lombardei. Bild: © Gianbattista Nardi (Quelle).
 

Beschreibung: Das rotbraune Gehäuse von Macrogastra attenuata ist etwas kleiner als das von Macrogastra ventricosa und reichlich weiß gestrichelt . Wie der größere Verwandte weist sie die gespaltene, K-förmige Unter-(Columellar-)Lamelle auf. Auf dem Interlamellar befinden sich ein bis zwei schwache Falten. Die Mündung ist an der Unterseite deutlich gerundet. Ein palataler Kallus ist oft vorhanden und als weiße undeutliche Linie erkennbar. Die Subcolumellar-Lamelle ist bei senkrechtem Blick in die Mündung zu erkennen. Die Dichte der Rippen auf der Endwindung beträgt 60 - 65.

Maße: H: 11 - 14 mm; B: 2,8 - 3,2 mm. Information: Abkürzungen

Lebensraum und Verbreitung: Macrogastra attenuata ist ein Bewohner feuchter Bergwälder, wo sie in der Laubstreu, an Felsen und Steinen, sowie zwischen moosbewachsenen Felsen lebt. Die Mittlere Schließmundschnecke kommt ebenfalls unabhängig vom Gesteinstyp vor. In Schleswig-Holstein lebt die Mittlere Schließmundschnecke auch in Quellgebieten und in Bruchwäldern. Macrogastra attenuata steigt bei feuchtem Wetter nicht an den Baumstämmen hoch, sondern bleibt in der Laubstreu und bewegt sich gemeinhin eher am Boden.

Das Verbreitungsgebiet der Art erstreckt sich in Europa von Dänemark bis nach Italien und Nordwestspanien.

Bedrohungssituation: In Niedersachsen ist die Mittlere Schließmundschnecke als gefährdet eingestuft (vgl. Gefährdungskategorien gemäß Roter Liste).

Systematik: In der Literatur wird die Mittlere Schließmundschnecke teils als Macrogastra attenuata, teils als Macrogastra lineolata und teils als Macrogastra attenuata lineolata erwähnt. H. Nordsieck (1993) schlägt daher vor, die Art als solche als Macrogastra attenuata anzusprechen und Macrogastra attenuata lineolata für die nördliche Unterart zu verwenden.

Nordsieck, H. (1993): Beiträge zur Nomenklatur der europäischen Binnenmollusken, I. Kritische Anmerkungen und Berichtigungen zur Nomenklatur der Clausiliidae. - Heldia 2 (3/4): 33 - 42.

Vollrath Wiese et al.: Verbreitungsatlas Schleswig-Holstein 1991: Macrogastra attenuata lineolata - Mittlere Schließmundschnecke.
Francisco Welter-Schultes: Macrogastra attenuata species homepage.

Gefältelte Schließmundschnecke - Macrogastra plicatula (Draparnaud 1801)

Beschreibung: Macrogastra plicatula hat ein rötlich braunes Gehäuse, das etwas weiß gestrichelt ist. Das Gehäuse ist kleiner und schlanker als das von Macrogastra attenuata. Die Mündung ist elliptisch bis eiförmig. Der basale Kiel ist weniger deutlich ausgeprägt, als bei der Gattung Clausilia. Das Interlamellar weist 2 - 3 deutliche Fältchen auf. Die Dichte der kräftigen Rippen auf der Gehäuseoberfläche beträgt auf der Endwindung 45 - 50. In den Zwischenräumen zwischen den Rippen ist eine feine Spiralstreifung (quer dazu) erkennbar.

Maße: H: 11 - 14 mm; B: 2,8 - 3,2 mm. Information: Abkürzungen

Lebensraum und Verbreitung: Die Gefältelte Schließmundschnecke lebt in Laub- und Nadelwäldern, an feuchten Standorten an Felsen und Bäumen, außerhalb von Wäldern auch an Felsen und Gemäuern. Macrogastra plicatula bevorzugt, im Gegensatz zu den beiden zuvor genannten Arten, Kalkboden. In Schleswig-Holstein findet sich die Art vor allem an Steilhängen in der Nähe von Quellen und in Bruchwäldern.

 
Gemeine Schließmundschnecke (Alinda biplicata).
Bild: © Alexander Mrkvicka, Wien.

Die Art kommt ganz Europa, im Norden bis nach Südskandinavien, Finnland und Mittelrussland vor. Isolierte Vorkommen gibt es in den südlichen Karpaten und auf der Krim. In der Schweiz tritt Macrogastra plicatula bis in einer Höhe von 2300 m NN auf. In Schleswig-Holstein ist die Art selten und nur sporadisch vertreten und vor allem in Küstennähe zu finden.

Vollrath Wiese et al.: Verbreitungsatlas Schleswig-Holstein 1991: Macrogastra plicatula - Gefältelte Schließmundschnecke.
Francisco Welter-Schultes: Macrogastra plicatula species homepage.

Unterfamilie Baleinae


Die Faltenrandige Schließmundschnecke
(Laciniaria plicata) gehört ebenfalls zu
den Baleinae. Bild: Michal Maňas.
 

Zu den Baleinae gehört mit der Gemeinen Schließmundschnecke (Alinda biplicata) die wahrscheinlich häufigste einheimische Schließmundschneckenart.

Gemeine Schließmundschnecke (Alinda biplicata) (im allgemeinen Teil).

Faltenrandige Schließmundschnecke - Laciniaria plicata (Draparnaud 1801)

Beschreibung: Das Gehäuse der Faltenrandigen Schließmundschnecke ist bräunlich und schlank spindelförmig. Der parietale Bereich der Mündung ist zu einer deutlichen Rinne ausgezogen. Die mittlere Gaumen-(Palatal-)Falte liegt fast parallel zur Prinzipalfalte. Die Mondfalte (Lunella) ist stark gestreckt und parallel zur Gehäuseachse. Die Unter-(Columellar-)Lamelle wenig vorspringend, fast abgestutzt. Der Mundsaum ist mit 7 - 10 mehr oder minder deutlich ausgeprägten Fältchen besetzt, die der Schnecke ihren Namen gegeben haben. Bei der Varietät Laciniaria plicata f. implicata Bielz fehlen die Fältchen.

Maße: H: 15 - 18 mm; B: 3,3 - 3,6 mm. Information: Abkürzungen

 
Laciniaria plicata. Bild: Guido Poppe.

Lebensraum und Verbreitung: Die Faltenrandige Schließmundschnecke lebt auf feuchten Felsen und alten Mauern an offenen Standorten. Sie ist nicht auf kalkreichen Boden beschränkt, kommt allerdings eher im Bergland, als in der Ebene, vor.

Das Verbreitungsgebiet von Laciniaria plicata erstreckt sich über Mittel-, Ost- und Südosteuropa, von Dänemark bis in den Süden der baltischen Staaten, Mittelrussland, die ukrainischen Karpaten, Bulgarien, den Piemont, die südlichen Zentralalpen und Ostfrankreich. In der Schweiz liegt die Höhengrenze des Vorkommens von Laciniaria plicata etwa bei 2300 m NN, oberhalb von 1200 m NN wird die Art jedoch selten.

Im Norden kommt die Faltenrandige Schließmundschnecke nur zerstreut vor, so z.B. in Dänemark und auf der Insel Bornholm (dort ist sie häufiger), und in Südschweden. In Schleswig-Holstein wird die Art als verschollen bzw. ausgestorben angesehen, da vorhandene Nachweise bereits sehr alt sind und nicht verifiziert werden konnten.

Vollrath Wiese et al.: Verbreitungsatlas Schleswig-Holstein 1991: Laciniaria plicata - Faltenrandige Schließmundschnecke.
Francisco Welter-Schultes: Laciniaria plicata species homepage.

Graue Schließmundschnecke - Bulgarica cana (Held 1836)


Graue Schließmundschnecken (Bulgarica cana).
Bild: © Sigrid Hof (Quelle).
 

Beschreibung: Das Gehäuse der Grauen Schließmundschnecke ist bräunlich und starkwandig, seine Oberfläche ist gerippt. Die Endwindung weist einen Nackenkiel auf. Die Mündung ist relativ groß (etwa ein Fünftel der Gehäusehöhe) und weist eine schwachen palatale Schwiele auf. Die Unter-(Columellar-)Lamelle ist kräftig und normalerweise bräunlich gefärbt. Die Mondfalte (Lunella) ist deutlich zu erkennen. Nur die untere Palatal-Falte ist auch vor der Lunella als schwach ausgebildete Basal-Lamelle vorhanden. Die Platte des Clausiliums ist schmal, um unteren Ende nicht gebogen.

Maße: H: 16 - 19 mm; B: 3,3 - 4 mm; U: 11 - 14. Information: Abkürzungen

Lebensraum und Verbreitung: Bulgarica cana lebt auf Baumstämmen in mäßig feuchten Laub- und Mischwäldern, auch auf kalkarmem Boden, in den rumänischen und ukrainischen Karpaten nur in den submontanen und niederen Waldzonen bis auf 1300 m NN. Die Graue Schließmundschnecke verlässt die Baumstämme bei trockenem Wetter nicht, wie andere Schließmundschneckenarten, sondern versteckt sich in Ritzen in der Rinde und unter Flechten. So tritt sie beispielsweise in Hangbuchenwäldern der Schwäbischen Alb auf, wo sie an liegendem Totholz, in der Streu oder an Baumstämmen sitzend gefunden werden kann.

Das Verbreitungsgebiet der Grauen Schließmundschnecke reicht in Mittel- und Osteuropa von Südfinnland (nur im Nationalpark Koli) bis in die nördliche Schweiz, die südlichen Karpaten und Mittelrussland.

Bedrohungssituation: In Österreich ist die Graue Schließmundschnecke vom Aussterben bedroht, in Deutschland als stark gefährdet, in der Schweiz als gefährdet eingestuft (vgl.: Gefährdungskategorien gemäß Roter Liste). In Baden-Württemberg ist sie eine so genannte Landesart, die als "naturschutzfachlich besonders bedeutende Art" gilt.

Francisco Welter-Schultes: Bulgarica cana species homepage.
Jürgen Trautner, Arbeitsgruppe für Tierökologie und Planung: Graue Schließmundschnecke (Bulgarica cana).
 

Literatur

Links


Die Homepage von Hartmut Nordsieck über Helicoidea, Cochlostoma und Clausiliidae auf hnords.de
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