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Kleinmuscheln


Kugelmuschel (Sphaerium corneum).
Bild: © Alexander Mrkvicka, Wien (mrkvicka.at).
 
 
Kugelmuschel (Sphaerium rivicola). Quelle: Freshwater Molluscan Shells.

Der Begriff Kleinmuscheln vereinigt diejenigen Süßwassermuscheln, die nicht zu den Großmuscheln der Ordnung Unionoidea gehören. Sie sind auch deutlich kleiner, als diese zum Teil riesenhaften Formen.

Die europäischen Kleinmuscheln gehören zur Ordnung Veneroidea. Zu dieser Ordnung gehören auch die Venusmuscheln (Veneridae), benannt nach der römischen Liebesgöttin. Ein Beispiel ist die "Vongola" (Chamelea gallina), die von Nordwesteuropa bis in den Mittelmeerraum verbreitet ist.

Die limnischen Vertreter (damit sind die Süßwasserarten, im Gegensatz zu den im Meer lebenden marinen Vertretern gemeint) der Ordnung Veneroidea umfassen in Europa zwei Überfamilien: Die Kugelmuscheln und Erbsenmuscheln (Sphaerioidea), sowie die eingeschleppten Wandermuscheln (Dreissenoidea). Die in jüngerer Zeit eingeschleppten Körbchenmuscheln (Corbiculidae) gehören ebenfalls zu den Kugelmuschel-Verwandten (Sphaerioidea).

Kugelmuscheln (Sphaerioidea)

Kugelmuscheln sind kleine Muscheln, die im Süß- und Brackwasser weltweit verbreitet sind. Die Sphaeriidae in Europa umfassen Kugelmuscheln i. e. S. (Sphaerium), ebenso wie Erbsenmuscheln (Pisidium).


Der Fuß einer Erbsenmuschel (Pisidium spec.) ist lang und lan-
zettförmig.
Bilder: © Alexander Mrkvicka, Wien (mrkvicka.at).
 
Die Siphone der Erbsenmuscheln sind kurz und ragen nur we-
nig über den Mantelrand, bei den Kugelmuscheln sind sie viel
länger.

Bei beiden Gattungen sind die Mantelränder verschmolzen und bilden lange, röhrenförmige Siphone (siehe Bilder). Kugelmuscheln besitzen einen langen, zungenförmigen Fuß, mit dem sie sich wie eine Schnecke bewegen können. Sie bewegen sich auch, indem sie sich an einer Wasserpflanze festhalten und sich dann heranziehen. Kugelmuscheln sind Zwitter, die ihre 2 bis 15 Eier in den Kiemen des Weibchens behalten, bis sich die Jungmuscheln fertig entwickelt haben. Mitteleuropäische Arten sind Sphaerium corneum und Sphaerium rivicola. Unter guten Bedingungen kann letztere mit 2 cm Schalenlänge zur größten europäischen Sphaerium-Art heranwachsen.

Erbsenmuscheln (Pisidium) sind kleiner und kugelförmiger als die Kugelmuscheln, obwohl diese doch eigentlich so heißen. Außer Pisidium amnicum, das eine Größe von mehr als 1 cm erreichen kann, bleiben alle Erbsenmuscheln deutlich kleiner als 1 cm. Erbsenmuscheln kommen in Seen und Teichen bis in einer Tiefe von mehr als 40 m vor und können Trockenheit und Kälte ertragen. Aus diesem Grund findet man Erbsenmuscheln manchmal auch in Pfützen und die Gruppe ist bis ins nördliche Lappland verbreitet. Erbsenmuscheln sind aufgrund ihrer ökologische Variabilität sehr schwer zu bestimmen.

Erbsenmuscheln (Pidisium) aus der Timavo-Quelle bei Triest.

Zebra- oder Wandermuscheln (Dreissenoidea)

 
Zebra- oder Wandermuscheln (Dreissena polymorpha).
Bild: Lars Peters.

Zebramuscheln sind mit einigen Arten im westlichen Eurasien und an der amerikanischen Ostküste verbreitet. Aus dem Tertiär ist die Gruppe mit zahlreichen Arten bekannt, aber heute sind nurmehr zehn Arten übrig geblieben.

Die Zebramuschel (Dreissena polymorpha) wird auch Wandermuschel genannt. Ursprünglich ist sie im pontischen Gebiet der Schwarzmeerküste beheimatet. Dort lebt sie in Flüssen, die in das Kaspische und das Schwarze Meer münden.


Zebramuschel-Kolonie am Seeboden (Dreissena polymorpha).
Bild: © Alexander Mrkvicka, Wien (mrkvicka.at).
 

Nur innerhalb der letzten 200 Jahre hat sich die Wandermuschel weit außerhalb ihres ursprünglichen Verbreitungsgebietes ausgebreitet. Mit dem Schiffsverkehr hat die Muschel sogar den amerikanischen Kontinent erreicht. In manchen Flüssen und Seen sind alle ortsfesten Gegenstände, ebenso wie hartschalige Tiere, wie Krebse und Muscheln, vollständig mit Wandermuscheln überwachsen.

Die Zebramuschel pflanzt sich über ein planktontisches Larvenstadium fort, das der Veliger-Larve der meereslebenden Muscheln ähnelt. Durch die Strömungen der Flüsse wird dieses Larvenstadium weiter verbreitet.

Junge Zebramuscheln produzieren einen Byssus-Faden, wie die meereslebenden Miesmuscheln. Bis zu einem bestimmten Alter können die jungen Muscheln den Faden kappen und sich an einen anderen Ort bewegen. Dann wird der Fuß zurück gebildet und die Muschel verbleibt an ihrem Standort. Die erwachsenen Muscheln können sich allerdings weiter verbreiten, wenn sich ihr Untergrund bewegt. So bewegen sich Zebramuscheln zusammen mit den Kolonien anderer Muscheln, auf denen sie sitzen, und ebenso mit Schiffen, an deren Rumpf sie hängen.

Außerdem können Zebramuscheln ihre ganze Kolonie durch Zusammenklappen der Schalenhälften bewegen und so die Kolonie drehen oder in nährstoffreicheres Wasser bewegen.

Außer, dass sie andere Tiere überwachsen, können Zebramuscheln Schaden an Industrieanlagen verursachen, vor allem wenn diese nahe dem Wasser liegen und die Muscheln in Massen auftreten. Sie können Rohre und Pumpen verstopfen und Generatoren zum Stillstand bringen. Bis jetzt gibt es kein wirksames Mittel, die Zebramuscheln loszuwerden.

 
Ohrid-Dreikantmuschel (Dreissena stankovicii).
Bild: © Alexander Mrkvicka, Wien (mrkvicka.at).

Geographische Lage des Ohrid-Sees. Quelle: Wikipedia.
 
  Dr. Stefan Nehring: Neozoa (Makrozoobenthos) in den deutschen Gewässern - Eine Einführung.
  Neobiota - Neue Arten in Tauchgewässern: Steckbrief Dreikantmuschel.
  Kärntner Institut für Seenforschung: Neozoa - Dreissena.
  Weichtiere mit Migrationshintergrund (Neobiota) auf weichtiere.at.

Im Ohrid-See in Mazedonien (an der Grenze zu Albanien und Griechenland) kommt neben einer Vielzahl endemischer Molluskenarten auch eine endemische Art der Gattung Dreissena vor: Dreissena stankovicii lebt in Tiefen zwischen 20 und 40 m und ist besonders durch den schwarzen Mantel und die fadenförmigen Mantelanhänge charakterisiert.

Der Ohrid-See ist ein sehr altes Gewässer (min. 2 Mio. Jahre) und die Heimat von mindestens 40 endemischen Weichtier-Arten und zahlreichen Endemiten aus anderen Tiergruppen.

Dreikantmuscheln aus dem Ohrid-See.

Ebenfalls eine eingeschleppte (neozoische) Muschelgruppe sind die Körbchenmuscheln (Corbiculidae). Diese, ursprünglich asiatische Muschelgruppe breitet sich seit den 80er Jahren aus Rhein und Weser in die mitteleuropäischen Fluss-Systeme aus.

Die jüngsten Nachweise stammen aus dem Hochrhein bei Waldshut-Tiengen und aus dem Bodensee. In der Donau kennt man die Körbchenmuschel schon länger, ein Erstnachweis wurde 1997 veröffentlicht.

Mehr über die Körbchenmuschel (Corbicula fluminea).