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Die Gefährdung der Süßwassermuscheln


Naturbelassene Bäche sind Heimat für zahlreiche einzigartige
Arten, manchmal sogar für Muscheln. Bild: Klaus Bogon.

Süßwassermuscheln sind ein ausgezeichneter Indikator für die Wassergüte der Gewässer, die sie bewohnen. Da sie sich durch Filterung ihres Atemwassers ernähren, spielen sie einerseits eine bedeutende Rolle bei der Gesunderhaltung ihres Gewässers. Andererseits gehören sie aber auch zu den ersten Lebewesen, die von der Wasserverschmutzung in Mitleidenschaft gezogen werden. Durch ihre filternde Ernährungsweise kommen Muscheln in Kontakt mit großen Mengen von Wasser und neigen daher dazu, Schadstoffe, die im Wasser enthalten sind, im Gewebe anzusammeln.

Neben der unmittelbaren Einflussnahme des Menschen auf das Leben der Muscheln gibt es auch Faktoren, die indirekte Auswirkungen auf die Lebensbedingungen von Süßwassermuscheln haben.

a) Direkte Einflussnahme durch den Menschen

Perlenfischerei


Flussperlmuschel (Margaritifera margaritifera).
Bild: Christoph Riegler, herpetofauna.at.
 

Die europäische Flussperlmuschel (Margaritifera margaritifera) produziert Perlen, die sich in ihrer Qualität mit Perlen von Salzwasserperlmuscheln, wie Pinctada und Ostrea (Austern) messen können. Die Flussperlmuschel, die im Besonderen in den Oberläufen von sauerstoffreichen und kalkarmen Bächen und kleinen Flüssen vorkommt, ist schon früh in der menschlichen Geschichte als Perlenlieferant genutzt worden. Jedoch benötigen Flussperlmuscheln 10 Jahre, um geschlechtsreif zu werden und nur eine von 2700 Flussperlmuscheln enthält wirklich eine Perle. Aus diesem Grund wurde die Perlenfischerei schon früh zu einem Vorrecht des Adels erklärt und besonders ausgebildete Perlenfischer wurden dazu angestellt, die Perlen zu ernten, ohne den Muscheln dabei unnötigen Schaden zuzufügen.

 
Flussperlmuschelbänke, wie hier in Schweden, sind in Europa
heute sehr selten. Bild: Joel Berglund.

Perlenwilderer jedoch kümmerten sich nicht um den Schaden, den sie unter den Muscheln anrichteten. Trotz drakonischer Strafen konnte der Perlenwilderei kein Einhalt geboten werden; selbst heute noch, da Flussperlmuscheln wegen ihrer Seltenheit unter strengem Naturschutz stehen, stellt sie ein Problem dar.

Der Schaden, den die Perlenfischerei unter der Flussperlmuscheln angerichtet hat, muss als so ernst angesehen werden, dass die Flussperlmuscheln in einem Großteil ihres ursprünglichen Verbreitungsgebietes in Mitteleuropa als ausgestorben gelten muss.

Erholungsgebiete in Gewässerlandschaften

Gewässerlandschaften stellen für den Menschen oftmals auch einen wertvollen Erholungsraum dar. Stille Gewässer, aber auch Fließgewässer, wie Flüsse, werden für Erholung und Sport genutzt. Darunter zählen z. B. Segeln, Boots- und Floßfahrten, sowie natürlich Schwimmen. Die Auswirkungen auf die Gewässergebiete sind ebenso schädlich und vielfältig, wie sich für den Menschen als wichtig erachtet werden. Zum einen werden Muschelpopulationen mechanisch zerstört, zum anderen selbst bedrohte und geschützte Arten zum Spaß gesammelt. Die gesetzwidrige Entsorgung von Abfällen in Gewässergebieten stellt nur eine weitere Beeinträchtigung der Natur dar.

Veränderung von Flussgebieten durch bauliche Maßnahmen
 


Veränderung eines Bachlaufs durch eine bauliche Maßnahme.
Quelle: LFU Bayern.

Damit Flüsse durch den Menschen als Transportweg genutzt werden können, ist es oftmals notwendig, ihre Gestalt durch bauliche Veränderungen zu wandeln. Dazu gehören die Ausbaggerung des Flussbetts, die eine Nutzung mit größeren und tiefer gehenden Wasserfahrzeugen ermöglicht, die Flussbegradigung, sowie die Verstärkung der Flussuferböschungen. Alle drei Maßnahmen beeinträchtigen das natürliche Leben in einem Fluss erheblich: Das Ausbaggern eines Flusslaufs zerstört vorhandene Muschelpopulationen vollständig auf mechanischem Wege. Die bauliche Verstärkung durch Betonieren des Flussufer macht es den Muscheln unmöglich, sich einzugraben. Charakteristische Lebensgemeinschaften des Flussufers werden ebenfalls zerstört. Die Begradigung von Flussläufen hat neben der mechanischen Zerstörung von Muschelpopulationen eine Zunahme der Fließgeschwindigkeit zur Folge, die ebenfalls die Lebensbedingungen an langsam fließendes Wasser gewöhnter Muscheln verschlechtert. Zusätzlich verändert sich die Zusammensetzung des Fischbestandes im Gewässer. Auch dies hat weit reichende Auswirkungen auf das Leben von Muscheln, die zu ihrer Entwicklung meist bestimmte Fischarten (s. u.) benötigen.

b) Abnahme der Wasserqualität

Abwässer und Industrieabfälle

Die Einleitung von Abwässern und Industrieabfällen in unsere Gewässer ist eine der schlimmsten Umweltsünden, derer sich der Mensch schuldig macht. Die Liste ihrer negativen Auswirkungen ist endlos, dabei zieht man noch nicht in Betracht, dass der Mensch eben dieses Wasser selbst auch konsumiert. Aufgrund ihrer filternden Ernährung neigen Muscheln, wie einleitend bereits erwähnt, dazu, Giftstoffe in ihrem Organismus anzureichern. Aus diesem Grund sind sie natürlich auch besonders anfällig für deren schädliche Auswirkungen. Eine mögliche Auswirkung bestimmter Giftstoffe ist zum Beispiel die Sterilisierung ganzer Muschelpopulationen.

Eutrophierung durch Überdüngung


Verschlammung eines Bachlaufes. Quelle: LFU Bayern.
 

Düngung erreicht höhere Erträge und dadurch höhere Profite. Diese ebenso einfache wie kurzsichtige Rechnung hat zur absoluten Überdüngung agrarischer Nutzflächen geführt. Durch Niederschläge werden Düngemittel ins Grundwasser, sowie in die Gewässer ausgeschwemmt. Die Einschwemmung von Nitraten (Düngemittel enthalten große Anteile von Nitraten und anderen Mineralsalzen) führt zu einer starken Zunahme des Algenwachstums im Gewässer. Nach ihrem Absterben zerfallen die Algen, führen so zu einer starken Zunahme des Schlammgehaltes und zu einer Abnahme des Sauerstoffgehaltes im Gewässer, mit entsprechenden negativen Auswirkungen für Fische, Muscheln und andere Wasserbewohner.

Eutrophierung.

Übersäuerung

Die Luftverschmutzung durch Abgase von Kraftfahrzeugen und Industrie führt zum gewissen Grad zum Phänomen des sauren Regens, indem sich die Gase, vor allem Stick- und Schwefeloxide, mit dem Regenwasser zu Säure verbinden. Neben den weitreichenden negativen Auswirkungen auf die Bewohner des trockenen Landes führt der saure Regen auch zu sinkenden pH-Werten im Wasser, was Muscheln ebenso beeinträchtigt, wie Fische und andere Wasserbewohner. Muscheln im Besonderen erleiden eine graduelle Zerstörung ihrer Kalkschale - ein Phänomen, das auch bei Landschnecken zu beobachten ist. Zusätzlich leider der Genitalapparat, so dass es zu einer chemisch induzierten Unfruchtbarkeit ganzer Populationen kommt.

 
Bisamratte (Ondathra zibethicus) (Bild: Leonard Lee Rue).
 
 
Fraßplatz einer Bisamratte: LFU Bayern.

c) Biotische Faktoren

Eingeführte Räuber

Der Mensch ist natürlich bei weitem nicht das einzige Lebewesen, das sich von Muscheln ernährt. Die Bisamratte (Ondathra zibethicus) wurde als Pelzlieferant aus Nordamerika nach Europa eingeführt. Wenn die Vegetation ausreicht, ist die Bisamtratte vor allem Pflanzenfresser, aber gerade, wenn im Winter die Nahrungsversorgung knapp wird, ernährt sich die Bisamratte zum wachsenden Anteil von Muscheln. Bisamratten können an ihren Fraßplätzen Haufen von mehreren Tausend Muscheln pro Winter anhäufen.

Veränderung in der Faunenzusammensetzung

Die Einführung fremder Arten hat zu unvorhersehbaren Auswirkungen auf die heimische Faune geführt. Bereits erwähnt wurden die Auswirkungen der Ansiedlung der Bisamratte, zu erwähnen sind aber auch die Regenbogenforelle (Oncorhynchus mykiss) und die Zebramuschel (Dreissena polymorpha). 


Zebra- oder Wandermuschel (Dreissena polymorpha).
Bild: Lars Peters.
 

Die Regenbogenforelle wurde als Nutzfisch eingeführt, um die viel kleinere heimische Bachforelle (Salmo trutta fario) zu ersetzen. Die Flussperlmuschel jedoch hängt entscheidend von der Bachforelle als Wirtsfisch für ihr parasitisches Larvenstadium, die Glochidien, ab. Die Verdrängung der Backforelle durch die Regenbogenforelle hat hingegen zur Folge, dass Flussperlmuschelpopulationen sich nicht mehr vermehren, überaltern und schließlich aussterben.

Die Zebramuschel jedoch hat sich von selbst, allerdings unter Nutzung des Flussnetzes und der menschlichen Schiffereiverbindungen, ausgebreitet.

Im Gegensatz zur Flussperlmuschel und ihren Verwandten entwickelt sich die Zebramuschel durch planktontische Larven, die bis acht Tage durch die Wasserströmung verbreitet werden.

Nicht nur wächst sie zum Ärgernis des Menschen Wasserleitungen zu, sondern sie überwächst auch andere Muscheln und Krebse und schädigt diese so.