Kalmare - die schnellen Schwimmer

 
Loligo opalescens.
Photo: Jon and Keith, www.seaotter.com.

Kalmare erreichen unterschiedlichste Größenordnungen von den etwa 30 Zentimeter großen Loligo vulgaris aus dem Mittelmeer, bis hin zu den Riesenkalmaren, von denen wir nur ungefähr wissen, wie groß sie wirklich werden - Schätzwerte liegen bei über 20 Meter.

Ebenso wie die Tintenfische (Sepiidae) gehören die Kalmare (Loliginidae) zu den zehnarmigen Kopffüßern (Decabrachia). Kalmare haben ebenfalls acht kurze Arme und zwei große Tentakel.

Der Hinterleib des Kalmars ist stromlinienförmig. An seinem Hinterende weist er zwei mehr oder weniger groß entwickelte Flossen auf, die dem Antrieb und der Steuerung dienen.

Hauptantrieb der Kalmare ist jedoch ein anderer. Tatsächlich sind Kalmare die Düsenjäger unter den Kopffüßern. Angetrieben durch den bekannten Siphonalantrieb der Kopffüßer, bei dem sie Wasser unter Druck durch den Sipho aus der Mantelhöhle auspressen, bewegen sich Kalmare rückwärts wie mit einem Raketenantrieb durch das Wasser. Anders als die übrigen Kopffüßer, die diese Methode des Antriebes auch anwenden können, bewegen sich Kalmare fast nur so fort. Dabei können sie mit dem Sipho die Richtung des Wasserstrahls verändern und so ihre Schwimmrichtung wählen, vergleichbar etwa einem Senkrechtstarter mit verstellbaren Triebwerken.

Kalmare leben pelagisch. Zumindest die kleinen Kalmararten, wie der Gemeine Kalmar (Loligo vulgaris) schwimmen in Schwärmen im freien Wasser. Außer dass sie sich auf den Schutz des Schwarms verlassen, lassen Kalmare sich bei Gefahr schnell auf den Boden sinken und versuchen, getarnt zu entkommen.


Loligo opalescens.
Photo: Jon and Keith, www.seaotter.com.
 

Kalmare sind schnelle Räuber, die ihre Beute schwimmend fangen. Dazu ergreifen sie sie mit den langen Tentakeln, die an ihrem Ende eine Greifplatte mit Saugnäpfen haben, ansonsten aber frei von Saugnäpfen sind, und ziehen sie anschließend auf die Mundöffnung zu, wo sie sie zunächst mit den kurzen Fangarmen festhalten und mit dem kräftigen Schnabel zerteilen können. Zusätzlich haben Kalmare, wie alle anderen Weichtiere (außer den Muscheln, die keinen Kopf besitzen) eine Raspelzunge, die Radula, mit der die Nahrung weiter zerkleinert werden kann. Zu ihrer Beute gehören neben Fischen auch andere Mollusken und Krustentiere.

Kalmare andererseits gehören zur bevorzugten Beute zahlreicher Fischarten, sowie der meisten Zahnwale. Auf die großen Riesenkalmare machen vor allem Pottwale (Physeter macrocephalus) Jagd. Nicht zuletzt der Mensch ernährt sich auch von Kalmaren, die in großen Mengen aus dem Meer gefischt werden.

 
Kalmarschwarm mit sich paarenden Kalmaren.
Photo: Kim Minnis, optiquatics.com.

Kalmare paaren sich meist in Schwärmen. Der Gemeine Kalmar sucht dazu wie ein Zugvogel, die deutschen Küstengewässer auf. Sonst lebt er im freien Wasser des Mittelmeeres, des Atlantiks und der Nord- und Ostsee. Nach der Paarung werden die Eier an Steinen und Pflanzen in gallertartigen Schläuchen abgelegt.

Zu den außergewöhnlichen Fähigkeiten der Kalmare trägt besonders ihr hoch entwickeltes Nervensystem bei, das vermutlich ein Ergebnis der konkurrierenden Evolution mit den Fischen ist, die einerseits Beute, andererseits aber auch Jäger der Kalmare sind. Kalmare sind imstande, ihre Farbe durch Nervenimpulse zu steuern. Die vielfach schwarmlebenden Kalmare kommunizieren wahrscheinlich auch durch Veränderungen ihrer Farbe miteinander. Zusätzlich nutzen Kalmare ähnlich wie andere Kopffüßer, die Veränderung ihrer Farbe als Tarnung.


Sepioteuthis sepioidea. Photo: Phil Slosberg.
 

Zusätzlich besitzen manche Kalmararten Licht aussendende Organe (Photophoren), die sie zur Ablenkung ihrer Feinde, vor allem aber zur Anlockung von Beute einsetzen können.

Besonders auffällig sind die im Vergleich zum Körper riesengroßen Augen eines Kalmars. Kalmare haben im Vergleich zu ihrer Körpergröße die größten Augen des Tierreichs.

Das Auge eines Riesenkalmars von 10 Meter Länge ist handtellergroß. Nach dem Bau der Augen unterscheidet man in der Ordnung Teuthida (Kalmare) zwei Unterordnungen, nämlich zum einen die Schließaugenkalmare (Loliginoidea oder Myopsida) und die Nacktaugenkalmare (Architeuthoidea oder Oegopsida). Zu ersterer Gruppe gehört der Gemeine Kalmar (Loligo vulgaris), zur zweiten die Riesenkalmare (Architeuthis).

Neurobiologische Forschung am Riesenaxon

Außerhalb der Malakologie sind die Kalmare vor allem durch das Tintenfisch-Riesenaxon bekannt geworden. Das Axon ist der lange Leitungsfortsatz der Nervenzelle (Neuron). Während das größte menschliche Axon einen Durchmesser von 0,02 mm erreicht, können Kalmar-Axone bis 2 mm Durchmesser besitzen. Diese außerordentlich dicken Axone sind deswegen bei Tintenfischen nötig, da diese keine myelinisierten Nervenfasern besitzen, wie die Wirbeltiere. Eine schnelle Erregungsleitung, vergleichbar mit der saltatorischen Erregungsleitung beim Wirbeltier ist beim Tintenfisch nur möglich, indem der Längswiderstand durch den großen Axonquerschnitt verringert wird.

Schaubild eines Tintenfisch-Nervenzelle und eines Wirbeltier-Axons.

In der Nervenzellenforschung führte die Entdeckung der Riesenaxone zu großen Fortschritten. Für neurophysiologische Arbeiten an Tintenfisch-Riesenaxonen erhielten Alan Lloyd Hodgkin, Sir John Carew Eccles sowie Andrew Fielding Huxley erhielten 1963 den Nobelpreis.