Der pazifische Riesenkrake (Enteroctopus dofleini)


Enteroctopus dofleini. Bild: kelpdiver.com.
 

Einer der bekanntesten Bewohner der amerikanischen Pazifikküste im Nordwesten ist der Pazifische Riesenkrake (Enteroctopus dofleini). Der Verwandte des Gemeinen Kraken (beide gehören zur Familie Octopodidae) erreicht eine Armlänge von mindestens 2 Meter, was eine Spannweite von über 4 Meter ergibt. Das Aquarium in Seattle gibt als maximale Größe sogar fast 7 Meter (20 Fuß) Armspannweite an. Größere Exemplare des Riesenkraken erreichen über hundert amerikanische Pfund (ca. 45 kg) Gewicht. Größenangaben von über 9 Meter Spannweite und einem Gewicht über 300 kg werden als fragwürdig betrachtet.

 
Enteroctopus dofleini. Quelle: Jeff Rosenfeld, Vibrant Sea.

Der Pazifische Riesenkrake ist nachtaktiv und ein so genannter generalistischer Beutegreifer, er frisst im Prinzip alles, was ihn nicht frisst. Die normale Nahrung des Riesenkraken sind jedoch, wie bei anderen Kraken auch, vorwiegend andere Weichtiere wie Schnecken und Muscheln, sowie Krustentiere, also Krabben, Langusten u. a. Allerdings frisst der Krake auch kleine Haie und andere Fische und sogar Seevögel, wenn er ihrer habhaft werden kann. Wie andere Kraken knackt der Riesenkrake die Panzer seiner Beute mit dem Schnabel auf oder bohrt sie mit der Radula an.

Der pazifische Riesenkrake lebt auf dem Kontinentalschelf des Nordpazifiks von Südkalifornien nach Norden bis zu den Aleuten und Japan. Der Riesenkrake sucht Wassertiefen bis 1500 m auf, lebt allerdings meist in Tiefen zwischen dem Intertidal (Gezeitenzone) bis 750 m. Die Eiablage des Weibchens und die Brutfürsorge für die bis zu 100.000 Eier spielen sich aber vorwiegend in flachen Gebieten mit weniger als 50 m Wassertiefe ab.


Saugnäpfe eines Riesenkraken. Bild: Jim Cosgrove.
 

Der Pazifische Riesenkrake besitzt an jedem Arm 280 Saugnäpfe, d.h. die Weibchen haben 2240 Saugnäpfe insgesamt. Das Männchen hat etwas weniger Saugnäpfe, da ein Arm am Ende zu einem Hectocotylus umgebildet ist und daher nur 100 Saugnäpfe aufweist. 

Einer wesentlichen Gefährdung ist der Riesenkrake durch die Meeresverschmutzung ausgesetzt, da er von Krabben lebt, in denen Schwermetalle angereichert werden. Da Riesenkraken nur etwa vier Jahre alt werden, ging man bisher davon aus, dass sie in dieser Zeit nicht nennenswert Schadstoffe in ihrem Gewebe anreichern könnten. Nach Daten des Aquariums von Seattle ist dies nicht richtig. Die an der Küste nahe Seattle gefangenen Krabben, mit denen die Kraken gefüttert wurden, wiesen hohe Gehalte an Schwermetallen, wie Kupfer, Zink, Mangan und Zinn auf, was Auswirkungen auf das Gewicht der Kraken hatte, die von fast hundert Pfund bis auf 46 Pfund zurück gingen.

 
Enteroctopus dofleini. Bild: kelpdiver.com.

Dem Menschen, der ihn als Nahrung oder zur Herstellung von Ködern nutzt, geht der Riesenkrake meist aus dem Weg, wenn er die Möglichkeit dazu hat. Auf Bildern, auf denen der Riesenkrake zusammen mit einem Taucher zu sehen ist, kann man die beeindruckende Größe des Kopffüßers erkennen. In Einzelfällen kam es jedoch vor, dass ein Riesenkrake einmal einen Taucher gebissen hat. Heute sind die Riesenkraken, auch durch die Verschmutzung der Küstengebiete, stellenweise so selten geworden, dass der tägliche Fang im Staat Washington beispielsweise auf zwei Tiere begrenzt ist.

Weitere Arten der Gattung Enteroctopus (Hochberg 1998, Riesenkraken) sind der Südpazifische Riesenkrake (Enteroctopus megalocyathus), der an der südamerikanischen Küste lebt, sowie der Südafrikanische Riesenkrake (Enteroctopus magnificus).

Weiterführende Informationen:

Ökologie von Enteroctopus dofleini in Alaska, von David Scheel.
Ask the expert: The Giant Pacific Octopus: Jim Cosgrove: Royal British Columbia Museum.